Rick Kavanian

Rick Kavanian ©mediaPool

Daten und Fakten

Geburtstag:
26.01.1971
Geburtsort:
München, Deutschland


zum Interview mit Rick Kavanian

Filmographie Rick Kavanian

Rick Kavanian hat in folgenden Filmen mitgewirkt, als:

Darsteller:






Keinohrhasen
Keinohrhasen
(2007)


Otto's Eleven
Otto's Eleven
(2010)



Stimme:


Ritter Rost
Ritter Rost
(2012)



Drehbuchautor:






Interview mit Rick Kavanian

RITTER ROST INTERVIEWS: RICK KAVANIAN ist gerne kindisch:
"Kind bleiben heißt offen und empfänglich bleiben."

Da eine Vielzahl von Animationsfilmen mit Tieren arbeitet: ist es eine größere Leistung, eine Maschine so zu gestalten, dass ein Publikum sich mit ihm identifiziert?
Auf jeden Fall hoffe ich, dass die Leute sich mit Ritter Rost identifizieren werden. Bei ihm macht es, glaube ich, diese Mischung aus: er hat sehr menschliche Züge, wenn er lacht und die leuchtenden Augen haben wohl auch etwas Magisches für Kinder. Dazu kommt nicht zuletzt das, was er sagt und tut. So kann man sich mit ihm, denke ich, genauso identifizieren, wie mit einer anderen Figur.

Auch die Nebenfiguren an Ritter Rosts Seite sind in diesem Sinne toll gestaltet. Haben Sie einen Favoriten?
Ich glaube, ich bin großer Fan des kleinen Drachen: ich finde Korks einfach wahnsinnig süß. Ich mag auch Prinz Protz - was ich an ihm am meisten mag ist der Propeller (in der Hose). Christoph (Maria Herbst) spricht ihn toll, aber der Propeller ist einfach so dermaßen der Hingucker! Ich habe bis jetzt noch keine richtige Systematik entdecken können, wann der Propeller sich nun dreht und wann nicht. Auf jeden Fall ist diese Idee sehr lustig.

Gibt es Charaktereigenschaften, die Sie mit Ritter Rost teilen?
Die Tollpatschigkeit zum Beispiel - ich laufe morgens gern mal gegen eine Tür. (lacht) Ich kann mich aber auch mit seiner Verzweiflung und Angst identifizieren, als ihm alles weggenommen wird und er einfach nicht weiß, was er machen soll. Zum Schluss auch mit seiner Tapferkeit: er traut sich ja dann tatsächlich anzugreifen und für Bö zu kämpfen, wenn auch unterstützt von dieser riesigen Armee. Diese Ritterlichkeit finde ich doch sehr schön. Anfangs redet er ja groß daher und ist wenig heldenhaft, dann macht er aber diesen Wandel durch und wird doch ziemlich ritterlich.

Ritterlichkeit wird in der heutigen Zeit mit der Rolle des Gentlemans assoziiert, der Türen aufhält und Stühle zurechtrückt. Liegt Ihnen so etwas privat am Herzen?
Ja, ich finde eine gewisse Höflichkeit gehört dazu: im Umgang mit allen Mitmenschen, insbesondere aber auch mit Frauen, Kindern oder älteren Herrschaften. Das ist mir - nicht nur zur Weihnachtszeit - schon sehr wichtig und mir wurde eigentlich schon von Zuhause aus eine gewisse Zurückhaltung und Grundfreundlichkeit gelernt. Ich verhalte mich anderen gegenüber also gerne so und freue mich auch, wenn andere sich mir gegenüber so verhalten.

Ist es vielleicht sogar eine Intention des Filmes, die Leute daran zu erinnern, besser miteinander umzugehen?
Ich glaube schon. Ich hatte auf jeden Fall den Eindruck, dass man in diese Richtung das ein oder andere vermittelt bekommt.

