Daniel Brühl

Daniel Brühl ©2013 Constantin Film Verleih GmbH

Daten und Fakten

Geburtstag:
16.06.1978
Geburtsort:
Barcelona, Barcelona, Catalonia, Spain


zum Interview mit Daniel Brühl

Filmographie Daniel Brühl

Daniel Brühl hat in folgenden Filmen mitgewirkt, als:

Darsteller:


2 Tage Paris
2 Tage Paris
(2007)






Das Lager
Das Lager
(2008)






Die Gräfin
Die Gräfin
(2008)



Eva
Eva
(2011)



Intruders
Intruders
(2011)


John Rabe
John Rabe
(2009)

Krabat
Krabat
(2008)

Lila, Lila
Lila, Lila
(2009)








Interview mit Daniel Brühl

Daniel Brühl im Interview zu "Rush"


“Rush” ist wirklich ein toller Film, man kann es gar nicht anders sagen. Vor allem auch deine optische Verwandlung – bis hin zu den Schneidezähnen – du wirst wirklich komplett zu Niki Lauda. War die morgendliche Maske eine Tortur?
Wir haben schon sehr großen Wert darauf gelegt, optisch möglichst nah an Niki heranzukommen. Äußerliche Merkmale wie die Zähne waren da einfach nötig. Und dann natürlich die Verbrennungen nach dem Unfall. Das Ergebnis war so täuschend echt, dass ich manchmal am Set spazieren ging und die Komparsen völlig schockiert waren, weil sie dachten, die Verbrennungen wären echt. Das hat mir sehr geholfen, mich in Niki hineinzuversetzen, denn schließlich musste er wirklich mit solchen Reaktionen leben. Einfach durch die Straße zu gehen und damit leben zu müssen, dass die Menschen jetzt Angst vor einem haben – das ist schon heftig. Außerdem hat die Maske natürlich dazu beigetragen, eine gesunde Rivalität zu Chris (Hemsworth) aufzubauen (lacht). Das war für den Film von Vorteil. Ich musste morgens um 3 Uhr in die Maske, er kam erst um 10 ans Set und durfte dann den ganzen Tage hübsche Frauen küssen (lacht).

Also war die Maske nicht nur optisch wichtig, sondern auch emotional?
Die tolle Maske hat mir wirklich sehr geholfen, mich in diese Rolle, die eigentlich nicht wirklich viel mit mir zu tun hat, einzufinden. Aber es ist gar keine Frage: das wichtigste war der enge Kontakt zu Niki. Ich bin ihm wirklich sehr dankbar, dass er bereit war, soviel Zeit mit mir zu verbringen und alle Fragen zu beantworten. Zum Teil haben wir schließlich über sehr intime Dinge wie Todesnähe und Ängste geredet. Da so offen zu sein, ist ja nicht selbstverständlich.

Übertreffen die Reaktionen auf den Film deine Erwartungen? Es ist doch so, jemand, der Formel 1 liebt, findet ihn toll, aber auch, wenn man sich rein gar nicht für den Rennsport interessiert, findet man ihn super. Warst du da von Anfang an optimistisch?
Nein, das ehrlich gesagt nicht. Meine Erwartungen wurden noch mal deutlich übertroffen. Wobei Peter Morgan (der Drehbuchautor) wirklich sehr begnadet ist. Bei Geschichten, die von realen Figuren handeln, ist er wahrscheinlich der Beste. Daher wusste ich vom Ansatz her schon, dass „Rush“ ein toller Film werden würde. Peter hat es geschafft, diese enorme Rivalität und die irrwitzige Saison '76 fesselnd darzustellen. Aber gleichzeitig ist der Film auch ein emotionales Drama um zwei Männer, deren Beziehungen zueinander und den Beziehungen zu ihren Frauen. Man darf nicht vergessen, dass die Formel 1 in den Siebzigern noch mal viel gefährlicher war, als sie es heutzutage ist. Ständig haben die Fahrer ihr Leben auf's Spiel gesetzt.

Auch in den USA sind die Zeitungen voll von dem Film und du strahlst von großen Leinwänden herunter. Nun wird schon über den Oscar spekuliert. Macht die das nervös?
Ich will den Leuten gleich den Wind aus den Segeln nehmen.. Man muss nicht immer gleich zwei Schritte weiter denken. Ich bin dankbar, dass ich diese Filme („Rush“ und „Inside WikiLeaks“) drehen durfte und genieße es.. Ich halte es für falsch, jetzt schon über Preise nachzudenken. Ich mache mir keine Hoffnungen und werde auch nicht enttäuscht sein, wenn ich nicht gewinne. Darüber denke ich momentan gar nicht nach. Ich freue mich erstmal einfach darüber, wie positiv die Reaktionen sind. In erster Linie bin ich glücklich und stolz.

