Emma

Emma (2020), Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Komödie / Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Universal Pictures Intl.

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Inhalt

England, Anfang des 19. Jahrhunderts: Die junge Emma Woodhouse, schön, klug und reich, führt in ihrem verschlafenen Ort unangefochten die bessere Gesellschaft an – und niemand hat dabei eine höhere Meinung von ihrem Charme, Stil, Witz und Klavierspiel als sie selbst.
Weit und breit gibt es keine attraktivere Partie als Emma, aber merkwürdigerweise ist ihr der Richtige einfach noch nicht begegnet. So verbringt sie ihre Zeit damit, andere zu verkuppeln, allen voran ihre Freundin Harriet. Aber trotz Emmas unbegrenzten Vertrauens in ihre Menschenkenntnis laufen ihre wohlgemeinten Intrigen schief. Die ausgesuchten Liebhaber beißen nicht an, unstandesgemäße Nebenbuhler tauchen auf, und schließlich muss sich sogar Emma selbst ungewollter Avancen erwehren.


Anya Taylor-Joy, Johnny Flynn und Bill Nighy | mehr Cast & Crew


Emma - Trailer




Filmkritik Emma

Filmwertung: | 7/10


Gerade bewies Greta Gerwigs fabelhafte Adaption von Louisa May Alcotts „Little Women“, dass Literaturverfilmungen zugleich traditionell sowie wunderbar frisch und modern sein können. Ähnliches versucht auch nun Fotografin und Musikvideoregisseurin Autumn de Wilde mit ihrem Spielfilmdebüt zu schaffen, für das sie sich Jane Austens Klassiker „Emma“ vorgenommen hat. Deutet der zackig geschnittene Trailer an, dass man hier die Vorlage ordentlich entstaubt hat, bewahrheitet sich das bei dem finalen Film nur teilweise. Ihre Adaption über die wohlhabende Ehestifterin Emma Woodhouse erweist sich als clevere, charmante und beschwingte Angelegenheit, die gerade Kostümfilmfans entzücken sollte, aber nicht hip und subversiv genug ist, um die Brücke zu Literaturverfilmungssnobs schlagen zu können. Dennoch: „Emma.“ ist alleine dank der gut aufgelegten Inszenierung, des lustvoll agierenden und attraktiven Casts sowie der hübschen Bonbon-Inszenierung in Pastellfarben zumindest nahe daran.

Mia Goth und Anya Taylor-Joy in Emma
Mia Goth und Anya Taylor-Joy in Emma © Universal Pictures International Germany GmbH
Anfang des 19. Jahrhunderts, Highbury nahe London: Emma Woodhouse (Anya Taylor-Joy) ist eine privilegierte junge Frau, die mit ihrem verwitweten Vater auf dessen Landsitz lebt. Sie steht im gesellschaftlichen Mittelpunkt, erfreut sich bei beiden Geschlechtern großer Beliebtheit, hegt aber keine Ambitionen, selbst den passenden Mann zu finden. Viel lieber vertraut sie ihrer eigenen Menschenkenntnis, um andere zu verkuppeln, wie sie es gerade schon ihrer Ansicht nach mit ihrer Erzieherin Mrs. Taylor (Tanya Richards) und Mr. Weston (Rupert Graves) getan hat. Nun nimmt die gelangweilte Emma den unerfahrenen und naiven Rohdiamanten Harriet Smith (Mia Goth) unter ihre Fittiche, um ihr den passenden Mann ausfindig zu machen. Dafür auserkoren hat sie den Dorfvikar Mr. Elton (Josh O’Connor), der laut Emmas Ansicht die bessere Partie im Vergleich zu Hofbesitzer Robert Martin (Connor Swindells) ist, der Harriet einen Heiratsantrag macht. Doch Emmas scheinbar untrügliche Einschätzungen stellen sich als falsch heraus und Mr. Elton hat es tatsächlich auf sie selbst abgesehen. So versucht sich Emma weiter durch potentielle Kandidaten zu navigieren, während sie in all diesen Irrungen und Wirrungen vielleicht dann doch auch ihre eigene Liebe findet…

„Emma.“ ist genau wie seine Vorlage ein distinguiertes Vergnügen, ein luftig-schaumiges und amüsantes Lustspiel, das viel sagt, aber eigentlich nur wenig Gehalt hat. Autumn de Wilde hat genau das verstanden und ihren Film in stylische Pastelltöne gepackt und mit fabelhaft dekadenten Kostümen, hübschen Dekors und verspielten wie cleveren visuellen Details in klaren Bildkompositionen ausgestattet. Ein wenig Aufmerksamkeit ist auf jeden Fall gefordert, denn der Film verfügt über sehr rasante Dialoge, die mit Figurennamen nur so um sich werfen, wodurch man entsprechend schnell den Anschluss verlieren kann.