Nachdem der Film Ritter Rost in seiner ganzen Art ziemlich kindlich darstellt: für wie wichtig halten Sie es, sich das innere Kind zu bewahren?
Ich halte das für sehr wichtig. Ich habe das lange nicht so ganz begriffen: als Jugendlicher möchte man ja immer erwachsen sein, ohne überhaupt zu wissen, wie das ist. Jetzt weiß man es vielleicht schon so langsam und einem fällt umso mehr auf, wie wichtig es ist, Kind zu bleiben. Meine Großmutter ist 96 Jahre alt geworden und hat immer gesagt: Hey - cool bleiben! Kind bleiben! Sie war sehr kindisch und das hat sie unschlagbar und irgendwo auch unverwundbar gemacht. Kind bleiben heißt, glaube ich, offen und empfänglich bleiben. Neugierig und phantasievoll sein. Wenn das alles fehlt, bleibt nicht mehr so viel, was das Leben interessant macht. Ich bin gerne kindisch und albern und freue mich über alle Mitmenschen, die das genauso empfinden. Wenn man nämlich auf verschlossene Türen stößt, dann geht man eben wieder.

Sie haben ja auch einen Beruf, in dem Sie das ausleben können. Was war Ihr beruflicher Plan B?
Das ist eine lustige Frage, denn mein Plan B war eigentlich mein Plan A: ich wollte Kinderarzt werden. Ich finde Kinder einfach super, aber ich hatte einen Abiturschnitt von 2,9 und habe deswegen keinen Studienplatz bekommen. Dann habe ich Politik in München studiert und nebenbei mit Bully (Michael "Bully" Herbig) beim Radio angefangen. Das war dann eher meins und dabei konnte ich Gott sei Dank bleiben.

Das letzte Mal, als wir uns gesprochen haben, meinten Sie es sei essentiell, hier und da auf das Bauchgefühl zu hören. Inwieweit ist das für "Ritter Rost" relevant?
Fürs Synchronisieren war es auf jeden Fall relevant. Ich kannte "Ritter Rost" im Voraus nicht besonders gut. Als meine Frau und ich bei Freunden eingeladen waren und ich dann sagte, dass ich gerade "Ritter Rost" synchronisiert habe, meinten die Kinder unserer Freunde: Was, wo, wie - Ritter Rost!!! Dann kamen sie zu uns an den Tisch und fingen sogar an zu singen. Bis zu diesem Tag war mir gar nicht klar, dass das ein so populäres Thema ist. Ich dachte dann: Gut, dass ich das erst danach erfahren habe. Beim Synchronisieren konnte so nämlich viel aus dem Bauch entstehen. Das ist, glaube ich, deshalb gut, weil Ritter Rost äußerlich eine Art Blechmännchen ist und wir ihn so menschlicher angelegt haben. Ob Ritter Rost selbst auf sein Bauchgefühl hört ist eine schwierige Frage: keine Ahnung, was in so einer Registrierkasse an Bauchgefühl vorhanden ist. Ich glaube, sein Bauchgefühl sind eher die anderen Werkzeuge. Am Ende dieser Schrottplatzszene, als er sich sozusagen sein Leben nehmen möchte, kommen ja alle anderen Werkzeuge zu ihm und verhindern es, um gemeinsam mit ihm gegen Prinz Protz aufzubegehren.

Ritter Rost wird von Prinz Protz im Film fälschlicherweise des Betrugs beschuldigt. Erinnern Sie sich an eine Situation in Ihrem Leben, in der Sie selbst fälschlicherweise beschuldigt wurden?
Was mir spontan einfällt, ist eine Situation aus meiner Schulzeit, die sich dann aber aufgeklärt hat. Da wurde ich beschuldigt, etwas gemacht zu haben, auf das eigentlich ein Verweis oder eine Nachricht nach Hause steht. Ich hatte absolut nichts mir dieser Sache zu tun, aber ein paar meiner Mitschüler haben sich gedacht: Lass uns den mal rein reiten! Das war mies und sehr unangenehm für mich, aber das hat sich geklärt und man hat sich am Ende auch bei mir entschuldigt. Das war in einem Alter von 14 oder 15: da macht man solche Dinge eben mal, wenn man dann aber darüber redet, dann kommt alles wieder in Ordnung. Als Erwachsener wurde ich von falschen Anschuldigungen bisher Gott sei Dank verschont.

