Ich darf nicht schlafen

Before I Go to Sleep (2014), USA / Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Mysterie / Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

Ich darf nicht schlafen Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Nichts in ihrer Umgebung ist ihr vertraut: Christine Lucas (Nicole Kidman) erwacht jeden Tag verängstigt und verwirrt. Sie schläft neben einem Mann, der sagt, er sei ihr Ehemann, in einem Haus, von dem er sagt, es gehöre ihnen. Sie hält sich für eine alleinstehende Frau Mitte zwanzig, doch in Wirklichkeit ist sie verheiratet und vierzig Jahre alt. Christine leidet an psychogener Amnesie, bedingt durch einen traumatischen Unfall. Sie erinnert sich an nichts aus ihrer näheren Vergangenheit – auch nicht an den Unfall selbst oder ihre Ehe mit Ben (Colin Firth).

Ben muss ihr jeden Tag wieder sagen, wer er ist, und von ihrem gemeinsamen Leben erzählen. Er klärt sie über den Autounfall Jahre zuvor auf und dass sie deshalb ihr Gedächtnis verloren hat. Sie kann sich an die Informationen des jeweiligen Tages erinnern, doch jede Nacht, wenn sie schläft, ist alles, was sie über sich selbst, ihr Leben und über die Ursache ihres Zustands gelernt hat, wieder verschwunden.

Eines Tages bekommt sie einen Anruf von Dr. Nash (Mark Strong), einem Neuropsychologen, der sich auf ihre Krankheit spezialisiert hat. Er erzählt ihr, dass sie – ohne Bens Wissen – zusammenarbeiten, um ihr Gedächtnis wiederherzustellen. Er erklärt ihr, dass sie keinen gewöhnlichen Unfall hatte, sondern nach einem brutalen Angriff für tot gehalten und zurückgelassen wurde. Von Dr. Nash erhält Christine eine Videokamera, mit der er sie auffordert, ein Videotagebuch zu führen und damit die Informationen festzuhalten, die sie täglich über ihre Vergangenheit lernt.

Allmählich fügen sich für Christine neue erschreckende Wahrheiten zusammen, die sie dazu zwingen, alles infrage zu stellen, was sie bisher über ihr Leben dachte: Sagt mir Ben wirklich die Wahrheit über das, was passiert ist? Was sind Dr. Nashs wahre Absichten? Was für Geheimnisse habe ich selbst? Wer hat mich in dieser Nacht angegriffen? Und plötzlich dreht sich ihr Dasein nur um eine einzige alles beherrschende Frage: Wem kann sie vertrauen?


Nicole Kidman, Colin Firth und Mark Strong | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Ich darf nicht schlafen

Blu-ray
Ich darf nicht schlafen Ich darf nicht schlafen
Blu-ray Start:
27.03.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 93 min.
DVD
Ich darf nicht schlafen Ich darf nicht schlafen
DVD Start:
27.03.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 89 min.

Filmkritik Ich darf nicht schlafen

Filmwertung: | 5/10


Der Film beruht auf dem gleichnamigen Roman von S.J. Watson aus dem Jahr 2011. Der Thriller kam bei den Lesern bestens an und war in vielen Ländern ein Bestseller. Die spannende Geschichte hat es vielen angetan. Der Ruf aus Hollywood ließ nicht lange auf sich warten und so verfilmte der frühere Drehbuchautor Rowan Joffe (Brighton Rock) diesen Film als seine dritte Regiearbeit.

Christine Lucas (Nicole Kidman) erwacht jeden Morgen aufs Neue ohne Erinnerung an ihre jüngere Vergangenheit. Sie denkt, dass sie 27 Jahre jung ist, obwohl sie schon 40 Jahre alt ist. Seit einem Unfall leidet sie unter Amnesie. Sobald sie schläft, sind alle Erlebnisse des Tages wie weggeblasen. Ihr Mann Ben Lucas (Colin Firth) muss ihr jeden Tag wieder erklären, wer er ist. Mit Hilfe des Psychologen Dr. Nash (Mark Strong) versucht sich Christine anhand eines Videotagebuches an ihren Unfall zu erinnern. Mit zunehmender Zeit entdeckt sie, dass alle Beteiligten lügen. Wem kann sie noch vertrauen?

Der Geschichtsansatz ist hochinteressant. Die Umsetzung hingegen eine schwere Enttäuschung. Denn man findet als Zuschauer keinen Zugang zu dem Film. Schon der Beginn ist schwerfällig. Auch danach gelingt es Joffe nicht, den Schalter umzulegen und einen spannenden Film zu entwickeln. Stattdessen legt er Wert auf die übertriebene Darstellung von Gefühlen (in gefühlt jeder Szene wird geweint oder zumindest mit Tränen in den Augen agiert) und sinnlose Schockeffekte (laut hupendes Auto, vorbeifliegendes Flugzeug), die von ihrer Darstellungsart eher an einen Gruselfilm als an einen handwerklich gut gemachten Thriller erinnern. Es mangelt an allen Ecken und Enden an Qualität. Das ist wirklich traurig, denn das Potenzial der Geschichte ist unbestritten und auch immer wieder erkennbar. Es gibt einige gute Wendungen und interessante Aspekte. Doch Spannung kommt nur deshalb auf, weil man wissen möchte, wie die Story ausgeht. Der Film selbst schafft es nicht, zu packen oder den Zuschauer mitzureißen. Dazu kommen klaffende Logiklöcher, die so auffällig sind, dass man sich fragt, wie Joffe und sein Team diese übersehen konnten. So hat der Zuschauer an diesem Film keinen Spass, wenig Thrill und wird bestenfalls unterdurchschnittlich unterhalten.

Dabei sind die Leistungen der Schauspieler ausgesprochen gut. „Oscar“-Gewinnerin Nicole Kidman (The Hours, Australia, Die Dolmetscherin) liefert eine starke Performance als eine Frau, die sich jeden Tag neu orientieren und hinterfragen muss, ab. Sie zeigt dabei eine beeindruckende Vielseitigkeit und Tiefe. An ihrer Seite kann „Oscar“-Preisträger Colin Firth (The Kings Speech, Das Mädchen mit dem Perlenohrring, Die letzte Legion) eine vielschichtige, exzellente Leistung zeigen. Leider ist sein Charakter aber sehr schlecht und nicht nachvollziehbar gezeichnet, weshalb man sich mit ihm nicht identifizieren kann. Das liegt aber nicht an Firth selbst. Auch der häufig unterschätzte, kernige Charakterdarsteller Mark Strong (Kick-Ass, Sherlock Holmes, Zero Dark Thirty) kann in der größten Nebenrolle brillieren und spielt deutlich ruhiger als normalerweise. Die Schauspieler machen den Film deutlich besser. Nicht auszudenken, wie schlecht der Film ohne die drei geworden wäre.

Von den Nebenkategorien können die dynamische Kameraführung und die schöne Landschaftsauswahl überzeugen, während die Musik nicht weiter auffällt. Der Schnitt hat einige Schwächen. Trotz der gerade mal 92 Minuten Laufzeit wirkt der Film deutlich länger, was nicht positiv zu verstehen ist. Immerhin ist die Ausstattung solide.

Schwacher, enttäuschender Thriller, der weit hinter den diesjährigen Größen Who Am I, Gone Girl, Non-Stop, Stereo oder auch Ruhet in Frieden und The Equalizer zurückbleibt.

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Bilder © Sony Pictures