Crash - Mediabook Modern - Blu-ray

Blu-ray Start: 22.05.2020
FSK: 18 - Laufzeit: 100 min

Crash - Mediabook Modern Blu-ray Cover -> zur Blu-ray Kritik

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Inhalt

Die Ehe von Filmproduzent James Ballard und seiner Frau Catherine ist am Ende. Das Einzige, was sie noch verbindet, ist gelegentlicher emotionsloser Sex miteinander und die zahlreichen Affären nebenbei, über die dem Ehepartner detailliert berichtet wird. In Folge eines Autounfalls beginnt James eine Affäre mit Helen, der Fahrerin des Unfallwagens, und entdeckt dabei die sexuelle Anziehungskraft, die Unfallszenarien auf die beiden haben. Ihre erotische Leidenschaft für quietschende Reifen und zersplitterndes Glas teilen sie schon bald mit anderen Unfall-Fetischisten.

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Blu-ray Details

Medienanzahl: 2
Regionalcode: 2
Vertrieb: Turbine Medien
Tonformate:
DTS-HD 5.1 Master Audio (Deutsch, Englisch)
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9 Widescreen (1,66:1) 1080p HD
Bonusmaterial:
Neue Interviews* in HD (ca. 140 Min.): Talk mit Viggo Mortensen & David Cronenberg (ca. 52 Min.), Peter Suschitzky (Kameramann - ca. 20 Min.), Jeremy Thomas (Produzent - ca. 17 Min.), Howard Shore (Komponist - ca. 23. Min.), Deirdre Bowen (Casting Director - ca. 27 Min.)
Archiv: Interviews* zum Kinostart mit den Machern & Stars (ca. 22 Min.) Hinter den Kulissen (ca. 11. Min.) US-NC-17-Trailer, Trailer (in HD: D & US).
Kurzfilme* von David Cronenberg: THE NEST (ca. 9 Min.), CAMERA (ca. 6 Min.), AT THE SUICIDE OF THE LAST JEW IN THE WORLD IN THE LAST CINEMA IN THE WORLD (ca. 4 Min.)

Video on demand - Crash

DVD und Blu-ray | Crash - Mediabook Modern

Blu-ray
Crash - Mediabook Modern Crash - Mediabook Modern
Blu-ray Start:
22.05.2020
FSK: 18 - Laufzeit: 100 min.

zur Blu-ray Kritik
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Blu-ray Start:
22.05.2020
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Crash (4K Ultra HD) Crash (4K Ultra HD)
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14.08.2020
FSK: 18 - Laufzeit: 100 min.
DVD
Crash Crash
DVD Start:
23.08.2012
FSK: 18 - Laufzeit: 96 min.

Blu-ray Kritik - Crash - Mediabook Modern

Blu-ray Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 9/10
Gesamt: | 9/10


Nicht viele Filme können von sich behaupten, auch noch Jahrzehnte nach ihrer Veröffentlichung nichts von ihrer Schockwirkung und Originalität eingebüßt zu haben. David Cronenbergs überaus kontroverser, 1996 erschienener Skandalfilm „Crash“ ist so ein gefährliches Werk, das damals wie heute kaum greifbar geschweige denn klassifizierbar zu sein scheint. Ganz sicher trägt der Film die unverkennbare klinische Handschrift seines kanadischen Machers, jedoch erscheint „Crash“ selbst in seinem Grenzen überschreitenden Œuvre in der schockierenden Verbindung zwischen sexuellem Fetisch und Gewalt als hochoriginelles Kuriosum. Das ist ganz sicher nichts für Jedermann, doch wer sein Kino gerne herausfordernd mag und sich vor keinen Extremen fürchtet, der darf hier ein faszinierendes Kunstwerk bewundern, das garantiert nicht kalt lässt.

Filmproduzent James Ballard (James Spader) lebt eine leere und emotionslose Existenz, die frei von jeden greifbaren Gefühlen scheint. Wie ein Zombie bewegt sich der Mittdreißiger durch die distanzierte urbane Landschaft, nur durch sexuelle Eskapaden scheint er noch ansatzweise etwas fühlen zu können. Seiner Frau Catherine (Deborah Kara Unger) geht es nicht anders, auch sie sucht ihre Kicks bei anderen Männern an ungewöhnlichen, möglichst riskanten Orten. Später treiben es die Beiden dann miteinander und erzählen sich dabei von ihren erotischen Abenteuern. Selten hat ein Film eine derart dysfunktionale Beziehung so merkwürdig harmonisch und vollkommen präsentiert