Gibt es in der Comedy- und Schauspielbranche eigentlich oft Neid?
Das schon. Ich finde es schade, dass die Kollegen meist nicht darüber reden, weil ich das für ganz normal halte. Natürlich denkt man sich , wenn es einem gerade nicht besonders gut geht: Ich könnte das genauso gut! Vielleicht ist es nicht besonders schick, das auszusprechen, aber Fakt ist, dass es das natürlich gibt: es gibt Neid und auch Missgunst, aber damit muss man eben umgehen, weil es gerade in einer Branche, in der es darum geht, geliebt und wiedererkannt zu werden, einfach menschlich ist. Ich bin aber ganz froh, dass ich zu tun habe und ich glaube, mittlerweile habe ich da einen recht gesunden Weg gefunden und kann mich auch für den Erfolg anderer freuen.

Im Presseheft wird Ritter Rost als "Held wider Willen" bezeichnet. Denken Sie, Heldenhaftigkeit setzt generell voraus, dass es wider Willen geschieht?
Ich glaube nicht. Wobei es vielleicht leichter ist, wenn man es nicht zu verbissen probiert und sich nicht zu viele Gedanken darüber macht. "Wider Willen" ist aber noch eine Steigerung von "sich nicht zu viele Gedanken machen." Man sagt ja oft, dass gute Dinge passieren, wenn man esie zulässt. Wenn man etwas aber zu sehr möchte, blockiert man sich oft. Darüber hinaus glaube ich, wenn man auf die ganz andere Seite geht und sagt - Ich will das überhaupt nicht - und es passiert dann trotzdem, dann wollte man es doch irgendwie. Dieses kategorische "Nein" kenne ich auch von vielen Kollegen, die sagen: Nein, das ist gar nicht wichtig, dass ich auf der Straße erkannt werde. Meistens sind das genau diejenigen, die sich die Köpfe zermartern nach dem Motto: Hat der gerade nach mir geschaut? Für mich ist es also so eine Sache, mit dem "wider Willen" - ich glaube, Ritter Rost möchte schon Held sein und weiß nur nicht, wie er es machen soll. Das finde ich übrigens auch sehr menschlich. Jetzt gerät Ritter Rost aber in die Extremsituation, dass man ihn seiner Existenz, seiner Form und seiner Leute beraubt, sodass er durch diese schlimme Erfahrung eine starke Seite entwickelt.

Ist es schlussendlich so, dass der Wunsch, Held zu sein, menschlich ist und jeder gerne Held wäre?
Ich denke schon, wobei ich mit dem Ausdruck "Held" noch extremere Dinge assoziiere - ich würde vielleicht eher sagen, menschlich ist vor allem der Wunsch, für das was man tut, geliebt zu werden. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich zum Beispiel nicht den Mut, in ein brennendes Hochhaus zu laufen, um Menschen zu retten. Leute, die so etwas machen, sind für mich "Helden". Beispielsweise auch solche, die über längere Zeit alte oder psychisch kranke Menschen betreuen. Vor so etwas ziehe ich persönlich den Hut. Würde ich in so eine Situation "wider Willen" hinein geraten, dann würde ich es wahrscheinlich machen, aber aus eigenem Wunsch heraus finde ich es schon sehr heldenhaft, wenn man das eigene Leben hinten anstellt, um anderen zu helfen. Dagegen ist das, was ich mache, im Grunde Kindergarten.

Die Selbstlosigkeit ist für Sie also heldenhaft?
Ja, Selbstlosigkeit bewundere ich sehr.

Wie Sie gerade schon erwähnt haben, wenden sich Ritter Rosts Leute im Laufe der Geschichte ja von ihm ab. Was bräuchte es, damit Sie sich von jemandem abwenden?
Da müsste, glaube ich, viel passieren. Vor allem, weil ich ein echter Pedant bin, was die Verifizierung von Fakten betrifft. Ich bin sozusagen Überverifizierer. Bevor ich einen Menschen verliere, der mir wirklich wichtig ist, würde ich jeden Stein umdrehen, der auch nur ansatzweise etwas ändern könnte. Einem Menschen, der mir nahe steht, den Rücken zu zukehren, liegt einfach nicht in meinem Naturell. Würde ich zum Beispiel nachhause kommen und meine Frau da mit einem Typen sitzen sehen, dann würde ich nicht gleich das Schlimmste vermuten. Vielleicht spricht das auch für meine Naivität, aber ich brauche meine Leute und ich glaube an meine Leute. Ich würde so eine Situation schon hinterfragen und nicht gleich die Tür zuschlagen und gehen - das bin ich überhaupt nicht.

