It Follows

It Follows (2014), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Horror
Kinostart Deutschland: - Verleih: Weltkino Filmverleih GmbH

-> Trailer anschauen

It Follows Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Nachdem die 19-jährige Jay mit dem süßen Hugh auf der Rückbank seines Autos Sex hatte, wird sie das beunruhigende Gefühl nicht los, dass sie jemand – oder etwas – verfolgt und findet sich schließlich in einem paranoiden Alptraum wieder, aus dem es kein Entkommen zu geben scheint.

Maika Monroe, Keir Gilchrist und Daniel Zovatto | mehr Cast & Crew


It Follows - Trailer


It Follows - Trailer


DVD und Blu-ray | It Follows

Blu-ray
It Follows It Follows
Blu-ray Start:
27.11.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 100 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
It Follows It Follows
DVD Start:
27.11.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 96 min.

Filmkritik It Follows

Filmwertung: | 9/10


„It Follows“ ist einer der originellsten Horrorfilme der letzten Jahre – und sicherlich alles andere als ein gewöhnlicher Schocker. Ausgehend von einer brillanten und furchterregenden Prämisse kreiert Regisseur David Robert Mitchell ein außergewöhnliches Horrorwerk fernab von gängigen Konventionen, das nicht nur richtig Angst macht, sondern auch viel unter der albtraumhaften Oberfläche zu bieten hat. Gemeinsam mit Filmen wie „Der Babadook“ bildet „It Follows“ eine aufregende Renaissance des unter die Haut gehenden psychologischen Horrors, der sich alter Tugenden besinnt und dem Genre einen originellen und erfrischenden Dreh gibt. Hier sollte das Herz von Horrorfans höher schlagen.

Der Film basiert auf einem wiederkehrenden Albtraumszenario, das Regisseur David Robert Mitchell in seiner Kindheit hatte. In diesen Träumen wurde er von einem Wesen verfolgt, das sich langsam, aber beharrlich nähert und spürbar keine guten Absichten hat. In seinem zweiten Film nach der in Deutschland nicht erschienen Coming-of-Age-Geschichte „The Myth of the American Sleepover“ nimmt er dieses Szenario und wandelt es raffiniert ab: Hier wird über Geschlechtsverkehr eine Art Fluch weitergegeben, der zur Folge hat, dass man von etwas Bösem unerbittlich verfolgt wird. Dieses Etwas nimmt unterschiedliche Gestalten an und läuft langsam, starrend und ausdruckslos auf sein Opfer zu. Was mit dem Betroffenen passiert, lässt sich in der grausigen Eröffnungssequenz des Films sehen. Nun wurde auf College-Student Jay (Maika Monroe) der Fluch übertragen und sie findet sich in einem Zustand dauerhafter Paranoia und Todesangst wieder. Sie versucht der Bedrohung einen Schritt voraus zu sein, doch „es“ kommt früher oder später wieder…

„It Follows“ verfügt über eine dichte, unheilvolle und beklemmende Atmosphäre, die einen aufsaugt und auch nach dem Film nicht loslässt. Die Stimmung und die Bilder, die mit menschlichen Urängsten spielen, hängen sich fest, der Film wird quasi zu „It“ und verfolgt einen. Hier wird nichts erklärt, auch am Ende nicht, weshalb der Film so intensiv nachwirkt. In „It Follows“ zählt nicht die Geschwindigkeit, es ist gerade das Langsame, was den Film so effektiv macht. Hier ist ein Film zu sehen, der vom Zuschauer Konzentration und Aufmerksamkeit erwartet. Wer eine Jumpscare-Achterbahnfahrt erwartet, sollte daher woanders suchen. Man muss sich auf seine surreale Stimmung einlassen, wie auf einen Albtraum, den man auch nicht verstehen kann. „It Follows“ ist ein Film, der sich in das Unterbewusstsein eingräbt und bewusst auf Albtraumlogik und Ambivalenz setzt.

