Legend

Legend (2015), Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller / Drama / Biographie
Kinostart Deutschland: - Verleih: StudioCanal

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Legend Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Die berüchtigten Kray-Zwillinge Ron und Reggie regieren in den Swinging Sixties die Londoner Unterwelt und haben es zu zweifelhaftem Ruhm gebracht. Doch die Geschäfte, die Reggie erfolgreich zu führen weiß, werden durch seinen Bruder gestört, bei dem Schizophrenie diagnostiziert wurde. Als Reggie die Frau findet, mit der er sein Leben teilen will, entspinnt sich ein perfides Spiel und dem Imperium der Kray-Zwillinge droht der Zusammenbruch.

Tom Hardy, David Thewlis und Emily Browning | mehr Cast & Crew


Legend - Trailer




DVD und Blu-ray | Legend

Blu-ray
Legend Legend
Blu-ray Start:
12.05.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 131 min.

zur Blu-ray Kritik
Legend (Steel-Edition) Legend (Steel-Edition)
Blu-ray Start:
12.05.2016
FSK: 16 - Laufzeit: 131 min.
DVD
Legend Legend
DVD Start:
12.05.2016
FSK: 15 - Laufzeit: 125 min.

Filmkritik Legend

Filmwertung: | 7/10


Im ersten Kinostart des neuen Jahres startet gleich ein – besonders unter Gangsterfilm-Fans – heiß erwarteter Streifen. In Legend wird die Geschichte einer der berüchtigtsten Gangsterbrüder der britischen Geschichte erzählt. Legend SzenenbildDer Film zeigt den Aufstieg des von den Kray-Zwillingen erschaffenen Imperiums im East End Viertel Londons in den 60er Jahren und wirft dabei auch einen intensiven Blick auf die Ehe von Reggie Kray und wie diese unter seinen kriminellen Machenschaften litt. Ein besonderes Augenmerk wird zudem auf die komplizierte und problembehaftete Beziehung zwischen den beiden Brüdern Reggie und Ron gelegt. Ein hochkomplexer und inhaltsvoller Stoff an den sich Oscarpreisträger Brian Helgeland herangewagt hat. Er bewies schon in der Vergangenheit mehrmals, dass er packende und spannende Drehbücher für anspruchsvolle Problematiken verfassen kann. Doch hier – ebenfalls Regie führend – konnte er nicht vollends überzeugen.

Jener Brian Helgeland, der mit seinem oscar-prämierten Drehbuch zum Klassiker L.A. Confidential und mit seinem oscar-nominierten Drehbuch zu Clint Eastwoods Meisterwerk Mystic River große Erfolge in der Vergangenheit feierte, hat zunächst mit der Wahl des Hauptdarstellers einen absoluten Volltreffer gelandet. Zugegeben mit Tom Hardy (No Turning Back, Inception, Mad Max: Fury Road) kann man nie wirklich falsch liegen, doch hier zeigt Hardy sein ganzes schauspielerisches Vermögen. Wie Hardy sowohl Reggie als auch Ron verkörpert ist ganz hohe Kunst und es macht unglaublich Spaß ihm dabei zu zuschauen. Die Mimik, die Gestik sowie die Stimmlage – all diese Elemente sind bei den Brüdern ganz verschieden. Während Ron psychisch labil ist, an Schizophrenie leidet, aber als „Ein-Mann-Armee“ – wie es im Film heißt – für Ordnung sorgt, ist Reggie der Denker und Lenker unter den beiden. Tom Hardy schaffte es mit einer unglaublich intensiven und sublimen Performance diese beiden verschiedenen Charaktere authentisch zu spielen, ohne ins „overacting“ zu fallen und ließ den Zuschauer fast vergessen, dass er hier nur einen Schauspieler vor sich hat.