Interview by Sima Moussavian




"Alles, was wir brauchen, ist in uns drin."
Rick Kavanian übers Synchronsprechen, seinen Charakter Marty und das Bauchgefühl

Wie kommt es, dass es Sie immer wieder zum Voicing verschlägt?
Weil es mir ehrlich Spaß macht. Wenn man mich ans Mikrofon stellt und wenn ich dann auch noch was zu essen bekomme, dann kann ich stundenlang irgendwelche Tiere und Menschen synchronisieren. Ich habe da eine Riesenfreude dran und ich werde nie vergessen: Ich saß als ich weiß nicht mehr wie viel Jähriger vor dem Disney Film Aladin und war damals schon ein Riesenfan von Robin Williams, der Aladin gesprochen hat. Ich war völlig baff und habe gedacht: Das kann doch nicht sein, dass das ein Mensch ist. Dann habe ich mir den Film immer wieder angeschaut und dachte - mein Gott, ich würde das auch gerne machen - und dann hatte ich das Glück, dass sich das nach und nach entwickelt hat.

Nachdem Sie gerade Aladin erwähnt haben: würden Sie sich wünschen, dass es wieder mehr Zeichentrickproduktionen gibt?
Das ist lustig, dass Sie das sagen, ich habe erst vor kurzem bemerkt, dass ich eigentlich nicht unterscheide zwischen Zeichentrick, Animation oder Film mit realen Personen. Es geht mir nur darum, ob ein Film mich für seine 90 Minuten oder zwei Stunden aus meinem Leben herausholt oder nicht und ob er mich berührt. Aber ich denke mir zum Beispiel bei Animationen nicht - diese Pixeldichte, mein lieber Mann! Oder - Liebe Leute, was war denn das jetzt für eine Kamerafahrt. Überhaupt nicht. Entweder der Film macht mir Spaß oder nicht. Madagascar ist eigentlich ein gutes Beispiel: Mich interessiert gar nicht, dass das eine Animation ist, sondern ich mag die Figuren, ich mag die Geschichte, es macht Spaß, die Musik ist super, die Effekte sind toll und die Ideen sind klasse. Der hat alle Zutaten. Ich differenziere wirklich nicht, ich meine das ganz ehrlich: entweder es ist ein guter Film oder eben nicht.

Was macht die Dreamworksanimation eigentlich aus? Gibt es eine Handschrift?
Ich glaube schon, dass es die gibt. Ich kann nicht viel zur Animationstechnik sagen, aber was mich beeindruckt ist, wenn man es schafft, wiedererkennbare, unwiderstehliche Charaktere zu schaffen, die die Leute mögen, weil sie menschlich sind und weil man sich in ihnen wiedererkennen kann. Das ist, glaube ich, die große Kunst von Dreamworks.

Inwiefern ist es schwieriger bei einer Animationsproduktion in die Rolle zu kommen oder in der Rolle zu bleiben. Man ist ja im Grunde kein Teil der Szenen...
Das stimmt schon. Das ist eine interessante Frage deswegen, weil es sich verändert. Beim ersten Teil war es neu. Da hat man ein bisschen länger gebraucht, um in die Rolle reinzukommen. Aber bei einem dritten Teil, wenn man schon weiß, worum es geht und sich damit identifiziert, da geht es dann wahnsinnig schnell.

