The Invisible Woman

The Invisible Woman (2013), Großbritannien
Laufzeit: - FSK: 0 - Genre: Romanze / Drama / Biographie
Kinostart Deutschland: - Verleih: Sony Pictures

The Invisible Woman Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Lehrerin Nelly (Felicity Jones) ist glücklich verheiratet und führt ein erfülltes Familienleben mit Ehemann und Kindern. Hervorgerufen von Reue und Schuldgefühlen bahnen sich jedoch zunehmend Erinnerungen an eine geheimnisvolle Vergangenheit den Weg in ihre Gedanken – und führen uns zurück in die Zeit der gleichermaßen aufregenden wie zerbrechlichen Liebesbeziehung, welche Nelly einst mit dem Autor Charles Dickens (Ralph Fiennes) verband.

Felicity Jones, Ralph Fiennes und Kristin Scott Thomas | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | The Invisible Woman

DVD
The Invisible Woman The Invisible Woman
DVD Start:
28.08.2014
FSK: 0 - Laufzeit: 107 min.

Filmkritik The Invisible Woman

Filmwertung: | 6/10


Die Liebe ist ein schwieriges Unterfangen. Stets begehrt man den Partner, den man nicht bekommen kann, während man die Aufmerksamkeit eines Menschen erhält, dem man selbst kaum Beachtung schenkt. Damals wie heute ist das Suchen und Finden der Liebe mit Schwierigkeiten verbunden. In der viktorianischen Zeit kamen noch erschwerend moralische Ansichten hinzu, die dafür Sorge tragen sollten, dass unehrenhafte Beziehungen nicht vollzogen wurden.

Ralph Finnes Drama „The Invisible Woman“ beschreibt eine unendliche Liebesbeziehung, die zum Scheitern verurteilt ist und an der Moral zu Grunde geht. Die junge und mäßig talentierte Nelly (Felicity Jones)wird von dem weltberühmten Autor Charles Dickens (Ralph Finnes) verehrt. Während sie an dem wesentlich älteren Mann die Sprachgewandtheit und sein bemerkenswertes Schreibtalent bewundert, hat es Dickens auf die aufblühenden Knospen der jungen Frau abgesehen. Ungeniert kämpft der verheiratete Mann um ihre Gunst, die sie ihn verwährt, um ihr Ansehen zu wahren. Doch als sie sich verzaubern lässt und eine Bindung mit ihm eingeht, wird sie zu der unsichtbaren Frau an seiner Seite, die nie öffentlich in Erscheinung treten darf.
Schauspieler Ralph Finnes („Grand Budapest Hotel“) wagt seine zweite Regiearbeit. Sein historisches Liebesdrama basiert auf einem Buch der Biografin Claire Tomalien, die von der unzüchtigen Liebe des bekannten Autors berichtet. Sowohl das Buch als auch der Film stützt sich auf Spekulationen über die Beziehung zwischen Dickens und seiner Geliebten. Die Ansichten der Bevölkerung im nahen Umfeld dienen nur am Rande der Bestätigung dessen, ohne weiteres Gewicht für die Handlung zu bringen. Finnes übernimmt nicht nur die Regie, sondern auch die Hauptrolle in seinem Liebesdrama. Gekonnt spielt er den exzentrischen und zugleich lebensfrohen Dickens, der sich in die Leidenschaft für das weibliche Geschlecht verliebt. Der Film lebt nahezu durch Finnes Verkörperung, lässt aber die skandalöse Beziehung aus seinen Augen betrachtet als Banalität erscheinen. Die junge Filicity Jones („Breathe In“) ist als unsichtbare Frau von einer tiefen Trauer gezeichnet. Gewusst bricht sie selbst den Kontakt zu ihrer Mutter (Kristin Scott Thomas) ab, um das Leben fortan hinter verschlossenen Türen zu leben. Doch ihr selbst gewähltes Schicksal trägt sie mit Würde, wodurch sich im Laufe des Dramas als eine Art Heldin etabliert, die das Leben nicht brechen kann. Die Handlung wechselt immer wieder zwischen den Erinnerungen an die gemeinsame Zeit mit Dickens und der Gegenwart des Jahres 1885, in der Nelly an der Seite eines anderen Mannes ihren Platz im Leben zu finden hofft. Äußerlich stark und souverän managt sie ihre Familie, während sie hinter verschlossenen Türen die Vergangenheit am Leben erhält. Dem Zuschauer erscheint sie dadurch als Frau mit zwei Herzen, die im damals und jetzt im gleichen Takt zu schlagen versuchen. Die Werke ihres einstigen Liebhabers bestimmen nach wie vor ihren Alltag und erhalten schlussendlich alle Erinnerungen an ihm dadurch lebendig. Die ruhigen Bilder und besonders die malerischen Szenen am Strand, die von Kameramann Rob Hardy („Shadow Dancer“) eingefangen werden, spiegeln das brachliegende Gefühlsleben der weiblichen Hauptfigur wieder. Trotz der vergangenen Jahre, die nach dem Tod von Dickens ins Land gezogen sind, bleibt Nellys Geist ruhelos. Fast scheint es so, als ob sie ihren Ruhepool für immer verloren hätte. Auch wenn sie nun an der Seite eines ehrenwerten Mannes lebt, der ihr eine Familie, Schutz und Geborgenheit schenkte, scheint ihr Herz damit nicht ausgefüllt.
Parallelen zu der heutigen Zeit lassen sich nur im übertragenden Sinne spinnen. Damals wie heute leben Frauen ein Schattendasein an der Seite eines Mannes, der längst vergeben ist. Der Fokus des Dramas liegt auf dem emotionalen Wechselbad der Figuren und der Reflexion der Umwelt. Darüber hinaus ist die Handlung ruhig und spannungsarm. Wer sich in der viktorianischen Zeit und den Kostümen verlieren kann, wird mit „The Invisible Woman“ gute Unterhaltung finden.

Fazit: Ralph Finnes Kostümdrama erweckt den Anschein eines biografischen Schicksals, das mit Schmerz und Trauer einhergeht. Mit Felicity Jones als starke Heldin im Fokus wird das Frauenbild in der viktorianischen Zeit porträtiert, ohne die Moralvorstellungen zu werten. Leider versäumt es Finnes, die Thematik bis in die Tiefe zu ergründen und verliert sich so an Oberflächlichkeiten der Geschlechterrollen.

by

Bilder © Sony Pictures