Carolin Kebekus

Carolin Kebekus ©carolinkebekus.de

Daten und Fakten

Geburtstag:
09.05.1980
Geburtsort:
Bergisch Gladbach, Deutschland


zum Interview mit Carolin Kebekus

Filmographie Carolin Kebekus

Carolin Kebekus hat in folgenden Filmen mitgewirkt, als:

Darsteller:







Stimme:


Ritter Rost
Ritter Rost
(2012)




Interview mit Carolin Kebekus

RITTER ROST INTERVIEWS: CAROLIN KEBEKUS ist nicht nachtragend:
"Ich lasse wirklich viel mit mir machen."

Die Welt von Ritter Rost ist ja eine Welt aus Schrott. Hältst du es für schwieriger, eine Figur aus Blech so zu animieren, dass man sich mit ihr identifiziert, als es beispielsweise bei einem Tier der Fall ist, das von vornherein als "niedlich" assoziiert wird?
Nein, ich glaube, das geht genauso. Der Ritter mit seinen Scheinwerferaugen sieht ja wahnsinnig niedlich aus. Eine Szene, bei der ich immer wieder Pipi in den Augen kriege, ist die, als Ritter Rost bei dem Turnier aufmarschiert, hinfällt und dann zu Bö schaut, der das furchtbar peinlich ist. Dann lässt er den Kopf hängen, und man will ihn am liebsten adoptieren. Das ist also hinzukriegen. Vielleicht gelingt das "Ritter Rost" auch deswegen, weil die Maschinen keine futuristischen sind, sondern uralte Kassen und Blechdosen - die haben eben einen gewissen Charme und Old School ist ja gerade sowieso wieder modern.

Hast du bei Ritter Rost eine Lieblingsfigur?
Der kleine Schraubenschlüssel ist wirklich süß - vor allem, weil er allen hilft. Die ganzen Nebenfiguren haben außerdem so süße Ärmchen - sogar die Gabeln, die dann auf die Burg zuschießen. Das sieht schon niedlich aus, wie sie dabei die Ärmchen raus strecken.

Nachdem du das Burgfräulein sprichst: warst du eine, die als Mädchen davon geträumt hat, Burgfräulein oder Prinzessin zu sein?
Natürlich - ich war jeden Karneval dauernd und immer nur Prinzessin. Da gab's von meiner Mutter ein selbstgenähtes Prinzessinnenkleid, das ich auch nach Karneval noch anhatte. Prinzessin war einfach das Ding. Aber mit der Pubertät schlägt das schlagartig um: dann schmeißt man alle rosa Sachen raus und trägt nur noch schwarz. Irgendwie behält man so was aber auch in sich. Es ist zwar irgendwann schick zu sagen: Rosa? Ponys? Interessiert mich 'nen Dreck! Aber wenn man dann ein Pony oder eine Prinzessin sieht, dann denkt man doch so: Ohhh! Und wenn an Weihnachten „Sissi" kommt, guckt man es trotzdem immer wieder.

Lässt sich der Humor, der vom Burgfräulein ausgeht, eigentlich mit deinem vergleichen?
Ja, schon. Bö ist ein bisschen schnippisch - das klingt bei einer Frau schnell nach Zicke, aber so meine ich das gar nicht. Ich finde, sie ist überhaupt nicht zickig, sondern einfach tough und cool. Vor allem in der Situation mit dem König, in der sie dann erfährt: ihr werdet gleich überfallen. Da sagt sie dann nur so: Ok, dann wart' ich halt. Das ist doch ein echt cooler Witz. (lacht)

Erkennst du dich also generell in ihren Charakterzügen wieder?
Ja. Bö lässt sich einfach nichts sagen und ist eine sehr selbstständige Frau, was für ein klassisches Burgfräulein ja schon sehr ungewöhnlich ist. Sie repariert alles selbst, ist total gut in Handarbeit - ich bin auch gut in Handarbeit, zwar nicht so sehr an der Nähmaschine, aber im Häkeln. Das ist also eine große Parallele (lacht). Obwohl sie eine echt Toughe ist, ist Bö ihren Freunden aber auch sehr verbunden: sie macht dem Ritter Rost wirklich alles im Haushalt. Eigentlich schmeißt sie den ganzen Laden und als sie weg ist, sieht man erst mal, dass Ritter Rost alleine gar nichts mehr auf die Reihe kriegt. Sie hat das alles zwar gerne für ihn gemacht, aber als sie dann merkt - Ok, ich werde hier scheinbar nur noch ausgenutzt - sagt sie eben auch: Jetzt ist aber Schluss!

