Alexander Fehling

Alexander Fehling ©Wild Bunch Germany

Daten und Fakten

Geburtstag:
29.03.1981
Geburtsort:
Berlin, Deutschland


zum Interview mit Alexander Fehling

Filmographie Alexander Fehling

Alexander Fehling hat in folgenden Filmen mitgewirkt, als:

Darsteller:

13 Semester
13 Semester
(2009)



Buddy
Buddy
(2013)




Drei Zinnen
Drei Zinnen
(2017)

Goethe!
Goethe!
(2010)

Im Labyrinth
Im Labyrinth
(2013)



Ruhelos
Ruhelos
(2012)

Sturm
Sturm
(2009)




Stimme:


Tarzan 3D
Tarzan 3D
(2013)


Drehbuchautor:




Interview mit Alexander Fehling

Alexander Fehling im Interview zu "Tarzan 3D"


TARZAN lebt ein ursprüngliches Leben. Für einige sind fehlende Ursprünglichkeit und verlorener Naturkontakt ernstzunehmendes Zeitprobleme. Wie siehst du das?
Ich finde es ein interessantes Thema und würde es schon ein Zeitproblem nennen. Ich kenne das auch von mir: Man hat alles, aber trotzdem ist man aus irgendeinem Grund nicht so richtig glücklich. Gerade in unserer Generation ist so eine grundlosee Traurigkeit total verbreitet. Man fragt sich immer warum und ich glaube, es hat damit zu tun, dass man von so viel Lärm und auch Erwartungen oder Angeboten umgeben ist. Man hat das Gefühl, dass man sich ständig entscheiden muss und sich alles aussuchen kann, was man letztendlich aber gar nicht kann. Ich glaube schon, dass einen das stresst und vielleicht sogar krank macht. Man kann in so einem Chaos kaum mehr zu sich kommen.

Alexander Fehling © 2014 Constantin Film Verleih GmbH Macht Naturkontakt also glücklicher?
Ich erlebe es so: Wenn man in der Natur ist - zum Beispiel Urlaub auf einer Hütte macht - dann kocht man Abends eine Suppe, Morgens steht man auf und holt Milch. Das sind dann sehr ursprüngliche und direkte Vorgänge, die auf jeden Fall glücklich machen können. In der Natur merkt man außerdem immer, wie klein man als Mensch ist. Ich finde man kriegt einen Eindruck davon, wie groß das Universum und alles um einen herum ist. Das halte ich für eine sehr gesunde Erfahrung.

Würde man dich ohne Hilfsmittel in die Wildnis werfen, was würde passieren?
In meiner Vorstellung würde ich dies und das machen und einige Zeit überleben, aber das Lustige ist, dass die Vorstellung so oder so nicht zutreffen würde. Die Wahrheit ist, dass ich nach fünf Minuten vielleicht stolpere und tot bin. Welche Tarzan-Interpretationen hast du gesehen?
Ich habe früher die Schwarz-Weiß-Verfilmungen mit Johnny Weißmüller gesehen. Das war heimlich bei Oma im Nachmittagsprogramm. Dann habe ich die GREYSTOKE - DIE LEGENDE VON TARZAN mit Christopher Lambert gesehen. Damals habe ich viele Abenteuerbücher von Jules Verne, deshalb kam mir Tarzan gerade recht.

Wie hast du die Synchronisation des Films erlebt?
Bei der Sychronisation war der Film noch nicht ganz fertig. Die Figuren hatten zum Beispiel noch keine Kleidung an. Das war wirklich lustig: Der Vater findet seine Tochter wieder, schaut an ihr herunter und sie ist nackt. An so etwas muss man sich zwar erst gewöhnen, aber man ist beim Sprechen sehr konzentriert bei der Sache, deshalb ist das kein großes Problem. Man muss sich die fertige Animation manchmal einfach vorstellen.

Mich erinnert der fertige TARZAN stellenweise an AVATAR. Hast auch du derartige Parallelen gesehen?
Lena und ich haben die Gemeinsamkeiten selbst zwar nicht gesehen, aber vorhin hat uns schon mal jemand darauf hingewiesen. Scheinbar sind die beiden Welten einander in irgendeiner Weise ähnlich.

