26. Filmfest Dresden - International Short Film Festival

In der diesjährigen Osterzeit (vom 15. bis zum 20. April) fand das 26. Filmfest Dresden (International Short Film Festival) wieder in der sächsischen Landeshauptstadt statt. Auch im Jahr 2014 erfreute sich das Festival großer Beteiligung und Beliebtheit. Es wurden nicht nur 2000 Filme aus 85 Ländern eingereicht, sondern auch mit einer Crowdfunding Kampagne die fehlenden finanziellen Mittel zusammengetragen. Dabei entstand ein buntes, abwechslungsreiches und sehenswertes Programm, welches Unterhaltung für alle Generationen und Zielgruppen bot.

Die Dreh- und Angelpunkte des Festivals sind jedes Jahr die internationalen und nationalen Wettbewerbe. Im internationalen Wettbewerb traten 23 Animationsfilme und 28 Realfilme in den Wettstreit um die Goldenen Reiter an. Den begehrten mit 7500 Euro dotierten Preis erhielten der mexikanische-schweizerische Regisseur Mauro Mueller für seinen Kurzspielfilm „A World for Raúl“ (“Un mundo para Raúl”, Mexiko, Schweiz, USA, 2013), welcher das Publikum mit dem unangenehmen Thema der Vergewaltigung eines Jungen durch einen anderen Jungen konfrontierte, und der Schweizer Michael Frei für seinen recht experimentellen Animationsfilm „Plug & Play (Schweiz, 2013)“. Zum Publikumsliebling, der jedes Jahr durch Abstimmzettel ermittelt wird, wurde der Kurzfilm „The Phone Call“ (UK, 2013) mit Sally Hawkins in der Hauptrolle gekürt. Er schaffte es, die Zuschauer mit wenigen Mitteln und einer fantastischen Hauptdarstellerin zu Tränen zu rühren. Die Jugendjury, welche durch ein Auswahlverfahren entstanden ist, kürte den amüsanten Film „Millionaires“ (“Millionnaires”, Belgien, 2013) zu ihrem Favoriten. Andere Festivallieblinge im internationalen Programm waren die Kurzspielfilme „A Living Soul („En levande själ“, Schweden, 2014), der eine ebenso bewegende wie außergewöhnliche Geschichte über ein denkendes und fühlendes Gehirn in einem Labor erzählt, sowie der Film „Numbers“ (Tschechien, Südkorea, 2013), der mit einer interessanten Idee aufwartet, welche man auch auf einen Langspielfilm mühelos erweitern könnte, und der französische Film „I’m a Sharpener“ (Frankreich, 2013), der von dem besonderen Beruf des Bleistiftsanspitzers erzählt. Zusätzlich fand der auch schon mit einem Oscar ausgezeichnete Animationsfilm „Mr. Hublot“ (Luxemburg, Frankreich, 2013) große Anerkennung.
Im nationalen Wettbewerb „kämpften“ 15 Animationsfilme und 14 Kurzspielfilme um die Goldenen Reiter. Der Realfilm „Sunny“ (Dt., 2013) und der Animationsfilm „Boles“ (Slowenien, Dt., 2013) bekamen diese von der dreiköpfigen Jury verliehen. Den Publikumspreis gewann der herzensgute und amüsante Film „Stufe Drei“ (Dt., 2012). Der Regisseur Nathan Nill schuf eine Filmperle, die trotz des schon oft verwendeten Behinderten-Toleranz-Themas überzeugen konnte. Den Defa-Förderpreis erhielt der 3-minütige Animationsfilm „Dame mit Hund“ (Dt., 2014) von der Regisseurin Sonja Rohleder, die mit einer starken Reduzierung einen hübschen und ungewöhnlichen Film schuf. Den Publikumspreis bekam ein Realfilm, der aus künstlerischen Installationen besteht, namens „Sieben Mal am Tag beklagen wir unser Los und nachts stehen wir auf, um nicht zu träumen“ (Dt., 2013) von Susann Maria Hempel. Sie schuf damit ein verstörendes sowie auch faszinierendes Werk. Abseits der vergebenen Preise sorgten die Filme „Mensch und Maschine“ (Dt., 2013) und „Circuit“ (Dt., 2013) von Robert Gwisdek für große Erheiterung. Der erste ist bestechend kurz und trifft den Nagel auf den Kopf und der zweite erzählt mit viel Humor und Spielereien die Geschichte eines Handwerkers (vom Regisseur selbst gespielt), der in einem Raum gefangen ist und immer wieder dahin zurückkehrt.

