John Wick: Kapitel 3

John Wick: Chapter 3 (2019), USA
Laufzeit: - FSK: 18 - Genre: Action / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Concorde Filmverleih GmbH

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John Wick: Kapitel 3 Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Im dritten Teil der adrenalingeladenen Action-Reihe kehrt der Auftragskiller par excellence John Wick (Keanu Reeves) furios zurück. Nachdem er ein Mitglied der geheimnisvollen Assassinen-Gilde tötete, wurde Wick zum „Excommunicado“ erklärt und ein Kopfgeld von 14 Millionen Dollar auf ihn ausgesetzt. Nun gerät er weltweit ins Visier der skrupellosesten Auftragskiller, die jeden seiner Schritte verfolgen.

Keanu Reeves, Halle Berry und Laurence Fishburne | mehr Cast & Crew


John Wick: Kapitel 3 - Trailer




Filmkritik John Wick: Kapitel 3

Filmwertung: | 8/10


Ein bisschen frustrierend verhält es sich nun leider schon mit dem dritten Ausflug in die unerwartete Franchise über Auftragskiller John Wick und seinen Kampf gegen die weltweit operierende Killer-Organisation, aus der er am Ende des letzten Films ausgestoßen wurde: Zum einen lässt der Film das Herz jedes vernünftigen Action-Fans mit furioser Choreografie, irrwitzigen Stunts, immer wieder hochtrabendem Erfindungsreichtum und seinen stylisch-neondurchfluteten Hochglanzbildern höherschlagen. Zum anderen vertieft „John Wick: Kapitel 3“ die Mythologie seines kriminellen Paralleluniversums nochmal ein Stück weiter, bietet aber letztlich doch gar nicht so viel Neues und dreht sich am Ende etwas im Kreis. Dass man den dritten Teil dieser Action-Saga dann erneut auf einem Cliffhanger enden lässt, erweist sich doch als eher frustrierend denn vielversprechend. Diese Figur hätte schließlich nach globaler, atemloser Hetzjagd und hunderten Toten nicht nur endlich Ruhe verdient, es stellt sich am Ende doch ein leichtes Gefühl von Monotonie ein.

Keanu Reeves als John Wick
Keanu Reeves als John Wick © Concorde Filmverleih GmbH
„John Wick: Kapitel 3“ startet erneut denkbar furios: Auf unseren Titelhelden, der zu Beginn des ersten Teils eigentlich einfach nur seine Ruhe wollte, ist ein Kopfgeld in Höhe von 14 Millionen Dollar ausgesetzt, nachdem er am Ende von Kapitel 2 seinen nervigen Widersacher Santino D’Antonio auf dem heiligen Boden des Continental Hotels erschossen hat. Eine Stunde hat er noch Zeit, dann ist der gefürchtete „Baba Jaga“ aus der Organisation ausgeschlossen und zum Abschuss freigesetzt. Da gefühlt jeder ein Auftragskiller sein könnte und Wick so etwas wie ein Weltstar ist, kann von Entspannung keine Rede sein.

Wick rennt durch den strömenden Regen über die neonfarbenen Straßen von New York, während die Uhr gnadenlos runterläuft. Dan Laustsen, dem Oscar-nominierten Kameramann, der nun mehrfach Guillermo del Toros Filme ausdrucksstark fotografierte, gelingen hier immer wieder großartige Bilder mit knalligen Farben. New York wird hier fabelhaft eingefangen, nur noch selten sieht man heute Filme, die in dieser so oft fotografierten Metropole ikonische Schauplätze wie den Times Square oder Grand Central Station so bildgewaltig und frisch in Szene setzen.

Ian McShane als Winston in JOHN WICK: KAPITEL 3
Ian McShane als Winston in JOHN WICK: KAPITEL 3 © Concorde Filmverleih GmbH
Es dauert nicht lange, bis Regisseur Chad Stahelski sein Action-Gewitter loslässt: In der ikonischen New York Public Library kommt es zu einem herrlich comichaft überzeichneten Kampf gegen einen ungelenken osteuropäischen Riesen (NBA-Star Boban Marjanovi?), der in mehreren eindrucksvollen Gewaltspitzen endet. Noch furioser wird es bei einem Kampf gegen zahlreiche asiatische Widersacher in einem Antiquitätenladen, der vor allem Unmengen an Waffen aller Art in seinen Schaukästen bereithält. Stahelski spielt hier natürlich mit der dadurch gegebenen Erwartungshaltung und befriedigt diese Lust an der stilisierten Gewalt in vollem Maße. Auch wenn man in diesem exzessiv ästhetisierten Universum ohnehin mehr die atemlose Rasanz und Kreativität der Action-Choreografie bewundert und auch angesichts des fröhlich inszenierten Gemetzels zum Lachen eingeladen wird – manche Gewaltspitzen tun hier nun auch mal richtig weh.

In der ersten halben Stunde lässt Stahelski nicht nach und bombardiert den Zuschauer mit einem Höhepunkt nach dem anderen. Man spürt regelrecht, wie die Macher sich mit frischen Ideen und einem selbstreferentiellen, leicht augenzwinkernden Ton permanent selbst übertreffen und den Zuschauern wirklich etwas bieten wollen. Eine weitere herrliche, wunderbar erfindungsreiche Sequenz in einem Pferdestall setzt dem bisher gesehenen noch einen darauf, der anschließende Ausritt auf die feuchten Straßen der US-Metropole erfreut ebenso und regt nicht zum letzten Mal zum Staunen an. Nicht nur angesichts dieser irrsinnigen Arbeit an Originalschauplätzen muss man sich oft die Frage stellen: Wie haben sie das nur gemacht? Das ist bekanntlich das höchste Lob für einen Actionfilm, der gute alte Handarbeit der Künstlichkeit von CGI-Effekten vorzieht.