Wie habt ihr Tarzans Affenlaute entwickelt?
Am Anfang musste ich viel ausprobieren. Das passiert dann auf die Gefahr hin, dass man sich lächerlich macht, aber das ist in diesem Beruf öfter so. Ich habe das dann auch einfach gemacht, dann haben wir gemerkt, dass manche Sachen zu albern klingen und manche zu zurückhaltend sind. Wir mussten dann eine Mitte finden. Den großen Schrei durfte ich leider nicht machen - nur die einacheren drum herum. Der Hauptschrei ist eine technische Konstruktion und ich glaube, das hört man auch. Ich kann mich jetzt also schlecht mit ihm rühmen (lacht).

Vor einigen Jahren wurden Kinder gefunden, die keinen Kontakt zur Außenwelt haben und ihre eigene Sprache sprechen. Hast du dich zur Vorbereitung mit solchen Fällen beschäftigt?
Nein, überhaupt nicht. Ich kann das aus eigenem Interesse selbstverständlich tun, aber letztendlich nützt es mir für den Film gar nichts, weil ich dem fertigen Bild dienen muss. Man hat bei der Synchronisation von einem Film wie TARZAN sehr viele Vorgaben. Ich glaube es ist dann besser, wenn man mit einem freien Kopf da rein geht.

Sind für dich als gerne improvisierender Schauspieler die "vielen Vorgaben" manchmal grenzwertig?
Es gibt Leute, die ihr ganzes Arbeitsleben im Studio verbringen. Ich habe davor großen Respekt, denn für mich ist es wirklich anstrengend. Ich bin froh, dass ich auch etwas anderes machen darf. Mein "Hauptberuf" ist nun mal nicht Synchonsprecher und damit bin ich glücklich. Bestehende Figuren nur mit der Stimme ausfüllen zu müssen wäre für mich auf Dauer schwierig.

Was aus deinem "richtigen" Beruf würdest du vermissen?
Alles. Wenn ich in einem Film eine Figur spiele, dann baue ich die Illusion auf, wirklich diese Person zu sein. Gebe ich einer Figur nur meine Stimme, dann ist das nicht das Ziel. Wäre ich Synchronsprecher, dann würde ich wohl meinen ganzen Beruf vermissen.

Helfen Dinge wie Kleidung eigentlich bei der Transformation in eine andere Person? Oder bei dem Code-Switch zwischen öffentlicher und privater Person?
Wenn ich auf einer Premiere einen Anzug anziehe, dann fühle ich mich darin sicherer. Aber ich stelle mich schon vorher darauf ein, was an einem Tag wie heute oder auf einer Premiere verlangt wird. Ansonsten muss ich gar nicht so viele Schalter umlegen. Wenn ich spiele, dann bin ich darin eigentlich nicht sehr gut. Du beschäftigst dich mit einer bestimmten Figur und ihren Konflikten und dann gehst du in die Mittagspause - das kann ich nicht gut. Ich konzentriere mich lieber auf eine Sache und das gerne auch mal 2,5 Monate lang. Dann bin ich in dieser Zeit etwas weniger kommunikativ. Andere gehen da mit einer Leichtigkeit ran: Sie reden gerade noch mit jemandem, drehen sich um und spielen.

An welchen Spielfilmprojekten arbeitest du gerade?
Ich habe an einem Film gearbeitet, der "Im Labyrinth" heißt und wahrscheinlich im Herbst rauskommen wird. Das ist ein sehr spannendes Projekt. Damit ein guter Film entsteht, müssen immer viele Faktoren zusammenspielen, daher kann ich jetzt noch nicht sagen, was das Endergebnis sein wird. Ich weiß aber, dass tolle Schauspieler beteiligt sind und ein sehr gutes Drehbuch zugrunde liegt.

Das da wäre?
Die Geschichte spielt in den 50er Jahren und ich stelle einen Staatsanwalt dar, der gerade am Frankfurter Gericht angefangen hat. Ich werde darauf aufmerksam gemacht, dass jemand auf der Straße einen ehemaligen Ausschwitz-Wärter wiedererkannt hat. Um diese Zeit waren Gericht und BKA voller Halb-Nazis und viele sind damals gerade wieder zurückgekommen, während das Land sich bemüht hat wieder auf die Beine zu kommen. Meine Figur beginnt, sich mit diesen Dingen zu beschäftigen. Eigentlich zeigt der Film die Entwicklung der innerdeutschen Prozesse nach den Nürnberger Prozessen. Das klingt ein bisschen nach Geschichtsstoff, aber ich glaube, es kann sehr packend werden.