Tun Sie sich eigentlich leicht, Rollen wieder abzustreifen, oder passiert es, dass im Privatleben die Voicing Stimme manchmal ungewollt hochschwappt?
Niemals. Gott sei Dank nicht. Ich bin da nicht so, dass ich einfach mal einen mache auf: "Grüß Gott, ich bin der lustige Grieche." (in Dimitri Stupakis Stimme). Das sind Grenzen, die mir wichtig sind, weil ich ja auch als Mensch ernst genommen werden will. Wenn die Kamera läuft, dann ist man eben da und wenn sie aus ist, ist man privat. Ich bin gerne privat und meiner Familie würde das sicher auf die Nerven gehen, wenn ich plötzlich schreien würde: "Hey Leute, wo ist Malmen, ruf mal einer Melman!" (in Martys Stimme). Klar, zum Spaß macht man es mal, aber ich streif mich gerne ab. Ich tu mich da wirklich leicht. Man albert mal rum, aber ich spüre schon recht schnell, wenn es genug ist.

Sie haben ja schon verschiedenste Voicing Erfahrungen gesammelt: hat man mehr Freiheit beim Synchronisieren von Menschen oder Tieren?
Das mit der Freiheit beim Synchronsprechen ist gar nicht so leicht. Freiheit ist nicht wirklich da, weil die Filme, die man bekommt, ja eigentlich fertige Filme sind. Unsere Aufgabe ist es, so nahe wie möglich ans Original heranzukommen, nur eben auf Deutsch. Man hat da jetzt nicht so viele Möglichkeiten – hin und wieder mal bei einer Formulierung, aber eigentlich versucht man, so zu klingen wie das Original. Das Original ist ja der fertige Film, so wie ihn sich die Produzenten gewünscht haben.

Wie ist es im dritten Teil nun mit Ihrem tierischen Charakter Marty - hat er sich seit Teil I weiterentwickelt?
Er ist mittlerweile ein Weltenbummler geworden, der sich um andere kümmert. Ich glaube, Marty war im ersten Teil schon sehr auf sich fixiert und jetzt: Ich finde das so rührend, dass er sich um Stephano, diesen Seelöwen, kümmert und ihm das Fliegen beibringen will. Marty ist da so schön unkompliziert, der macht das genauso, wie wenn man jemanden ins Wasser stößt, um ihm das Schwimmen beizubringen. Der will ihn da aus dieser Kanone raus schießen. Ich glaube, das ist eben Marty. Er ist ein Typ, der es einfach ausprobiert und nicht groß nachdenkt, sondern sagt: Kann ja nicht so schwer sein, jetzt komm einfach, rein mit dir. Ich glaube A.), dass er sich im dritten Teil einem Anderen öffnet und B) dass er auch offen ist: zum Beispiel für diese Zirkussache. Dass er da auch tanzt und diese Perücke trägt und dass es ihm nicht mehr nur um sich geht. Ich will es jetzt nicht zu philosophisch machen, aber ja, in dem ein oder anderen Moment hatte ich den Eindruck, dass sich da etwas verändert hat.

Inwieweit sind Sie Marty?
Ich glaube, ich bin gar nicht Marty. Vielleicht hin und wieder mal. Ich sage es mal so: was ich an Marty toll finde, ist das mit dem Kopf durch die Wand Denken. Nach dem Motto: Das probieren wir jetzt aus! Er ist einfach sehr instinktgesteuert und für ein Zebra ist das ja auch richtig. Privat ist man doch recht verstandsgesteuert und denkt - Jetzt mach das mal nicht – oder – Das könnte peinlich werden – und danach ist es dann so - Hätte ich es doch probiert. Da beneide ich Marty sehr darum, dass er einfach mit dem Kopf durch die Wand geht. Einem Zebra fällt das aber sicher leichter als einem Menschen.

Nachdem Sie Marty ja auch als Weltenbummler beschreiben und Madagascar III von Rom bis Monte Carlo an verschiedensten Orten spielt – was wäre von diesen Schauplätzen Ihre persönliche Lieblingsstation und warum?
Auf jeden Fall New York, weil ich da auch gelebt habe. Da ist es völlig egal, ob du ein Zebra bist, ob du Schwarz oder Weiß bist, ob du die Sprache sprichst oder eine andere. Die Leute leben da irgendwie, sie leben miteinander und kommunizieren miteinander. Mit Händen und Füßen, ohne Sprache, mit Sprache: Irgendwie funktioniert es. Es gibt da keine Ausländer, da sind alle Ausländer. Es gibt dort dieses Wort gar nicht. Da ist jeder zuhause. Das mag ich. Und ich finde, man kann in New York immer wieder etwas Neues sehen. Ich kann dort sehr lange alleine und schweigend durch die Straßen laufen und finde es immer wieder inspirierend.

