Greatest Showman

The Greatest Showman On Earth (2017), USA
Laufzeit: - FSK: 6 - Genre: Biographie / Musical
Kinostart Deutschland: - Verleih: 20th Century Fox

-> Trailer anschauen

Greatest Showman Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Inspiriert von P.T. Barnums Ambition und Phantasie erzählt GREATEST SHOWMAN die Geschichte eines Visionärs, der aus dem Nichts kam und ein faszinierendes Spektakel erschuf, das zu einer weltweiten Sensation wurde.

Hugh Jackman, Michelle Williams und Zendaya | mehr Cast & Crew


Greatest Showman - Trailer




Filmkritik Greatest Showman

Filmwertung: | 6/10


Pünktlich zur Jahreswende erscheint mit dem aufwändig und pompös inszenierten „Greatest Showman“ der perfekte Feel-Good-Film für die ganze Familie – zumindest oberflächlich betrachtet. Hier wird ein gänzlich traditionell und altmodisch gemachtes Musical mit Starpower und mitreißend-poppigen Songs präsentiert, das nicht nur Spaß machen, sondern auch noch eine Botschaft von Akzeptanz und Toleranz aussenden will. Im Mittelpunkt dieser theatralischen und gutmeinenden Extravaganz steht der amerikanische Zirkuspionier und Entertainer P.T. Barnum, der im 19. Jahrhundert als Schausteller zunächst diverse Kuriositäten in die Öffentlichkeit brachte und später mit außergewöhnlichen Tier- und Menschenshows in seinem erfolgreichen Wanderzirkus für großes Spektakel sorgte. Sein Zirkusunternehmen, das später mit den Ringling Bros. fusionierte, hielt sich ganze 146 Jahre und schloss erst letztes Jahr nach anhaltender Erfolglosigkeit seine Pforten.

P.T. Barnum (Hugh Jackman)
P.T. Barnum (Hugh Jackman) © Twentieth Century Fox
Die reale Figur P.T. Barnum bietet viel Potential für eine komplexe dramatische Abhandlung, woran das Spielfilmdebüt von Werberegisseur nur wenig interessiert ist. Er bietet hier (auf Basis von Bill Condons und Jenny Bicks Drehbuch) ein konventionell erzähltes und filmisch recht uninspiriertes Hochglanz-Musical, das handwerklich überzeugt, aber letztlich sein interessantes Subjekt weichspült. So wird Barnum in Graceys Film als großer Verfechter für Toleranz und Akzeptanz gefeiert, was in der Realität wohl nicht ganz der Wahrheit entspricht. Anders als dieser vermutlich idealisierte Barnum war die reale Figur wohl eher am Profit durch seine Sonderlinge interessiert als an ihren außergewöhnlichen Eigenschaften. Wie dem auch sei, „Greatest Showman“ fokussiert sich auf eine romantisierte Vision von Barnum.

Aber nochmal zum Anfang: Nachdem Gracey mit einer pompösen und überraschend poppigen Musical-Nummer seinen Film furios und spektakulär startet und dabei schon mal den wie immer stark aufspielenden Hugh Jackman als P.T. Barnum etabliert, springt er zunächst in dessen Kindheit zurück. So wird hier der in eher ärmlichen Verhältnissen aufwachsende junge Barnum (Ellis Rubin) gezeigt, der sich in die aus reicherem Hause stammende Charity Hallett (Skylar Dunn) verliebt. Ihre Beziehung steht unter keinem guten Stern, denn natürlich hat Charitys versnobbter Vater Benjamin (Fredric Lehne) etwas gegen die Tatsache, dass ein Niemand wie Barnum um seine Tochter buhlt.

P.T. Barnum (Hugh Jackman) und Charity Barnum (Michelle Williams)
P.T. Barnum (Hugh Jackman) und Charity Barnum (Michelle Williams) © Twentieth Century Fox
Doch die äußeren Umstände halten die beiden Verliebten nicht davon ab, ihren Weg zu gehen. Später sorgt der Film schon zu einem frühen Zeitpunkt für Irritation, wenn Jackman mit der zwölf Jahre jüngeren Michelle Williams gepaart wird. Nachdem man diese Altersdiskrepanz erst mal verarbeitet hat, wird hier ein beruflich strauchelnder Barnum präsentiert, der versucht seine Familie als einfacher Büroangestellter in einer Frachtgesellschaft über Wasser zu halten. Er will ihnen all den Reichtum bieten, den sie verdient haben und es dabei auch seinem skeptischen Stiefvater beweisen. Nachdem seine Firma Bankrott anmeldet, sieht Barnum seine Chance: Mit einem beträchtlichen Kredit eröffnet er ein Kuriositätenkabinett, das sonderbare Wachsfiguren ausstellt. Der Erfolg bleibt aus, woraufhin Barnum auf Raten seiner Kinder nach lebendigen Exponaten sucht. So stößt er auf eine Reihe außergewöhnlicher Menschen, deren körperliche Eigenschaften sie zu gesellschaftlichen Außenseitern machen. In Barnums Reich sorgen die Riesen, Zwerge, Wolfsmenschen und bärtige Sängerinnen jedoch für großes Aufsehen und die Ticketverkäufe gehen steil nach oben…