Deborah Kara Unger in Crash
Deborah Kara Unger in Crash © Neuilmverleih
Bei einem fatalen Frontalzusammenstoß mit einem anderen Auto begegnet James der ebenso gefühlsleeren Helen (Holly Hunter), deren Ehemann bei dem Unfall durch James Windschutzscheibe fliegt und zu Tode kommt. Als bei ihrem Befreiungsversuch aus dem stählernen Wrack ihre Brust entblößt wird, rast ein erregter Impuls durch James, der ihn auf die nächste Ebene seiner sexuellen Obsessionen führt. Über Helen gelangen er und Catherine schließlich in den Strudel des Performance-Künstlers Vaughan (Elias Koteas), der tödliche Unfälle großer Hollywoodstars todesmutig rekonstruiert und dabei Erregung empfindet. Er ist auf der Suche nach der „Umformung des menschlichen Körpers durch die moderne Technologie”, wobei er zunehmend den Ritt auf der Rasierklinge in Kauf nimmt, um seine extremen Kicks zu erleben…

Um sich der verkommenen und völlig pervertierten Welt von „Crash“ zu öffnen, bedarf es schon etwas Mut. Früh stellt sich hier die Frage, wie man derart entrückten, betäubten, kranken und letztlich bedauernswerten emotionalen Vampiren überhaupt folgen, geschweige denn sich mit ihnen identifizieren soll. Dennoch ist es David Cronenbergs beißendem Intellekt und filmischer Virtuosität geschuldet, dass „Crash“ merkwürdigerweise nichts Ausbeutendes hat, die Perversionen seiner paraphilen Protagonisten nicht mit erhobenem Zeigefinger verurteilt werden. Cronenberg ist zu smart, um seine Zuschauer führend an die Hand zu nehmen, er zeigt mit starrendem und nüchternem Blick, ohne zu moralisieren oder das Geschehen überlegen zu bewerten.

Lässt man sich erst mal auf den langsam mäandernden „Crash“ ein, entwickelt der Film sogar eine hypnotisierende und verführende Wirkung, die merkwürdig sinnlich und anziehend erscheinen kann. Spader, der zuvor in Steven Soderberghs ähnlich kühl-analytischem „Sex, Lügen & Video“ und später in der SM-Liebesgeschichte „Secretary“ bereits bzw. erneut abseitige sexuelle Neigungen ausleben konnte, erweist sich als Idealbesetzung der glatten Yuppie-Projektionsfläche, die seine Figur James darstellt. Seine betörende Partnerin Deborah Kara Unger fasziniert hingegen mit ihrer enigmatischen und hochsexualisierten Ausstrahlung. Ihre sinnliche Erscheinung wird noch zusätzlich dadurch akzentuiert, dass sie sämtliche Dialoge wie in einem Zustand permanenter Erregung dahinhaucht. Spader und Unger sind in diversen ausgedehnten, überaus zeigefreudigen sexuellen Akten zu sehen, die insbesondere durch ihren hemmungslosen Dirty Talk noch erotischer und grenzüberschreitender werden.

Elias Koteas in Crash
Elias Koteas in Crash © Neuilmverleih
Nicht unerwähnt bleiben darf auch Oscar-Preisträgerin Holly Hunter, die wie ihre beiden Drehpartner bei ihrer Rollenwahl bemerkenswerten Wagemut beweist. Heimlicher Star des Films ist jedoch Elias Koteas, der den Perversling Vaughan mit hemmungsloser Spielfreude gibt und den durchaus vorhandenen satirischen und schwarzhumorigen Kern des Films subtil offenlegt. Im Verlauf des Films werden die Akte immer grenzüberschreitender, die mit berstendem Metall von Autos sich verschmelzenden fleischlichen Gelüste immer untrennbarer, bis die Leere und Triebhaftigkeit der Figuren kaum noch zu stillen ist. Dennoch: „Crash“ ist in Bezug auf körperliche Gewalt kein plump expliziter Film, viel stärker und verstörender ist hier das psychologische Grundkonstrukt, das zugrunde liegt. Das sexuell so abwegige Fetisch seiner Figuren ist letztlich ein Platzhalter für „herkömmlichere“ sexuelle Obsessionen, der Film eine furchtlose psychologische Erforschung des menschlichen Verstandes, der sich aber nicht erdreistet, einfache Antworten zu liefern.

Die Welt, die Cronenberg erschafft, ist kühl, trist, distanziert und klinisch. Die Großstadt ist nahezu apokalyptisch, anonym, hart und desinteressiert an den Millionen Individuen, die durch sie strömt. Autos sind weit entfernt von jedweder Sinnlichkeit, sie sind metallisch, scharf, unbequem, kantig und gefährlich. Dass es Cronenberg dennoch gelingt, eine merkwürdige und widersinnige Sinnlichkeit aufzubauen, zeugt von meisterhaftem Können. „Crash“ ist ein furchtloser Film voller Tabubrüche, ein einzigartiges und kompromissloses Original, das in seiner Selbstverständlichkeit erstaunlicherweise nie aufgesetzt um den Selbstwillen provokant oder prätentiös daherkommt. Was man aus diesem offensichtlich metaphorisch aufgeladenen Film mitnimmt, bleibt jedem selbst überlassen. So kalt wie „Crash“ auch erscheinen mag, ist es ausgeschlossen, dass er den Zuschauer unberührt lässt.

