The Walk

The Walk (2015), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama / 3D
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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The Walk Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Zwölf Menschen haben bisher den Mond betreten, aber nur ein Mann hat jemals - oder wird jemals - die immens große Lücke zwischen den Türmen des World Trade Center überqueren: Philippe Petit (Joseph-Gordon Levitt). Unter der Anleitung seines Mentors Papa Rudy (Ben Kingsley) und gemeinsam mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe internationaler Helfer, überwinden sie eine Menge Widerstände, Vertrauensbrüche, Meinungsverschiedenheiten und Risiken, um ihren verrückten Plan durchzuführen. Robert Zemeckis, der bereits bei Meisterwerken wie "Forrest Gump", "Cast Away - Verschollen", "Zurück in die Zukunft", "Der Polarexpress" und "Flight" Regie geführt hat, benutzt auch hier wieder Spitzeneffekte und stellt sie ganz in den Dienst einer emotionalen Geschichte, in deren Mittelpunkt ein interessanter Charakter steht.

Joseph Gordon-Levitt, Charlotte Le Bon und Ben Kingsley | mehr Cast & Crew


The Walk - Trailer


The Walk - Trailer


DVD und Blu-ray | The Walk

Blu-ray
The Walk The Walk
Blu-ray Start:
25.02.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 123 min.

zur Blu-ray Kritik
The Walk (Steelbook) The Walk (Steelbook)
Blu-ray Start:
25.02.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 123 min.
The Walk (3D Blu-ray) The Walk (3D Blu-ray)
Blu-ray Start:
25.02.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 123 min.
DVD
The Walk The Walk
DVD Start:
25.02.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 118 min.

Filmkritik The Walk

Filmwertung: | 8/10


James Marshs Oscar-Gewinner „Man on Wire“ über den französischen Artisten Philippe Petit war einer der großen Dokumentarfilm-Erfolge der letzten Jahre. Die dort geschilderte unglaubliche Geschichte von Petit, der 1974 auf einem zwischen den Türmen des World Trade Center gespannten Drahtseil spazierte, erhält nun in „The Walk“ eine spektakuläre Spielfilm-Behandlung, die eine breite Zielgruppe von Jung bis Alt ansprechen sollte. Die Regie übernahm mit Robert Zemeckis einer der ganz Großen im amerikanischen Mainstream-Kino der letzten 30 Jahre. Zemeckis, der sich für vielgeliebte Klassiker wie die „Zurück in die Zukunft“-Trilogie, „Forrest Gump“, „Contact“ oder „Cast Away“ verantwortlich zeichnet, zeigt auch in „The Walk“ sein großartiges Können als visuell und human orientierter Geschichtenerzähler. Wer die Geschichte von Petit bereits kennt und den Dokumentarfilm gesehen hat, erwartet hier im Prinzip nicht viel Neues. Doch was „The Walk“ dann doch unbedingt sehenswert macht, ist das, was die Doku nur auf Fotos zeigen konnte: Petits eigentliches ehrfurchtgebietendes Kunststück. In einer umwerfenden Sequenz bebildert Zemeckis Petits titelgebenden „Walk“ als großartigen schwindelerregenden Moment, bei dem einem immer wieder der Atem stockt. Der letzte Akt des Films gehört zu den großen Augenblicken des Kinojahres – majestätisch, spektakulär, spannend, bewegend und ganz sicher ein Grund, den Film auf der großen Leinwand zu sehen. Am Besten in 3D, denn hierfür scheint „The Walk“ wie geschaffen zu sein.