Wie war das Gefühl, in die Rennfahrzeuge einzusteigen und auch tatsächlich damit zu fahren? Was sieht man da eigentlich?
(Lacht) Da sieht man ehrlich gesagt nicht besonders viel. Es ist aber ein irrsinniges Gefühl. Schon nach einer Runde konnte ich verstehen, warum junge Leute Rennfahrer werden wollen. Es ist pures Adrenalin und tatsächlich etwas ganz anderes, als in einem normalen Auto schnell zu fahren. Man spürt die Vibrationen, es riecht nach Benzin. Es ist für alle Sinne ein wahnsinniges Erlebnis. Ich habe schnell gemerkt, dass ich kein guter Rennfahrer wäre. Mir macht es Spaß, schnell zu fahren und ich habe mich scheinbar auch gar nicht so blöd angestellt, weil ich doch recht viele Szenen selber drehen durfte. Aber es ist trotzdem noch mal etwas ganz anderes als als Beifahrer bei einem Profi mitzufahren.

War die Angst mit ihm Spiel?
Ja, es gab eine Situation, in der ich einen kleinen Unfall hatte. Beim ersten Testen meines Ferraris ist der eine Reifen abgeflogen und mein Wagen drehte sich nur noch im Kreis. Das war schon erschreckend.

Was für ein Auto fährst du denn selber?
Wenn es sicher und schnell sein soll, fahre ich einen Audi. Ich habe aber auch zwei Oldtimer, die mir sehr ans Herz gewachsen sind, weil ich Oldtimer schon immer toll fand. Der eine ist ein Peugeot 304, ein orangenes Cabrio. Der zweite ist ein Alfa Romeo Guilia.

Also bist du schon ein Auto-Fan?
Ja, das auf jeden Fall.

Wolltest du als Kind auch Rennfahrer werden?
Ja, das war schon ein kleiner Traum. Man ertappt sich auf jeden Fall dabei, wie man wieder zum Kind oder zum Jugendlichen wird. Ich bin in Köln aufgewachsen und wusste natürlich als Kind schon, wer Niki Lauda ist. Als ich zum Casting ging, habe ich nie damit gerechnet, die Rolle zu bekommen. Ich war erstmal verblüfft, als der Anruf kam und ich den Job wirklich hatte. Da kam dann die Freude, aber direkt darauf auch die Panik. Denn die Herausforderung war mir durchaus bewusst.

Wie schwer war es, Nikis Akzent zu lernen? Das machst du ja wirklich perfekt. Man könnte glauben, Niki spricht den Film selber.
Ja, da musste ich auch sehr lachen. Es gab wohl Leute, die ihn fragten, wann er denn die Zeit hatte, den Film zu synchronisieren (lacht). Für mich sind solche Aussagen natürlich ein Riesenkompliment. Aber es war auch harte Arbeit. Ich war über einen Monat lang in Wien und habe mit einem Dialect Coach geübt. Ich dachte nach wenigen Tagen schon, ich hätte es jetzt drauf, aber man hat mich sofort als Deutschen entlarvt. Irgendwann klappte es aber zum Glück ganz gut.

Ist es eine glückliche Fügung, dass der Wikileaks Film nun direkt nach „Rush“ in die Kinos kommen wird?
Dass ich die Rolle in „Inside WikiLeaks“ bekam, hatte auch indirekt mit „Rush“ zu tun. Ron Howard hat sich für mich stark gemacht und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Er ist ein toller Typ und sehr loyal. Ihm hat die Arbeit mit mir Spaß gemacht und er hat mich weiterempfohlen. Das freut mich natürlich.

Für dich läuft im Moment ja wirklich alles sehr gut. Hast du dann überhaupt noch Ziele?
Ja, ich denke, es gibt für mich noch so viel zu entdecken und mit jedem Lebensabschnitt entwickelt man sich weiter. Mich interessieren jetzt auch andere Rollen. Mir ist aufgefallen, dass es so vor circa zwei Jahren losging, dass mir die Rollen angeboten werden, die ich auch wirklich spielen möchte. Es gibt einfach Filme, die gewisse Abschnitte markieren. Bei „Goodbye Lenin“ war das damals zum Beispiel so. Und jetzt eben „Rush“. Ich hoffe, dass es noch lange so weiter geht, dass ich mir tolle Rollen aussuchen darf.

Wirst du auch weiterhin deutsche Projekte machen?
Ja, auf jeden Fall. Ich habe gerade einen Film mit Wolfgang Becker gedreht, der ja auch bei „Good Bye Lenin“ Regie führte. Ich sehe meine Zukunft nicht unbedingt nur im amerikanischen Film, sondern hoffe, auch weiterhin in Deutschland drehen zu können. Ich bewege mich gerne in verschiedenen Ländern. Ich bin schon eher Europäer.

