The Salesman - DVD

DVD Start: 15.06.2017
FSK: ab 12 - Laufzeit: 119 min

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Inhalt

Fluchtartig müssen Emad und Rana ihre Wohnung verlassen. Durch eine Beschädigung des Fundaments droht das Haus einzustürzen. Ein entfernter Bekannter stellt dem jungen Paar seine leerstehende Wohnung zur Verfügung, ein seltener Glücksfall in einer dicht besiedelten Stadt wie Teheran. Als Rana im Badezimmer von einem Unbekannten überrascht wird, erfahren sie, dass die Vormieterin neben persönlichen Gegenständen auch einen zweifelhaften Ruf hinterlassen hat. Rana weigert sich die Polizei einzuschalten oder auch nur über den Vorfall zu sprechen. Also macht sich Emad selbst auf die Suche nach dem Täter. Zunehmend verstrickt sich das Paar in einem Geflecht aus Scham und Schuldzuweisungen und droht schließlich daran zu zerbrechen...

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo / ProKino
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Farsi(Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
- Making Of
- Deutscher Kinotrailer
- Original-Kinotrailer

DVD und Blu-ray | The Salesman

DVD
The Salesman The Salesman
DVD Start:
15.06.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 119 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - The Salesman

DVD Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 0/10
Ton: | 0/10
Extras: | 0/10
Gesamt: | 9/10


The Salesman gewann im letzten Jahr die Goldene Palme für das beste Drehbuch und der iranische Schauspieler Shahab Hosseini erhielt den Preis für die beste männliche Hauptrolle. Auf der Oscarverleihung in Los Angeles zu Beginn des Jahres war keiner der Filmcrew aus Protest gegen das „muslim-ban“-Dekret von US-Präsident Trump anwesend. The Salesman SzenenbildDen Oscar für den besten fremdsprachigen Film gewann letztlich das iranische Drama. Nach 2013 und seinem Meisterwerk Nader & Simin – Eine Trennung war dies der 2. Oscar für Regisseur Asghar Farhadi. Viele deuteten dies auch als eine Art politische Entscheidung, denn der eigentliche Favorit war die deutsche Tragikomödie Toni Erdmann. Doch wer sich The Salesman anschaut, wird feststellen, dass dieser Streifen nicht zu Unrecht den Goldjungen erhalten hat.

Zunächst einmal, bevor näher auf den Film eingegangen wird, sei gesagt, dass der Film als Online-Stream vom Verleih zur Verfügung gestellt wurde und es keine Blu-ray bzw. DVD als Rezensionsexemplar gab, weswegen nun nichts über die Bild – und Tonqualität gesagt werden kann. Zudem gab es keinerlei Extras, was ebenfalls sehr bedauerlich ist. Auf der DVD gibt es, vollständigkeitshalber gesagt, ein Making-of sowie den deutschen und iranischen Trailer. Auf genauere Beschreibungen der Handlung wird hier verzichtet.

Die ersten 20 Minuten des Films sind bis auf den Zwischenfall in der Anfangsszene doch sehr gemütlich und unspektakulär erzählt. Es dient mehr als Einleitung. Man sieht das Ehepaar Emad und Rana – gespielt von Shahab Hosseini und Taraneh Alidoosti – in ihre neue Wohnung einziehen und zeigt sie bei ihrem Nebenjob als Theaterdarsteller und Emad in seiner Tätigkeit als Lehrer. The Salesman SzenenbildWohin dieser Film hin will, ist noch nicht bekannt. Und genau hier liegt die Spannung des Filmes. Man könnte fast sagen, Farhadis The Salesman ist ein Paradebeispiel für das Inszenieren eines Filmes mit latenter Spannung. Wie schon in seinen vergangenen Filmen, beweist Asghar Farhadi, dass er ein Meister darin ist, Dinge präzise und unaufdringlich zu beobachten, ohne dabei wie Michael Haneke lange Plansequenzen einzubauen oder die Kamera minutenlang stehen zu lassen. Auf die Tube wird hier ebenfalls nicht gedrückt. Das Erzähltempo ist unglaublich langsam erzählt, was es wiederrum an einigen Stellen unerträglich spannend macht. Die amerikanischen Kritiker sprechen bei solchen Filmen vom „slow-burn“.

