True Love Ways - DVD

DVD Start: 20.11.2015
FSK: ab 18 - Laufzeit: 102 min

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Inhalt

Die von Albträumen geplagte Séverine trennt sich von ihrem Freund Tom, der das nicht so recht akzeptieren will und daraufhin einen perfiden Plan schmiedet. Was beide nicht wissen ist die Tatsache, dass der Plan bereits vorher existierte und sie beide Opfer einer brutalen Intrige werden. Getrieben von einer Snuff-Porn-Bande beginnt Séverine unfreiwillig das Spiel umzudrehen und wird von der Gejagten zur Jägerin.

In einem blutigen Spiel vermischen sich Realität und Obsession, Gewalt und Erotik zu einem nicht alltäglichen Ende, an dem Séverine eine Entscheidung treffen muss...

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / Donau Film
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,78:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Interviews
Dead Eyes Kampagne
Hofer Filmtage
Trailer

Video on demand - True Love Ways

DVD und Blu-ray | True Love Ways

DVD
True Love Ways True Love Ways
DVD Start:
20.11.2015
FSK: 18 - Laufzeit: 102 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
True Love Ways True Love Ways
Blu-ray Start:
26.02.2016
FSK: 18 - Laufzeit: 95 min.
True Love Ways - Limited 3-Disc Mediabook Edition True Love Ways - Limited 3-Disc Mediabook Edition
Blu-ray Start:
20.11.2015
FSK: 18 - Laufzeit: 106 min.

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DVD Kritik - True Love Ways

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 5/10
Gesamt: | 8/10


„Throughout the days/our true love ways/will bring us joys to share/with those who really care“, schnulzt Buddy Holly aus dem Autoradio, während Séverine in Großaufnahme mit ihrem VW-Käfer gen Selbstfindung durch die ostdeutsche Provinz tuckert. „Ich brauche eine Auszeit“, hat sie ihrem Freund Tom (Kai-Michael Müller) verklickert und ihm den Laufpass gegeben. Denn mit der Romanze aus ihrem Traum konnte die Alltagsbeziehung nicht mithalten. Doch der Weg zu sich selbst droht für die junge Frau frühzeitig zur Sackgasse zu werden, als plötzlich ein Rolls Royce im Rückspiegel auftaucht. Dessen Fahrer führt offenbar nichts Gutes im Schilde und ein leerer Tank mitten im Wald ist bald Séverines geringstes Problem. Es geht ums nackte Überleben.

Was sich auf den ersten Blick wie der typische Plot eines Road-Movie-Thrillers oder Backwood-Slashers liest (Anleihen sind durchaus erkennbar), ist in Wirklichkeit mehr. Viel mehr. Denn mit seinem verstörenden Schwarz-Weiß-Schocker „True Love Ways“, der nun fürs Heimkino vorliegt, ist dem Schweizer Regisseur Mathieu Seiler („Orgienhaus“) ein kleines Genre-Wunderwerk gelungen. Mit so viel Eigenwilligkeit, Mut und Verve, wie man es hierzulande leider viel zu selten zu sehen kriegt. Mag auch das Gesamtergebnis nicht perfekt sein, so sind doch viele Einzelteile so gut gelungen, dass sie die Schwachstellen locker überdecken.

Seiler etabliert von der ersten Sekunde seinen atmosphärischen Grundton. Hektik und Geschwätzigkeit sind nicht seins. Vielmehr lässt er Bilder sprechen. Bilder, die Emotionen und Stimmungen einfangen, die aber auch Raum für Details und Nebensächlichkeiten lassen. Kameramann Oliver Geissler wählt langsame Fahrten und lange Einstellungen, lässt dem Betrachter Zeit, sich zu orientieren. Dann wieder ungewöhnlichen Perspektiven von schräg oben, die andeuten, dass hier etwas verquer läuft. Und er rückt den Figuren auf die Pelle, forciert Nähe zu ihren Gesichtern. Dazu webt Beat Solèr einen sphärischen, zuweilen fast unangenehmen Score (wie das Bild auf der DVD in nahezu durchgehend tadelloser Qualität), in dem latent drohendes Unheil mitklingt.