Was müsste für dich passieren, damit du sagst: Jetzt ist aber Schluss!
Viel. Ich bin nicht unbedingt nachtragend. Aber ich glaube, wenn man meiner Familie oder anderen, die mir sehr nahe stehen, großen Schaden zufügt, dann wäre es vorbei. Bis zu diesem Punkt lasse ich aber wirklich viel mit mir machen...

Du wirst ja sicher viel auf der Straße erkannt. Passiert es da öfter, dass jemand eine persönliche Grenze von dir überschreitet?
Dass jemand ein Foto machen will, kann ich zum Beispiel total verstehen. Ich würde es mich, glaube ich, nie trauen, aber das kann man jemandem zeigen. Autogrammwünsche verstehe ich persönlich nicht so richtig, weil es einfach nur eine Unterschrift ist, aber das ist dann trotzdem ok für mich. Die meisten Leute sind ja auch sehr nett, aber unangenehm wird es, wenn man gar nicht gefragt wird, sondern irgendwer einem auf die Pelle rückt und sagt: Ey, das ist die eine, ich schwöre! Oder wenn gefragt wird: Wer bist du nochmal? Das passiert jetzt nicht so oft, aber wenn es passiert, ist es schon sehr unangenehm, weil es einfach unhöflich ist und Unhöflichkeit nervt immer - nicht nur von Fans. Wenn man nett fragt, finde ich das Erkannt-Werden aber nie schlimm.

Apropos nervig: Bö wohnt ja mit Ritter Rost zusammen. Würde dich ein so zerstreuter Mitbewohner auf die Palme bringen?
Er macht viel Unordnung - das ist etwas, das mich nicht besonders stören würde, aber es wäre doch ziemlich fatal, weil ich auch richtig unordentlich bin. Wenn ich mit Ritter Rost zusammenleben würde, dann wäre unsere Wohnung also eine Messie-Bude. Ich bräuchte da neben mir eher ein Regulativ. Außerdem fackelt Ritter Rost ja auch gerne mal was ab oder klaut, und das würde mich dann doch nerven. Wenn er aus meiner Nähmaschine Sachen ausbauen würde, dann würde ich schon sagen: Jetzt ist aber mal Feierabend - nicht aus der Nähmaschine, die ist von Tchibo! (lacht)

Zwar ist für Bö dann ja auch dieser Moment erreicht, Ritter Rost erobert sie im Laufe des Films aber zurück: hat sich jemand schon mal etwas Besonderes einfallen lassen, um dich zu erobern?
Ja. Ich habe im Urlaub mal jemanden kennengelernt, der 2 Tage später wieder nachhause fliegen musste, weil er einen neuen Job bei einer Bank hätte anfangen sollen. Ich war noch eine Woche da und er ist dann nachhause, hat dort seinen Job gekündigt, ist danach noch mal zurück gekommen und stand auf einmal wieder vor mir. Das klingt jetzt ein bisschen creepy, aber in diesem Moment war das echt funky. (lacht)

Nachdem Ritter Rost in vielerlei Hinsicht ziemlich kindlich ist: da gibt es diesen Satz, dass nur der ein echter Mann ist, der für immer Kind bleibt. Siehst du das auch so?
Ja, aber ich glaube, das gilt nicht nur für Männer, sondern für jeden. Das meint wohl einfach eine Unbeschwertheit, die jedem gut steht.

