Twentynine Palms - DVD

DVD Start: 10.11.2011
FSK: ab 18 - Laufzeit: 118 min

Twentynine Palms DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Fotograf David und seine osteuropäische, französisch sprechende Geliebte Katia fahren von Los Angeles in den Ort Twentynine Palms, von dessen Motel aus sie mit dem Geländewagen die südkalifornische Wüste erkunden, um Locations für das perfekte Shooting zu finden. Dort lieben sie sich ständig, reden wenig, sind leicht gereizt. Der gefühllose David treibt Katia zu Fluchtimpulsen, die aber scheitern. Auf einer Wüstenfahrt wird das Paar urplötzlich von drei Männern überfallen und vergewaltigt. Doch das ist nur die erste elementare Katastrophe.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Englisch (Dolby Digital 2.0)
Französisch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen

DVD und Blu-ray | Twentynine Palms

DVD
Twentynine Palms Twentynine Palms
DVD Start:
10.11.2011
FSK: 18 - Laufzeit: 118 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Twentynine Palms

DVD Wertung:
Film: | 10/10
Bild: | 9/10
Ton: | 8/10
Extras: | 9/10
Gesamt: | 9/10


Der Franzose Bruno Dumont ist nicht nur einer der wichstigen aktuellen Autorenfilmer, sondern auch einer der konsequentesten. In seinen bisherigen sechs Filmen kennt der Regisseur nur eine Art der Inszenierung, hält es wie der Maler Matisse: Wichtig ist nicht das Thema oder Motiv, sondern die Anordnung der Dinge drum herum. Dumonts Filme sind in jeder Sekunde realistisch, nutzen weder Filmmusik, noch eine dynamische Kamera oder viele Schnitte. Befreit von jeglichem Unterhaltungsanspruch macht er purstes Kunstkino, das direkt an festen Genres vorbei zielt. Sein Thriller Humanität läuft 150 Minuten und ist straff auf Monotonie reduziert, sein Kriegsfilm Flandern spielt hauptsächlich auf einem baufälligen Bauernhof in Belgien – Dumonts Filme sind allesamt eine Herausforderung für den Zuschauer: profane Dinge wie Spannung, klare Rollenverteilungen, viele Dialoge oder jegliches Kurzweil werden gänzlich verneint, sodass nur aufgeschlossene Kinofans einen Blick auf die Werke des Franzosen werfen sollten. Wer mit Kunstfilmen etwas anfangen kann, darf sich Dumonts besten Film Twentynine Palms jedoch auf keinen Fall entgehen lassen, handelt es sich doch um ein absolutes Meisterwerk, ein ungestümes Monstrum, einen der besten Filme der letzten Jahrzehnte.

Wie schon in seinen vorherigen Werken dekonstruiert Dumont, wo es nur geht. Twentynine Palms ist vordergründig ein Beziehungsdrama, doch führen die beiden Protagonisten David und Katia überhaupt eine Beziehung? Fakt ist: Sie haben viel Sex. Fakt ist aber auch, dass der Amerikaner und die aus Osteuropa stammende Frau immense Kommunikationsprobleme haben und sich aus nichtigsten Anlässen streiten. Ausschließlich der Sex vereint die beiden, doch ist dies nur körperlicher, mechanischer Natur, wilde Triebbefriedigung, die scheinbar jeglicher Liebe entbehrt.

Doch halten wir Inne: Es ist ein Film von Bruno Dumont. Das Drumherum ist also wichtiger. Um Katia und David herum ist Wüste. Und das ändert, oder aber, bedingt überhaupt erst alles. Die Wüste agiert als Katalysator: Das Vorleben der Protagonisten spielt keine Rolle mehr, denn in der weiten, hässlichen Einöde sind sie einsam, zusammengezwängt, auf ihr körperliches Sein reduziert. Gerade hier wiegt die Sprachlosigkeit der beiden schwer und gefährdet den so wichtigen Zusammenhalt enorm.

Dass die Wüste amerikanisch ist und dabei niemals, wie beispielsweise bei Wim Wenders, poetisch verklärt wird, konnotiert Dumont das Amerika nebenbei recht negativ, zeigt zum Bersten volle Supermarktregale ohne Kunden oder White-Trash-Hausfrauen in Talkshows. Viel deutlicher als diese Randnotizen verhält sich jedoch das Abbild des menschenleeren titelgebenden Ortes Twentynine Palms: Hier ist jeder Unbekannte eine potenzielle Bedrohung, jedes vorbeifahrende Auto eine Gefahr. Trotz der großen inszenatorischen Strenge gelingt es Dumont, eine latent lebensfeindliche Atmosphäre zu schaffen, und erzeugt somit eine untergründige, hypnotische Spannung.

Ohne eine Möglichkeit zur Flucht bleibt David und Katia nur die Möglichkeit, in der körperlichen Vereinigung Schutz zu suchen, mit dem eigenen Zusammenhalt sich selbst zu stärken, doch der wilde, mechanische Sex verkommt zur reinen Existenzbezeugung. Hinterher bleibt nur die Einsamkeit der Wüste und schließlich ein völlig sinnbefreites Ende der Existenz, so leer und unmotiviert wie das Leben zuvor. Das Finale von Twentynine Palms gehört zu den schrecklichsten Szenen der jüngeren Filmgeschichte, überrascht durch Willkürlichkeit und versetzt jene Zuschauer, die bis dahin überhaupt die nötige Geduld aufgebracht haben, in einen Schockzustand.

Twentynine Palms ist also alles andere als unterhaltsam, aber existenzielles, wuchtiges Kino ohne Kompromisse, dass den Zuschauer herausfordert und für geduldige Kunstfilmfans ein einmaliges Seherlebnis sein wird. Meisterwerk!

Die DVD überzeugt optisch durch die buchartige Hülle und inhaltlich mit vielen Extras und sehr guter Bild- und Tonqualität.

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by Tom Schünemann
Bilder © Eurovideo