Tesla - Blu-ray

Blu-ray Start: 24.12.2020
Digital VoD: 24.12.2020
FSK: 12 - Laufzeit: 103 min

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Inhalt

Der junge Ingenieur Nikola Tesla (Ethan Hawke) ist ein vielversprechender Angestellter in Thomas Edisons (Kyle MacLachlan) Electric Light Company. Doch schon bald zeichnet sich ein Bruch zwischen den beiden sehr gegensätzlichen Männern ab, der sie zu lebenslangen Rivalen machen wird. Der brillante aber sozial unbeholfene Immigrant Tesla wendet sich an den Industriemagnaten George Westinghouse (Jim Gaffigan), der fortan Teslas Arbeit an seinem bahnbrechenden Stromsystem finanziert. Gleichzeitig arbeitet der genialische Erfinder bereits ungeduldig an einem neuen ambitionierten, vom Bankier J.P. Morgan (Donnie Keshawarz) finanzierten, Projekt. Dabei begegnet Tesla Morgans Tochter Anne (Eve Hewson) und steht vor der Entscheidung, sich weiter seiner Arbeit oder der Liebe hinzugeben.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: LEONINE
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch für Hörgeschädigte
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,85:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Interviews mit Cast & Crew

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DVD und Blu-ray | Tesla

Blu-ray
Tesla Tesla
Blu-ray Start:
24.12.2020
FSK: 12 - Laufzeit: 103 min.

zur Blu-ray Kritik
DVD
Tesla Tesla
DVD Start:
24.12.2020
FSK: 12 - Laufzeit: 99 min.

Blu-ray Kritik - Tesla

Blu-ray Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 4/10
Gesamt: | 7/10


Einer der größten Kritikpunkte, die „Edison – Ein Leben voller Licht“, dem unglücklichen, aber unterschätzten Biopic über den Stromkrieg zwischen Thomas Edison und George Westinghouse, angelastet wurde, ist die oberflächliche Behandlung von Nikola Tesla. Damit tat der Film im Grunde das, was die Geschichte immer wieder mit dem missverstandenen Erfinder-Genie und Wegbereiter moderner Elektro-Technologie getan hat. „Tesla“ ist nun der Versuch, mit diesem Unrecht aufzuräumen: Der Film des eigenwilligen amerikanischen Filmemachers Michael Almereyda („Hamlet“, „Marjorie Prime“) ist nach „Das Geheimnis des Nikola Tesla“ von 1980 der erste Spielfilm, der sich primär mit dieser faszinierenden historischen Figur auseinandersetzt, die weit mehr als Namensgeber eines elektrischen Autos ist.

Nikola Tesla (Ethan Hawke) in bester Laune
Nikola Tesla (Ethan Hawke) in bester Laune © LEONINE
In fragmentarischer Erzählweise, die in Form von J.P.s Tochter Anne Tracy Morgan (Eve Hewson) auf einer Meta-Ebene kontektualisierend und erklärend begleitet wird, zeichnet Almereyda ein künstlerisch anspruchsvolles und oft nur schwer zugängliches Bild des von Ethan Hawke gespielten Nikola Tesla. „Tesla“ ist ein betont andersartiger, herausfordernder und mutiger Film, der zwar viele der bekannten Kämpfe Teslas abarbeitet (die Rivalität mit Thomas Edison steht hier sicher im Mittelpunkt), aber darüber hinaus alles andere als herkömmliche Biopic-Kost bietet. Bewusst gesetzte Anachronismen und eine mal zurückhaltend-authentische, mal stilisierte Inszenierung sind für ein polarisierendes Filmerlebnis prädestiniert. Amereyda wagt viel, schießt möglicherweise aber auch an mancher Stelle ein wenig über das Ziel hinaus, sodass viele Zuschauer hier zwangsläufig auf der Strecke bleiben.

