Valerie - Eine Woche voller Wunder (Special Edition) - DVD

DVD Start: 13.08.2010
FSK: ab 16 - Laufzeit: 73 min

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Inhalt

Als der jungen Valerie eines Nachts ein paar Ohrringe gestohlen werden, erwacht sie gerade noch rechtzeitig, um den Dieb davonlaufen zu sehen. Siel läuft ihm nach, doch auf ihrem nächtlichen Streifzug wirkt alles auf einmal seltsam fremd. Als am nächsten Tag eine Truppe Schausteller in ihr Dorf kommt, um für ein Hochzeitsfest zu spielen, bekommt die bisher heile Welt von Valeries wohlbehütetem Zuhause langsam Risse. Eine furchterregende Fratze lächelt sie aus der Menge an und auch ihre Großmutter scheint irgendwie verändert, während Vampire, lüsterne Priester und Dämonen im Dorf plötzlich ihr Unwesen treiben.

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DVD Details

Medienanzahl: 2
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive AG
Tonformate:
Tschechisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 1,33:1 (4:3 Vollbild)
Bonusmaterial:
- Separate Soundtrack-CD mit der Filmmusik von Luboš Fišer
- Zusätzliche optionale Audiospur mit der Filmmusik von The Valerie Project
- Audiokommentar vom Peter Hames & Daniel Bird
- »Waking Valerie« - exklusive Dokumentation über die Entstehung des Films (ca. 20 Min.)
- »Valerieholics« - Andy Votel, Trish Keenan, Gergory Week & Joseph A. Gervasi im Interview (ca. 12 Min.)
- Musikclip zum Track »Valerie« von Broadcast
- 64-seitiges Booklet mit Texten von Giuseppe Dierna, Andy Votel, Peter Hames, Joseph A. Gervasi, Tanya Krzywinska und Daniel Bird

DVD und Blu-ray | Valerie - Eine Woche voller Wunder (Special Edition)

DVD
Valerie - Eine Woche voller Wunder (Special Edition) Valerie - Eine Woche voller Wunder (Special Edition)
DVD Start:
13.08.2010
FSK: 16 - Laufzeit: 73 min.

zur DVD Kritik
Valerie - Eine Woche voller Wunder Valerie - Eine Woche voller Wunder
DVD Start:
04.11.2011
FSK: 16 - Laufzeit: 73 min.

DVD Kritik - Valerie - Eine Woche voller Wunder (Special Edition)

DVD Wertung:
Film: | 10/10
Bild: | 10/10
Ton: | 10/10
Extras: | 10/10
Gesamt: | 10/10


Ein Traum…vielleicht
Mit „Valerie“ kommt ein tschechischer Spielfilm von 1970 auf DVD heraus, der zwar seinerzeit aufgrund des Eisernen Vorhanges kaum bekannt wurde, aber dennoch im Underground nachhaltig wirkte. Besonders die Musik des Filmes hatte großen Einfluss. Und wenn man den Film betrachtet kann man nur sagen: zu Recht.

Die Kamera ist offensichtlich in die Hauptdarstellerin Jaroslava Schallerova verliebt. Sie umkreist diese zierliche Schauspielerin und liefert fast nur Close Ups dieses ausdrucksstarken Gesichts. So konzentriert sich der Zuschauer automatisch auf die Figur Valerie, die nicht nur die Titelheldin ist, sondern auch der Dreh- und Angelpunkt sämtlichen filmischen Geschehens. Eines der zentralen Themen ist deren sexuelles Erwachen. Hierfür findet der Regisseur Jaromil Jires auch ein richtig schönes symbolisches Bild. Valerie geht eine Wiese entlang als ihre erste Menstruation beginnt. Ein Blutstropfen fällt auf eine Blume, die Valerie daraufhin pflückt und nicht nur mit nach Hause nimmt, sondern auch ins Bett. Generell ist auffällig wie stark stilisierte Bilder (vor allem die innerhalb des Hauses in dem Valerie aufwächst) mit solchen abwechseln in denen nicht nur Chaos herrscht, sondern auch eine sehr agile Kamera alles in Bewegung hält und sehr nah an Gegenstände und Gesichter zoomt und so schon fast Verfremdungseffekte auslöst. So wird sehr geschickt die innere Aufgewühltheit der Protagonistin auf den Zuschauer übertragen.

Jedes Bild ist interpretationsbedürftig und symbolisch aufgeladen und lädt den Zuschauer zu einer intensiven Beschäftigung ein. Vor allem das zentrale Symbol der Ohrringe ist sehr rätselhaft und ändert ständig, je nach Kontext, seine Bedeutung. Die Ohrringe stehen nicht nur für Eitelkeit, Wohlstand, gesellschaftliche Anerkennung, sondern auch für Schutz, Geborgenheit, Stärke. Sie schützen Valerie, bringen sie aber auch in Gefahr. Wie in dem Begleitbuch zu lesen, sorgen die Ohrringe und ihre Bedeutung bis heute für Diskussionen. Die Monster sind sehr viel einfacher zu deuten. Als Vampire stehen sie für die Triebe. Hier vor allem für den Sexualtrieb. Eine zentrale Szene ist die Hochzeitsnacht einer Bäuerin, in der die Vampire für Defloration im speziellen und für Sex im Allgemeinen stehen. Antiklerikale, antibürgerliche und antiobrigkeitliche Tendenzen sind in dem Film auszumachen, der kurz nach dem Prager Frühling entstand. Da er aber zu dem Zeitpunkt nicht einer starken kommunistischen Zensur unterlag, sind diese Tendenzen nicht propagandistisch auszumachen, sondern eher auf der symbolischen Ebene. Dass jedes Bild interpretationsbedürftig ist, macht den Film zwar stellenweise schwierig anzusehen, aber fasziniert auch. Er entwickelt einen Sog und eine Nachhaltigkeit, die einen lange nicht loslässt. Darstellerisch gesehen ist er zwar manchmal etwas zu theatralisch geraten (besonders bei dem Oberschurken), aber die Hauptdarstellerin gleicht das wieder aus. Auch wenn der Film viel mit der Bildsprache des Horrorfilms arbeitet und Vampire und erotische (Jung-)Frauen auftreten, so ist er doch kein Horrorfilm im engeren Sinne. Er wurde zwar mal als erotischer Horrorfilm vermarktet aber das trifft es nicht so ganz. Trotz aller Gothicelemente ist er eher ein Traum. Ein Bild gewordener Stoff des freudianischen Unterbewusstseins.

