Eine moralische Entscheidung

No Date, No Signature (2017), Iran
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Thriller
Kinostart Deutschland: - Verleih: Farbfilm

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Eine moralische Entscheidung Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Als Kaveh Nariman bei einem nächtlichen Verkehrsunfall in Teheran ein Motorrad mit einer vierköpfigen Familie rammt, wird dabei der achtjährige Amir leicht am Kopf verletzt. Nariman, der als Gerichtsmediziner arbeitet, möchte sichergehen, dass es dem Jungen gut geht. Er drängt Amirs Vater Moosa, seinen verletzten Sohn direkt ins Krankenhaus zu bringen, bietet ihm sogar Geld als Entschädigung für alle Unkosten an, das dieser widerstrebend annimmt. Am nächsten Tag wird der Junge in Narimans Klinik zur Autopsie eingeliefert, er ist tot.
Dr. Nariman glaubt, dafür die Schuld zu tragen. Vorerst spricht er mit niemandem über sein Geheimnis. Seine ihm nahestehende Kollegin Dr. Sayeh Behbahani dagegen diagnostiziert eine Lebensmittelvergiftung als Ursache. Ist also doch Amirs Vater verantwortlich, der seinem Sohn verdorbenes Fleisch zu essen gab? In ihrer wütenden Trauer macht Leila ihrem Mann Moosa schwere Vorwürfe. Während Nariman fieberhaft versucht, die Wahrheit herauszufinden, sinnt Moosa auf Rache an den aus seiner Sicht Verantwortlichen…


Navid Mohammadzadeh, Amir Agha’ee und Hediyeh Tehrani | mehr Cast & Crew


Eine moralische Entscheidung - Trailer




Filmkritik Eine moralische Entscheidung

Filmwertung: | 4/10


„Eine moralische Entscheidung“ ist 103 Minuten lang und kommt am 20. Juni 2019 in die deutschen Kinos. Die iranische Produktion von Regisseur Vahid Jalilvand ist dessen zweiter Film und erster Kinofilm. Es geht um den Arzt Kaveh Nariman, welcher in einem Krankenhaus für die Gerichtsmedizin arbeitet. Eines Nachts muss dieser auf einer Schnellstraße einem Auto ausweichen und streift gleichzeitig einen Roller, auf dem eine vierköpfige Familie sitzt. Gewissenhaft hält Nariman an, um nach dem Rechten zu sehen. Er fordert den Familienvater auf seinen Sohn ins nächste Krankenhaus zu fahren, auch wenn auf den ersten Blick keine großartigen Verletzungen erkennbar sind. Der Vater lehnt jedoch vehement ab. Am nächsten Tag findet Nariman den Jungen tot im Leichenraum des Krankenhauses. Bei der Autopsie wird festgestellt, dass dieser an einer Fleischvergiftung litt und sowieso nur noch einige Tage zu Leben hatte. Es stellt sich die Frage, was genau nun die Todesursache des Jungen gewesen ist…
Hediyeh Tehrani und Zakieh Behbahani
Hediyeh Tehrani und Zakieh Behbahani © Noori Pictures
Ich habe noch nie zuvor einen iranischen Film gesehen. Diesen Umstand wollte ich nun ändern und habe mir „Eine moralische Entscheidung“ angesehen. Hierbei wurde ich leider etwas enttäuscht. Der Streifen gleicht einer Mischung aus „Grey‘s Anatomy“ und einem typischen, deutschen Kriminal-Fernsehfilm. Die erwarteten neuen Sehgewohnheiten blieben aus. Auch die Geschichte war keineswegs spannend oder dramatisch oder auch nur unterhaltsam. Der Doktor hadert damit seinen Kollegen zu erzählen, dass er mit diesem Jungen in einen Unfall verwickelt war. Das ist ja schön und gut, aber kein Stoff für 100 Minuten.

Es ändert sich auch nichts, wenn plötzlich das Frauenbild von einer emanzipierten Sichtweise ins Gegenteil kippt. Es ist einfach nicht angenehm dabei zuzusehen, wie Frauen immer wieder angefaucht werden. Die einzige Frau, die in diesem Streifen Mut beweist und sich von ihrem Ehemann lossagen will, kehrt ganz schnell zurück zu ihm. Ansonsten werden sie zu Randfiguren oder Nebendarstellern degradiert, deren einzige Aufgabe es ist den männlichen Protagonisten zu helfen, ihre Gedanken zu ordnen.

Amir Aghaee in Eine moralische Entscheidung
Amir Aghaee in Eine moralische Entscheidung © Noori Pictures
Interessanter wird das Drama bei der Farbgebung. Ich habe selten einen Film gesehen, der so wenig Rotanteil im Bild hat. Die düstere Stimmung wird dadurch nur noch deutlicher zum Ausdruck gebracht. Es ist ein dunkler Film, farblich fast schon monochrom. Die Kamera bleibt durchschnittlich. Sie macht ihre Arbeit, aber auch nicht viel mehr oder weniger. Trotzdem gibt es ein bis zwei kleine Lichtschimmer am Horizont. In einer Einstellung sieht man ein Auto von innen fahrend, doch die Handlung spielt sich ausschließlich im Rückspiegel ab. Eine innovative, brillante Lösung, welche für den Cineasten zwar nur ein Tropfen auf dem heißen Stein ist, aber besser ein Tropfen als gar kein Wasser.

Navid Mohammadzadeh in Eine moralische Entscheidung
Navid Mohammadzadeh in Eine moralische Entscheidung © Noori Pictures
Dem Hauptdarsteller Amir Aghaei wird in diesem Film etwas die Show gestohlen. Denn Navid Mohammadzadeh, welcher den Vater spielt, überzeugt weit besser. Er ist es auch, der seinen Handlungsstrang tragen kann und somit die weitaus interessantere Geschichte bekommt, als die Hauptfigur.


Fazit:
Alles in allem ist „Eine moralische Entscheidung“ kein Film für die große Leinwand. Er enttäuscht auf vielerlei Ebene, obgleich er auch einen interessanten Denkanstoß liefert. Das Drama wäre als einfacher Fernsehfilm besser geeignet gewesen. Die Geschichte ist langweilig, die technische Umsetzung ist größtenteils langweilig – der gesamte Film ist langweilig. Kein besonders gutes Werk, aber ein spannender Einblick in die iranische Kinolandschaft.
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Bilder © Farbfilm