Utopia Ltd. - DVD

DVD Start: 04.05.2012
FSK: ab 6 - Laufzeit: 90 min

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Inhalt

Die drei Teenager Anton, Jonas und Basti sind die Band 1000 Robota. Trotz Presse-Hypes müssen sie ihren Weg zwischen Schule und Musikbusiness finden. Künstlerische Differenzen mit ihrem Plattenlabel und ein ernüchternder Bandalltag führen bei den Jungs zu Zweifeln und Frust. Das sie umgebende System bringt immer wieder die Frage auf: Gibt es in einer wirtschaftlich ausgerichteten Gesellschaft überhaupt eine Nische für Ideale und eine freie Kunstproduktion?

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive AG / Rapid Eye Movies
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 1,33:1 (4:3 Vollbild)
Bonusmaterial:
Extras (ca. 30 Min.): Extended Scenes, Kinotrailer + 16-seitiges Booklet

DVD und Blu-ray | Utopia Ltd.

DVD
Utopia Ltd. Utopia Ltd.
DVD Start:
04.05.2012
FSK: 6 - Laufzeit: 90 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Utopia Ltd.

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 5/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 8/10


1000 Robota: „1000 steht für sehr viel. Robot steht für die Leute, die sich nicht reflektieren und selbst Entscheidungen treffen, sondern für sich entscheiden lassen. A steht dafür, dass wir nicht so sind und denken, “ erklärt Anton Spielmann, der 18jährige Frontmann und Gitarrist der Band „1000 Robota“, die über zwei Jahre lang von der eigentlichen Cutterin Sandra Trostel begleitet wurde.

Im Fokus dieser Dokumentation, die von der deutschen Film- und Medienwertung mit dem Prädikat „wertvoll“ ausgezeichnet wurde, steht zweifellos eben dieser Anton Spielmann. Seine beiden Kollegen und Freunde, Basti Muxfeldt und Jonas Hinnerskort, treten klar in den Hintergrund und überlassen Spielmann den Posten des Bandleaders – worüber beide Seiten mitunter etwas unzufrieden scheinen. Aber Spielmann genießt die große Bühne, spuckt noch größere Töne und äußert, umgeben von leergetrunkenen Clubmate-Flaschen und, auf einer Stapel BILD-Zeitungen liegender Anleitung zum „Popstar in 100 Tagen“, sein subversiv-systemkritisches Gedankengut, welches einerseits durch juvenilen Enthusiasmus ansteckt, andererseits aber aufgrund prätentiös-verkopftem Gehabe unfreiwillig amüsiert. Wenn ein 18jähriger Junge von den verlorenen Idealen der 60er Jahre spricht, dann mag er damit vielleicht Recht haben, authentisch wirkt es nicht. Und das ist ein grundsätzliches Problem: Spielmann stilisiert sich zum Sprachrohr, als versuchter Revolutionär in einer Gesellschaft, die ihn und das, was er tut, nicht versteht. Er will Kunst machen und sich nicht verkaufen, beschwert sich aber, wenn er in Jugendherbergen, statt Hotels, untergebracht wird oder mal vor 10 Leuten auftreten muss. Es mangelt ihm an Demut und Respekt. Er verletzt durch seine Allüren auch eben die Künstler, die jahrelang in Kellerlöchern vor ein paar Zuschauern spielen, keinen Plattenvertrag haben und froh sind überhaupt auftreten zu können. Klar, dass umso länger der Film dauert, umso mehr Sympathiepunkte eingebüßt werden. Das Problem mit 1000 Robota ist, dass sie sich tatsächlich selbst überschätzen und es keine inszenierte Überzeichnung der prolligen Arroganz, wie bspw. bei den Sex Pistols, ist. Sie sind zu intelligent, um über sie zu lachen, aber nicht intelligent genug, um das, was sie sagen und tun, vollends ernstnehmen zu können. Vor allem wenn Spielmann in dem durchschnittlichen Einfamilienhaus seiner Eltern als Kinderzimmerkünstler auftritt, bei dem man das Gefühl hat, er wurde aus einem klassischen Coming-of-Age-Drama entführt.

Musikalisch sind 1000 Robota jedoch nicht uninteressant. Sich selbst bezeichnen sie als Wave-Punk-Band in Tradition von Joy Division & Co. stehend, tatsächlich fehlt aber der Wave-Einfluss beinahe vollständig. Die Texte sind ambitioniert und, für sich gesehen, recht wirkungsvoll. Die Musik ist schroff und energiegeladen, aber auch eingängig. Mitunter wirken sie wie die frühen Franz Ferdinand, ohne den Anspruch, tanzbare Musik abliefern zu wollen. Und eine charismatische Persönlichkeit, die für das Dasein als Frontmann geradezu prädestiniert, muss man Spielmann auf alle Fälle eingestehen. Trotz aller, zum Kopfschütteln einladender Momente, degeneriert er, dank seines Charmes, nicht vollständig zum Unsympathen. Auch, weil man fühlt, dass er wirklich hinter dem steht, was er tut. Oft aber ohne zu wissen, was er tut.

Bei dieser, in angenehmem Tempo erzählten Reise durch das „die Seele fickende“ (Zitat Spielmann) Musikbusiness, hat man jedoch häufiger das Gefühl, dass es eigentlich gar nicht unbedingt um 1000 Robota geht. Viel mehr scheint die Band ein Symbol für versucht unbekümmerte Jugendlichkeit zu sein und den Mut, nicht nach Normen und gesellschaftlichen Vorgaben zu lebe, sondern Dinge, die man wirklich will, auszuprobieren, ohne eine permanenten Rechtfertigung der Wirtschaftlichkeit seiner Vorhaben ablegen zu müssen. Es geht weniger um 1000 Robota als reine Band, sondern eher um das, wofür sie stehen. Die Dokumentation ist unterhaltsam und kurzweilig, sie kommentiert nicht und zeigt, neben lauten Konzertaufnahmen, leise Einblicke hinter die Kulissen und in das Gefühlsleben der beteiligten. Zusätzlich bekommt man einen lehrreichen Einblick in das Musikgeschäft und die Probleme, die es mit sich bringt, wenn man auf einmal anfängt Erfolg zu haben.

Die Bildqualität der DVD ist überraschend gut, während die Qualität des Tons ab und an der dokumentarischen Authentizität zum Opfer fällt, sodass manche Dialoge nicht oder nur sehr schwer verständlich sind. Die Extras sind mit zusätzlichen Szenen und dem Kinotrailer eher Standartkost, wäre da nicht noch das 16seitige Booklet, welches zum Abschluss positiv überrascht.

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by Lukas Lohmer
Bilder © Alive AG / Rapid Eye Movies