Legend Szenenbild Reggie versteht es sich Macht in der Londoner Unterwelt zu verschaffen. Mit seiner Bande schließen sie dubiose Geschäfte mit der amerikanischen Mafia ab, bestechen Polizisten, erpressen Schutzgelder, beseitigen ihre Gegner, eröffnen Klubs und Casinos und verschaffen sich somit großen Einfluss im kriminellen Milieu der englischen Hauptstadt. Doch dieser Erfolg wird nicht lange halten. Gefängnisaufenthalte, sein unberechenbarer Bruder Ron, die immer instabil werdende Ehe mit seiner Frau Frances (Emily Browning) und natürlich Scotland Yard läuten den Beginn des Untergangs des Kray-Imperiums ein. Doch genau in dieser zweiten Hälfte des Films weist der Film einige Schwächen auf.

Im zweiten Abschnitt konzentriert sich der Film immer stärker auf die Ehe zwischen Reggy und Frances sowie die Konflikte zwischen Reggy und seinem immer mehr außer Kontrolle geratenen Bruder Ron. Die Erzählung distanziert sich immer mehr vom Mafia-Milieu und entwickelt sich zunehmend zu einem Familien- /Ehedrama. Diese Entwicklung der Charaktere, Geschichte und der emotionaleren Auseinandersetzung der Thematik gibt dem Film eine besondere Note, doch bringt auch Nachteile mit sich. Brian Helgeland schafft es letzten Endes nicht einen atmosphärisch dicht und spannend inszenierten Mafiafilm zu kreieren. Zu langatmig und zäh gerät die zweite Stunde des Films. Statt die familiären Konflikte und die Gangsterproblematik verschmelzen zu lassen, trennte er diese in zwei Akte.

Als Gangster-Epos angepriesener Film, entpuppt sich Legend als ein guter Mafiafilm und ein gutes Drama. Ein legendärer Vertreter des Genres wird er nicht, doch er ist definitiv ein sehenswerter. Legend SzenenbildAllein Tom Hardy, der in den letzten Jahren mit Rollen in Blockbuster (Inception, The Dark Knight Rises, Mad Max: Fury Road) sowie in kleineren Filmproduktionen (The Drop, No Turning Back) zu einem der Großen seiner Generation avancierte, ist das Kinoticket wert.

Visuell und technisch ist der Film einwandfrei umgesetzt. Die Split Screen-Technik zur Visualisierung der Doppelrolle war wie schon in Finchers The Social Network realistisch eingesetzt. Eine sehr gute Kamera – und Schnittarbeit ist für die Inszenierung einer Doppelrolle unabdingbar und diese war auch hier der Fall. Denn handwerklich ist der Film auf einem gehobenen Niveau. Dass der Film meist auf Londons Straßen gedreht wurde und dabei wenig Sets benutzt wurden, kommt Legend zugute, denn somit wird dem Film eine authentische Atmosphäre verliehen.

Schließlich ist es ein Film mit sehr viel Licht, aber auch ein wenig Schatten. Ein Mafia-Epos ist Legend nicht. Dafür fehlt ihm über weite Strecken das Düstere, Brutale und gewisse Etwas, das solche Filme auszeichnet. Einen „proper shootout“ (dt.: anständige Schießerei), wie ihn sich Ron in einer Szene wünschte, gab es nicht. Wünschenswert wäre dies gewesen, so zog er sich doch mit seinen 131 Minuten Lauflänge an der einen oder anderen Stelle. Sehenswert bleibt der Film definitiv.


Fazit:
Fein inszenierter Gangsterfilm, mit einem überragenden Hauptdarsteller, einer interessanten Geschichte und schöner 60er Jahre Optik, der es aber in der 2. Hälfte nicht schafft, seine Familiendrama-Elemente in die Mafia-Thematik geschickt zu integrieren. Er bleibt jedoch ein sehenswerter, durchweg unterhaltsamer und guter Film für den sich der Gang ins Kino sicherlich lohnt.
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Bilder © StudioCanal