Zusätzlich zu den Wettbewerben gab es auch in diesem Jahr wieder viele thematische Sonderveranstaltungen. So wurden in zwei Tributen die Filmemacher Daniel Szczechura und Luc Moullet, einer der letzten noch lebenden Regisseure der Nouvelle Vague, geehrt. Moullet war bei der Projektion seiner Filme immer anwesend, so dass es dem Zuschauer möglich war, mehr über die Filme zu erfahren. Auch bei anderen Veranstaltungen waren oft die Filmemacher anwesend und bereicherten so die Filmvorstellung. Die Retro-Reihe beschäftigte sich mit der Mode der DDR. Im Animationsbereich drehte sich alles um die Disc. Junge Filmemacher hatten die Möglichkeit damit auch in einem Workshop zu experimentieren und begleitend wurde eine Ausstellung, wie auch zu DDR-Mode eröffnet. Neben den immer wieder tollen Kinderprogrammen, dem Jugendfilmblock, dem Experimentalkino, dem Quebec- und Sarajevoblock, dem Hochhaus- und Kellerkino, wo an ungewöhnlichen Orten Kurzfilme präsentiert wurden, sollten noch drei weitere Blöcke im Besonderen erwähnt werden. Bei der Panoramareihe wurde auch in diesem Jahr (wenn auch nicht ganz so gut wie im letzten Jahr) allerlei Trashiges und Außergewöhnliches präsentiert. Dabei stechen vor allem die Dokumentation „Traumfrau“ (Schweiz, 2012), welche von einer Mann-Gummipuppen-Beziehung erzählt, und „The Dickslap“ (La Bifle, Frankreich, 2012), der anhand von enormer Größe und durch abstrusen Humor bestechen kann, hervor. Ernster ging es dagegen im Kurzfilmprogramm des europäischen Filmpreises zu. Neben vielen herausragenden Beiträgen fiel der Gewinnerfilm “Death of a shadow” (Dood van een Schaduw, Belgien, Frankreich, 2012) und der deutsche Animationsfilm „Sonntag 3“ (Deutschland, 2012), der von einem Blinddate der Kanzlerin berichtet, auf. Auch in diesem Jahr war die Mitteldeutsche Filmnacht im Kleinen Haus des Staatsschauspielhauses Dresden wieder gut besucht. Der 500-Euro-Publikumspreis ging verdientermaßen an den Regisseur Robert Bittner für sein fröhliches Musikvideo „Fräulein Sommer“ (Dt., 2013) (Abbildung: Teilnehmer und Organisatoren der Mitteldeutschen Filmnacht).

Das 26. Filmfest in Dresden hatte zwar den Zeitraum ungünstig gewählt, so dass am Osterwochenende ein deutlicher Besucherschwund merkbar war, konnte aber ansonsten alle Erwartungen bestens erfüllen. Die Mischung aus Animations- und Kurzspielfilmen stimmte. Alle Genres waren kunterbunt vertreten, so dass man nie mit einem bestimmten Gefühl aus dem Kino ging. Besonders lobenswert ist die Vielfalt der Herkunftsländer, was oft einen neuen Blick ermöglichte. So fiel es auch dem Dauerbesucher leicht viele Programme hintereinander zu sehen. Die Sonderprogramme erweiterten zusätzlich den Horizont. Im Gesamten war es wieder ein gelungenes und schönes Festival.


by Doreen Matthei
Photos © Doreen Matthei