Der Film funktioniert als vielschichtige Analogie auf den undankbaren Kampf eigenwilliger Genies, sei es wie abgebildet in der Wissenschaft oder eben auch in der Kunst und der Unterhaltungsindustrie. „Tesla“ verdeutlicht die Schwierigkeiten, die viele Visionäre teilen, die nicht den bereits etablierten Konventionen folgen, sondern neue und nicht nur für kleinere Verstände möglicherweise sogar beängstigende Wege beschreiten. Letztlich ist der Film dann in seiner unkonventionellen Herangehensweise das perfekte Äquivalent zu seinem Subjekt Nikola Tesla: Nicht nur ist „Tesla“ so schwer greifbar wie sein namengebender Protagonist, er ist in seiner Negierung gängiger Sehgewohnheiten und in seinem unorthodoxen Ansatz auch ebenso brillant und wagemutig wie der große Erfinder. So ist die schnelle Ablehnung des Films seitens weniger aufgeschlossener Zuschauer wahrscheinlich letztlich auch die naheliegende Reaktion, die erneut zu seiner Thematik passt.

 Anne Morgan (Eve Hewson)
Anne Morgan (Eve Hewson) © LEONINE
Auch ist „Tesla“ eine Studie der Einsamkeit. In Ethan Hawkes fast völlig internalisierter und betont stoischer Darstellung findet sich ein interessantes und sporadisch wirkungsvolles Portrait eines Mannes, der nur schwer für seine Umwelt greifbar ist – ganz so wie Tesla eben ein Mann ist, den die Geschichte scheinbar auch nie ganz definieren kann. Dieser Tesla ist eben keine extrovertierte und strahlende Persönlichkeit, die in Sachen Selbstmarketing so versiert ist wie der windige Thomas Edison (Kyle MacLachlan) oder als gewiefter Geschäftsmann wie George Westinghouse (Jim Gaffigan) funktioniert. Tesla ist viel mehr eine altruistische Persönlichkeit, die voller großer Ideen steckt, die die Welt nachhaltig verbessern können, aber nicht die Möglichkeiten hat, sich selbst effektiv zu verkaufen. Aus diesem Widerspruch zwischen Altruismus und Kapitalismus entsteht natürlich Einsamkeit, die vielen brillanten Künstlern innewohnt, was „Tesla“ durchaus nachvollziehbar darstellt. Eine packende filmische Figur ist dieser passive und meist nur charismatischeren Gegenübern zuhörende Tesla aber nur bedingt.

Darüber hinaus verknüpft Almereyda mit seiner eigenwilligen impressionistischen Inszenierung das späte 19. Jahrhundert mit unserer hochtechnisierten Gegenwart. Alleine durch die vielfältigen Visionen Teslas, die hier angesprochen und visualisiert werden, kommt deutlich zum Ausdruck, wie wegbereitend der serbischstämmige Erfinder war. Doch Almereyda geht noch tiefer und baut mit seinen irritierenden, oft auch ganz beiläufig eingebauten anachronistischen Einfällen eine unübersehbare Brücke von dem Ursprung großer Ideen vor weit über hundert Jahren zu unserem heutigen Alltag. Da nutzt Edison plötzlich ein Smartphone an einer Bar oder lässt elektronische Musik ertönen. Zu Beginn klappt Erzählerin Anne Morgan gar ein MacBook auf und erzählt, wie wenige Fotos von Tesla bei Google verfügbar sind. Auch kommt es gelegentlich zu bizarren Szenen (etwa ein kleiner Softeis-Kampf zwischen Edison und Tesla), nach denen Morgan trocken erläutert, dass sich diese Szene so sicher nicht abgespielt hat. Hier spielt Almereyda mit der Unmöglichkeit des Authentizitäts-Anspruchs historischer Biopics. Noch wilder wird es aber, wenn Tesla gegen Ende aus dem Nichts karaokeartig „Everybody Wants to Rule the World“ von Tears for Fears vor künstlichem Hintergrund in ein Mikrofon trällert, während im Stile eines Musikvideos bestimmte Szenen des Films in einer Montage rekapituliert werden. Hier ist schlicht eine Figur zu sehen, die aus der Zeit gefallen ist.

Thomas Edison (Kyle MacLachlan)
Thomas Edison (Kyle MacLachlan) © LEONINE
Ansonsten ist „Tesla“ jedoch trotz aller Eigenwilligkeit ein meist sehr zurückhaltender, stiller und vor allem authentisch anmutender Film, der viel weniger auf Hochglanz getrimmt ist wie der bedeutend aufwändigere und teurere „Edison“. So erscheint die optische Gestaltung und die Besetzung von Edison und insbesondere von George Westinghouse mit dem Charakterdarsteller Jim Gaffigan zudem noch eine Spur bodenständiger und damit originalgetreuer als in dem prominent besetzten Film von Alfonso Gomez-Rejon. Zu authentischen Kulissen gesellen sich dann aber auch immer wieder offensichtlich unechte Hintergründe, etwa wenn sich Tesla in seinem späteren Domizil in Colorado aufhält. Hier hat Almereyda aus der Not, über ein nur geringes Budget zu verfügen, ganz offensichtlich eine Tugend gemacht und dem Film so eine weitere interessante künstlerische Ebene hinzugefügt.

