"From Paris with Love" - schöne Grüße vom Zoll

25.08.2010

Angesichts der anhaltenden, haarsträubenden Versuche laienhafter Dilettanten, Unerlaubtes durch die Schranken des Zolls zu bugsieren, kann ein Typ wie Charlie Wax nur laut lachen. Als eisenharter Spezialagent in „From Paris with Love“ weiß er schließlich, wie es geht. Die folgenden illustren Beispiele führen uns nun einmal das ganze Gegenteil vor Augen:

Um 30 Kilo Marihuana im Koffer zu entdecken, braucht der Zoll nicht mal Spürhunde. Selbst der verschnupfteste Beamte wird da noch Lunte riechen. Viel kreativer reiste da ein Guatemalteke nach Frankfurt/Main. Sechs Märchenbücher hatte er mit einer hochprozentigen Mischung aus Heroin und Kokain getränkt – darauf muss man erstmal kommen – und obwohl er sich schon so auf das Abkochen der Wälzer freute, machte ihm der gute alte Zoll einen Strich durch die Rechnung. Und eins hätte dem Herrn aus Lateinamerika vorher bewusst sein sollen: niemand reist ungestraft mit Märchenbüchern voller Drogen in das Bundesland, in dem die Geburtsstätte der Gebrüder Grimm liegt!

Ausgestopfte Tiere und getrocknete Pflanzen sind mittlerweile ein alter Hut – sowas packt sich ja jeder Touri in den Koffer – der Zoll mag das trotzdem nicht. „Artenschutz? Noch nie von gehört“, ist dann als Tourist keine gute Reaktion – Zöllner lachen seltener, als man pro Jahr Geburtstag hat – und so fährt man dann ohne Krokodilskopf aber mit einem schönen dicken Bußgeldbescheid vom Flughafen nach Hause. Wem tote Tiere langweilig sind, wird sich sicher über diesen Fund aus dem Bereich „lebendige“ Fauna freuen. Am Flughafen von Melbourne fanden mäßig begeisterte Zöllner kürzlich zwei Vogeleier im Gepäck eines Mannes. Die anschließende Gepäckkontrolle zauberte dann aber schon ein ungläubiges Schmunzeln auf die Beamtengesichter: der Reisende hatte nicht vor, die Eier selbst auszubrüten und darum die Vogeleltern gleich mitgebracht. Unter jedem Hosenbein hatte er sich einen Vogel direkt ans Schienbein geklebt. Die beiden Tauben hätten sicher auch nie geglaubt, dass sie einmal samt Nachwuchs gekidnappt, in 11000 Metern Höhe nach Australien fliegen und dort angekommen vom Zoll befreit werden würden – aber so spielt das Leben.

Vier Japaner wollten 2004 auch einfach Mal ihr Glück herausfordern und eine äußerst wertvolle japanische Rüstung aus dem 17. Jahrhundert nach Deutschland schmuggeln. Dass Metall im Handgepäck angesichts der Sicherheitstechnik an einer Zollstelle nicht gerade unauffindbar ist, war den vier Herren aus dem Land der aufgehenden Sonne offenbar nicht in den Sinn gekommen. Es wäre wohl unauffälliger gewesen, die Rüstung anzuziehen und damit direkt einzuchecken – bei einem prächtigen, als traditionelle Bekleidung deklariertem, Gewand hätten die Beamten vielleicht noch ein Auge zugedrückt.

Im vergangenen Jahr reisten dann zwei feine Herren aus dem fernen Osten im Zug gen italienisch-schweizerische Grenze. Die beiden waren schon fast im Land wo Schokolade und Käse fließen angekommen, doch dem Zoll fiel auf, dass sie zwar ohne Netz aber dann doch mit einem doppelten Boden unterwegs waren. Und zwar in ihrem Koffer. Darin fanden die italienischen Grenzbeamten mal wieder zwei dicke Bündel Papier. Das ist zwischen Italien und der Schweiz nicht wirklich etwas Besonderes – Geldbündel und Goldbarren gehören hier zum Schmuggler-Standardrepertoire. Als die Zöllner den Wert der 10 Kennedy-Bonds und 249 US-Staatsanleihen zusammenrechneten, hüpfte das Beamtenherz jedoch vor Freude im Quadrat. Papiere im Wert von sage und schreibe 96 Milliarden amerikanischer Dollar waren ihnen noch nie untergekommen. Der Fall ist äußerst mysteriös und wird noch bearbeitet – die Echtheit der Papiere wurde noch nicht bestätigt, konnte aber auch noch nicht widerlegt werden.

Alle hier genannten Beispiele für geplante Zollüberlistung sind ja nun gründlich – man muss es so sagen – in die Hose gegangen. Wenn ab dem 27. August „From Paris with Love“ auf DVD und Blu-ray in den Handel kommt, können sich schmugglertechnisch Interessierte endlich etwas Anleitung holen, um zu erfahren, wie sich echte Männer beim Schmuggeln verhalten. John Travolta und Jonathan Rhys Meyers zeigen eindrucksvoll, wie es gelingen kann eine gewisse Miss Jones durch die Zollkontrolle am Pariser Flughafen zu bekommen, obwohl die Dame auf mehrere Getränke-Dosen verteilt ist. Wer wissen möchte, wer nun wieder Miss Jones ist und ob sie die Reise als quasi „zersägte Jungfrau“ heil überstanden hat, dem sei „From Paris with Love“ wärmstens empfohlen – von Schmuggel aller Art ist jedoch entschieden abzuraten.