Aber nicht nur formalistisch beschreitet Regisseur und Autor Mathieu Seiler ungewöhnliche Pfade. Auch in den einzelnen Elementen seiner Geschichte zeigt sich der Autodidakt als Genre-Kenner ohne Berührungsängste. Wähnt man sich zunächst fast in einem der kargen Ästhetik der Nouvelle Vague verpflichteten, spröden Beziehungsdrama, steigert sich das Unbehagen nach Séverines Trennung kurzzeitig Richtung Überwachungs-Paranoia á la Michael Hanekes „Caché“ (2005). Meisterhaft etwa der Moment, in dem sich Séverine die Ton-Aufnahme aus ihrer Wohnung anhört (in Zeiten modernster Kommunikationstechnik übrigens auf einer Audio-Kassette!). Und apropos Wohnung. Logisch, dass bei den Szenen aus der spartanischen Behausung Erinnerungen an Roman Polanskis expressionistischen Alptraum „Ekel“ (1965) wach werden. Und dann, wenn man sich fragt, ob das alles doch nur zum platten Stalker-Thriller mutiert – der Ex Tom hat sich unterdessen auf einen dubiosen Rückgewinnungsplan mittels seiner Theken-Bekanntschaft eingelassen – schlägt Mathieu Seiler dem Erwartbaren wieder einen Haken, atmet dabei noch fix einen Hauch Giallo ein – und die FSK 18 erhält ihre Berechtigung.

Denn Séverine bekommt es auf ihrer Flucht in einem verlassenen Haus im Wald mit einer Snuff-Porn-Bande zu tun, die den perversen Markt für Filme bedient, in denen junge Frauen real vergewaltigt und dann getötet werden. Und während der Chef (Theater- und TV-Darsteller David C. Bunners) und seine Handlanger ihr neuestes Werk mit ihrer unfreiwilligen Hauptdarstellerin, einer entführten Schönheitskönigin, drehen, kriegt Séverine das grauenhaften Geschehen quasi hautnah mit – im Gegensatz zum Zuschauer. Denn einmal mehr zeigt sich Regisseur Seiler eigenwillig und überlässt den Schrecken der Phantasie. Er hält das voyeuristische Publikum (noch) außen vor – anders als etwa weiland Joel Schumacher in seinem Snuff-Schund „8mm – 8 Millimeter“ (1999). Was der Spannung aber keinen Abbruch tut.

Und dann, ja dann vollzieht Seiler eine Wendung, welche die Splatter-Fraktion, für die die Eingeweide gar nicht hoch genug spritzen können (wobei sich dieser Effekt bei einem Schwarz-Weiß-Film natürlich erübrigt), freuen, den einen oder anderen Zuschauer aber verstören dürfte. Ohne zu viel zu spoilern sei verraten, dass sich der Blutzoll deutlich erhöhen wird – auch, und vor allem, weil sich Séverine nicht so leicht zur Schlachtbank führen lassen will und ihren Widersachern Paroli bietet. Das macht Hauptaktrice Anna Hausburg mit so unglaublicher Hingabe und meistert ihre Tour de Force so grandios, dass man sich unweigerlich fragt, warum sie sich bisher hauptsächlich in TV-Dutzendware wie „Alarm für Cobra 11“ oder „Soko Wismar“ verdingen musste. Gegen ihre Performance hat keiner der anderen Mimen eine Chance.

Will man „True Love Ways“ etwas vorwerfen, dann ließe sich die Handlung als Ganzes anführen, die sicher insgesamt etwas zu fragmentarisch daherkommt und mit Leerstellen an wichtigen Plot-Wendungen irritiert, die der Regisseur nicht ausfüllt. Diesen Einruck erklärt vielleicht das kurze Statement von Mathieu Seiler in den Interviews der DVD-Extras. Gefragt nach den Ursprüngen seiner Story spricht er kryptisch von „Momenten“ und „Tagträumen“, die ihm als Inspiration dienten.

Überhaupt hätte man sich bei so einem kontroversen Werk weitaus mehr Zugaben gewünscht. Neben Trailern gibt es nur kurze, relativ banale Interviews (auf Deutsch und Englisch), in denen sich unter anderem „Snuff-Opfer“ Margarita Ruhl ganz taff gibt („fun getting killed“). Ruhl sorgt dann auch für den beklemmendsten Teil des Bonusmaterials – als Darstellerin in der „Dead Eyes Kampagne“ im Vorfeld der „TLW“-Weltpremiere bei den 48. Hofer Filmtagen. Dabei ging ein gefakter Snuff-Loop fünf Tage lang online. Als Interpol und Polizei darauf aufmerksam wurden und eingreifen wollten, gab es bereits über 30 000 (!) Visits. Auch zu dieser Aktion hätte man von den Beteiligten gerne mehr gehört.


Fazit:
Rabiat, radikal, romantisch: „True Love Ways“ zeigt eindrucksvoll, was auch hierzulande mit Risikobereitschaft und Experimentierfreude abseits des Mainstream-Films möglich ist. Einen Extra-Punkt für so viel deutsche Genre-Chuzpe!


by Florian Ferber
Bilder © Alive / Donau Film