Unter dir die Stadt - DVD

DVD Start: 04.11.2011
FSK: ab 12 - Laufzeit: 110 min

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Inhalt

Die flüchtige Begegnung eines Mannes und einer Frau auf einer Vernissage, ein Augenblick schwirrender Intensität, gerade lang genug, um sich zu erinnern. Tage später führt sie der Zufall wieder zusammen, Roland Cordes, den Manager einer Großbank, und Svenja, die Frau eines seiner Angestellten. Svenja geht auf das Spiel der unerklärlichen Faszination zwischen ihnen ein, aber lässt es nicht zur Affäre kommen. Gewohnt, die Welt nach seinem Willen zu formen, schafft sich Cordes freie Bahn und befördert Svenjas Mann auf einen hoch dotierten Risikoposten in Indonesien. Ahnungslos beginnt Svenja, ihren Widerstand gegen die Hartnäckigkeit ihres undurchdringlichen Verehrers aufzugeben...

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 0
Vertrieb: Indigo
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
Englisch
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
ausführliches Booklet, Audiokommentar

Video on demand - Unter dir die Stadt

DVD und Blu-ray | Unter dir die Stadt

DVD
Unter dir die Stadt Unter dir die Stadt
DVD Start:
04.11.2011
FSK: 12 - Laufzeit: 110 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Unter dir die Stadt

DVD Wertung:
Film: | 5/10
Bild: | 9/10
Ton: | 5/10
Extras: | 3/10
Gesamt: | 5/10


Es ist erstaunlich, dass die Berliner Schule, langsam, aber stetig weiter vorangetrieben durch neue Vertreter, dennoch nicht so recht vom Fleck kommt in Deutschland. In Frankreich wird bereits seit Jahren von einer „Nouvelle Vague allemande“ geschrieben, auf diversen Filmfestivals sind die Werke von Christian Petzold, Thomas Arslan oder Angela Schanelec ebenfalls schon seit einigen Saisons vertreten. Und hierzulande? Da laufen die wenig gewinnbringenden Filme kurz mal für eine Woche in den kleinsten Kinos der größten Städte oder nachts im öffentlichen Fernsehen – wenn man Glück hat.

Etwas Glück hatte zumindest Regisseur Christoph Hochhäusler, dessen neustes Werk Unter dir die Stadt 2010 auf dem Filmfestival in Cannes laufen durfte. Thematisch passte sein auf der Bühne der Frankfurter Hochfinanz spielender Film perfekt zur Weltfinanzkrise, deren Aura von gewissenlosen Spekulanten und weltfremden Bankiers auch heute noch in Unter dir die Stadt nachhallt. Nun erscheint Hochhäuslers Werk auf DVD und bietet die Möglichkeit, ein Stück Berliner Schule zu erkunden.

Berliner Schule, das sind ja diese spröden, wenig bis nichts sagenden Wohlstandsmenschenfilme, zumindest, wenn man den Vorurteilen glaubt. Dass diese nicht (immer) zutreffen, konnte man bereits vor einiger Zeit durch Thomas Arslans noiresken Krimi Im Schatten erkennen, der einen gewichtigen Genrefilmanteil aufwies, ohne seine Stilistik dafür aufzugeben. Unter dir die Stadt hingegen basiert nicht nur auf einer biblischen Geschichte, sondern erinnert von seiner Figurenkonstellation und den einzelnen Charakteren her bisweilen durchaus an die tragischen Protagonisten von Shakespeare, ist dabei aber gleichermaßen wie Arslans Werk konsequent in seiner Umsetzung.

Die Liebes(?)Geschichte einer Affäre zwischen einem Bankboss und der Frau eines Angestellten, der kurzerhand vom Chef nach Jakarta geschickt wird, um den Weg zur Zurückgelassenen zu ebnen, ist mehr eine grobe Basis, funktioniert, reißt aber nicht mit. Wesentlich spannender sind die Szenen aus den Zentren der Macht. Dabei reift schnell die Erkenntnis, dass dies nicht etwa die Glas-Beton-Riesen der Frankfurter Innenstadt sind, sondern die Machthaber der obersten Etage, die, selbst wenn sie sich nicht im Büro, sondern im Auto, Restaurant oder einem Hotel befinden, ihr finanzpolitisches Gewicht stets mit sich tragen. Dies hat zwangsläufig zur Folge, dass berufliches Wesen und Privatleben untrennbar miteinander verschmelzen. So wird jeder Blick zum Rating, jede Bewegung zur Leistungskurve, jeder Mensch zur Summe seines Nutzwertes.

Hochhäusler versteht es, mit den zurückhaltenden, aber konsequenten Stilmitteln der Berliner Schule, die ja seit jeher jegliche Effekthascherei zugunsten der klaren Beobachtung verneint, diese abgehobenen Machtmenschen präzise zu erden und gleichzeitig ihre Stellung sowohl innerhalb ihres Alltags als auch im Mikro- und Makrokosmos der Bankwelt zu betonen. Die unaufgeregten Bilder schaffen insbesondere in der ersten Hälfte eine gewisse Distanz, sind gleichzeitig jedoch derart kompakt und klar, dass sie ihre eigene ergonomische Dynamik entwickeln und die Atmosphäre aufladen, wo es die Handlungsebene eigentlich überhaupt nicht hergibt. Im weiteren Verlauf, mit Beginn der Liason zwischen den beiden so unterschiedlichen Protagonisten, kann Unter dir die Stadt dann längst nicht mehr so fesseln, die Charaktere scheinen festzustecken, die finalen Entwicklungen sind seltsam gedämpft und leblos, weshalb die emotionale Anteilnahme des Zuschauers keinen Raum finden kann. Den guten Darstellern ist dies freilich nicht anzukreiden, insbesondere Nicolette Krebitz agiert hervorragend ambivalent.

So ist Unter dir die Stadt letztlich dann doch nur wieder ein wenig ergiebiger Film, der sich anfangs konzentriert seinem Milieu verschreibt und dann durchdacht und absichtlich ins Spröde abrutscht. Unabhängig davon bietet Hochhäuslers Werk jedoch eine interessante Seherfahrung, und sei es nur, um irgendwelche Vorurteile zu bestätigen. Für die Berliner Schule, die hoffentlich auch in Zukunft Zuwachs erhalten wird und eigene Wege geht, ist jede Aufmerksamkeit wünschenswert, dementsprechend ist Unter dir die Stadt trotz seiner Makel ein interessanter Film.

Die DVD weist eine sehr gute Bildqualität und soliden Ton auf. Das Booklet vertieft mit interessanten Interviews mit den beiden Hauptdarstellern sowie dem Regisseur das Verständnis, während die Extras eher mager sind.


by Tom Schünemann
Bilder © Indigo




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