Gracey inszeniert hier die Art von Musical, bei dem die Figuren immer wieder in typisch theatralischer Manier aus dem Gespräch heraus in perfekt choreografierte Tanz- und Singnummern ausbrechen. Wer diese Art von Film nicht ausstehen kann und unkonventionellere und ungeschliffenere Varianten wie „La La Land“ bevorzugt, ist hier schon mal vermutlich am falschen Platz. Eine Parallele zu Damien Chazelles Musical-Variante hat „Greatest Showman“ jedoch schon mal in Form der beiden Oscar-gekrönten Komponisten Benj Pasek und Justin Paul. Ihre Songs, die betont poppig daherkommen, gehören zu den Highlights dieses Films. Die Musik kombiniert mit den aufwändig inszenierten Sequenzen sorgt sicher für einige mitreißende Momente, die auch nach dem Film sicher für manchen Ohrwurm sorgen werden.

Philip Carlisle (Zac Efron) und Anne (Zendaya)
Philip Carlisle (Zac Efron) und Anne (Zendaya) © Twentieth Century Fox
„Greatest Showman“ ist letztlich purer Kitschbombast, der sehr dick aufträgt und keinen Platz für subtile Töne bietet. Das ist farbenfroh und künstlich-steril, was auf Dauer trotz des flotten Tempos erschöpfend wirken kann. Sicher, Hugh Jackman ist hier deutlich in seinem Element. Seine Sing- und Tanzperformance ist makellos und auch ansonsten ist er die gewohnt charismatische und magnetische Präsenz, die diesen Film trägt. Alles um ihn herum hat deutlich weniger zu tun. So wird die großartige Michelle Williams mit einer recht eindimensionalen Rolle unterfordert, wirkliche Chemie zu Jackman baut sie leider auch nicht auf. Die Sonderlinge um Barnum sind dann auch mehr Mittel zum Zweck. Sie sehen alle außergewöhnlich aus und kriegen auch ihre großen, stolz vorgetragenen Musical-Nummern, zu wirklich dreidimensionalen Charakteren werden sie aber nicht. Sie tragen viel mehr die inspirierende Botschaft, dass auch die gesellschaftlich Ausgestoßenen ihren Platz verdient haben und äußere Merkmale nicht alles sind. Das ist schön und gut, aber auch arg simpel und durchschaubar.

Viel Drama bietet „Greatest Showman“ auch nicht. Mit dem Erscheinen der schwedischen Opernsängerin Jenny Lind (Rebecca Ferguson) kommt Barnum zu seinem größten Erfolg, als er sich mit ihr auf eine Tour begibt und endlich auch als seriöser Showman einen Namenmacht. Spuren von Gefühlen gegenüber Lind entgehen seiner Frau Charity jedoch nicht, weshalb es zu einem kurzen Konflikt kommt, der aber auch schnell wieder bei Seite gekehrt wird. Ein Nebenstrang, der sich mit Barnums Protegé Philip Carlyle (Zac Efron) und dessen Liebe zu Trapez-Künstlerin Anne Wheeler (Zendaya) beschäftigt, birgt auch kurzes Potential für Konflikte, doch auch hier wird nur kurz an der Oberfläche gekratzt. Dennoch: An Präsenz mangelt es all den genannten Darstellern nicht und gerade Efron und Zendaya lassen durchaus die Funken miteinander sprühen.

Jenny Lind (Rebecca Ferguson)
Jenny Lind (Rebecca Ferguson) © Twentieth Century Fox
Keine Frage, „Greatest Showman“ dürfte durchaus ein Spaß für Eskapismus-suchende Musical-Fans sein, die vom Kino erwarten, in eine andere Welt und Zeit transportiert zu werden. Der Film explodiert regelrecht mit audiovisuell verschwenderischem Spektakel, das bunt und glitzernd ist und mit gut aufgelegten Darstellern unterhält, ohne auch nur den Hauch von unaufrichtiger Ironie zu versprühen. Wer nach mehr Substanz und echter menschlicher Emotion sucht, dürfte hier dann aber eher im falschen Film sein.


Fazit:
Mitreißende Songs mit großem Ohrwurm-Potential, prachtvoll-verschwenderische Ausstattung und gut aufgelegte Darsteller sorgen in „Greatest Showman“ für puren, aufrichtigen und kitschigen Musical-Bombast, der für Fans des Genres einiges bietet. Eine echte, tiefer gehende Auseinandersetzung mit Zirkuspionier P.T. Barnum gibt es hier genauso wenig zu sehen wie dramaturgische Tiefe, was die Zielgruppe angesichts des gut gemeinten und flott inszenierten Spektakels aber kaum stören wird.
by

Bilder © 20th Century Fox