Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Dolittle (2020), USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Komödie / Familie / Fantasy
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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Inhalt

Nachdem der exzentrische Dr. John Dolittle (Downey), der berühmte Arzt und Tierarzt von Königin Victoria in England, vor sieben Jahren seine Frau verloren hatte, versteckt er sich hinter den hohen Mauern von Dolittle Manor, nur mit seiner Schar exotischer Tiere als Gesellschaft.
Doch als die junge Königin (Jessie Buckley, Wild Rose) schwer erkrankt, muss Dolittle auf der Suche nach einem Heilmittel ein episches Abenteuer auf einer mythischen Insel auf sich nehmen und seinen Verstand und Mut wiedererlangen, während er auf alte Gegner trifft und wundersame Kreaturen entdeckt.


Robert Downey Jr., Antonio Banderas und Michael Sheen | mehr Cast & Crew


Die fantastische Reise des Dr. Dolittle - Trailer




Filmkritik Die fantastische Reise des Dr. Dolittle

Filmwertung: | 5/10


Schon 1967 war die erste Verfilmung von Hugh Loftings Kinderbuchserie mit Rex Harrison ein produktionstechnisches und schließlich finanzielles Desaster, das immerhin schmeichelhafte neun Oscar-Nominierungen einheimste. Dasselbe wird nun Robert Downey Juniors Leidenschaftsproduktion ganz sicher nicht passieren, jedoch kann auch diese Neuadaption in Sachen Chaos hinter den Kulissen mithalten. So wurde der von Stephen Gaghan inszenierte Film nach enttäuschenden Testvorstellungen noch einmal in Kooperation mit Regisseur Jonathan Liebesman und Autor Chris McKay in mehrwöchigen Nachdrehs überarbeitet. Heraus gekommen ist das zu erwartende gemischte Resultat, das nichts Halbes und nichts Ganzes darstellt und im besten Fall der jungen Hauptzielgruppe gefallen könnte. Alle anderen erwartet hier leider gepflegte und allzu generische Langeweile, bei der der Funke nie richtig überspringt.

Dr. John Dolittle (Robert Downey Jr.) und Gorilla
Dr. John Dolittle (Robert Downey Jr.) und Gorilla © © 2019 Universal Pictures International Germany GmbH
Die Handlung von „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“ ist denkbar dünn und damit schnell abgehandelt: Zu Zeiten des viktorianischen England wendet sich der begnadete Arzt John Dolittle (Robert Downey Jr.) von den Menschen ab und widmet sich ganz der Tierwelt. Dank besonderer Fähigkeiten kann er mit Tieren kommunizieren und zieht sich nach dem Tod seiner Frau Lily (Kasia Smutniak) auf sein gigantisches ländliches Anwesen zurück, wo er mit animalischen Freunden ein verbittertes Einsiedlerdasein fristet. Seine Ruhe wird jäh gestört, als nicht nur der junge Tommy Stubbins (Harry Collett) nach einem Jagdunfall in der Nähe ein verletztes Eichhörnchen einliefert, sondern auch die junge Lady Rose (Carmel Laniado) eine Botschaft der im Sterben liegenden Königin Victoria (Jessie Buckley) überbringt. Dolittle, der dem Königshaus sein Anwesen zu verdanken hat, soll nach London reisen, um die Königin zu heilen. Daran denkt der desillusionierte Arzt jedoch erst, als er erfährt, dass er und sämtliche Tierbewohner im Falle von Victorias Tod das Anwesen verlieren würde. Doch wie sich herausstellt, kann die diagnostizierte Vergiftung der Königin nur durch die Frucht des mystischen Edenbaumes geheilt werden, der sich unbestätigterweise auf einer fernen unentdeckten Insel befindet. So begeben sich Dolittle, seine Tierfreunde, sowie Tommy und Rose auf eine beschwerliche Reise ins Unbekannte…

Das erste Problem von „Dolittle“ ist auch schon eine seiner eigentlich interessantesten Komponenten: Stephen Gaghan. Der Autor, der für sein Drehbuch zu „Traffic“ mit einem Oscar ausgezeichnet wurde und sich mit thematisch komplexem und erwachsenem Material wie „Syriana“ und „Gold“ auch als Regisseur profiliert hat, war von Beginn an eine unkonventionelle Wahl für einen Familienfilm mit sprechenden Tieren. Tatsächlich war es dann auch angeblich der mangelnde Humor, der bei Testscreenings bemängelt wurde und von „The Lego Movie“-Macher Chris McKay in Nachdrehs aufgepimpt wurde. „Dolittle“ ist so ein weitestgehend erzählerisch geerdeter Film in üppigen Farben und prachtvoller Ausstattung, der jedoch mit erwartbar harmlosem Klamauk angereichert wird. Wirklich funktionieren tut der Film jedoch in keinem Bereich.

