The Big Short

The Big Short (2016), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Paramount Pictures Germany

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The Big Short Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

New York im Jahr 2005: Der Dollar ist stark, die Wirtschaft boomt. An der Wall Street werden jeden Tag aufs Neue Börsen- und Wertpapiergeschäfte in gigantischem Umfang getätigt. Mit immer komplexer werdenden Immobilienprodukten, hervorragenden Renditen und vermeintlich minimalem Risiko werden selbst Arbeitslose zu Villenbesitzern und den Maklern, Versicherern und Bankenbossen winkt das schnelle Geld.
Was die Finanzbosse, die Medien und die Regierung nicht erkennen, durchschaut der eigenwillige Hedgefonds-Manager Michael Burry (Christian Bale) sofort: Er prognostiziert schon in wenigen Jahren das Platzen der amerikanischen Immobilienblase und den daraus resultierenden Zusammenbruch der Weltwirtschaft, der Millionen Menschen heimat- und arbeitslos machen wird. Als Burry vor der großen Katastrophe warnt, will niemand auf ihn hören – zu sicher fühlen sich die Bankenbosse und tun seine Prognosen ab. Daraufhin entwickelt Burry einen perfiden Plan: den „Big Short“. Durch sogenannte „Shortings“, Leerkäufe von Aktien großer Investmentbanken, wettet er gemeinsam mit weiteren risikofreudigen Spekulanten, wie dem unbeirrbaren Trader Mark Baum (Steve Carell), dem geldgierigen Deutsche-Bank-Makler Jared Vennett (Ryan Gosling) und dem früheren Star-Investor Ben Rickert (Brad Pitt), gegen das Finanzsystem, um selbst das unfassbar große Geld zu machen. Das Desaster und der absolute Wahnsinn jenseits aller moralischen Grenzen hat begonnen …


Brad Pitt, Christian Bale und Ryan Gosling | mehr Cast & Crew


The Big Short - Trailer




DVD und Blu-ray | The Big Short

Blu-ray
The Big Short The Big Short
Blu-ray Start:
02.06.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 130 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
The Big Short The Big Short
DVD Start:
02.06.2016
FSK: 6 - Laufzeit: 125 min.

Filmkritik The Big Short

Filmwertung: | 8/10


Christian Bale, Brad Pitt, Ryan Gosling und Steve Carell – eine unglaubliche Starbesetzung dürfen die Kinobesucher ab Mitte Januar bewundern. Doch man sollte hier alle vorwarnen – The Big Short ist was den Inhalt der Dialoge angeht, einer der anspruchsvollsten Filme der letzten Jahre. The Big Short SzenenbildBasierend auf den gleichnamigen Roman von Michael Lewis aus dem Jahre 2010, erzählt der Film die Geschichte vierer Personen aus der Finanzwelt im Jahr 2005, welche die Finanzkrise und das Platzen der Immobilienblase Ende des letzten Jahrzehnts bereits Jahre zuvor prognostizieren. Mithilfe dieser Prognose und den schlecht informierten Banken, verdienen sie mit den verschiedensten Tricks des Bankmanagements Millionen.

Viele empfinden dies als ein interessantes Thema – der Roman wurde in den USA ein Bestseller. Für Andere mag dies auch eine trockene Materie sein. Nichtsdestotrotz gelingt es Adam McKay hier einen unterhaltsamen Film zu inszenieren. Der Film ist voller innovativer Ideen was die Darstellung angeht. Der Plan, eine intellektuelle und höchst anspruchsvolle Thematik in einen Film mit hohem Unterhaltungswert zu verpacken, ist hier fast komplett aufgegangen. Es werden sehr viele Stilmittel benutzt. In der ersten Szene spricht Ryan Gosling (Lars und die Frauen, Drive, The Ides of March) in die Kamera zum Zuschauer und durchbricht während dem ganzen Film mehrmals die vierte Wand. Er wird nicht der einzige Charakter bleiben, der dies tut. Man bekommt in kurzen Zwischensequenzen extrem viele sog. „Stills“ (Standbilder) zu sehen. Viele Originalaufnahmen aus dem Fernsehen, seien es nun Nachrichten oder Musikvideos aus der damaligen Zeit werden zwischen den Szenen eingefügt. Man bricht in einer Szene mit den Gesetzen des Films. Dieser einzigartige Moment wird aber, um spoilerfrei zu bleiben, nicht genauer thematisiert. Die Kameraarbeit wirkt an vielen Stellen fast schon dokumentarisch. Es wird zum Teil sehr nah an den Schauspieler rein und wieder rausgezoomt. The Big Short SzenenbildDes Weiteren wird oft mit der Wackelkamera gearbeitet, die hier aber nicht als störend wahrgenommen wird, sondern aufgrund der Authentizität eingesetzt wurde.

