Systemsprenger - DVD

DVD Start: 27.02.2020
FSK: ab 12 - Laufzeit: 120 min

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Inhalt

Pflegefamilie, Wohngruppe, Sonderschule: Egal, wo Benni hinkommt, sie fliegt sofort wieder raus. Die wilde Neunjährige ist das, was man im Jugendamt einen „Systemsprenger“ nennt. Dabei will Benni nur eines: Liebe, Geborgenheit und wieder bei ihrer Mutter wohnen! Doch Bianca hat Angst vor ihrer unberechenbaren Tochter. Als es keinen Platz mehr für Benni zu geben scheint und keine Lösung mehr in Sicht ist, versucht der Anti-Gewalttrainer Micha, sie aus der Spirale von Wut und Aggression zu befreien.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo / Port au Prince
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
Englisch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Trailer, EPK-Interviews, Featurette, Audiokommentar Menno Baumann

Video on demand - Systemsprenger

DVD und Blu-ray | Systemsprenger

DVD
Systemsprenger Systemsprenger
DVD Start:
27.02.2020
FSK: 12 - Laufzeit: 120 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Systemsprenger Systemsprenger
Blu-ray Start:
27.02.2020
FSK: 12 - Laufzeit: 120 min.

DVD Kritik - Systemsprenger

DVD Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 7/10
Ton: | 8/10
Extras: | 9/10
Gesamt: | 9/10


Die 9-jährige Benni (Helena Zengel) hat kein leichtes Leben. Durch ihr aggressives Verhalten wird sie von Institution zu Institution geschickt, in der Hoffnung, dass sie sich bessert. Das klappt allerdings nicht, da sie sich zu stark zu ihrer komplett überforderten Mutter Bianca (Lisa Hagmeister) hingezogen fühlt. Der Anti-Aggressions-Trainer Michael (Albrecht Schuch) soll ihr als letzte Instanz helfen. Nach einer langen Anfreundungsphase zwischen den beiden machen sie drei Wochen Urlaub im tiefen Wald, wenn die Auszeit jedoch nichts bringt, muss sie zurück in die psychiatrische Klinik.

Benni (Helena Zengel)
Benni (Helena Zengel) © Port au Prince
„Systemsprenger“ ist ein deutscher Film, der es wirklich in sich hat. Man muss sich nicht wirklich mit den Grundlagen und den Möglichkeiten der Pädagogik auskennen, um die ganzen Instanzen zu verstehen. Der Film verzichtet aber auf das Erklären der verschiedenen Ämter und die Handlung startet mittendrin. Benni, eigentlich Bernadette, muss auf die Förderschule gehen, da sie durch ihr Verhalten nicht auf normale Schulen darf. Doch dort wird sie von den anderen Kindern gemobbt, sodass es sehr oft zu aggressiven Ausschreitungen kommt und schließlich für einige Zeit suspendiert wird. Danach wird sie durch mehrere Instanzen gereicht, da sie keine Besserung zeigt. Das Ganze ändert sich aber, als sie einen neuen Schulbegleiter bekommt. Dieser ist eigentlich auf straffällige Jugendliche fixiert, doch droht selbst bei ihr zu scheitern. Die Mutter ist leider überhaupt keine Unterstützung. Die letzte Hoffnung sind drei Wochen komplette Auszeit im Wald. Was bei Jugendlichen oftmals Änderungen bewirkt, soll nun auch bei Benni zum Erfolg führen. Während des Urlaubs bekommt auch Michael einige Probleme mit ihr. Letztendlich verliert er sogar seine emotionale Distanz, was eigentlich nie hätte passieren dürfen.

Michael (Albrecht Schuch)
Michael (Albrecht Schuch) © Port au Prince
Eine wahre Stärke des Filmes sind die Figuren, vor allem ihre Moralitäten und Motive. Vor allem die Vertreterin des Jugendamts, Frau Bafané (Gabriela Maria Schmeide), ist sehr bemüht den richtigen Platz für Benni zu finden. Leider kann sie bei dir Mutter nicht bleiben, da sie restlosüberfordert ist. Der Film stellt sie aber nicht als Antagonistin dar, sondern zeigt in sehr einfühlsamen Dialogen, dass sie mit ihren drei Kindern, den ständig wechselnden Partnern und ihrer sehr losen Job-Situation einfach nicht zurechtkommt. Aber selbst Bennis weiteren Bezugspersonen schaffen es im Laufe der Handlung nicht immer dem Druck standzuhalten und brechen unter der Last zusammen. Auch sie werden nicht als Charaktere mit bösen Absichten gezeigt, sondern einfach als sehr hilflose Menschen. Der wahre Gegenspieler ist eigentlich das deutsche System und sein fehlendes Handeln bei Fällen wie Benni. Solche Kinder sind Systemsprenger und fallen durch sämtliche Raster für Hilfe von Kindern und Jugendlichen.