Du hast auch spanische Wurzeln. Was sagst du da zu den ganzen Konflikten, die zur Zeit in Europa herrschen?
Das ist erschreckend. Ich bin erschüttert über das Ausmaß der Korruption in Spanien. Da wurde viel falsch gemacht in den letzten Jahren. Besonders die Arbeitslosenquote bei den jungen Leuten macht mich sehr betroffen.

Interview by Anne Facompre

Daniel Brühl im Interview zu "Inside Wikileaks"


Wann hast du das erste Mal von WikiLeaks gehört und was war damals deine Reaktion?
Mich hat das Thema von Anfang an interessiert, als es in den Medien bekannt wurde. Ich hielt es für eine revolutionäre Idee, die tatsächlich die Welt verändern könnte. Ich glaube, dass Menschen aus meiner Generation sich häufig gefragt haben, wie man sich überhaupt noch engagieren kann. Daniel Domscheit-Berg ist genauso alt wie ich, was ich auch interessant fand. Allerdings hat sich mein “Engagement” leider meistens darauf beschränkt, dass ich mit Freunden zusammensaß und über die Welt diskutiert habe. Als ich von WikiLeaks hörte, dachte ich, dass es ein genialer neuer Weg war, bestimmte Dinge offenzulegen. Mir war gleich klar, dass sie etwas losgetreten hatten, dass den Blick auf Vieles dauerhaft ändern wird. Als man mich als Schauspieler dann fragte, ob ich mich für die Rolle interessieren würde, sagte ich sofort “ja”.

Nun hast du nach Niki Lauda direkt wieder eine reale Person gespielt... War es diesmal eine komplett andere Erfahrung, weil die Figuren so unterschiedlich sind?
Daniels Figur ist mir etwas näher, weil es doch viele Gemeinsamkeiten gibt. Wir sind gleich alt und in ähnlichen Verhältnissen aufgewachsen. Natürlich gibt es aber auch wirklich viele Bereiche, in denen wir uns völlig unterscheiden. Da wäre zum Beispiel der technische Aspekt: ich möchte fast sagen, dass ich da für meine Generation regelrecht zurückgeblieben bin (lacht). Ich kenne mich am Rechner kaum aus und musste mir vieles erst einmal von meinem Bruder, der IT Spezialist ist, zeigen lassen, damit ich mich beim ersten Gespräch mit Daniel nicht komplett blamiere. Aber viel wichtiger war es natürlich, die ganze politische Situation rund um WikiLeaks nachvollziehen zu können. Mir persönlich lag es auch am Herzen, zu verstehen, wie es jemandem, der in so kurzer Zeit so viel erlebt hat, psychisch geht. Das Komplizierteste war sicherlich, dass Benedict (Cumberbatch), ich und alle Beteiligten von der Fülle an Information rund um das Thema regelrecht erschlagen waren. Alle Bücher, die man über das Thema las, widersprachen sich. Es war also schwer, für sich selbst die Wahrheit herauszufinden. Es war mir auch wichtig, Daniel zu verstehen.

Warst du in der Lage, einen guten Draht zu ihm aufzubauen?
Ja, das hat zum Glück wirklich gut funktioniert. Ich hatte beide Male, bei Niki Lauda und jetzt bei Daniel, das Glück, dass sie bereit waren, ganz offen über alles zu reden. Wobei es bei beiden Filmen ja auch um Themen ging, bei denen so etwas nicht wirklich selbstverständlich ist.

Im Internet liest man regelmäßig, dass Daniel Domscheit-Berg für den Niedergang von WikiLeaks verantwortlich gemacht wird. Hast du da auch etwas von Angriffen auf deine Person wahrgenommen?
Ich bin mir sicher, dass es Kommentare gibt, die meine Mitwirkung an dem Film kritisieren. Ich habe es mir allerdings abgewöhnt, so etwas zu lesen. Das sollte man grundsätzlich nicht tun, damit macht man sich sonst verrückt. Ich würde mich auch selbst nicht googlen. Das wäre Masochismus (lacht). Über ein paar Ecken habe ich mitbekommen, dass es solche Aussagen wohl gibt und dass gesagt wird, dass man Daniel nicht unterstützen dürfte. Aber zu so etwas hat jeder seine eigene Meinung. Ich habe auch einige Mails gelesen, die Assange Benedict schrieb und in denen er sagte, dass Daniel ein Lügner sei. Von so etwas darf man sich nicht beeinflussen lassen.

