I, Tonya

I, Tonya (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Biographie / Drama / Sport
Kinostart Deutschland: - Verleih: DCM

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Inhalt

Sie war die berühmteste Person der Welt – nach Bill Clinton. Als erste Amerikanerin vollzog Tonya Harding innerhalb eines Wettbewerbs gleich zwei sogenannten Dreifach-Axel - einer der anspruchsvollsten Sprünge im Eiskunstlauf. Ihr Name wird jedoch für alle Zeiten mit dem schlecht geplanten und stümperhaft durchgeführten Attentat auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan in Verbindung bleiben, das ihre Erzrivalin trainingsunfähig machen und Tonya den Sieg in den amerikanischen Meisterschaften sichern sollte – doch es kam anders…

Margot Robbie, Allison Janney und Sebastian Stan | mehr Cast & Crew


I, Tonya - Trailer




Filmkritik I, Tonya

Filmwertung: | 8/10


Eiskunstlauf mag wohl selten von Interesse für die Filmindustrie sein. Anders sieht es jedoch aus, wenn es um das Leben einer der exzentrischen Figuren des Sports und einen seiner größten Skandale geht.

“I, Tonya” ist die Biografie der als “Eishexe” bezeichneten ehemaligen Eiskunstläuferin Tonya Harding, die durch ein Attentat auf ihre Konkurrentin Nancy Kerrigan im Zuge der olympischen Spiele 1994 negative Schlagzeilen machte und seither kaum mehr aus den Medien verschwunden ist.

Tonya Harding (Margot Robbie) wird Mittelpunkt des ersten großen Medienskandals der modernen 24-Stunden-Nachrichtenwelt
Tonya Harding (Margot Robbie) wird Mittelpunkt des ersten großen Medienskandals der modernen 24-Stunden-Nachrichtenwelt © DCM
In Rückblenden erzählt uns Regisseur Craig Gillespie die Lebensgeschichte, den Aufstieg und Fall der US-amerikanischen Eiskunstläuferin Tonya Harding (Margot Robbie). Schon mit 4 Jahren schickt ihre despotische Mutter LaVona (Allison Janney) die kleine Tonya aufs Eis, die bereits von da an Wettbewerbe gewinnt. Die Schläge und harten Worte der Mutter machen Tonya zu einer verbissenen, aber auch erfolgreichen Eiskunstläuferin. Freundschaften darf sie nicht schließen, da LaVona in den anderen Mädchen nur Konkurrentinnen sieht. Aus den eisernen Klauen ihrer Mutter flüchtet Tonya sich schließlich in die Arme ihres späteren (Ex-)Mannes Jeff Gillooly (Sebastian Stan), der neben der Eisfläche auf Frauensuche ist. Anfangs treuherzig, entpuppt Jeff sich als eifersüchtiger und gewalttätiger Kontrollfreak, dessen Schläge nichts neues für Tonya und viel zu lange kein Grund für eine Scheidung sind. Parallel zu ihrem persönlichen Unglück steigt sie für einen kurzen Augenblick zu einer Größe im Eiskunstlauf auf, denn ihr gelingt als erste Amerikanerin der dreifache Axel. Doch auch diese Krönung ihrer sportlichen Karriere bringt ihr auf lange Sicht nicht die Anerkennung, die sich wünscht. Bis es zum verhängnisvollen Attentat auf ihre größte Konkurrentin Nancy Kerrigan (Caitlin Carver) kommt, in das ihr Mann und ein Bodyguard (Paul Walter Hauser) verwickelt sind...

Tonyas Mutter LaVona Golden (Alisson Janney)
Tonyas Mutter LaVona Golden (Alisson Janney) © DCM
Authentisch und voller Leidenschaft spielt Margot Robbie die Eisprinzessin, die zur Eishexe wurde. Tonya Harding mag in der Vergangenheit viel denunziert worden sein, doch genau davon sieht Gillespie’s Verfilmung vollkommen ab. Harding sieht sich bis heute selbst als ein Opfer, das neben ihrer Zimmergenossin und Erzfeindin Kerrigan als das hässliche Entlein galt. Margot Robbie’s Tonya will weder Sympathie noch Verachtung erwecken, sondern zeigt Tonya, wie sie war: aus ärmlichen Verhältnissen stammend, mit ihren billigen selbstgenähten Kostümen irgendwie fehl am Platz wirkend und immer auf der Suche nach Liebe und Anerkennung.

Die Mischung aus Story und Jahre später aufgenommen Interviews, die so wirklich stattgefunden haben, offenbart die fast schon amüsanten paradoxen Sichtweisen der Charaktere: Gillooly beteuert voller Überzeugung, er habe Harding nie geschlagen, LaVona Harding bewirft ihre Tochter mit einem Messer und stellt hinterher die unschuldige Frage, ob es denn nicht in jeder Familie mal Höhen und Tiefen gebe.

Jeff (Sebastian Stan) und Tonya (Margot Robbie)
Jeff (Sebastian Stan) und Tonya (Margot Robbie) © DCM
Häusliche Gewalt, Einsamkeit und ein familiärer Bruch treffen hier auf eine fast schon parodistische Darstellung, ohne die Geschichte unangebracht ins Lächerliche zu ziehen. Spielerische Elemente wie die Sprünge zwischen den Interviews und der Handlung selbst, das Durchbrechen der vierten Wand, das die Charaktere amüsante Kommentare an uns richten lässt, und eine dynamische Kameraführung vor allem bei den Szenen auf dem Eis machen den Film, der zu keinem Zeitpunkt langweilig wird, lebendig und unterhaltsam. Dabei muss man definitiv kein Fan von Eiskunstlauf zu sein, um sich von Tonya Hardings Geschichte mitgerissen zu fühlen.

Der Cast um Margot Robbie und Sebastian Stan liefert eine sehr gute Leistung ab. Besonders überzeugt Allison Janney als übermächtige Mutterfigur, eine Darstellung, die ihr sogar einen Golden Globe eingebracht hat.

Am Ende überzeugt der “I Tonya” vor allem die wichtigste Zuschauerin: Tonya Harding selbst liebt den Film.


Fazit:
“I, Tonya” kommt als auffallend bunte und leichtherzige schwarze Komödie daher, zeigt dahinter jedoch das nicht immer leichte Leben der Tonya Harding, ohne dabei je pathetisch zu wirken oder an Authenzität zu verlieren.
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Bilder © DCM