Missverstanden

Incompresa (2014), Italien / Frankreich
Laufzeit: - FSK: 12 - Genre: Drama
Kinostart Deutschland: - Verleih: Rapid Eye Movies

Missverstanden Filmplakat -> zur Filmkritik

erhältlich auf Blu-ray und DVD

Inhalt

Aria (Giulia Salerno) ist das einsamste Mädchen Roms: Ihr Zuhause gleicht einem Schießstand, auf dem ihre neurotischen Eltern ihre Eitelkeiten abfeuern. Die männerverrückte Pianistin (Charlotte Gainsbourg) und der Möchtegern-Filmstar (Gabriel Garko) haben die Neunjährige in ihrem Ehekrieg aus den Augen verloren. Während ihre Schwestern mit Liebe überschüttet werden, wird Aria wie ein ungeliebtes Möbelstück hin- und hergerückt. In der Schule sieht es nicht anders aus – weder die beste Freundin noch Arias Schwarm erkennen die hilflose Verlorenheit der Außenseiterin. Zurückgewiesen und abgeschoben streunt Aria durch die Stadt und schenkt ihre Liebe einer schwarzen Straßenkatze.

Charlotte Gainsbourg, Giulia Salerno und Gabriel Garko | mehr Cast & Crew


DVD und Blu-ray | Missverstanden

DVD
Missverstanden Missverstanden
DVD Start:
31.07.2015
FSK: 12 - Laufzeit: 102 min.

zur DVD Kritik

Filmkritik Missverstanden

Filmwertung: | 8/10


Die Italienerin Asia Argento ist die Tochter des Horrorfilmregisseurs Dario Argento und stand bereits mit zehn Jahren zum ersten Mal vor der Kamera. Bisher spielte sie in Filmen wie „Land of the Dead“ (2005) und „Do not Disturb“ (2012) mit, entdeckte aber gleichzeitig immer mehr ihre Begeisterung für die Regiearbeit. Mit „Missverstanden“ (Originaltitel: „Incompresa“, IT/ FR, 2014) kommt ihr dritter Film nach „The Heart Is Deceitful Above All Things“ (2004) und „Scarlet Diva“ (2000) in die Kinos.

In Rom im Jahr 1984 lebt die neunjährige Aria (Giulia Salerno) als eines von drei Kindern bei ihren unglücklich verheirateten Eltern. Bald kommt es zur Trennung: Ihr Vater (Gabriel Garko) zieht zusammen mit der ältesten Tochter Lucrezia (Carolina Poccioni) aus. Aria bleibt anfänglich bei ihrer Mutter (Charlotte Gainsbourg) und ihrer Schwester Donatina (Anna Lou Castoldi). Als einzige Tochter von beiden Elternteilen hat Aria das Pech, das beide die Verantwortung an den anderen abgeben wollen und so wird sie zwischen beiden Wohnungen hin- und her geschoben. Glücklicherweise gibt es da noch ihre beste Freundin, mit der sie alles teilt und eine daher gelaufene, schwarze Katze, die zu ihrem stetigen Kameraden wird, wenn sie wieder einmal alleine durch die Stadt streift.

Die Geschichte von Aria erscheint so besonders und im Detail so ausgereift, dass der Betrachter einen persönlichen Hintergrund vermutet. Insbesondere die vorhandenen Parallelen, wie der berühmte Vater, die Zeit, in der es spielt, und die Namensähnlichkeit verleiten dazu. Asia Argento, die zusammen mit Barbara Alberti das Drehbuch geschrieben hat, erklärt aber in einem Interview, dass dies kein autobiographischer Film sei. Zwar habe sie Erfahrungen von sich und anderen Bekannten eingebaut, aber sie wollte mit Aria eine Figur schaffen, mit der sich viele identifizieren können. Sie erzählt die Geschichte aus Arias Sicht und zeigt dabei die Abgründe menschlichen Verhaltens, wie die fehlende Liebe der Eltern und die Gemeinheiten anderer Kinder. Aber dabei wird der Film nie schwer oder düster, sondern behält sich stets seine Leichtigkeit und ist damit Ausdruck von Arias starkem Willen. Die Familie wird dabei als nicht heilig entlarvt, wie sie ansonsten oft im italienischen Kino dargestellt wird. Argento suchte den absichtlichen Bruch mit diesen Stereotypen. Die Ansiedlung der Geschichte in de 80er Jahren war notwendig, um Arias Einsamkeit besser einzufangen. In Zeiten von Smartphones und sozialen Netzwerken wäre so nicht möglich gewesen. Das Resultat ist ein überraschender (die Wendungen sind einfach nicht vorhersehbar), sympathischer und starker Film, der die Gefühle seiner Protagonistin mit Wucht einfängt und vermittelt wie problematisch das Leben als Kind sein kann. Auch die Musik dieser Zeit spielte eine wichtige Rolle. Der italienische Punk und Synthie-Pop, wobei vor allem unbekanntere Stücke von Argento ausgewählt wurden, ist ein Spiegel der Jugend und Arias Suche nach einem Zuhause. Argento selbst bezeichnet die Musik im Film als eigenen Film und lässt ihr so auch genug Zeit ihre Stimmung und Wirkung zu entfalten.Im Gesamten schafft es der Film mit der Musik, den Locations und vor allem den Ausstattungen und den Outfits den Zeitgeist der 80er Jahre treffend einzufangen.
Das Schauspieler-Ensemble kann bis zur kleinsten Nebenrolle überzeugen. Asia Argento, die selbst als Kinderdarstellerin gearbeitet hat, versuchte speziell die jungen Schauspieler, von denen viele noch gar keine Erfahrung besitzen, mit in die Arbeit einzubeziehen und bezeichnet die Arbeit am Set als kommunistisch. Charlotte Gainsbourg, welche Argento bereits am Set von „Do not disturb“ persönlich kennenlernen durfte, war für sie die Traumbesetzung. Gainsbourg spielt die egoistische und stets berauschte Mutter überzeugend und unausstehlich. Gabriel Garko, der den Vater spielt, ist in Italien ein Fernseh-Star. Argento fand das sein Äußeres perfekt den Schauspielergrößen der 70er und 80er Jahre entspricht. Und er spielt diese Rolle hervorragend und gibt den Star-Allüren seiner Hauptfigur ein passendes Gesicht. Aber am meisten beeindruckt die junge Hauptdarstellerin Giulia Salerno. Ihr allein gehören die Sympathien der Zuschauer. Mit ihren großen Augen erträgt sie die Ungerechtigkeiten und bleibt trotzdem stets mutig und lässt sich nicht unterkriegen. Salerno gibt ihrer Figur Kraft und das Gefühl, dass sie ein Happy-End finden wird.

Fazit: Der Film „Missverstanden“ ist ein erfrischend anderer Film über die Jugend, die erste Liebe, Freundschaft und familiäre Probleme. Trotz der schwerwiegenden Themen verliert der Film nie seine Leichtigkeit und erzählt schwungvoll aus Sicht des neunjährigen, missverstandenen Mädchens seine Geschichte. Herausgekommen ist eine bonbonfarbene Unterhaltung, welche die Zuschauer fesseln kann, die sich auch für ungewöhnliches Erzähl-Kino begeistern können.

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Bilder © Rapid Eye Movies