Viele Leute sagen, dass gerade das Synchronsprechen einen wieder zum Kind macht. Wie hast du das empfunden?
Ja, das ist so. Diese ganze Animationswelt bietet das ja auch an, aber vor allem macht das Synchronisieren einfach großen Spaß. Es ist zwar auch anstrengend, aber trotzdem macht es wirklich Bock. Ich persönlich war beim Synchronisieren alleine ganz ohne die Kollegen: das war schon ein bisschen spooky und ich dachte eigentlich, dass ich deren Stimmen dann höre, während ich Bö einspreche, aber so war es nicht. Da waren oft nur Platzhalterstimmen, weil manche Rollen noch nicht gesprochen waren. Da hatte dann einfach der Tontechniker kurz drüber gesprochen.

Du hast also einen Beruf, in dem sich das Kind gut ausleben lässt...
Ja, das gibt einem dann ja auch Spielfreude. Ich bin wirklich gerne albern - das gehört wohl einfach zu meinem Charakter und für die Bühne oder meinen Beruf ist es, denke ich, wichtig, dass ich mir das bewahre und nicht zu viel daran herumdoktore. Ich glaube eigentlich, dass jeder gut dran ist, der sich das bewahren kann.

Wenn du einen Schreibtischjob hättest, müsste die Albernheit also irgendwo anders raus?
Ich glaube, dass man auch lustig sein kann, wenn man einen Schreibtischjob hat. Das würde sich, denke ich, nicht behindern - ich habe früher auch andere Jobs gemacht und wenn man bei den Leuten nachfragen würde, mit denen ich damals zusammengearbeitet habe, würden die wohl auch sagen, dass ich die ganze Zeit über ziemlich durchgeknallt war. (lacht) Dafür muss man nicht unbedingt auf die Bühne gehen.

Wenn du auf die Bühne gehst, singst du zum Teil ja auch: war das eigentlich eine gute Vorbereitung auf das Synchronisieren, weil man bestimmte Atemtechniken beherrscht?
Eigentlich habe ich die Atemtechniken während des Synchronisierens gelernt. Ich hatte zwar mal Gesangsunterricht und mir wurde die Beckenatmung und all das erklärt, aber ich konnte das nie - ich mache das, glaube ich, ziemlich falsch. Ich bin ja auch nicht mit Musikprogramm on tour - dann würde ich das wahrscheinlich noch mal üben, aber in meinem Programm singe ich 2 Lieder. Jetzt in der Weihnachtsshow ein bisschen mehr, aber das kriege ich schon noch hin, wenn ich ganz normal atme. So in die Lunge. (lacht).

Hast du noch Lampenfieber, bevor du auf die Bühne gehst?
Es ist jetzt nicht mehr so schlimm wie früher, aber es ist immer eine gewisse Anspannung da. Ich glaube, ohne diese Anspannung auf die Bühne zu gehen, wäre nicht mal besonders gut. Irgendwann habe ich vor einer Vorstellung mal gedacht: Jetzt trinke ich kurz 2 Schluck Bier, dann bin ich nicht mehr so nervös. Aber das war fatal, dass ich dann das Gefühl hatte, ich lalle schon. Das hat wiederum dazu geführt, dass ich auf der Bühne runter gefahren habe. Da war die Spielenergie einfach nicht so hoch wie sonst - meinem Gefühl nach zumindest nicht, auch wenn ich nicht glaube, dass das Publikum das wirklich bemerkt hat.

Um abschließend noch einmal auf Ritter Rost zurückzukommen: deine Mutter ist ja Sozialpädagogin, was ist also der sozialpädagogische Wert des Films?
Ich glaube, dass es um Freundschaft geht. Auch darum, dass man die Fehler der Menschen akzeptieren sollte. Die Figuren, die dem Ritter helfen, wissen, dass er ein Angsthase ist und manche Dinge nicht kann, aber sie helfen ihm trotzdem und er ist der, der er ist, gerade durch die vielen Freunde und die Liebe, die er um sich hat. Das ist, denke ich, eine wichtige Botschaft. Genauso auch die, dass man seine Freunde nicht hängen lassen soll oder die, dass Reichtum nichts bedeutet - das sieht man im Film ja an Prinz Protz, der als Gemächt einen Ventilator hat. Nur heiße Luft in der Hose...

Interview by Sima Moussavian