Interview by Sima Moussavian
Photo © 2014 Constantin Film Verleih GmbH


Alexander Fehling im Interview zu "Wir wollten aufs Meer"


"'Wir wollten aufs Meer' ist eben kein Film über die DDR." - Hauptdarsteller Alexander Fehling über seine Rolle, die Dreharbeiten und die Bedeutung von Freundschaft

Hollywoodtauglichkeit - bewiesen. Komödientauglichkeit - bewiesen. Dramentauglichkeit - bewiesen und dieses Jahr nur noch einmal übertroffen. Vorbei sind die Zeiten, in denen es dem deutschen Schauspielarsenal an emotionaler Tiefe, eigendynamischer Intensität und authentischer Gerichtetheit fehlte. Mit bewundernswerter Konstanz hat Alexander Fehling in den vergangenen 6 Jahren überrascht und beeindruckt, um sich einen Platz in den licht gewordenen Reihen deutscher Schauspielelite zu sichern. Am 13.09. kehrt er im DDR-Drama "Wir wollten aufs Meer" auf die Kinoleinwände zurück, um auch den letzten Zweifler von der vielversprechenden Zukunft des deutschen Kinofilms zu überzeugen. Im Zuge des Münchner Filmfests hat Movieworlds den 31-Jährigen getroffen, um mit ihm über sein aktuelles Projekt zu plaudern.

Hast du eigentlich Erinnerungen an die DDR?
Ja, ich habe schon Erinnerungen, aber ich war 8, als die Mauer fiel und ich erinnere mich mehr an meine Kindheit als an mich in der DDR. Mit 8 denkst du noch nicht bewusst. Was du nicht kennst, zählt nicht. Du nimmst Dinge als gegeben hin und die Welt manifestiert sich danach, in welchem Umfeld du aufwächst. Aber ich erinnere mich, dass ich damals lange in Marzahn gewohnt habe. Und als ich zum ersten Mal rübergegangen bin, das war schon krass. Es roch alles völlig anders. Der Geruch der Welt war ganz anders: das muss anderer Dreck gewesen sein, anderes Gemüse, anderer Schweiß wahrscheinlich fast. Das war ja viel mehr Multi-Kulti. Sogar der Rauch, der durch die Straßen zieht, war ganz anders.

Waren die Dreharbeiten eine Art Geschichtsunterricht für dich?
Nö, ehrlich gesagt nicht. Die Vorbereitungen schon, da taucht man nochmal ein. Aber auf der anderen Seite - ich finde, "Wir wollten aufs Meer" ist eben kein Film über die DDR.

Denkst du also, die zwischenmenschliche Vordergrundthematik von „Wir wollten aufs Meer“ würde auch vor einem anderen Hintergrund greifen, das heißt abseits der Stasi-Thematik?
Das ist eine gute Frage, das weiß ich nicht genau. Ich glaube ehrlich gesagt, ohne dass es beliebig ist, wo das passiert und was da zwischenmenschlich passiert, sind es universelle Themen, die behandelt werden. Dinge, die auch uns passieren – vielleicht nicht in einer so filmischen Dramatisierung oder Überspitzung, aber uns passieren ähnliche Dinge, nur nicht alle an einem Tag. Ich glaube, dass das alles auch in anderen Gefangenheitssituationen passieren kann, oder in anderen repressiven Systemen. Ich hoffe aber trotzdem, dass es nicht austauschbar ist. Und es ist natürlich so: die Landschaft, in der die Handlung stattfindet, löst eine allgemeine Spannung aus. Ich glaube, dass es sehr genau erzählt, aber es ist eben ein kleiner Ausschnitt einer Zeit und eines Landes.

Was hat dich während der Dreharbeiten zu „Wir wollten aufs Meer“ am meisten herausgefordert?
Die Figur, ehrlich gesagt. Es ging mir manchmal so, dass ich erst mal Zeit brauchte und teilweise erst beim Dreh begriffen habe, warum er dies und jenes tut oder nicht tut. Manchmal wusste ich auch selber nicht – was denkt er denn jetzt? Man lernt ihn erst Stück für Stück kennen. Er ist ein bisschen in sich zurückgezogen - ist da, aber zeigt das nicht so richtig. Er öffnet sich nicht gleich, erst Stück für Stück. Das ist etwas, das mir gefallen hat. Ich mochte das an ihm, aber trotzdem war es auch eine Herausforderung für mich. Ich musste erst den inneren Kompass finden, weil es, glaube ich, viele Momente gibt, in denen man sich fragt: warum glaubt er das oder warum glaubt er es nicht.