 
Elias Koteas und Deborah Kara Unger in Crash
Elias Koteas und Deborah Kara Unger in Crash © Neuilmverleih

Bild
Weltweit einzigartig präsentiert Turbine hier eine aufwändige 4K-Restaurierung des originalen 35mm-Negativs von „Crash“. Das von Kameramann Peter Suschitzky und David Cronenberg abgenommene Bild zeigt den Film genauso, wie er aussehen soll. Das Filmkorn ist jederzeit präsent und gibt dem Bild eine schöne Textur. Die kühlen und metallischen Farben erscheinen entsprechend authentisch, erfreuen aber dennoch mit feinem Facettenreichtum. Hauttöne kommen angenehm natürlich daher. Kontraste und Schwarzwerte überzeugen ebenfalls, wobei hier gerne auch mal Details in dunklen Bereichen untergehen können. Ansonsten sind die Schärfelevel größtenteils gut, können aber auch teilweise etwas schwanken. Besonders Nahaufnahmen in heller Umgebung glänzen aber mit bestechendem Detailreichtum.


Ton
In akustischer Hinsicht lässt die Blu-ray ebenso kaum Wünsche offen. „Crash“ ist sicherlich kein klangliches Feuerwerk, dennoch begeistert die Original-Tonspur in der DTS-HD MA 5.1-Version immer wieder bestechende Surround-Qualitäten. Gerade beim Einsatz von Howard Shores passend metallisch-industrieller Filmmusik kommen die hinteren Lautsprecher fein abgestimmt zur Geltung. Die Stimmen sind – vermutlich gewollt – ein klein wenig leise, aber immer verständlich abgemischt. Bei den Autoszenen wird es nicht nur räumlich, auch überzeugt hier eine solide Klangdynamik.

Extras
Einer tollen retrospektiven Edition gebührend, offenbart das „Crash“-Mediabook eine Fülle an hervorragend kuratiertem Bonusmaterial mit einer Lauflänge von fast drei Stunden. Das Herzstückbilden frisch aufgezeichnete Interviews mit dem kreativen Kernteam hinter der Kamera, wobei sowohl der Werdegang der Beteiligten wie auch die Arbeit an dem Film Fokus stehen. Während die Interviews mit Suschitzky, Thomas, Shore und Bowen im privaten Umfeld gedreht wurden, erweist sich das Gespräch mit Mortensen und Cronenberg als Mitschnitt vom Q&A beim Toronto Film Festival 2019.
Zu den retrospektiven Extras gesellen sich neben einer B-Roll Interviews mit der Besetzung, die 1996 aufgezeichnet wurden. Dazu kommen drei Trailer und als besonderes Schmankerl noch drei Cronenberg-Kurzfilme von 2000, 2007 und 2013.
Darüber hinaus bietet das schön gestaltete Mediabook natürlich ein sehr ausführliches Booklet mit teils sehr tiefgründigen, aber auch informativ-übersichtlichen Beobachtungen von Christoph N. Kellerbach und Stefan Jung. Kurzum: Hier erhält man eine rundum gelungene, liebevolle und dem Film würdigende Ultimativ-Edition zu Cronenbergs einzigartigem Skandalfilm.
Neue Interviews
• Crash-Talk – Viggo Mortensen & David Cronenberg (52:15 Min.) 
• Cronenberg Challenge – Kameramann Peter Suschitzky (20:01 Min.) 
• Mechanical Animals – Produzent Jeremy Thomas (17:05 Min.) 
• The Shore Thing – Komponist Howard Shore (23:22 Min.) 
• License to Drive – Casting-Director Deirdre Bowen (27:12 Min.) 
Hinter den Kulissen (11:28 Min.)
Interviews zum Kinostart
• David Cronenberg (06:20 Min.) 
• J.G. Ballard (02:44 Min.) 
• James Spader (04:36 Min.) 
• Holly Hunter (03:26 Min.) 
• Deborah Kara Unger (05:05 Min.) 
• Elias Koteas (02:33 Min.)
  Trailer
• Kino-Trailer (D) (01:30 Min.)
  • Kino-Trailer (US) (01:30 Min.) 
• Kino-Trailer (US NC-17) (01:59 Min.) 
Kurzfilme von David Cronenberg
• The Nest (09:36 Min.) 
• Camera (06:44 Min.) 
• At the Suicide of the Last Jew in the World in the Last Cinema in the World (03:58 Min.) 


Fazit:
Mit „Crash“ gelang David Cronenberg einer der außergewöhnlichsten, originellsten und wagemutigsten Filme der 90er, der auch heute nichts von seiner Faszination und Schockwirkung verloren hat. Der Film ist in seiner psychologisch kühlen und emotional distanzierten Erforschung sexueller Obsessionen und seiner konsequenten Tabubrüche einzigartig und nur schwer greifbar, lässt aber gerade deshalb auch nicht los.


by Florian Hoffmann
Bilder © Turbine Medien




Crash - Mediabook Modern - Trailer