Also gab es tatsächlich Emailkontakt. Aber Benedict hat sich nicht persönlich mit ihm getroffen?
Nein, aber am Tag vor Weihnachten sind Benedict und ich zur Botschaft gegangen, weil Julian Assange vom Balkon aus eine Rede hielt. Wir fingen da gerade mit dem Dreh an und daher war das für uns sehr interessant. Da zeigte sich schon, wie charismatisch und wortgewandt Assange tatsächlich ist. Er war unglaublich lässig und selbstbewusst und hielt eine sehr gute und lange Rede, mit denen er die Zuschauer in seinen Bann zog. Das war schon eine sehr eindrucksvolle Situation und man kann sicherlich nicht leugnen, dass dieser Mann hochgebildet und klug ist. Er wirkte auch sehr humorvoll. Bei mir hat sich dennoch immer der Verdacht erhärtet, dass es sich hier um eine sehr ambivalente Figur handelt. Natürlich ist das nur eine Mutmaßung und ich werde die Wahrheit nie herausfinden. Aber ich habe mein Bestes getan, mich aus verschiedenen Quellen zu informieren und das ist das Bild, das sich für mich ergab. Ich war vorher noch nie an einem Projekt beteiligt, das sich mit so vielen brisanten, wichtigen und relevanten, aber auch sehr undurchsichtigen Fragen beschäftigt.

Benutzen Sie selbst mittlerweile auch schon ein Cryptophone?
Nein, aber Daniel hatte da einige zu Hause rumliegen, von denen ich mir sicherlich eines ausleihen könnte. Allerdings habe ich mich schon damit beschäftigt, meinen Rechner sicherer zu machen. Nun benutze ich nicht mehr das gleich Passwort für alle Anwendungen, vergesse sie dafür aber ständig. Während der Vorbereitung zum Dreh haben wir uns auch mit einem belgischen Hacker getroffen, der mir gleich klar machte, dass man einen Computer wie meinen wahrscheinlich innerhalb von fünf Minuten knacken könnte. Für uns galt von Anfang an, dass vertrauliche Informationen über den Film nicht mehr über Mails ausgetauscht werden durften. Man konnte natürlich nie sicher sein, ob potentielle Hacker es nun auch auf uns abgesehen hatten. Da wurde schon sehr versucht, alles geheim zu halten. Plötzlich war man also selber mitten in der Geschichte drin. Ich glaube, es war ein unglaublicher Sicherheitsaufwand, neue Informationen zum Drehbuch auszutauschen.

Siehst du WikiLeaks auch kritisch?
Selbstverständlich. Man muss sich natürlich auch fragen, ob es gut ist, wenn wirklich alle Informationen an die Öffentlichkeit geraten. Es wird interessant sein, in zehn Jahren auf diese Zeit zurückzublicken. Ich denke, dass wir momentan mit vielen technischen Dingen noch überfordert sind. Ich denke nur an mich selbst und daran, wie mich das Internet in all seinen Möglichkeiten überfordert. Ich beschäftige mich nur mit einem Bruchteil davon, beschäftige mich beispielsweise auch mit den Social Media Seiten nicht. Ich habe bei Facebook gesehen, dass es immer wieder Leute gibt, die ein Profil mit meinem Namen und meinem Bild einrichten. Es ist natürlich unschön, wenn sich andere Menschen als ich ausgeben, aber das sind Dinge, die das Internet mit sich bringt und ständig dagegen vorzugehen wäre wahre Sisyphusarbeit.

Es reizt dich also auch nicht, ein öffentliches Profil zu haben, durch das du mit Fans kommunizieren könntest?
Ich bin dafür leider nicht gemacht. Ich habe mittlerweile mehrere Menschen getroffen, die da fast schon leidenschaftlich dabei sind und bei denen es wirklich gut funktioniert. Es ist natürlich auch sehr zukunftsorientiert. Ron Howard twittert zum Beispiel die ganze Zeit. Er meint, ihn würde das nicht großartig einnehmen und er hat Spaß dabei. Dann ist es natürlich toll, ich habe nichts dagegen. Es ist nur einfach nicht mein Ding. Vielleicht bin ich dafür auch zu altmodisch.

Was ist für dich etwas Besonderes an dem Film „Inside WikiLeaks“?
Mir ist nach der Premiere aufgefallen, dass ich mich mit meinen engsten Freunden noch nie zuvor so angeregt über einen Film unterhalten habe, den ich gemacht hab. Das ist schön und sagt einiges aus. Filme, die Diskussionen anstoßen und mit den denen man sich auch im Nachhinein noch beschäftigt und über sie diskutiert, finde ich auch persönlich sehr spannend.

Interview by Anne Facompre