Ist diese Seite von Cornelis eine Seite, mit der du dich identifizierst oder gefiel es dir, gerade weil du es von dir selbst nicht kennst?
Ich glaube, ich kann das schon nachvollziehen. Ich habe dafür irgendwie Verständnis. Es gibt da ja immer Überschneidungen mit einem selbst und man nimmt ja alles immer aus sich - woher willst du es nehmen, wenn nicht aus dir? Da gibt es also schon eine Welt, in der ich mir denke – ich weiß, wie es dir geht.

Wie hast du den Dreh der Gefängnisszenen erlebt?
Körperlich war das schon sehr intensiv. Einerseits ist es so, dass man zuhause ankommt und sich denkt – mit tut alles weh. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein Geschenk und ich mache das auch gerne. Ich mag solche Filme, ich finde, es ist eine tolle Chance, durch so viele Stationen der Not zu gehen – auch körperlich. Sehr reizvoll. Es ist also beides: einerseits weißt du dann, was du so gemacht hast, während du gedreht hast, andererseits ist man auch erschöpft. Aber im Gefängnis, also im Loch, hatte ich mehr das Gefühl: ok, jetzt müssen wir arbeiten, damit das glaubhaft wird, denn wenn das nicht glaubhaft wird, dann rutscht die ganze Sache hier weg. Diese existenzielle Behauptung kann so schnell kippen. Damit bin ich dann beschäftigt und daran versuche ich zu arbeiten: dass man mir das glaubt.

Während der Gefängnisszenen wart ihr ja größtenteils ziemlich viele Leute auf recht engem Raum. Ist man sich da leicht auf die Nerven gegangen?
Och, das ging eigentlich. Die Zelle musst du dir so vorstellen: das war in einer Fabrikhalle und in dieser Fabrikhalle war diese Zelle nachgebaut. Das heißt, du drehst dort und du gehst dort rein, aber der Punkt ist: du kannst immer rausgehen. Du musst nicht die ganze Zeit da drin bleiben. Aber natürlich: wenn man in einer Gruppe arbeitet, dann gibt es immer den Lagerkoller, das hat jeder mal. Aber es ist jetzt nicht so, dass wir uns durch die Zelle auf die Nerven gefallen sind – im Gegenteil. Eigentlich sind wir eher zusammen gekommen. Man hat zusammen gesessen und jeder hat ein bisschen erzählt. Manche Kollegen und Statisten hatten auch Geschichten aus der Zeit. Wir haben da sehr an einem Strang gezogen, was dann wieder den Szenen gut tat, glaube ich.

Gibt es da einen Unterschied zwischen der Zusammenarbeit mit jüngeren und erfahreneren Regisseuren?
Na ja, das macht bestimmt einen Unterschied. Ich wüsste aber nicht, welchen. Ich kann das jetzt gar nicht beschreiben – ich beobachte das nicht, das interessiert mich gar nicht. Für mich entscheidet es sich darüber: ist jemand mutig? Ob das jetzt ein 18-Jähriger ist oder ein 80-Jähriger, das ist mir völlig egal. Ist man großzügig, tolerant mutig, interessiert und zartfühlend, vorsichtig mit dir dann ist es egal, ob das der erste Film ist oder ob man sich mal streitet - dann ist alles egal. Darin kann man sich dann zuhause fühlen. Aber jeder ist auch so anders. Manchmal werde ich gefragt: wie ist das, bei Tarantino in so einem großes Film zu sein und dann in einem kleinen experimentellen Film in Afrika. Aber es ist einfach alles immer anders. Man kann das nicht miteinander vergleichen. Ich wüsste auch gar nicht, was besser ist. Routine ist zum Beispiel etwas, was mich gar nicht so interessiert. Klar denkt man manchmal, dass ein älterer Mensch durch die Erfahrung ein größeres Selbstbewusstsein hat – im besten Sinne. Das ist dann auch gut für die Arbeit. Aber Toke (Constantin Hebbeln) – für ihn ist „Wir wollten aufs Meer“ der erste Langfilm, aber er hat trotzdem dieses Selbstbewusstsein und auf der anderen Seite auch seine Zweifel und seine Suche und sagt:" Ich weiß es auch nicht." Und das ist sehr gut.

Bisher - was waren die am häufigsten gestellten Fragen zu "Wir wollten aufs Meer" und gibt es eine, auf die du sozusagen wartest, weil sie dir noch keiner gestellt hat?
(lacht) Das ist eine gute Frage - eigentlich nicht, nein. Die häufigsten waren, glaube ich, die größte Herausforderung, dann die DDR Kindheit, was mich an dem Projekt angesprochen hat und wie ich dazu gekommen bin.

