Unsere kleine Schwester - DVD

DVD Start: 17.06.2016
FSK: ab 0 - Laufzeit: 123 min

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Inhalt

Die Schwestern Sachi, Yoshino und Chika leben gemeinsam in einem großen Haus in Kamakura, einer Küstenstadt unweit von Tokio. Zur Beerdigung ihres Vaters, der die Familie vor 15 Jahren verlassen hat, reisen die drei jungen Frauen aufs Land. Dort treffen sie ihre Halbschwester Suzu, die nun auf sich allein gestellt ist. Obwohl sie die schüchterne 13-Jährige kaum kennen, bieten sie ihr kurzerhand an, zu Ihnen nach Kamakura zu ziehen. Suzu nimmt die Einladung an, und so beginnt für die vier Schwestern ein neues Leben, in dem zwar die Vergangenheit ihren Platz hat, aber einzig die Gegenwart zählt.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Pandora Film
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
- Pandora Trailershow

DVD und Blu-ray | Unsere kleine Schwester

DVD
Unsere kleine Schwester Unsere kleine Schwester
DVD Start:
17.06.2016
FSK: 0 - Laufzeit: 123 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Unsere kleine Schwester

DVD Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 0/10
Gesamt: | 8/10


Hirokazu Kore-eda gilt dank Filmen wie „Like Father, Like Son“ und „Still Walking“ als moderner Nachfahre des japanischen Meisters für minimalistischen Humanismus Yasujirô Ozu. Eine ruhige und zurückhaltende Meditation über Familienbeziehungen und eine zutiefst poetische und sensible Auseinandersetzung mit Leben und Tod und dem Lauf der Zeit stehen im Mittelpunkt seines neuen Werks „Unsere kleine Schwester“, das 2015 für die Goldene Palme in Cannes nominiert war. Unsere kleine Schwester SzenenbildKore-edas Adaption des Mangas „Umimachi Diary“ der Autorin Akimi Yoshida ist eine friedvolle und beruhigende Filmerfahrung, in der kleine Momente, Gesten und Alltagsbeobachtungen mit bemerkenswerter und berührender Ruhe zelebriert werden, an konventioneller und konstruierter Dramatik ist dieser wunderschöne und betont unaufgeregte Film nicht interessiert.

„Unsere kleine Schwester“ spielt in der friedlichen Küstenstadt Kamakura, die sich ungefähr 50 Kilometer außerhalb von Tokio befindet. Im Mittelpunkt stehen die drei Schwestern Sachi (Haruka Ayase), Yoshino (Masami Nagasawa) und Chika (Kaho), die gemeinsam ihr altes Elternhaus bewohnen. Bereits 15 Jahre ist es her, als ihr Vater ihre Mutter wegen einer anderen Frau verlassen hat. Nun ist er verstorben und die drei Schwestern reisen zu seiner Beisetzung aufs Land, wo sie mit ihrer 13-jährigen Halbschwester Suzu (Suzu Hirose) konfrontiert werden. Spontan bieten die Schwestern ihr an, dass sie doch zu ihnen nach Kamakura ziehen könnte, wozu sie auch einwilligt, auch wenn sie sich noch gar nicht wirklich kennengelernt haben. Das gemeinsame Leben erweist sich als überaus fruchtbar für die Schwestern, denn während Sachi, Yoshino und Chika mit ihrer Vergangenheit und der angespannten Beziehung zu ihrer Mutter immer noch nicht abgeschlossen haben, blüht die schüchterne Suzu in ihrer neuen Umgebung richtig auf.

Kore-eda ist ein präziser und ruhiger Beobachter menschlichen Verhaltens, kleinen und subtilen Gesten, den minimalen Nuancen des Alltags, die den Unterschied machen. In „Unsere kleine Schwester“ lädt er ein, Zeit mit diesen vier jungen Frauen zu verbringen, Teil ihres Alltags zu werden. Unsere kleine Schwester SzenenbildMan verweilt einfach, ganz oft wird gemeinsam gekocht und gegessen, man beobachtet ihr Zusammensein und ihre schnell aufkeimende Liebe, Fürsorge und Eingliederung von Suzu. Diese integriert sich auch ganz schnell in ihrer neuen Schulumgebung, ist schnell für andere Jungs spannend und etabliert sich hervorragend in der Fußballmannschaft ihrer Schule. Kore-eda beobachtet die jungen Frauen mit ausgeglichenem Interesse, zeigt sie etwa bei ihrer Arbeit und in ihrem Privatleben: Die 29-jährige Sachi arbeitet als Krankenschwester und ist auf einer Palliativstation täglich mit dem Tod anderer Menschen konfrontiert, sie ist mit einem verheirateten Mann zusammen und hat in gewisser Weise die Rolle der pflichtbewussten Matriarchin in dieser ungewöhnlichen Lebensgemeinschaft eingenommen. Die 22-jährige Yoshino arbeitet in einer Bank und lebt ein wenig ambitioniertes, aber ausgeglichenes Leben, die 19-jährige Chika hat einen Job in einem Sportgeschäft und ist die flippigste im Bunde. Immer wieder zeigt „Unsere kleine Schwester“ Beerdigungen und Gedenkfeiern, eine gezielte Auseinandersetzung mit Sterblichkeit und den Nachwirkungen vergangener Generationen verleihen dem Film eine zutiefst spirituelle und vor allem gerade im Nachgang herzzerreißend melancholische Note. Für Kore-eda steht das Leben eines Menschen sinnbildlich für Sandkörner am Strand. Laut Pressenotiz ist nämlich die eigentliche Hauptfigur des Films die „Zeit, die die Vergangenheit und Zukunft absorbiert“.