Der Film wird dabei aber keinerseits zu einem Leitfaden und will die moralische Keule schwingen. Vor allem das Ende zeigt, dass das deutsche System einfach noch extrem ausbaufähig ist und es sehr vielen Behörden an Empathie mangelt. Es wird aber auch gezeigt, dass nicht nur die Kinder Hilfe brauchen, sondern auch die Eltern. Eine gesunde Erziehung kann nur dann erfolgen, wenn die Beziehung stimmt. Hilfsbedürftige Eltern müssen einfach auch unterstützt werden. Am besten bevor es zu Ausschreitungen und Trennungen kommt.

Benni (Helena Zengel) und ihre Mutter Bianca (Lisa Hagmeister)
Benni (Helena Zengel) und ihre Mutter Bianca (Lisa Hagmeister) © Port au Prince
Was man auf jeden Fall wissen sollte, ist das der Film wirklich hart ist. Das FSK 12 ist komplett berechtigt. Neben sehr viel physischer Gewalt muss der Zuschauer auch einiges an psychischer Gewalt aushalten. Benni hat mehrere Traumata und ihre Wortwahl ist in gewissen Situationen sehr hart. Generell macht die ganze Geschichte von Benni den Zuschauer einfach sehr deprimiert. Da sie sehr viele Rückschläge erfahren hat und immer weiter erfährt, bleibt nicht wirklich viel Luft zum Atmen. Im Film läuft für sie einfach alles schief. Der Film hätte dabei auch gewisse Sachen auslassen können, denn nachdem Ende des Films ist kein Hoffnungsschimmer vorhanden.

Die Regisseurin Nora Fingerscheidt („Ohne diese Welt“) hat sich eine sehr harte Thematik vorgenommen. Diese hat sie vor allem durch viele Recherchen sehr realistisch und detailgetreu inszeniert. Die Schauspieler leisten dabei großartige Arbeit. Vor allem Helena Zengel („Looping“) ist fantastisch. Es ist einfach unglaublich, wie man in so jungen Jahren schon so eine beeindruckende schauspielerische Leistung ablegt. Aber auch die anderen Rollen sind grandios besetzt. Albrecht Schuch („Die Vermessung der Welt“), Lisa Hagmeister („Alles ist gut“) und Gabriela Maria Schmeide („Das weisse Band“) leisten ebenfalls wunderbare Arbeit.

Benni (Helena Zengel) in
Benni (Helena Zengel) in Systemsprenger © Port au Prince
Bild:
Obwohl es sich nur um eine DVD handelt, ist die Qualität des Bildes überdurchschnittlich gut. Man merkt zwar bei Texteinblendungen am Anfang und beim Abspann ein paar Schwächen, allerdings treten diese Schwachpunkte nicht im Film auf.

Ton:
Der Ton wurde auf Dolby Digital 5.1 abgemischt und hat keinerlei Störungen. Der Soundtrack ist überraschend vielfältig und sorgt vor allem in emotionalen Situationen für einen perfekten Ausstieg.

Extras:
Bei den Bonusinhalten lassen sich neben Trailern auch noch Interviews mit den beiden Hauptdarstellern, der Regisseurin und Prof. Dr. Menno Baumann, einem Fachmann für Intensivpädagogik, finden. Außerdem gibt es mit ihm noch sehr ausführliche Audiokommentare zu vier Szenen.


Fazit:
„Systemsprenger“ ist ein sehr intensiver Film über einen Teil der Kindheit von Benni, welche durch sämtliche Raster von Hilfsinstitutionen für Kinder fällt. Der Film setzt dabei aber keinen klaren Antagonisten, sondern zeigt sehr einfühlsam die Motive ihres Umfelds. Dabei ist sehr viel physische und psychische Gewalt zu sehen, was die Tragweite dieses Falls noch bedrückender macht.


by René Fischell
Bilder © Eurovideo / Port au Prince




Systemsprenger - Trailer