Dann jetzt mal ganz anders: müsstest du 5 Schlagwörter zu "Wir wollten aufs Meer" nennen, welche wären das?
Freundschaft, Verrat, Hoffnung, Vertrauen und Willenskraft.

Nachdem dir zuerst 'Freundschaft' gekommen ist: was bedeutet Freundschaft für dich?
Für mich bedeutet Freundschaft, wenn man sich miteinander entwickelt. Dass man sich mag und all das - dass man eine Sprache miteinander hat und sich irgendwie angezogen fühlt voneinander - das sowieso. Aber dann auf dem langen Bogen ist Freundschaft für mich, wenn man sich miteinander entwickelt und zwar auch über Probleme hinweg. Wenn man am anderen auch mal bemerkt: Ach so ist das, das kannte ich gar nicht! Das gibt's doch nicht! Und wenn man dann weitermacht miteinander und sich toleriert und akzeptiert auch bei Dingen, die einem gar nicht liegen und die man gar nicht mag, aber eben toleriert, weil das der Mensch ist. Weil man es nicht trennen kann und weil man weiß, das eine kann man ohne das andere nicht haben. So ist das nun mal bei Menschen. Du magst zum Beispiel die Energie einer Person, aber in anderen Situationen geht es dir auf die Nerven, weil er nie still sitzt. Das gehört zusammen. Wenn man diese Toleranz für einander aufbringt, dann ist das für mich Freundschaft. Loyalität. Das wäre übrigens auch ein gutes Stichwort für "Wir wollten aufs Meer". Das ist etwas, was sehr wichtig ist und ich glaube, dafür müssen viele, viele Jahre vergehen.

Was würden deine Freunde sagen: was hat sich bei dir in den letzten 5, 6 Jahren verändert?
Das ist ziemlich gesund bei mir, glaube ich. Die interessieren sich dafür, was ich mache, aber es ist alles völlig normal. Die lassen sich auch gerne mal was aus der Welt erzählen, aber es spielt nie eine große Rolle. Manchmal, wenn ich dann nichts habe oder nichts klappt, dann leiden sie mit mir, aber eigentlich ist es total normal. Ich kenne die meisten auch schon seit 10 Jahren und finde es auch gut, dass sie meinen Beruf als selbstverständlich nehmen.

Dann war es für sie auch schon vor 10 Jahren klar, dass aus dir mal ein Großer wird?
Na ja also - so sehe ich das nicht. Ich mach halt meine Sachen und hatte auch viel Glück. Wenn mal was erfolgreich wird, haben es danach ja sowieso immer alle gewusst, obwohl das bei uns kein Thema ist. Aber ich rede (bei Freunden) von wenigen. Ich bin kein Mensch, der einen riesigen Freundeskreis um sich schart. Das kenne ich gar nicht. Aber sie haben mir schon vertraut, glaube ich, doch. Es war nie so, dass sie dachten, das wären alles Spinnereien.

Bezüglich Veränderung: du hast ja nun auch schon im Drehbuchbereich Erfahrungen sammeln dürfen. Verändert die Mitarbeit an einem Drehbuch den Blick auf Rollen?
Du spielst an auf den Film " Der Fuß war einst ein Mensch"? Na ja, da muss man dazu sagen, Jan Zabeil( der Regisseur) und ich haben nicht wirklich ein Drehbuch zusammen geschrieben, das Besondere an diesem Projekt war ja, dass wir ohne Drehbuch rüber gereist sind, nur mit einem roten Faden, und die Geschichte des Reisens suchen wollten. Wir wollten das eben dort auch erfahren - das, was du dir nicht ausdenken kannst. Deshalb haben wir kein Buch zusammen geschrieben, wir haben eine Geschichte zusammen entwickelt. Mit Toke (Constantin Hebbeln) war es so: - ich kenne das Projekt jetzt schon seit 4 Jahren und als ich das erste Mal etwas davon gelesen habe, war es noch ein Treatment von 70 Seiten, das war noch nicht einmal ein Drehbuch. Dann habe ich die Drehbuchfassungen lesen dürfen und wenn es gewollt ist, ist es für mich total schön, sich das auszutauschen und ein bisschen Feedback zu geben. Aber was heißt verändert - ja, natürlich: je mehr man eintaucht in den Blick des anderen, desto mehr lernt man auch zu verstehen, was funktioniert und was vielleicht nicht funktioniert. Da lernt man schon dazu, finde ich. Das hat wohl ein bisschen mit Handwerk zu tun...

Interview by Sima Moussavian