Philippe Petit (Joseph Gordon-Levitt) ist ein wilder und leidenschaftlicher Einzelgänger, der voller Lebensenergie und Strahlkraft steckt. Das wird schon in den ersten Bildern deutlich, als Petit mit charmant französischem Akzent direkt in die Kamera spricht und die große Frage anspricht, die ihm immer wieder gestellt wird: Warum? Warum will man etwas so Gefährliches machen, wie etwa ein Seil zwischen die damals höchsten Gebäude der Welt spannen und darüber laufen? Petit ist jemand, der sich über solche Fragen keine Gedanken macht. Der Tod ist ein Tabuwort, darüber denkt er nicht nach. Für ihn ist die Ausübung seiner Leidenschaft das pure Leben. So schildert der Film chronologisch und ganz konventionell Petits Leben und wie er dazu kam, diesen Stunt durchzuführen. „The Walk“ zeigt den Lebenskünstler, wie er sich als daueroptimistischer Artist auf den Straßen von Paris verdingt, bis er schließlich das Hochseil entdeckt. Er geht in die Lehre bei dem Zirkusmann Rudy (Ben Kingsley), der zu seinem Ersatzvater wird, verliebt sich in die Sängerin Annie (Charlotte Le Bon), die zu seiner Komplizin auf der Jagd nach seinem großen Traum wird. Das World Trade Center, diese imposanten, 420 Meter hohen Bauten in Lower Manhattan, die aus Petits Sicht nur für ihn gebaut wurden. Er versteht als inneren Zwang sein Seil zwischen die Türme zu spannen, genauso wie er es auch schon zwischen den Türmen von Notre Dame gemacht hat. Gemeinsam mit seinem Freund Jean-Louis (Clément Sibony) und Annie macht sich Philippe auf den Weg nach Amerika, um seinen Traum so schnell wie möglich Realität werden zu lassen.

Zemeckis inszeniert seinen Film in beschwingtem Ton und mit romantisch verklärtem Blick auf die Welt als modernes Märchen. „The Walk“ spielt in einer vergangenen Welt, er lässt das Paris und New York der 70er Jahre durch ein nostalgisches Prisma wiederauferstehen, begleitet von Alan Silvestris jazzigem Score und zeitgemäßen Songs. Schnell wird klar, „The Walk“ ist kein Film über Konflikt, sondern über einen gelebten Traum, bei dem eben nie außer Frage steht, ob er sich auch erfüllt. „The Walk“ ist ein Film über Erfolg, das Portrait eines durch und durch außergewöhnlichen Mannes, der außerhalb jeder Konventionen seine eigenen Regeln aufstellt. Der schwungvolle und gut gelaunte Ton des Films, seine romantische Verklärtheit und sein grenzenloser Optimismus, stellt letztlich ein Spiegelbild für Petits Charakter dar. Wer „Man on Wire“ gesehen hat, weiß, dass Joseph Gordon-Levitts lebendige und quirlige Performance nicht übertrieben ist, sondern ein tatsächlich sehr akkurates Abbild des sehr animierten Franzosen ist. Petit ist ohne Zweifel ein besonderer Mensch, so besonders, dass er für den Zuschauer irgendwie nicht immer ganz greifbar ist. Sein standhafter Enthusiasmus, die fast völlige Abwesenheit von Zweifeln und vor allem sein Eigensinn können schon fast etwas irritierend wirken. Auf dem Weg zu seinem großen Ziel schließen sich ihm diverse Mitstreiter an, ihre Motivation, Petit zu folgen wird jedoch nie wirklich deutlich. Lediglich Annie fürchtet sich gelegentlich um Philippe und deutet auch an, dass der laserartig fokussierte Seilkünstler seinen Kollegen Dank ausspricht. Petits wahnhafte Determination wird so in einer Szene deutlich, die auf eine nächtliche Diskussion mit Annie folgt: Hier weckt Petit seine loyalen Freunde mitten in der Nacht rabiat auf, um ein schnelles Danke loszuwerden – für sensibles Vorgehen bleibt bei Petits Mission keine Zeit, schließlich läuft die Zeit davon, denn das World Trade Center befindet sich immer noch im Bau und ist sogar teilweise schon im Betrieb. Wartet man zu lange, wird Petits Traum vielleicht wirklich unmöglich, denn das unentdeckte Spannen eines Drahtseils zwischen den Dächern der Zwillingstürme ist ein enormes logistisches Unterfangen.