Mark Dacascos als Zero in JOHN WICK 3
Mark Dacascos als Zero in JOHN WICK 3 © Concorde Filmverleih GmbH
Schließlich kommt der Film zumindest etwas zum Durchatmen und taucht etwas tiefer in die Mythologie und Hintergründe seiner Titelfigur und der alles durchdringenden Unterwelt-Organisation ein. Ein Treffen in einer von Anjelica Huston geführten Ballett-Schule eröffnet Details zur Herkunft der von Keanu Reeves erneut mit lustvoll-lässiger Coolness verkörperten Killer-Maschine, während kurze Zeit später mit Casablanca ein neues Territorium erforscht wird. Hier trifft Wick auf die von Halle Berry verkörperte Profikillerin und alte Bekannte Sofia, die, wie schon Wick gegenüber Santino im zweiten Teil, eine alte Schuld zu begleichen hat. Hier kommt der Film zu einem weiteren Höhepunkt, der nicht nur Halle Berry als großartige neue Kampfamazone offenbart, die Wick kaum nachsteht. Neben den gewohnten kopfschusslastigen Kung Fu-Kämpfen gegen irgendwann unzählbare gesichtslose Widersacher definiert „John Wick: Kapitel 3“ hier den Begriff Kampfhund auch neu.

Ein symbolhafter Gang in die Wüste für Wick resultiert schließlich in dem Aufeinandertreffen mit einem weiteren hohen Tier des „High Table“ der Organisation, das dann den Weg für die leider zunehmend ermüdende zweite Hälfte des Films ebnet. Wick erhält hier eine letzte Chance auf Wiedergutmachung, für die er allerdings einen hohen Preis zahlen muss. Parallel zu Wicks Reise muss Winston (Ian McShane), der Besitzer und Manager des Continental in New York, mit den Folgen für die Freilassung von Wick leben. Hier erhält er Besuch von einer mysteriösen Dame der Hohen Kammer (Asia Kate Dillon), die nur als „The Adjucator“ bekannt ist. Sie setzt ihm die Bedingung, seinen Posten innerhalb von einer Woche zu räumen und einen Nachfolger zu finden. Weitere bürokratische Aufräumarbeiten führen sie auch zum Bowery King (Lawrence Fishburne), der Wick ebenfalls im zweiten Teil helfend zur Seite stand. Zugleich wird noch Zero (Mark Dacascos), ein weiterer hochprofiliger Sushi Koch/Auftragskiller aktiviert, um Jagd auf Wick zu machen.

John Wick (Keanu Reeves) hat noch einen Trumpf in der Hand in JOHN WICK: KAPITEL 3
John Wick (Keanu Reeves) hat noch einen Trumpf in der Hand in JOHN WICK: KAPITEL 3 © Concorde Filmverleih GmbH
Trotz aller atemlosen Action, die dann auch in dem Finale folgt, geht „John Wick: Kapitel 3“ zunehmend irgendwie die Luft aus. Die furiosen Fights lassen zwar nicht nach und erfreuen konsequent mit Stuntarbeit vom Feinsten und kristallklarer Action in kraftvollen Bildern, jedoch nimmt der zuvor so erfreuliche Erfindungsreichtum in der Kunst des Tötens immer mehr ab. Einfallsreich wird der Film jedoch in den kleinen Zwischenmomenten, wenn Wick immer wieder auf Widersacher trifft, die sich als Fans outen und ihm seinen Respekt erweisen. Das ist wunderbar augenzwinkernd, vor allem dann, wenn der zuvor beängstigende Zero seine Fanboy-Seite präsentiert. Mark Dacascos ist eins der Highlights des Films: Dem einstigen Beinahe-Star sieht man seine Freude regelrecht an, endlich nochmal in einem großen Film eine recht tragende Rolle spielen zu können. So begeistert der „Crying Freeman“-Akteur nicht nur mit fabelhaftem Martial Arts-Können, sondern auch mit echtem Charisma.

Reeves bei der Arbeit zuzusehen ist natürlich erneut eine Freude, viel Raum für eine echte Vertiefung seiner Figur bleibt jedoch nicht. Wick ist weiterhin ein Mann weniger Worte und letztlich wird so dann deutlich, dass sich dieses Universum eigentlich so langsam zu Ende erzählt hat und hauptsächlich durch seine Referenz-würdige Action und das bewundernswerte athletische Können und die sympathische Ausstrahlung des nun 54-jährigen Stars lebt. Das Ende lässt dann wirklich nochmal alles offen, was bei einem unvermeidlichen vierten Teil zu hoffen lässt, dass Stahelski und seinem Autor Derek Kolstad etwas einfällt, was eine weitere Fortsetzung wirklich rechtfertigt und auch am Ende zufriedenstellt. Wick hat seinen Ruhestand jetzt wirklich mehr als verdient.


Fazit:
John Wick: Kapitel 3 macht es seinem Vorgänger nach und bietet zumindest in einigen Belangen eine weitere Steigerung in dieser Überraschungs-Franchise. Meisterhaft inszenierte und choreografierte Action lassen das Herz eines jeden Fans immer wieder vor Freude höherschlagen, während der wilde Erfindungsreichtum in der Kunst des kreativen Tötens für konstante Überraschungen sorgt. Leider schließt das dritte Kapitel diese Killer-Saga dann eben noch nicht ab, was angesichts der leichten, schließlich eintretenden Monotonie doch eher frustriert als erfreut.
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Bilder © Concorde Filmverleih GmbH