Carrie

Carrie (2013), USA
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Horror / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

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Carrie Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

Freude kennt die schüchterne Carrie (CHLOË GRACE MORETZ) kaum. In der Highschool hänseln und mobben ihre Mitschüler sie auf übelste Weise, zuhause macht die fanatisch-religiöse Mutter dem Teenager das Leben zur Hölle. Carrie entwickelt telekinetische Kräfte, die immer stärker werden, je mehr Demütigungen sie erdulden muss. Als sie auf dem Abschlussball Opfer einer besonders schlimmen Attacke wird, endet das Fest in einer Katastrophe...

Chloe Grace Moretz, Julianne Moore und Judy Greer | mehr Cast & Crew


Carrie - Trailer


CARRIE - HD Trailer A


CARRIE - HD Trailer C


DVD und Blu-ray | Carrie

Blu-ray
Carrie Carrie
Blu-ray Start:
04.04.2014
FSK: 16 - Laufzeit: 99 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Carrie Carrie
DVD Start:
04.04.2014
FSK: 16 - Laufzeit: 95 min.

Filmkritik Carrie

Filmwertung: | 4/10


Die Geschichte des Remakes geht zurück bis zu den Gebrüdern Lumière, also bis hin zu den Anfangsjahren des Mediums Film; über dessen Sinn, Zweck, Daseinsberechtigung und Mehrwert wird seither immer wieder eifrig diskutiert, dabei sind es diverse Faktoren, die bei der Beurteilung einer Neuverfilmung eine Rolle spielen. Die Gründe, einen bereits adaptierten Stoff zweit- oder drittzuverwerten, sind ebenso vielfältig wie die möglichen Herangehensweisen – vom Ergebnis ganz zu schweigen. Als sich Gus Van Sant 1998 etwa am heiligen Gral des psychologischen Horrorfilms vergriff, Alfred Hitchcocks „Psycho“, und ihm außer Farbe rein gar nichts hinzuzufügen wusste, konnte man sich zurecht fragen, was das überhaupt soll; man konnte die Akribie, mit der er dem übermächtigen Original Szene für Szene und Einstellung für Einstellung folgte, aber auch als Liebeserklärung lesen, als ultimatives Zugeständnis an ein Meisterwerk: Die Unmöglichkeit einer Vervollkommnung wird zum Konzept erhoben. Einen triftigen Grund, die Kopie dem Original vorzuziehen, blieb Van Sant dem Zuschauer allerdings schuldig. Remakes, für deren Existenz eine geradezu zwingende Legitimation besteht, sind rar gesät, doch es gibt sie; und es lässt sich dabei sogar eine Art Faustregel aufstellen: Je mehr Zeit zwischen Erst- und Zweitverfilmung vergeht, desto höher ist die Chance, dass aus einem „alten“ Stoff tatsächlich ein originärer Film wird, der auch unabhängig von etwaigen Vergleichen Bestand hat. Ein logischer Schritt, bedenkt man, dass die Kunstform Film nach wie vor im ständigen Wandel begriffen ist: Standards verändern sich, verschiedene Filmsprachen entstehen oder entwickeln sich weiter. So ließ etwa David Cronenberg 1986 den Vincent-Price-Film „Die Fliege“ (1958) eine ebensolche Transformation durchmachen wie dessen Hauptfigur, die nach einem fehlgeschlagenen Experiment zu einem fliegenähnlichen Ungeheuer mutiert: Aus einem altmodischen Gruselfilm, der sichtlich aus einer anderen Ära des Genres stammte, wurde auf diese Weise ein im besten Sinne zeitgemäßer Film und die Perfektionierung des von Cronenberg selbst mitgeprägten Sub-Genres „Body Horror“. Der kafkaeske Verwandlungsprozess des Protagonisten war hier zudem als Allegorie lesbar – nicht zuletzt durch die Erweiterung um einen Subtext, der im Originalfilm nicht angelegt war, bleibt „Die Fliege“ eines der gelungensten Beispiele für die mögliche Sinnhaftigkeit eines Remakes.

Nun ließe sich oben aufgestellte Faustregel in der Theorie auch auf „Carrie“ anwenden, liegen zwischen Original und Remake doch immerhin 37 Jahre – wenn der Begriff des „Remakes“ in diesem Fall auch streitbar ist: Bei beiden Filmen handelt es sich lediglich um Adaptionen einer literarischen Vorlage. Kimberley Pierce orientiert sich in ihrem dritten Spielfilm (nach „Boys Don't Cry“ und „Stop-Loss“) jedoch ebenso an der Erstverfilmung von 1976 wie an Stephen Kings gleichnamigem Roman. Die Krux dabei: Sowohl inhaltlich als auch formal ist Brian De Palmas „Carrie“ unverändert ein Glanzstück des Genres. Der Hund liegt hier bereits im Grundkonzept begraben: Einen Klassiker „fit zu machen“ für eine neue Generation, die mit der (weitaus subtileren) Filmsprache des Originals vermeintlich nichts mehr anzufangen weiß. Kimberly Peirce überführt die Höllenfahrt der sechszehnjährigen, telekinetisch begabten Carrie, die von ihrer fanatisch religiösen Mutter systematisch an einer „normalen“ Entwicklung gehindert und deshalb von ihren Mitschülern ausgeschlossen und drangsaliert wird, in das Zeitalter der Smartphones (womit die signifikanteste Neuerung bereits genannt wäre; die Demütigungen, die Carrie ertragen muss, dürfen nun auf YouTube mitverfolgt werden), bedient routiniert sämtliche Mätzchen des kontemporären Horrorkinos und begräbt darunter schließlich den Subtext, der die Erstverfilmung erst herausragen ließ aus dem Gros der zeitgenössischen Genre-Mitbewerber.

Spätestens während des ehemals so befreienden wie erschreckenden finalen Infernos – im Original als Affekthandlung beschrieben, hier bis hin zur Lächerlichkeit "over the top" inszeniert – ergibt selbst der irreführende deutsche Zusatztitel des 1976er-Films („Des Satans jüngste Tochter“) in gewisser Weise Sinn: Peirces „Carrie“ ist keine effektiv überspitzte Studie menschlichen Verhaltens, unterdrückter Sexualität, der kollektiven Ausgrenzung alles Fremden, des ganz realen Horrors des Teenager-Seins mehr, sondern ein handelsüblicher Teenie-Horror-Film mit Geisterbahn-Effekten und ohne doppelten Boden. So scheint auch Carries Rache weniger intrinsisch motiviert als dass man zuweilen glaubte, sie sei vom selben Dämonen besessen wie einst Linda Blair in William Friedkins „Der Exorzist“. Chloë Grace Moretz gibt sich redlich Mühe in der Titelrolle, anders als Sissy Spacek trägt sie das „hässliche Entlein“, die Unschuld, die Unsicherheit und die Verletztlichkeit der Hauptfigur jedoch nicht bereits in sich; Julianne Moore indes agiert als Carries Mutter gewohnt souverän, selbst ihr gelegentliches Over-Acting wirkt im Kontext der Charakterisierung ihrer Figur stimmig. Schlussendlich bleibt Kimberly Peirces Update verzichtbar, wagt sie doch nie den Schritt von einer reinen Neuverfilmung zu einer tatsächlichen Neuinterpretation: Die 2013er-Ausgabe von „Carrie“ ist ein blasses 1:1-Remake in zeitgemäßer Politur, das Substanz durch Effekthascherei ersetzt.

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Bilder © Sony Pictures