Omar Sy

Omar Sy ©

Daten und Fakten

Geburtstag:
20.01.1978
Geburtsort:
Trappes bei Paris, Frankreich


zum Interview mit Omar Sy

Filmographie Omar Sy

Omar Sy hat in folgenden Filmen mitgewirkt, als:

Darsteller:




Ein MordsTeam
Ein MordsTeam
(2013)



Inferno
Inferno
(2016)







Interview mit Omar Sy

"EIN MORDSTEAM" - INTERVIEW: OMAR SY glaubt an ein solidarisches Frankreich: "Solidarität könnte helfen, das vielschichtige Frankreich wirklich zu einen."

Nachdem das Thema Solidarität sich wie ein roter Faden durch "Ein Mordsteam" zieht - was ist Ihre persönliche Definition von Solidarität?
Für mich ist Solidarität immer wieder eine Entscheidung. Jeder muss sich bewusst dazu entscheiden, solidarisch zu sein und zu handeln. Ich denke außerdem, dass Solidarität die Lösung für viele Probleme Frankreichs sein kann. Frankreich und seine Bevölkerungsschichten sind ziemlich divers und zwischen Arm und Reich besteht durchaus noch immer ein Abgrund. Solidarität könnte helfen, das vielschichtige Frankreich wirklich zu einen.

Denken Sie, dass Solidarität etwas Grenzenloses sein sollte, oder gibt es missverstandene Solidarität?
Vielleicht kann Solidarität zu weit gehen und vielleicht ist es nicht richtig, aus Solidarität zu jemandem beispielsweise zu lügen, aber ich glaube, einem anderen durch solidarisches Denken und Handeln zu helfen, sollte immer einen Versuch Wert sein. Der erste Schritt zu wahrhaftiger Solidarität ist der Versuch, jemand anderen zu verstehen und Verständnis kann niemals zu weit gehen. Ich selbst halte das Verständnis für einander und die Kompromissbereitschaft miteinander für eine sehr wichtige Angelegenheit. Das ist auch einer der Gründe, aus denen ich so gerne an "Ziemlich beste Freunde" und "Ein Mordsteam" mitwirken wollte. Beide Filme thematisieren das Miteinander von recht ungleichen Menschen und Solidarität setzt genau das voraus.

"Ein Mordsteam" legt viele Vorurteile offen. Glauben Sie, das kann Menschen zum Umdenken bringen?
Zumindest war das ursprünglich das Ziel des Films. Wenn Menschen vielleicht auch nicht vollständig umdenken werden, werden sie sich durch den Film doch zumindest die ein oder andere Frage stellen. Sie werden sich mit dem Thema Vorurteile zumindest beschäftigen. Mehr könnte ich mir wohl gar nicht wünschen.

Der Film nähert sich dem Thema ja auf eine sehr humorvolle Art an. Ist Humor Ihrer Meinung nach die einzig wahre Antwort auf Vorurteile?
Vielleicht ist Humor nicht unbedingt die einzige Antwort auf Vorurteile, aber es ist definitiv meine. Es ist einfach meine Art zu lachen und andere zum Lachen zu bringen. Ich halte es für einfacher, über derart ernste und dunkle Angelegenheiten wie Vorurteile humorvoll zu sprechen, weil genau das die Situation aufhellt. Ich will kein Lehrer sein und auch kein Politiker, also möchte ich mich einem Thema wie diesem auch nicht auf eine hochgradig politische oder schrecklich lehrhafte Art und Weise nähern. Ich bin Comedian und vielleicht habe ich nicht so viel Ahnung von derartigen Dingen wie ein Politiker oder der Papst, aber ich habe meine Meinung und meine eigene Art mit entsprechenden Sachverhalten umzugehen. In diesem Falle ist das Humor und das kann den Leuten entweder passen oder eben nicht. Ich glaube, meine Herangehensweise und Meinung zu Vorurteilen kann weder mehr noch weniger zählen als die von irgenjemand anderem.