Das mag der Kern seiner Geschichte sein, dennoch strahlt der Film eine unheimlich große Wärme und Zärtlichkeit aus, ein tiefgehender Humanismus und unendlich großer Respekt vor diesen Individuen und ihrer jeweiligen Wirkung, im Leben und nach dem Tod, auf ihre Mitmenschen wird überdeutlich. Kore-eda inszeniert den Film in tiefenentspannter Ruhe und in betont entschleunigtem Tempo, Kameramann Mikiya Takimoto findet hierfür die entsprechenden klar komponierten und meist statischen Bilder, die gar nicht viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen wollen. Unsere kleine Schwester SzenenbildHin und wieder kreieren die beiden Filmemacher aber auch wunderbar nachdrückliche poetische Momente. Im wohl erinnerungswürdigsten visuellen Moment des Films wird eine zweisame Fahrradfahrt durch einen Kirschblüten-„Tunnel“ gezeigt, bei der eine abschließende Großaufnahme von Suzus alle Lebensfreude dieser Welt ausstrahlendem Gesicht auch den Zuschauer mit überwältigender Wärme und innerer Zufriedenheit erfüllt. Aber auch das gemeinsame Abbrennen von Wunderkerzen oder die Vogelperspektive auf einen kleinen Fischkutter und die Reflektionen eines Feuerwerks im Wasser darum sind subtil berauschende Augenblicke, die man so nicht vergisst. Doch letztlich sind es dann auch die vielen kleinen gemeinsamen Momente, die den Film so ausmachen. Schon die ersten Bilder des Films, bei denen die Kamera langsam an einem jungen schlafenden, eng umschlungenen Paar im Morgengrauen entlanggleitet, strahlt eine wunderbar friedvolle Wirkung aus. Kore-eda sieht vielleicht das große Bild der schmerzhaften Vergänglichkeit von uns allen, doch sein einmalig menschlicher Stil wirkt so beruhigend, das man trotz aller Grausamkeit auf dieser Welt zu einem Zustand tiefer innerer Zufriedenheit geführt wird.

Bild
Die Ästhetik von „Unsere kleine Schwester“ ist so weich und zart wie sein Inhalt. Der Film wurde auf analogem Filmmaterial aufgezeichnet, was auch völlig passend ist, denn die Härte digitaler Filmkameras hätte einfach nicht zu diesem wundervoll sanftmütigen Film gepasst. Die Farben sind insgesamt sehr natürlich und eher herbstlich zurückhaltend, die Kontraste und Schwarzwerte eher weich. Die Schärfewerte sind für DVD-Verhältnisse völlig in Ordnung. Eine absolut adäquate Umsetzung also.

Unsere kleine Schwester Szenenbild Ton
Auch in Sachen akustischer Umsetzung erweist sich „Unsere kleine Schwester“ als ruhige und zurückhaltende Angelegenheit. Der Film ist grundsätzlich sehr frontlastig abgemischt, Stimmen ertönen in bester Klarheit und Verständlichkeit. Dennoch bietet die Tonspur auch immer wieder zahlreiche subtile Umgebungsgeräusche und vernachlässigt so die hinteren Lautsprecher in keinster Weise.

Extras
Leider wurde mit Ausnahme von zahlreichen Pandora-Trailern auf jedes Bonusmaterial verzichtet.


Fazit:
Hirokazu Kore-eda gelang mit „Unsere kleine Schwester“ ein kleines Meisterstück des minimalistisch-meditativen Kinos, das kleine Momente auf wunderbar zarte und liebenswerte Art beobachtet zelebriert. Ein außergewöhnliches, berührendes und betont undramatisches Juwel, das lange nachwirkt.

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by Florian Hoffmann
Bilder © Alive / Pandora Film