42

42 (2013), USA
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Biographie / Drama / Sport
Kinostart Deutschland: - Verleih: Warner Bros.

42 Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf 4K UHD, Blu-ray und DVD

Inhalt

1947 sicherte sich Branch Rickey seinen Platz in den Geschichtsbüchern, als er Jackie Robinson für die Brooklyn Dodgers unter Vertrag nahm und damit die berüchtigten Rassenschranken in der amerikanischen Major League Baseball durchbrach. Doch damit gerieten Robinson und Rickey auch ins Kreuzfeuer der Öffentlichkeit, der Presse und der anderen Spieler.

Sogar in seinem eigenen Team wurde Robinson mit radikalem Rassismus konfrontiert und musste ungeheuren Mut aufbringen, um nicht auf dieselbe Art zu reagieren, denn er wusste genau: Jeder Vorfall hätte seine und Rickeys Hoffnungen begraben können. Stattdessen überließ er es der Nummer 42, auf dem Spielfeld für sich zu sprechen. Schließlich begeisterte er die Fans und seine Mannschaftskameraden, brachte seine Kritiker zum Schweigen und ebnete jenen den Weg, die in seine Fußstapfen treten sollten.

1997 sperrte die Baseball-Liga die Nummer 42 für sämtliche Teams – damit wurde erstmals eine Trikotnummer weltweit nicht mehr verwendet. Die einzige Ausnahme bildet jedes Jahr der 15. April – Jackie Robinson Day –, der an sein erstes Spiel als Brooklyn Dodger erinnert. Nur an diesem Tag tragen die Spieler aller Teams stolz die Nummer 42 – zu Ehren des Mannes, der den Lauf der Geschichte verändert hat.


Chadwick Boseman, Harrison Ford und Nicole Beharie | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | 42

Blu-ray
42 42
Blu-ray Start:
06.12.2013
FSK: 0 - Laufzeit: 128 min.
DVD
42 42
DVD Start:
06.12.2013
FSK: 0 - Laufzeit: 123 min.

Filmkritik 42

Filmwertung: | 5/10


Dieser Film brachte den Rezensenten an den Rand eines Dilemmas: Der Abspann beginnt, die dröhnende Musik von Mark Isham – bedeutungsschwer und doch wie aus der (Hans-Zimmer-)Retorte – trichtert dem Zuschauer ein letztes Mal ein, dass er hier gerade etwas Großem beigewohnt hat. Ein Grund, „42“ zu kritisieren, ist schnell gefunden: Regisseur und Drehbuchautor Brian Helgeland (zu dessen Arbeiten das oscarprämierte Drehbuch zu Curtis Hansons Neo-Noir „L.A. Confidential“ gehört) tischt uns unverhohlen „Pathos, Pomp & Circumstance“ auf und ist sich zur Erreichung seiner (emotionalen) Ziele für keinen noch so billigen Hollywood-Taschenspielertrick zu schade. Trotzdem drängt sich – möchte man ihn für das kritisieren, was er nunmal ist und auch sein will – folgende Frage auf: Ist es überhaupt möglich, eine Geschichte wie diese ohne Pathos zu erzählen? „42“ dreht sich um Jackie Robinson, der anno 1947 zum ersten afroamerikanischen Spieler in einer Baseballmannschaft der Profiliga wird – und damit zur Symbolfigur. Eine klassische (und zudem noch auf wahren Begebenheiten beruhende) Erfolgs- und Aufstiegs-Story also, die den „American Dream“ ebenso verhandelt wie die Geschichte des Rassismus in den USA und die Stahlkraft des amerikanischen Nationalsports; es geht darum, sich durchzuboxen, allen Widrigkeiten die Stirn zu bieten und dabei seine Haltung zu bewahren – Themen also, denen die große Geste quasi inhärent ist.

„42“ ist Helgelands vierte Regiearbeit. Zuvor drehte er das annehmbare „Point Blank“-Remake „Payback – Zahltag“ mit Mel Gibson, die Mittelalter-trifft-Rock'n'Roll-Komödie „Ritter aus Leidenschaft“ mit Heath Ledger und zuletzt den misslungenen Okkult-Thriller „Sin Eater – Die Seele des Bösen“ mit Benno Fürmann und – sträflich unterfordert – ebenfalls Ledger. Der Film fiel bei Publikum und Kritikern gleichermaßen durch, seitdem sind zehn Jahre vergangen. Mit „42“ zielt Helgeland nun explizit auf ein breites (amerikanisches) Publikum und hat sich dabei offensichtlich von den Großen inspirieren lassen: Von den gefühlig aufgeladenen Geschichtsstunden Steven Spielbergs, von Clint Eastwoods „Invictus“ oder Barry Levinsons „Der Unbeugsame“. Harrison Ford spielt gewohnt knurrig und bärbeißig Branch Rickey, Baseball-Manager und Präsident der Brooklyn Dodgers. Dieser verfolgt - entgegen des inoffiziellen Abkommens, keine schwarzen Spieler in der „Major League“ zuzulassen – den Plan, die besten Spieler der sogenannten „Negro League“ unter Vetrag zu nehmen und stößt so auf den 27-jährigen Jackie Robinson (Trikotnummer: 42), dessen Debüt als „First Baseman“ der Dodgers ein wichtiges und symbolträchtiges Ereignis sowohl in der Baseball-Geschichte als auch in der Geschichte der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung darstellte.

Helgeland hat sich gegen ein Biopic im üblichen Sinne entschieden und konzentriert sich stattdessen auf den Zeitraum zwischen 1946 und 1947, jener Zeit also, in der Robinson (überzeugend gespielt von Chadwick Boseman in seinem Kinodebüt) vom weitgehend unbeschriebenen Blatt zum ersten schwarzen Baseball-Star der Geschichte wurde. Er zeigt die Anfeindungen der übrigen Spieler, die ihn durch rassistische Beschimpfungen aus dem Konzept zu bringen versuchen, in ihrer ganzen Unerträglichkeit, stellt die versöhnlichen Momente mithilfe anschwellender Trompetenmusik und manipulativer Slow-Motion-Effekte aber umso deutlicher heraus. Helgeland weiß, welche dramaturgischen Knöpfchen er drücken muss, um den jeweils gewünschten Effekt zu erzielen und hält sich trotz der begrenzten Zeitspanne, in der sein Film spielt, sklavisch an die Vorgaben und Konventionen des Genres. Und wenn Robinson am Ende in Zeitlupe über das Spielfeld schwebt, begleitet vom tosenden Applaus der Massen, ist die Antwort auf die eingangs gestellte Frage vielleicht doch nicht mehr so weit entfernt: Natürlich bedarf eine große Geschichte wie diese einer gewissen Feierlichkeit. Es kommt lediglich auf das richtige Maß an. Dieses findet Helgeland ebenso wenig wie seine Eigenständigkeit als Filmemacher. „42“ heischt nach Bedeutung, wirkt aber letztlich wie „Malen nach Zahlen“ auf der Leinwand.

by

Bilder © Warner Bros.