Harry Collett und Carmel Laniado in Die fantastische Reise des Dr. Dolittle
Harry Collett und Carmel Laniado in Die fantastische Reise des Dr. Dolittle © © 2019 Universal Pictures International Germany GmbH
Robert Downey Jr., der vor ein paar Jahren verkündet hat, dass er sich vom Independentkino und (Gott bewahre) Debütregisseuren distanzieren wollte, sollte nach diesem Film seine Aussage nochmal überdenken. Downey agiert sichtlich unentschlossen, seine energetische und magnetische Präsenz, die gerade in den letzten von „Avengers“ geprägten Jahren so stark zum Vorschein kam und ihn zum Weltstar machte, wirkt hier wie im Autopilotmodus angewandt. Natürlich schaut man dem so inspirierten Mimen immer noch gerne zu, doch man spürt, dass Downey hier nicht ganz weiß, was er tut. Die Kinderdarsteller bleiben auch erstaunlich blass, während die so begnadete Jessie Buckley als Victoria gänzlich verschwendet wird und auch Charaktergrößen wie Jim Broadbent als reine Stichwortgeber und intrigante Klischeebösewichter herhalten müssen. Michael Sheen, der Dolittles Konkurrent Dr. Blair Müdflair gibt, grimassiert sich wild durch den Film, wobei auch Antonio Banderas in einem kurzen Auftritt als geschminkter Paradiesvogel und Piratenkönig kaum Akzente setzen kann.

Letztlich muss einfach festgestellt werden, dass der Film trotz spürbarer Kompetenz hinter der Kamera (Oscar-Gewinner Guillermo Navarro sorgt für einen ansehnlichen Look mit saftigen Farben) einfach nicht zu packen weiß und schlichtweg langweilt. Die Odyssee über den Ozean wirkt dramaturgisch halbgar, mäandernd und wenig schlüssig oder kohärent, während manche Kommentare der mit namhaften Sprechern ausgestatteten Tiere jedoch zumindest für solide Schmunzler sorgen können. Die Tiere sind zwar größtenteils sehr gut und glaubwürdig animiert, jedoch krankt es immer wieder an der Interaktion mit den realen Gegenübern. Nett ist die kurze, aber liebevolle Zeichentricksequenz zu Beginn des Films, die die Hintergründe märchenhaft bebildert. Auch Danny Elfmans gewohnt magisch-märchenhafter und Burtonesquer Score sorgt dann natürlich für das entsprechende Flair.

Dr. Dolittle (Robert Downey Jr.) und Tommy Stubbins (Harry Collett)
Dr. Dolittle (Robert Downey Jr.) und Tommy Stubbins (Harry Collett) © © 2019 Universal Pictures International Germany GmbH
Dann ist neben gelegentlich gelungenem Klamauk aber fehlgeleiteter Humor zu bewundern, wobei vor allem die mit heftigen Flatulenzen begleitete Verstopfungslösung eines Drachen zu nennen ist. Hier konnten nicht mal die Kinder in der Pressevorführung lachen. Dann liefert der Film aber durchaus einige hübsche und skurrile visuelle Ideen, etwa ein anfängliches Schachspiel von Dolittle gegen einen Gorilla, bei dem die Figuren aus äußerst lebhaften Mäusen bestehen. Auch das Eichhörnchen, das auf einem kleinen OP-Tisch mit winziger Atemmaske behandelt wird, gehört zu den süßen bildlichen Einfällen des Films. Generell sind es einfach die drolligen Tiere, die den Film noch retten und einen gewissen Charme erhalten. Dennoch: „Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“ ist am Ende einfach enttäuschend formelhaft, unausgegoren und sträflich vorhersehbar geraten, wodurch man sich kaum über das Niveau eines netten Familienfilms hinausbewegt.

Fazit:
„Die fantastische Reise des Dr. Dolittle“ ist zwar kein Desaster, aber leider auch nicht mehr als ein netter und etwas lebloser Familienfilm, der niemandem wehtut. Potential zu Besserem war zweifelsohne da, jedoch ist sowohl vor als auch hinter der Kamera Unentschlossenheit zu spüren, die in ein halbgares und uninspiriertes Resultat mündete. Die Tiere sind durchaus charmant und manch hübsche visuelle Idee ist vorhanden, das ist letztlich dann aber zu wenig.
by Florian Hoffmann

Bilder © Universal Pictures Intl.