Bastian Pastewka

Bastian Pastewka ©

Daten und Fakten

Geburtstag:
04.04.1972
Geburtsort:
Bochum, Deutschland


zum Interview mit Bastian Pastewka

Filmographie Bastian Pastewka

Bastian Pastewka hat in folgenden Filmen mitgewirkt, als:

Darsteller:


Lulu und Jimi
Lulu und Jimi
(2008)

Männerherzen
Männerherzen
(2009)


Schwere Jungs
Schwere Jungs
(2006)


Stimme:




Drehbuchautor:




Interview mit Bastian Pastewka

Bastian Pastewka über Madagascar 3:
Was macht Madagascar so erfolgreich?
Ein sehr gutes Buch, eine tolle Geschichte und sympathische Charaktere. Im dritten Madagascar-Teil erleben wir, wie die Stammmannschaft aus Löwe, Zebra, Nilpferd und Giraffe Teil einer neuen Tierfamilie wird und ich muss sagen, ich freue mich über jede Figur, die dazu kommt, weil sie alle liebevoll gemacht und gut durchdacht sind. (…)

Hat sich der Ton des Films seit Teil I verändert?
Man glaubt immer, dass es sich bei Animationsfilmen mit vermenschlichten Tieren um laute, knallige und krachige Filme handelt. Das ist bei Madagascar 3 in weiten Teilen mit Sicherheit so. Alleine die Verfolgungsjagd durch Monte Carlo ist ein Actionfest mit schnellen Schnitten und einem sehr hohen, aber soliden Tempo. In diesen Momenten denke ich, dass der Ton sogar lauter geworden ist und angezogen hat. Aber ich glaube, dass so ein Film nur dann erfolgreich ist, wenn die leisen Momente die lauten übertönen. Reinster Slapstick mit Figuren, die sich 90 Minuten lang nur Bretter über den Kopf ziehen: das wäre nicht zu ertragen. Man muss die Figuren lieb haben, man muss ihnen glauben und man muss mit ihnen leiden können. Ich glaube, das ist Madagascar 3 gut gelungen.

Haben Sie eine Lieblingsfigur im dritten Teil?
Chantal Dubois ist ein toller Charakter! So eine Figur gab es vorher noch nicht: eine strenge französische Tierfängerin mit einem sadistischen Unterton und einer leichten Meise. Das ist für Susanne Pätzold, die sie gesprochen hat, schon ein gefundenes Fressen gewesen. Sie freute sich natürlich über eine so starke und gelungene Figur. Die Szene, in der Chantal „Non, je ne regrette rien“ singt, um ihren Kollegen ins Gewissen zu reden, ist meisterhaft. Früher hätte man dazu Kabinettstückchen gesagt. Die Szene kann man so aus dem Film herausnehmen, als Meisterwerk in den Schrank stellen und die nachfolgenden Generationen sollten sie immer wieder ansehen, um zu lernen wie es damals war.

Glauben Sie, dass Chantal Dubois in all ihren Extremen kindergerecht ist?
Ich denke ja. (…) In einen Kinderfilm wie Madagascar gehen auch jüngere Kinder zwischen 6 und 10 hinein, die dann erst mal nur staunen und gar nicht kapieren, was da alles auf sie einprasselt. Für die ist das mit Sicherheit eine leichte Überforderung, aber die Frage ist eben immer: was macht man aus der Überforderung? Sind die Eltern mit dabei und erklären hinterher, was das alles bedeutete. Ich glaube sicher, dass eine Figur wie Chantal Dubois auch schon bei kleinen Kindern den Effekt auslösen kann, den sie auslösen soll, gerade weil sie nicht nur streng ist, sondern dabei komödiantisch überhöht. Und das kapieren Kinder, glaube ich, recht schnell.

Wie haben sich die Charaktere weiterentwickelt seit dem ersten Teil? Ins Extremere?
Das kann ich für meine Rolle Melman nicht sagen, weil meine Figur mit Sicherheit einen festen Platz innerhalb der Viererbande hat. Er ist der einzige, der die Wahrheit ausspricht, auch wenn ihn alle anderen ignorieren. Das ist immer so: wenn Melman sagt: „Hey, seit ihr wahnsinnig, euch diesem bescheuerten Zirkus anzuschließen, wir können da doch jetzt nicht mitfahren!“ – dann hat er Recht, aber wenn man auf ihn hören würde, dann wäre der Film nach 16 Minuten zu Ende. Das würde ja nichts bringen. (…) Meine Figur ist das mahnende Gewissen der 4, zugleich ist er ein Snob, zugleich Hypochonder und wahrscheinlich ist er das einzige der 4 Tiere, das Abitur hat und das lässt er auch hin wieder heraushängen. Das hat in allen Teilen immer wieder denselben guten und richtigen Effekt.