Es ist natürlich ein Leichtes, diesen Film als prätentiösen Quatsch abzutun. Hier funktioniert längst nicht alles, jedoch ist Almereyda für seinen Mut zu bewundern, derart andersartige und freilaufende Wege zu beschreiten. Dennoch, der sprichwörtliche Funke springt hier längst nicht immer über und trotz aller künstlerischer Bemühungen ist der Film nicht so erhellend wie er hätte sein können, gerade im Bezug auf Teslas späteres Leben hätte man gerne mehr erfahren. Das Ziel, Tesla begreifbarer zu machen, gelingt sicherlich auf metaphorischer Ebene, ein filmisch packendes und kohärent nachvollziehbares Portrait ist so jedoch eher nicht gelungen. Hier muss man schon sehr aufgeschlossen sein, denn es fällt letztlich eben einfach nicht leicht, einer derart unnahbaren Figur zu folgen. Als intellektuelle Fingerübung und Meditation über Tesla und das Genre des historischen Biopics ist Almereydas Film aber einen Blick wert.

Akribisch bei der Arbeit: Nikola Tesla (Ethan Hawke)
Akribisch bei der Arbeit: Nikola Tesla (Ethan Hawke) © LEONINE
Bild
Der digital auf Sony CineAlta Venice aufgezeichnete Film spielt häufig in Dunkelheit und besticht dort durch sehr gute Kontrast- und Schwarzwerte. Bewusst eingesetzte Verfremdungseffekte sorgen für immer wieder stimmungsvolle Bilder, ebenso wie das digital gesetzte Filmkorn. Die Farben tendieren größtenteils ins Erdige, sind aber satt und natürlich gehalten. Dennoch kommt es auch zu intensiven Farbkontrasten, gerade wenn es stilisierter zugeht. Alles in allem lässt sich hier nur wenig bemängeln.

Ton
Akustisch wird hier ein eher frontbasierter und dialogorientierter Klang geboten. Stimmen sind klar priorisiert und verständlich abgemischt. Ansonsten wird es auch durch subtile atmosphärische Geräusche und vor allem durch gelegentlichen Einsatz der Filmmusik fein räumlich. Musikalisches und tonliches Highlight ist sicherlich die Tears for Fears-Montage. Ein großes Sounderlebnis darf man bei diesem stillen und introspektiven Film jedoch sicherlich nicht erwarten.

Extras
Die beim Bonusmaterial gebotene Interview-Auswahl überzeugt durch aufgeschlossene und erzählfreudige Gesprächspartner, die alle glaubhaft voll des Lobes für Regisseur Michael Almereyda sind. Dieser ist jedoch leider nicht mit von der Partie. Ansonsten bietet die Blu-ray leider lediglich diverse Trailer als Zusatz.
• Interviews (Ethan Hawke (09:06 Min.), Kyle MacLachlan (09:01 Min.), Eve Hewson (10:25 Min.), Jim Gaffigan (06:14 Min.), Rebecca Dayan (02:46 Min.), Uri Singer (06:06 Min.), Isen Robbins (04:05 Min.))
• Original Kinotrailer (02:14 Min.)
• Deutscher Kinotrailer (02:18 Min.)
• Trailershow


Fazit:
„Tesla“ ist ein betont andersartiges, freilaufendes und impressionistisches Pseudo-Biopic über eine Figur, die ihrer Zeit voraus war und weiterhin kaum zu greifen ist. Die unkonventionelle Herangehensweise ist eher als filmische Metapher für seine Titelfigur als wörtlich erhellende Erzählung gedacht, was für viele Zuschauer sicher abstoßend sein könnte. Der inszenatorische Wagemut und die künstlerische Ambition von Regisseur Michael Almereyda kann letztlich aber nur bewundert werden, auch wenn der Funke längst nicht immer überspringt.


by Florian Hoffmann
Bilder © LEONINE




Tesla - Trailer