Escobar: Paradise Lost

Escobar: Paradise Lost (2014), Belgien / Frankreich / Spanien
Laufzeit: - FSK: 16 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Alamode

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Escobar: Paradise Lost Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Der junge Surfer Nick Brady (Josh Hutcherson) will sich gemeinsam mit seinem Bruder Dylan (Brady Corbet) an der kolumbianischen Küste den Traum einer eigenen Surfschule erfüllen. Dort verliebt sich Nick in Maria (Claudia Traisac), die Nichte des berüchtigten kolumbianischen Drogenbarons Pablo Escobar (Benicio del Toro). Das anfänglich unbeschwerte Liebesglück – wohlwollend geduldet vom mächtigen "Patrón" – ist jedoch nicht von langer Dauer. Marias skrupelloser Onkel führt einen blutigen Kampf gegen die kolumbianische Regierung. Mehr und mehr lässt sich der unbedarfte Nick in die schmutzigen Machenschaften des Medellín-Kartells verstricken, bis Escobar schließlich seinen neugewonnenen „Sohn“ vor eine folgenschwere, tödliche Entscheidung stellt.

ESCOBAR: PARADISE LOST ist das Regiedebüt des Drehbuchautors und Schauspielers Andrea di Stefano, der mit Benicio del Toro (TRAFFIC - MACHT DES KARTELLS, FEAR AND LOATHING IN LAS VEGAS, CHE) die perfekte Besetzung für die Rolle des Escobar finden konnte. Daneben überzeugen Josh Hutcherson (DIE TRIBUTE VON PANEM, MITTERNACHTSZIRKUS) und Brady Corbet (THIRTEEN, FUNNY GAMES).


Benicio Del Toro, Josh Hutcherson und Claudia Traisac | mehr Cast & Crew


Escobar: Paradise Lost - Trailer


Escobar: Paradise Lost - Trailer


DVD und Blu-ray | Escobar: Paradise Lost

Blu-ray
Escobar - Paradise Lost Escobar - Paradise Lost
Blu-ray Start:
20.11.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 116 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Escobar - Paradise Lost (Doppel-DVD) Escobar - Paradise Lost (Doppel-DVD)
DVD Start:
20.11.2015
FSK: 16 - Laufzeit: 114 min.

Filmkritik Escobar: Paradise Lost

Filmwertung: | 8/10


Das Erstlingswerk vom italienischen Regisseur und Drehbuchautor Andrea Di Stefano ist ein Drama über den berüchtigten kolumbianischen Drogenboss Pablo Escobar. Dieser wurde schnell Anführer des gefürchteten Medellín-Kartells und baute sein Imperium aus, sodass er Mitte der 1980er Jahre einer der reichsten Menschen der Welt war. Der durch Fast Food übergewichtige „El Patrón“ zeichnete sich durch ein hohes Maß an Skrupellosigkeit und Brutalität aus. In seiner Zeit als Drogenherrscher ließ er Hunderte von Polizisten, Richtern und Staatsanwälten ermorden und überzog die Hauptstadt Bogotá mit Bombenterror. Escobar war mitverantwortlich für die neue Gesellschaftsschicht der reichen Drogenhändler, die ihr Vermögen protzig zur Schau stellten. Da Escobar einen kleinen Teil seines Vermögens auch für die Armen ausgab, hatte er in Teilen Medellíns sogar einen guten Ruf. Sehr bekannt ist auch seine 1979 erworbene Hacienda Nápoles. Das 3000 Hektar große Anwesen bei Puerto Triunfo am Río Magdalena kostete Escobar 63 Millionen US-Dollar. Er machte daraus seinen luxuriösen Landsitz. Escobar gilt als einer der größten Kriminellen des 20. Jahrhunderts. Er und sein Kartell waren die ersten, die die Herstellung von Kokain industrialisierten. Diese Abschnitte vom Leben des wohl größten Drogenpatrons werden in Di Stefanos Werk nicht oder nur am Rande dargestellt. Stattdessen liest sich die Geschichte wie folgt:

Nick (Josh Hutcherson) und sein Bruder Dylan (Brady Corbet) sind zwei lebenslustige Kanadier. Ihr Hobby Surfen bringt sie nach Kolumbien. In einem Wald direkt am Strand schlagen sie ihre Zelte auf. Sie fühlen sich, als wären sie am schönsten Ort der Welt angekommen. Die Menschen sind freundlich und hilfsbereit. Die schöne Maria (Claudia Traisac) leiht Nick ihren Truck. Doch wie er bald erfährt, ist Maria die Nichte von Pablo Escobar (Benicio del Toro). Da Nick nicht weiß, wie Escobar sein Geld verdient, stört ihn das nicht und das Liebesglück zwischen ihm und Maria nimmt seinen Lauf.
Als jedoch eine Gang ihn und seinen Bruder am Strand bedroht, weil sie angeblich in ihrem Waldstück seien und Nick von einem der Hunde am Arm verletzt wird, schildert er Escobar die Erlebnisse. Kurz darauf sind die Männer tot. Da Escobar charismatisch ist und Nick wertschätzt, da er Maria wirklich liebt, verschließt Nick die Augen vor der Wahrheit. Als er jedoch mit Maria auf Escobars Einladung in dessen Villa zieht, häufen sich die merkwürdigen Erlebnisse. Als der blutbespritzte Drago (Carlos Bardem) sich in der Nähe saubermacht, wird auch Nick endlich klar, wo er da hineingeraten ist. Können er und Maria dem Teufelskreis der Gewalt entkommen und ein friedliches Leben führen?

Die Geschichte ist packend und hochinteressant umgesetzt. Die Storyline hat eine hohe Intensität und Intelligenz zu bieten. Dabei hat man jedoch das Gefühl – je mehr man sich mit der Geschichte Escobars beschäftigt – dass dieser stellenweise zu positiv wegkommt und es hier an der Feinabstimmung mangelt. Denn Escobars Gräueltaten werden zwar immer wieder angedeutet und man erkennt hinter der charismatischen Fassade auch zweifelsohne eine hohe Gewaltbereitschaft und Machtgier, aber wirklich unsympathisch ist „El Patrón“ nicht dargestellt. Dafür wird es zu oft als liebender, froher Familienmensch gezeigt, der durch Benicio del Toro (Traffic – Macht des Kartells, Sin City, Guardians Of The Galaxy) und dessen Meisterleistung zwar bedrohlich, aber auch nachvollziehbar und beeindruckend herüberkommt. Denn del Toro zeigt die wahrscheinlich stärkste Leistung seiner bisherigen Karriere und trägt den Film in beeindruckender Art und Weise. In seiner schwierigen Rolle, für die er einige Kilogramm zunahm, gelingt es dem 48-Jährigen, eine hohe Bandbreite zu zeigen. So wird aus Escobar kein Monster, sondern auch ein Mensch, der mit seinen Kindern begeistert im Pool spielt. Das wirkt allerdings zu glorifizierend, wenn man die Taten von Escobar im Hinterkopf hat. Hier hätte man Di Stefano etwas mehr Gefühl für die Details gewünscht. Weiß der Zuschauer allerdings nicht, was Escobar alles auf dem Kerbholz hat, ist der Film stimmig, packend und ein fesselndes, sehenswertes Kinoerlebnis. Dann wirkt auch die von Josh Hutcherson überzeugend gespielte Figur Nick nicht so naiv und unwissend. Dieser bemerkt erst viel zu spät, nach vielen Jahren, wen er da eigentlich vor sich hat. Das erscheint bereits während des Filmes nicht in jeder Szene überzeugend. Forscht man nach, wie berüchtigt Escobar damals war, ist dieses Verhalten noch unglaubwürdiger. Wer sich all allerdings bewusst ist, wer Escobar war, kann und wird an „Paradise Lost“ seinen Spaß haben. Denn das Unterhaltungsniveau und die Spannung sind durchgehend auf sehr hohem Niveau. Einige Momente erinnern von der Machart an den herausragenden und preisgekrönten Drogendealer-Grenzflucht-Film „Sin Nombre“. Ab ungefähr der Hälfte des Filmes gewinnt „Paradise Lost“ nochmal an Fahrt, da nach und nach etwas deutlicher wird, wie brutal die Welt Escobars war. Dabei hält sich Di Stefano gekonnt zurück und zeigt die harten Szenen nur selten. Viel mehr deutet er sie durch die Psyche der Figuren an, was umso wirkungsvoller ist. Dazu können die herrliche, exotische Landschaftsauswahl, die stimmige, spannungsgeladene Musikuntermalung, der mitreißende, kurzweilige Schnitt und die gut inszenierten Stunts überzeugen.


Fazit:
Starker, intensiver Film über den Drogenbaron Pablo Escobar. Je weniger Vorwissen der Zuschauer über Escobar hat, desto stärker wirkt der Film. Beschäftigt man sich näher mit Escobar und dessen Leben, fallen einige Fehler auf. Selbst diese demontieren den Film aber nicht. Denn dafür ist die schauspielerische Leistung von Benicio del Toro zu stark, die Geschichte zu packend erzählt und sind die Landschaften zu exotisch. Sehenswert!
by

Bilder © Alamode