Bill Nighy in Emma
Bill Nighy in Emma © Universal Pictures International Germany GmbH
Der Film ist zwar spürbar feinsinnig und clever, hat Biss und Klasse, hält aber auch merkwürdig auf Distanz. Anya Taylor-Joy, die ihren Status als Ausnahmetalent weiter zementiert, ist eine fantastische Besetzung und großartig anzusehen, jedoch ist es eben gerade ihre manierierte Hauptfigur, die den Zugang etwas erschwert: Ihre Emma erweist sich als intelligente, gewiefte und komplexe Persönlichkeit, die jedoch naiver und weniger menschenkennend ist, als sie zunächst glaubt. Taylor-Joy deutet ganz fein eine gewisse Unschuld an und ist nach außen hin zwar nicht unsympathisch, aber kommt trotz ihres immer wieder angedeuteten gutherzigen Wesens durchaus kühl und kalkuliert daher. „Emma.“ schildert zwar ihren Reifungsprozess und zeigt, wie sie vielleicht doch nicht mit ihren 21 Jahren schon allwissend ist, jedoch erwärmt sich der Film erst langsam und vielleicht zu spät, wenn sich der Schleier um seine schon früh vom Leben gelangweilte Hauptfigur lüftet und sie sich öffnet. Zumindest liefert der Film ein hübsches Hin und Her, ein Spiel mit gesellschaftlich unterdrückten Gefühlen zwischen Emma und George Knightley (Johnny Flynn), bei dem recht früh klar ist, wohin sich die Geschichte entwickelt. So entwickelt sich dann zumindest ein Hauch von romantischer Antizipation, denn ansonsten erweist sich die Kupplerei als nett und amüsant anzusehen, aber emotional wenig mitreißend und eher ereignislos.

Autumn de Wilde mag ihrem Film einen modernen und auch stilistisch leicht verspielten Anstrich gegeben haben, vorlagengetreu und ohne einen wesentlichen zeitgemäßen Kommentar kommt diese Adaption jedoch trotzdem daher. So gibt es eben keinen cleveren erzählerischen Kniff wie etwa bei „Little Women“, wodurch „Emma.“ betont klassisch, aber dank seiner Präsentation trotzdem frisch daherkommt. Vielleicht ist der kontemporäre Kommentar eben dann darin zu finden, dass Emma durch ihre kühl-kalkulierte Art der weniger gefühlsbetonten und zynischen Instagram-Generation entspricht und dadurch moderner erscheint. Die Distanz seiner Protagonistin erhält der Film eben auch, er ergötzt sich an schön anzusehenden Oberflächlichkeiten und dem gesellschaftlich substanzlosen Gehabe und ist garniert mit feinen, kleinen Beobachtungen, die das Gesehene pointiert ironisch kommentieren.

Anya Taylor-Joy und Johnny Flynn in Emma
Anya Taylor-Joy und Johnny Flynn in Emma © Universal Pictures International Germany GmbH
Ein immer nur kurz aufblitzendes, aber umso effektiveres Highlight ist der wunderbare Bill Nighy als Emmas fürsorglicher Hypochonder-Vater, der mit seinen gewohnten Ticks für die lustigsten Momente des Films sorgt. Ebenso reißt Miranda Hart jede Szene als klatschliebende und einsame Witwe Miss Bates an sich, die mit ihrer etwas schrillen Art gerade bei Emma spürbar nach Aufmerksamkeit sucht und dabei unbemerkt veralbert wird. Hart legt ihre Figur betont überzeichnet an, offenbart aber zugleich eine unter der Oberfläche liegende Traurigkeit, die schließlich deutlich in einem der besten Momente des Films bei einem zunächst idyllischen Picknick berührend zum Vorschein kommt. Hier schmilzt dann auch endlich Emmas kühle Fassade, wodurch der Film spürbar belebt wird. Dann ist aber auch Mia Goth zu nennen, die nach einigen düsteren Parts hier mit der sympathischsten und wärmsten Figur des Films überrascht.

Fazit:
„Emma.“ ist eine pointierte und geistreiche Neuauflage von Jane Austens Literaturklassiker, die seine Vorlage nicht radikal neuinterpretiert, sondern werkgetreu vorgeht und nur subtil einen modernen Anstrich verleiht. Die beschwingte Inszenierung und die etwas ironische Beobachtung der Irrungen und Wirrungen der feinen Gesellschaft im 19. Jahrhundert hält jedoch merkwürdig auf Distanz, wodurch der Funke nie so ganz überspringt.
by Florian Hoffmann

Bilder © Universal Pictures Intl.