Nachdem Sie ja schon häufig Voicing gemacht haben: gibt es da Anknüpfungspunkte oder ist das schon fast Routine?
Ja, ich habe schon öfter toll animierte Tiere gesprochen, bei „Stuart Little“ war es eine Maus, bei „Megamind“ ein gigantischer Superheld, davor bei „Bee-Movie“ eine kleine Biene und jetzt eben ein drittes Mal die Giraffe. Und jedesmal war ich zunächst Teil eines Auswahlverfahrens: es wurde ein sogenanntes Type Cast gemacht, bei dem man dann feststellte: wenn wir da diesen Pawelka haben, dann passt der am ehesten auf die Giraffe. Man würde mir niemals den Löwen oder das Zebra geben, weil die zu ausgeflippt sind. Das ist auch richtig so. Am wichtigsten ist doch, dass man die Giraffe mit einem Schauspieler (…) besetzt, der auch wirklich passt.
Ich bin aber auch schon bei einem Casting gewesen, bei dem ich 20 Minuten herum probiert habe, aber es wollte einfach nicht zu meiner vergleichsweise eher eindimensionalen Stimme passen. Da habe ich gesagt: “Liebe Leute, selbst, wenn ihr mich nehmt, ich werde es nicht machen, denn diesen Charakter kriege ich bis zum Ende des Films nicht geknackt und davon hat niemand was, vor allem nicht der Zuschauer“.

Haben Sie nicht längt den Punkt erreicht, an dem man Sie gar nicht mehr gecastet werden, weil Sie sich ja schon etabliert haben?
(…) Ich glaube, es hat sich herum gesprochen, dass man das mit mir einigermaßen über die Bühne kriegen kann und dass ich im Studio nicht aus Versehen gegen das Mikro laufe oder so was, aber in der Tat ist jede prominente Synchronrolle immer wieder ein Casting-Prozess.

Gibt es da Vorgaben, die beim Casting einzuhalten sind, oder haben Sie Spielraum?
Das hängt davon ab, wie viel man vorher weiss. Manchmal ist die potentielle Rolle so geheim, dass man sich nicht vorbereiten kann. Man kommt zum Probesprechen, dort sieht man sich den Ausschnitt in einer schrabbeligen Schwarzweißfassung an, die so wirkt, als hätte man sie bereits 1985 in der Videothek nicht mehr ins Regal gestellt, weil Sie einfach zu schlecht aussieht. Während man sich das ansieht, erkennt man hoffentlich, wie der Charakter wirkt und bei den Casting-Aufnahmen sollte man dann möglichst gut auf dem Charakter klingen. Das ist so etwas wie ein Testlauf. Das ist das Tagesgeschäft in diesem Beruf, aber es ist kein schlimmer Wettbewerb. Man freut sich immer und man stellt auch schnell fest, ob man auf den Charakter wirklich passt. (…)

Wie kitzelt man eigentlich sein inneres Tier heraus und ist das Voicing von Tieren anders, als das Voicing von Menschen?
Mit Sicherheit fallen mir die Cartoonfiguren leichter. Ich könnte im schlimmsten Falle eine solche Figur auf Deutsch einigermaßen überdrehen. Das würde zum optischen Tempo, das gerade bei Madagascar sehr hoch ist, passen. Ich mache das aber nicht. Ich versuche, in genauso reduziertem Schwung zu sprechen, wie es David Schwimmer im Original tut, sonst hätte man irgendwann den Effekt, dass alle Tiere nur noch wild durcheinanderreden und das macht dann irgendwann auch keinen Spaß mehr. Und das innere Tier in mir kriege ich niemals gebändigt, geschweige denn heraus gekitzelt, weil ich eben eher gucke, wie ich das imitiert kriege, was das Original vorgibt.

Wie ausschlaggebend ist der Wiedererkennungswert von durchs Fernsehen bekannten Stimmen wie deiner für Produktionen wie Madagascar?
Auch wenn wir – in diesem Fall Susanne Pätzold, Rick Kavanian, die Fantastsichen 4, Jan Josef Liefers und ich – mit den Tieren in Verbindung gebracht werden: im Kino verpufft der Wiedererkennungs-Effekt ja schnell. Dann haben vielleicht alle kapiert: Ok, das ist jetzt Pastewka, der da die Giraffe spricht, aber damit ist für die restlichen 88 Minuten ja nichts gewonnen. Wie gesagt: Das wichtigste ist, dass die Stimme auf das passt, was man da sieht, oder im Original hört. Ich hasse es, wenn man sich als Komiker auf den Figuren breit macht und sagt: ‚Ich gebe diesem Film eine komplett eigene Note, ich werde improvisieren, ich werde alles geben, was ich auf der Bühne in den letzten 20 Jahren nicht erzählt habe, weil niemand in meine Show kommt.‘ Das bringt nichts. Man ist in jeder Sekunde zu Recht Erfüllungsgehilfe des Originals.

Viele gehen davon aus, dass Comedians sich mit Voicing leichter tun, ist da was dran?
Diese Einschätzung ist falsch. Ich habe Kollegen, die sagen: Ich kann das nicht. Aber nicht, weil sie sich anstellen, sondern weil sie merken: Ich kriege die Taktung nicht hin – wenn ich das Original höre, dann wirkt es bei mir immer aufgesagt, egal wie gut ich es anstelle. (…)

Würden Sie sagen, egal wie viele Teile da noch kommen, würden Sie wieder zurückkommen, um Malmen zu voicen?
Wenn man mich fragt sofort. Ich rufe da ja immer an und sage: Helft mit. Ich fände es sehr schade, wenn der Charakter irgendwann von einer anderen Stimme gesprochen wird, weil ich denke, dass sogar die Kinder, die Madagascar mit fünf oder sechs zum ersten Mal gesehen haben und sich jetzt mit vierzehn die nächsten Teile angucken, diesen Unterschied merken. (…)

Aber wir wissen ja nicht, wie viele Teile da noch kommen werden. Ich hoffe, es werden noch viele sein.

Interview by Sima Moussavian