Adam McKay hat sich darüber hinaus viele Gedanken gemacht, nicht nur dem Zuschauer etwas zu zeigen, sondern ihn gezielt miteinzubeziehen. Es gibt viele Gastauftritte bekannter Stars, die sich selbst spielen, um dem Zuschauer verschiedene Fachbegriffe und Systematiken des Investmentbankings zu erklären. Dies wurde äußerst humorvoll umgesetzt und verleiht dem Film größtenteils eine erfrischende Atmosphäre. Insgesamt kommt der Humor definitiv nicht zu kurz, sodass es durchaus berechtigt ist, dass er bei den diesjährigen Golden Globes als bester Film in der Comedy-Sparte nominiert wurde. Der Humor ist fast ausschließlich dialogbasierend und äußerst stark pointiert. Sexorgien und Drogenkonsum spielen hier im Gegensatz zu Martin Scorseses The Wolf of Wall Street keine Rolle. Wer sich nach dem Trailer ähnliche Sachen erhofft, den muss man leider enttäuschen. Der Film fokussiert sich ausschließlich auf die Machenschaften der vier Hauptcharaktere innerhalb der Finanzwelt. Langeweile kommt dennoch nicht auf. Denn aufgrund der interessanten Charaktere und dem extrovertierten Stil des Films, welcher eine besondere Atmosphäre erzeugt, wird der Zuschauer von Beginn an gefesselt und bis zum Schluss unterhalten.

Makellos bleibt The Big Short nicht. Je länger der Streifen geht, umso anstrengender wird es für den Zuschauer, den Handlungen und den Dialogen der Charaktere zu folgen. Der Film hat darüber hinaus ein hohes Erzähltempo und wenn die Dialoge, gefühlt nur aus Wörtern wie „credit default swap“, „cdo“, „tranches“ und sonstigen Fachtermini der Finanzwelt bestehen, wird man nicht nur intellektuell gefordert, sondern auch überfordert. Der Film krankt teilweise in der zweiten Hälfte an seinen finanztechnischen Dialogen, womit der Film leider am Ende zwar nicht an seiner Wirkungskraft verliert, jedoch an Schwung und Leichtigkeit, die ihn in der ersten Hälfte auszeichneten. Darüber hinaus kann das Drehbuch dem Zuschauer diverse Probleme bereiten. The Big Short SzenenbildZu Beginn wird die Rolle des Christian Bale, Dr. Michael Burry, in den Vordergrund gestellt. Später werden Ryan Goslings Figur Jarred Vennett und das Team um Mark Baum (Steve Carell) eingeführt und Bales Figur rückt wieder etwas in den Hintergrund. Ungefähr im zweiten Drittel fügen sich zwei weitere junge Finanzexperten unterstützt von Brad Pitts Figur Ben Rickert in die Geschichte ein. Die vielen Charaktere, deren komplexen Handlungen sowie allgemein die etwas unkonventionelle Erzählweise des Drehbuchs – das ohne einem linearen Handlungsstrang und ohne Hauptcharaktere bzw. Protagonisten und Antagonisten auskommt, jedoch viele hochkomplizierte Dialoge enthält – erschweren dem Zuschauer stets auf der Höhe zu sein. Dies sind zumindest Probleme, die viele Zuschauer womöglich bekommen könnten. Denn rein objektiv gesehen ist das Drehbuch einzigartig, voller kreativer Ideen, spitzigen Dialogen und auch definitiv ein heißer Oscaranwärter in der Kategorie für das beste adaptierte Drehbuch.

Enttäuschend ist die Starbesetzung auf keinen Fall. Alle Darsteller liefern hier eine meisterhafte Performance ab. Steve Carell zeigt wie schon im letztjährigen Sport-Drama Foxcatcher, dass er nicht nur in reinen Komödien auftrumpfen kann. Besonders bei den emotionalen Momenten spielt Steve Carell groß auf, weswegen er für einen Golden Globe als bester Hauptdarsteller in der Comedy-Sparte nominiert wurde. Auch Brad Pitt überzeugt in seinen wenigen Szenen mit seiner Präsenz. Dabei versprüht er eine ganz besondere Aura und verleiht seiner Figur eine einzigartige Authentizität. Christian Bale – ebenfalls für einen Golden Globe nominiert gewesen – stellt wieder seine Vielseitigkeit als Schauspieler unter Beweis. Er enttäuscht in keinem seiner Filme, ob Drama, Action, Krimi oder hier in diesem Mix aus Komödie und Drama und zeigt wieder einmal eine glanzvolle Performance. The Big Short SzenenbildBale spielt hier den äußerst exzentrischen Dr. Michael Burry unglaublich beeindruckend und hat hier eine besondere Ausstrahlung in seinen Szenen, die den Zuschauer faszinieren. Ryan Gosling liefert nach seiner 2,5 jährigen Abwesenheit von der Kinoleinwand ebenfalls eine starke Leistung ab. Im Gegensatz zu Brad Pitt und Christian Bale hat er mehr Screen-Time und bringt mit zynischen Kommentaren den Zuschauer am häufigsten zum Lachen und Schmunzeln. Er spielt den narzisstischen und arroganten Banker der Deutschen Bank, welcher zudem der Erzähler des Films ist, ausgesprochen natürlich und alles andere als überzogen und aufgesetzt. Es sind schon fast magische Momente, wenn er in die Kamera mit dem Zuschauer spricht. Eine fesselnde Performance, die leider – vor allem aufgrund der extrem hohen Konkurrenz – nicht mit einer Golden Globe Nominierung belohnt wurde.


Fazit:
Ein technisch äußerst kreativ und innovativ inszenierter Film, der mit einer glanzvollen und überzeugenden Starbesetzung dem Zuschauer einen interessanten Blick hinter die Kulissen der Finanzwelt gewährt. Man wird hier oft zum Lachen und Schmunzeln gebracht, aber auch teilweise überfordert, was letzten Endes The Big Short nicht nur zu einem humorvollen und unterhaltsamen Film, sondern auch zu einem besonders intellektuellen und anspruchsvollen, aber dennoch fesselnden Streifen macht.
by

Bilder © Paramount Pictures Germany