Disceptatio

Disceptatio (2015), Deutschland
Laufzeit: - Genre: Action / Drama / Fantasy


Disceptatio Filmplakat -> zur Filmkritik

Inhalt

Ein junger Gefangener wird von vier Agenten in ein scheinbar feindliches Gebiet geführt. Schnell überschlagen sich die Ereignisse und der Hauptprotagonist Connor wird in Eile verwanzt und mit der Aufgabe konfrontiert Informationen aus einer Untergrundorganisation zu schleusen, für welche er einst gearbeitet hat. Um dies zu tun muss er in einer Gegenüberstellung mit der Anführerin Lazarus die Überhand halten und das Vertrauen gewinnen. Schnell wird offensichtlich, dass Lazarus und Connor eine gemeinsame Vergangenheit teilen und das sich diese Vergangenheit sogar über die Welt hinaus erstreckt die einem gezeigt wird. Die Geschehnisse spitzen sich weiter zu, bis in einem dramatischen Klimax die Wahrheit ans Licht kommt.

Beatrice Glagow, Chris Nachtigall und Stuart Austen | mehr Cast & Crew


Filmkritik Disceptatio

Filmwertung: | 7/10


Die Liebe ist ein grausames Konstrukt, das in der Neuzeit immer wieder hinterfragt wird. Während die romantischen Züge der Liebe in der Vergangenheit zelebriert wurden, scheint die Romantik heutzutage ausgestorben. Die Gesellschaft legt die Normen fest und die Menschen verhaaren in ihrer Arbeit, blind vor dem Privatleben. Die Filmemacher Tobias Wolters und Tim Augurzke zeigen in ihrem Kurzfilm „Disceptation“, dass die Liebe eines Tages immer mehr zu einem leidlichen Gefühl verkommen wird, für das im Leben kein Platz mehr zu sein scheint.

Bereits in den ersten Filmminuten erwartet dem Zuschauer eine Welt, in der das Ende einer Trennung unsagbar traurige Auswirkungen hat. Ein junger Mann namens Connor (Chris Nachtigall) verliert sich in der Einsamkeit seiner imaginären Welt. Seine Realität sieht jedoch noch viel düsterer aus. Von vier Agenten in einer dunklen Nacht verwanzt und zu einer gefährlichen Mission gezwungen, setzt Connor nicht nur seine Liebe, sondern auch sein Leben aufs Spiel. Er soll die Untergrundorganisation ausspionieren, für die er selbst einmal aktiv tätig war. Um seine falsche Identität nicht auffliegen zu lassen, bemüht er sich, das Vertrauen von Anführerin Lazarus (Beatrice Glasgow) zu gewinnen. Doch da beide eine gemeinsame Vergangenheit haben, die über ihre Welt hinaus reicht, ist ihre Aussprache emotional aufgeladen. Beide versuchen ihre Gefühle zu verdrängen und sich ihrer Rolle zu widmen. Doch jedes gesagte Wort ist schwanger von Doppeldeutigkeit, die den Zuschauer spürbar gefangen nimmt. Welch tragisches Schicksal mag ihre Liebe einst zerstört haben? Und was ist passiert, dass sich das Paar nun auf konträren Seiten befindet, die einander nicht dulden können? Diese Fragen bleiben in dem 18-minütigen Kurzfilm unbeantwortet. Doch das beklemmende Gefühl, das sich aus der Konservation von Mann und Frau ergibt, wird deutlich. Mimik und Gestik der Darsteller verraten kaum etwas über ihre wirkliche Gefühlswelt, die sich auf weiter Strecke nur erahnen lässt. Doch dies gibt dem Zuschauer ausreichend Möglichkeit, das Gezeigte selbst zu interpretieren.

Tobias Wolters, der bereits im Alter von sechzehn Jahren den 100-minütigen Film „The Ones And The Others“ drehte, beweist nicht nur als Drehbuchautor, sondern auch im Bereich der Visual Effects ein glückliches Händchen. Die animierten Kulissen, in denen die Geschichte von Connor eingebettet ist, verleiht dem Film eine beeindruckende Eigenwilligkeit. Zwischen märchenhafter Atmosphäre und düsterer Dystopie liegt eine Welt, die unserer so nah und gleichzeitig so fern ist. Der sparsame Einsatz von Farbe untermalt die eigenwillige Atmosphäre. Die imaginäre Welt erstreckt sich in weißen Kulissen, während die düstere Realität in Dunkelheit versinkt.

In Zusammenarbeit mit Tim Agurzke („Cruelty“) entstand ein tiefgründiges Kurz-Drama, das durch die Bilder getragen wird. Die Geschichte des Films ist weder spektakulär noch innovativ. Aber die Gestaltung dessen zeugt von künstlerischer Fähigkeit. Die Gefühle der Figuren werden auf prägnante Weise vermittelt und über Symbolbilder verdeutlich. Die Agenten versteht Tobias Wolters als Sinnbild von Connors Trieb, mit allen Mitteln die Liebe zurückzugewinnen. Anführerin Lazarus ist kalt und distanziert und Connor erkennt in ihr nicht mehr die Frau, die er einst liebte. Sie kappt nicht nur seine Gefühle, sondern beendet sein Leben auf grausame Art. Dank der Hintergrundmusik und der oft ruhigen Momente erscheint „Disceptatio“ wie ein Musikvideo, das durch seine stillen Untertöne fasziniert. In dieser unbekannten Welt agieren Chris Nachtigall und Beatrice Glasgow als konträres Paar, dessen zerstörte Liebe sie zu Feinden werden ließ.


Fazit:
Tobias Wolters´ und Tim Agurzkes Zusammenarbeit ist visuell beeindruckend. Nie wurde das Ende einer Liebe poetischer und künstlerischer in Szene gesetzt.
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