Der Film schildert im zweiten Akt die wochenlange Planung von Petits Vorhaben, wie auch in „Man on Wire“ mutet das ganze Vorhaben stellenweise wie der elaborierte Plan eines Banküberfalls an und der Film funktioniert dann als typische Gaunerkomödie. Zemeckis inszeniert das alles durchaus rasant, doch echte Spannung kommt nicht so wirklich auf. Man weiß, dass Petit sein Ziel erreicht und dass sich auf dem Weg dorthin nur wenige Hürden auftun. Immer wieder erscheint Petit auch als Erzähler (passenderweise auf der Freiheitsstatue, im Hintergrund das WTC zu sehen), was eher überflüssig wirkt, denn hier wird nicht viel vermittelt, was man ohnehin nicht schon sieht. Doch irgendwie passt dieser erzählerische Kniff dann auch in die Tonart des Films, mit Philippe Petit, dem Ich-bezogenen Unterhalter. Was die Beteiligung der Zuschauer auch etwas eingrenzen könnte, ist die Tatsache, dass Petits Mitstreiter größtenteils nur sehr grob charakterisiert sind und letztlich nur Beiwerk sind.

Mit dem letzten Akt entwickelt „The Walk“ dann aber ein zuvor nicht da gewesenes Momentum. Nachdem das World Trade Center betreten ist, erwacht der Film und wird spürbar lebendig. Hier kommt dann auch deutlich Spannung auf, vor allem steigt die Antizipation, endlich das große Kunststück zu sehen. Über den Dächern New Yorks gelingen Zemeckis dann grandiose Bilder, die aus „The Walk“ sofort einen sehenswerten und sogar großen Film machen. Petits „Walk“ ist ein erfüllender Moment, wunderschön, voller Freude, fast schon poetisch, pures, durchdringendes Kino. Zemeckis macht erwartungsgemäß großen Nutzen seiner stereskopischen Bilder, die die 420 Meter Höhe deutlich spürbar machen und durchaus den Atem stocken lassen. Doch hier geht es letzten Endes gar nicht mehr um die Angst, das etwas Schlimmes passiert, um die Gefahr, nein, man sieht den bewegenden Moment der Vollendung eines Lebenstraums und einer künstlerischen Errungenschaft. Philippes Drahtseilakt ist so ein emotionales Hoch und bildet den krönenden Abschluss von Zemeckis Liebesbrief an Petit und den Triumph menschlichen Willens, das Unmögliche möglich zu machen. Natürlich bewegen diese Minuten auch ganz besonders durch die Präsenz der Twin Towers, denen hier auch wundervoll Tribut gezollt wird. Tribut zollen muss man bei dieser Gelegenheit auch den Filmemachern und Effektkünstlern, die die Türme und seine Umgebung perfekt filmische Realität werden ließen. Bemerkenswert: Der komplette Hintergrund des New York von 1974 ist zu 100 Prozent eine digitale Erschaffung. Dank der Virtuosität der Beteiligten hinter der Kamera sind die digitalen Effekte nicht als solche zu erkennen, hier wirkt alles zweifelsfrei echt. So ist „The Walk“ ein echtes Wunder digitaler Effektkunst und durch die virtuose Darstellung von Petits Kunststück ein Stück puren Staunkinos, für das Zemeckis so bekannt ist. Am Ende steht man dann regelrecht in seinem Kinosessel, wodurch die nicht ganz so starken ersten beiden Akte auch wieder verziehen sind.


Fazit:
„The Walk“ bietet einige der größten Momente des Filmjahres 2015. Der letzte Akt, bei dem der Artist Philippe Petit auf einem zwischen den Twin Towers gespannten Drahtseil spaziert, bietet ein wirklich aufwühlendes Finish, das für Staunen und ein erhebendes Gefühl sorgt.
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Bilder © Sony Pictures