Eine zentrale Rolle spielt der hervorragende Soundtrack, der viele Bands inspirierte. So gibt es zum Beispiel als Extra eine separate Tonspur mit einem neuen Soundtrack von der Gruppe mit dem bezeichnenden Namen „The Valerie Project“. Der Film ist leider nur mit Untertiteln versehen und nicht synchronisiert, behält aber damit den exotischen Charme. Das Bild und der Ton sind sehr gut.

Vor allem die Extras sind herausragend und zeigen, wie Extras aussehen sollten. Zum einen wird der hervorragende Soundtrack auf einer separaten CD mitgeliefert. Ein ausführliches Begleitbuch liefert Hintergrundinformationen zur Romanvorlage, dem tschechischen Kino Ende der sechziger Jahre und eine Einordnung von „Valerie“ in diesen Kontext. Weiterhin kommen Intentionen der Filmemacher, Deutungen, die Aufnahme des Films bei Publikum und Kritikern, Reaktionen und die nachhaltige Wirkung zur Sprache. Diese Aspekte wiederholen sich manchmal in dem hervorragenden Audiokommentar. Mit „Waking Valerie“ gibt es eine sehr interessante Dokumentation zu der Entstehung des Filmes. „Valerieholics“ stellt einige Fans vor, die vor allem Musiker sind und mit der Filmmusik später arbeiteten. Ein Musikclip der Band Broadcast rundet die Extras ab.

Hervorragend. Ein schwieriger aber auch faszinierender Film, der den Zuschauer nicht loslässt und zu einer ausführlichen Beschäftigung einlädt. Auch die Extras zeigen wie optimale Extras aussehen sollten. Zugreifen!


by Jons Marek Schiemann
Bilder © Alive AG





DVD Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 5/10
Ton: | 6/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 6/10


Ein düsteres Märchen, schimärisch und bizarr inszeniert: Der jungen Valerie werden nächtens ein paar Ohrringe gestohlen werden, erwacht sie gerade noch rechtzeitig, um den Dieb davonlaufen zu sehen. Siel läuft ihm nach, doch auf ihrem nächtlichen Streifzug wirkt alles auf einmal bizarr und äußerst befremdlich. Als am nächsten Tag eine Truppe Schausteller in ihr kleines Dorf besucht, um für eine Hochzeit aufzuspielen, bekommt die bisher heile Welt von Valeries integrem Zuhause bizarre Risse. Eine horrible Fratze lächelt sie aus der Menge an und auch ihre Großmutter scheint irgendwie verändert, während Vampire, lüsterne Priester und Dämonen im sonst so friedfertigen Dorf ihr tabuloses Unwesen treiben. Ein surrealer Bilderreigen in dem Alice im Wunderland auf Dornröschen und 100 wilde Zwerge trifft. Experimentell, innovativ und typisch östlich depressiv-melancholisch kömmt diese pittoreske und gleichnishafte Filmmärchen aus dem avantgardistisch orientierten Hause Bildstörung daher. Für Kenner ein diabolischer Genuß, für Ignoranten eine Produktion der befremdlichen und andersuniversellen Art daher: das ist Film-Kitsch und Cineasten-Kunst gegen alle sonst so üblichen Kino-Konventionen, was Surrealismus und Sexismus im kindlichen camouflierten Kleid betrifft.

Die tschechischen Märchenfilme gelten auch heute noch als besonders fantasiereich und ebenso anspruchsvoll. Schon in den 1950igern entstand in der dort eine Masse von Animationsfilmen, die sich nicht nur an Kinder richteten. Daher der teilweise düstere Touch. Die herausragenden Künstler dieser Zeit waren Jiří Trnka und Karel Zeman. Auch die völlig aus der Mode gekommenen Scherenschnittfilme feierten hier fröhliche Urstände. Im heutigen Tschechien wurde großen Wert auf liebevoll inszenierte Märchenfilme wie Das Mädchen auf dem Besenstiel (1972), Drei Haselnüsse für Aschenbrödel (1973) und Die Mühlenprinzessin (1994) gelegt, die vor allem im damaligen Westen von Deutschland große Popularität hatten. Eines der bekanntesten dürfte da der Film Drei Haselnüsse für Aschenbrödel" sein, der jedes Jahr wieder ein wahrer Renner im Weihnachtsprogramm aller TV-Sender ist und etliche male gezeigt wird. Auch „Die Märchenbraut“ ist ohne Zweifel eines der Serie den besten Kinderfilm aller Zeiten. Die sogennante Tschechische Klassische Serie, die ab 1979 entstanden, stammt aus dem der Barrandov-Studios, die für eine Vielzahl von zeitlosen Perlen märchenhaft schönen Unterhaltung wie Pan Tau verantwortlich sind. Das Spezielle an diesen Filmen ist die stets kritische Auseinandersetzung mit der modernen Gesellschaft, insbesondere dem realen Sozialismus in der Ex-Tchechoslowakei.

by Jean Lüdeke