Besonders interessant ist die visuelle Gestaltung des Films: Die Kamera wirkt wie ein passiver Beobachter, man wird gezwungen, das Bild im Auge zu behalten, sie führt den Blick des Zuschauers nicht. Dinge spielen sich im Hintergrund ab und oft ist man gar nicht sicher, ob man wirklich gerade etwas gesehen hat. Man sucht das Bild regelrecht ab, betrachtet misstrauisch alles was sich bewegt, wodurch man wie die Protagonistin in einem Zustand permanenter Paranoia ist. Es dominieren Widescreen-Bilder und sehr bewusste und kontrollierte Bildkompositionen, es wird nahezu keine Handkamera verwendet, sondern viele statische Bilder. Man bekommt das Gefühl, dass Mitchell genau weiß, was er tut und ihm die Auswirkung seiner Einstellungen auf die Zuschauer voll und ganz bewusst ist. Der visuelle Stil von „It Follows“ ist primär auf Naturalismus aus, auf eine Grundierung der dargestellten Welt, die aber auf sehr spannende Weise mit überhöhter Realität gepaart wird.

Hilfreich für die erdrückende Stimmung sind die gespenstischen Drehorte in Detroit. Hier werden wie schon zuletzt in „Only Lovers Left Alive“ oder „Lost River“ viele verlassene Plätze als Hintergrund gewählt, die sich als faszinierender und passender Hintergrund für den Film erweisen. Die Darstellung der amerikanischen Vorstadt erinnert an „Halloween“, „A Nightmare on Elm Street“, „Twin Peaks“ oder auch „Donnie Darko“. „It Follows“ bezieht sich überhaupt stilistisch und thematisch auf eine Vielzahl von Filmen, neben sehr deutlichen musikalischen Anspielungen werden auch visuell einige Erinnerungen an Carpenters „Halloween“ geweckt. Mitchell spielt zudem offen an Polanskis „Ekel“ an, vieles wirkt auch von David Lynch inspiriert, manche Elemente ähneln „Invasion of the Body Snatchers“, Slashern wie „Freitag der 13.“ oder klassischen Zombie-Filmen, das unaufhaltsame Böse erinnert vielleicht sogar an den „Terminator“. Aber nicht falsch verstehen: „It Follows“ ist sein eigenes Ding, das wissend mit vielen Versatzstücken spielt, aber trotzdem immer originell und einzigartig ist.

Zur starken Ästhetik des Films kommt die dissonante, verunsichernde, laut wummernde und vibrierende elektronische Synthesizer-Musik von Disasterpeace, die schon ohne die Bilder für Beklemmung sorgt. Es ist oft mehr ein Tonteppich, der sich unaufhaltsam um die Schultern des Zuschauers legt und immer enger wird. Ein wilder Mix aus Klängen, oft an die Musik eines John Carpenter und an 80er Jahre Slasher erinnernd, dann mal kurz an alte Videospiele, sehr eigenwillig, sehr merkwürdig, immer interessant und etwas komplett Eigenes. Die Musik ist mal treibend, mal melancholisch und oft das dominante Element von „It Follows“

Eine wesentliche Stärke von Mitchells Film ist seine Ambivalenz und vielfältig interpretierbarer Symbolismus. Dass die Übertragung von „It“ oberflächlich gesehen als Metapher für Geschlechtskrankheiten gesehen werden kann, ist wohl noch recht offensichtlich. Doch „It Follows“ ist weit mehr als das. Je nach persönlicher Ansicht und Gemütslage ist der Film vielfältig lesbar. Er beinhaltet Themen die von Sexualität, Verlust der Unschuld und der Jugend, von Nostalgie bis zu Sterblichkeit und Tod reichen, wodurch ein sehr vielschichtiges Bild entsteht. Eine eindeutige Message will der Film nicht haben, was auch ein Grund dafür ist, dass „It Follows“ nachhaltig im Gedächtnis bleibt und sicher eine wunderbare Diskussionsgrundlage bieten kann. So hat der Film eine weitreichende intellektuelle Dimension, die dem puren Schrecken aber gottseidank nicht im Wege steht. Der Film funktioniert auf mehreren Ebenen und steht deshalb weit über dem Genre-Durchschnitt und ist schlichtweg ein gewaltiger, einzigartiger Film. Damit ist „It Follows“ sicher kein Film für die breite Masse, sondern für Liebhaber echten, anspruchsvollen Horrors, der sich unter der Haut und im Gedächtnis festsetzt.


Fazit:
„It Follows“ ist ein furchterregender, beklemmender Albtraum mit dichter Atmosphäre und einer brillanten Prämisse. Ein außergewöhnlicher Film für Fans von psychologischem und unkonventionellem Horror, der lange nachwirkt.
by

Bilder © Weltkino Filmverleih GmbH