Denken Sie, der 11. September hat New York als Melting Pot verändert?
Ich war im Dezember 2001 dort und das war sehr finster. Aber auch wenn das jetzt sehr nach Klischee klingt, hatte ich das Gefühl, dass die Leute unweigerlich zusammenrücken. Das war ein anderer Zusammenhalt als sonst. Ich hatte schon das Gefühl, da will man gemeinsam wieder dahin, wo man davor war. Ich will mich jetzt nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, aber man hat da eine andere Energie gespürt. Auch eine düstere, aber genauso stark eine enorme Aufbruchsstimmung. Im Sinne von – jetzt erst recht- und – wir gehören zusammen, das ist unsere Stadt, wir leben hier, egal, ob wir an das glauben oder an etwas anderes, egal ob wir der Politik angehören oder der.

Würden Sie sagen, dass das Zusammenrücken und Zusammenwachsen in schwierigen Zeiten auch für Madagascar und übertragen jedes Leben eine Rolle spielt?
Grundsätzlich ja, natürlich nicht festgemacht am 11. September, aber wenn man das abstrahiert und sagt, dass schwierige Umstände Zusammenrücken fördern, ja. Wobei ich immer denke: Wieso schaffen wir das nicht von selbst aus? Wieso muss immer etwas Schlimmes passieren, damit wir begreifen, wir sind nicht besser als der andere, wir sind nicht klüger als die oder jene, die Hautfarbe ist ja gar nicht so dunkel oder so hell wie man denkt. Wieso höre ich nie auf meinen Bauch und wieso muss ich immer alles in irgendwelche Schachteln oder Kategorien einteilen. Das ist immer ein bisschen schade, man vergisst das schnell. Wir sind eben sehr verwöhnt, uns geht es sehr gut und man vergisst, worum es tatsächlich geht. Leuten offen gegenüber zu treten, Leute ausreden zu lassen und sich selber ein Stück zurück- und nicht so wichtig zu nehmen.

Nachdem das Interview nun sowie so schon philosophisch geworden ist: ein Thema von Madagascar III ist die Suche nach Leidenschaft. Haben Sie da einen Tipp für alle, die noch auf der Suche sind?
Oh, ich weiß nicht, vielleicht wäre es anmaßend, das als Tipp zu bezeichnen, aber was ich total wichtig finde ist die Einsicht, dass es nicht immer gut ist, auf die anderen zu hören und lieber auf sich selbst zu vertrauen. Das sind jetzt große Worte, aber wenn man etwas spürt, dann finde ich es wichtig, dem auch zu folgen – das setzt voraus, dass man sich selber spürt und seinem Bauch vertrauen kann. Alles was wir brauchen, ist ja eigentlich in uns drin. Man sagt, der Bauch ist so etwas wie das große Hirn. Man sollte also seinem Bauchgefühl glauben, sonst hat das alles wenig Sinn. Wenn der Bauch mal sagt- Hey, probier was völlig anderes - dann probiert man das eben. Ich finde es immer schade, wenn man Jahre später denkt, man hätte was verpasst. Wenn man mal ausbricht, weil man was probieren muss, dann hat man das eben probiert und die Leute, die einem nahe sind, die nehmen es einem eh nicht übel und was die anderen denken, sollte jedem zumindest für eine bestimmte Zeit Wurst sein. Ich glaube es ist wichtig, dass man sagt: Ich probiere das jetzt, ich gehe jetzt mit dem Kopf durch die Wand, weil ich diesen Impuls habe. In der Gesellschaft, in der wir leben, was wird man da schon groß machen: Man wird vielleicht den Beruf wechseln oder sich in ein anderes Land zurückziehen. Ich weiß nicht, vielleicht ist das alles auch zu harmlos, aber grundsätzlich ist es, denke ich, einfach wichtig, auf seine Impulse zu hören. Zumindest sollte man sich mit ihnen auseinandersetzen und nicht einfach sagen: Na ja, mein Bauch, was weiß der schon.

Interview by Sima Moussavian