Wie würden Sie Ihren Humor beschreiben?
Meinen Humor zu beschreiben ist gar nicht so leicht. Ich denke, ich lache einfach über alles. Ich lasse keine Gelegenheit zu lachen aus. Humor und Spaß sind Dinge, an die ich aus tiefstem Herzen glaube, denn wie nichts anderes gibt mir Lachen das Gefühl, am Leben zu sein. Ich tanze und lache durchs Leben, weil Tanzen und Lachen für mich Leben ist.

In "Ein Mordsteam" ist die Swingerclub Szene eine Szene, die mit Sicherheit einige Lacher wert ist. Wie schwer ist Ihnen der Dreh gefallen?
Sehr schwer. Über diese Szene haben wir viel gestritten und ich habe mich im Voraus viel geärgert, weil mich der Gedanke daran überfordert hat. Ich stamme aus einer sehr konservativen Familie. Nacktheit ist für uns etwas sehr Bedeutungsschweres. Ich kann mich weder einfach mal eben nackt zeigen, noch kann ich mir einfach mal eben den nackten Körper eines anderen ansehen. Um mich davon zu überzeugen, diese Szene zu drehen, haben sie mir die ganze Zeit gesagt, sie würden nachvollziehen können, dass es mir schwer falle, wenn das Ganze aber im Kasten sei, würde ich es lieben. Wenn ich die fertige Szene nun ansehe, merke ich, dass sie Recht hatten. Ich kann wenigstens behaupten, dass ich mich für eine wirklich lustige Szene entblößt habe. Ich selbst habe zumindest über die Sequenz gelacht.

Der Humor des Films baut weitesgehend auf der Art und Weise auf, wie Ihr Charakter und sein Partner die unbekannte Welt des Anderen entdecken. Denken Sie, das ist es, worum es in jedem Leben geht?
Ja, mit Sicherheit. Der Sinn des Lebens ist der Kontakt mit und das Verständnis für andere Menschen. Zufällige Begegnungen mit immer neuen Menschen, das Eintauchen in deren Welten, ist es zumindest, was meinem Leben Sinn gibt. Mein Leben hat sich konstant über all die Menschen entwickelt, denen ich mit der Zeit begegnet bin. Ohne andere Menschen ist leben nicht leben. Jeder Mensch sollte anderen und dem Anderen offen begegnen, denn niemand kann ganz alleine leben. Man kann es versuchen, aber sobald man es eine Weile versucht hat, bemerkt man auch schon, dass es so gut wie unmöglich ist.

Können 2 Menschen je zu unterschiedlich sein, um Freunde zu werden?
Nein, das glaube ich nicht. Man muss nicht das Geringste gemeinsam haben, um sich zu ergänzen und zu verstehen. Zumindest kann man es versuchen und das sollte man meiner Meinung nach auch. Wenn es zunächst auch unmöglich erscheint - wer es nicht versucht, weiß nie, ob es nicht doch geklappt hätte.

Im Film versucht der Sohn Ihres Charakters auf eigene Faust für Recht und Ordnung zu sorgen. Würden Sie sagen, dass der Durchschnittsbürger das Gesetz im echten Leben überhaupt in die eigene Hand nehmen darf?
Das ist wohl wirklich schwer zu beantworten. Ich denke es ist immer gut, einen Sinn für Gerechtigkeit zu haben und sich gegen Ungerechtigkeiten einzusetzen. Trotz dessen muss das natürlich in Grenzen passieren und es kann nicht richtig sein, das Gesetz in die eigene Hand zu nehmen, wenn man kein Richter, Politiker oder Polizist ist. Wenn man jedoch nicht mal den Sinn dafür hat, was gerecht und ungerecht ist, dann ist das nicht gerade ideal.

Gibt es nun abschließend etwas, das Sie durch "Ein Mordsteam" gelernt haben?
Wir lernen wohl tatsächlich immer und konstant dazu. Durch "Ein Mordsteam" habe ich gelernt, dass man sich vor einer Kamera ausziehen kann und es nicht schrecklich sein muss, sondern sogar lustig werden kann.

Interview by Sima Moussavian