Im Gegensatz zu „Alles über Elly“ und „Nader & Simin“ – ebenfalls Dramen von Asghar Farhadi inszeniert und ebenfalls mit Shahab Hosseini im Cast – entfaltet sich die Geschichte nicht Stück für Stück und bereichert dem Zuschauer daher nicht immer neue pikante Details und interessante Entdeckungen, sondern hier wird die Geschichte mit einer unglaublichen Ruhe 2/3 des Filmes durchgezogen und gipfelt in einem unglaublich intensiven Showdown. Das letzte Drittel ist der Klimax der Geschichte, was diesen Film zu einem grandiosen Streifen schließlich macht, denn zwischenzeitlich hatte man wirklich zu kämpfen, da es im Mittelteil an der ein oder anderen Stelle sehr zäh wird und die Geduld des Zuschauers auf die Probe gestellt wird. Doch wie schon gesagt wird der Zuschauer für seine Geduld mit einem äußerst spannenden und aufschlussreichen letztem Drittel belohnt. Denn was einem dort in den letzten 40 Minuten geboten wird, ist quasi eine 10 von 10. Es herrscht eine unglaublich dichte Atmosphäre, wobei die Spannung zu Beginn gar nicht so hoch ist, da einem hier noch nicht gleich ersichtlich wird, dass es sich hier um eine Art Showdown bzw. Schlussakt handelt. The Salesman SzenenbildDies wird einem immer stärker klar, je länger das letzte Drittel voranschreitet. Denn Farhadi beschleunigt hier das Erzähltempo und zieht die Spannungsschrauben deutlich stärker an, ohne an Subtilität und Zurückhaltung in der Darstellung zu verlieren. Einen ganz großen Anteil an der Stärke dieses Films haben natürlich auch die großartigen Darsteller, allen voran Shahab Hosseini.

Der iranische Superstar spielte wie vorhin erwähnt bereits in zwei vorherigen Streifen von Asghar Farhadi mit. In Alles über Elly war er der sympathische Single, dessen Freunde ihn mit einer Bekannten verkuppeln wollten. In Nader & Simin spielte er den impulsiven Ehemann aus der iranischen Unterschicht. Hier verkörpert er den hoch gebildeten Lehrer und Theaterdarsteller Emad. Er macht das großartig und beweist hier was für ein wandelbarer Darsteller ist und er die Goldene Palme zurecht bekommen hat. Ein weiteres Mal wirkt er sehr authentisch und glaubwürdig und er schafft es, dass der Zuschauer zu ihm eine gewisse emotionale Bindung aufbauen kann. Er overacted nicht, doch dominiert schauspielerisch jede Szene. Die Chemie mit Schauspielkollegin Taraneh Alidoosti ist mehr als beeindruckend und die beiden wirken tatsächlich wie ein echtes Ehepaar im Iran. Auch hier muss man wieder auf das letzte Drittel zu sprechen kommen, in der Shahab Hosseini eine wesentliche Rolle spielt. Sein Schauspiel insbesondere hier ist äußerst sublim und schlichtweg beeindruckend. Er geht in dieser Rolle vollauf. Taraneh Alidoosti macht ebenfalls einen überaus starken Job als leicht traumatisierte Ehefrau, die wegen einem Zwischenfall psychisch zu kämpfen hat und auch ihren Ehemann vor einer schwierigen Aufgabe stellt. Das Drehbuch ist natürlich wie eigentlich jedes Drehbuch von Farhadi eine Wucht mit gut geschrieben Dialogen, minutiös gezeichnetem Handlungsverlauf und authentisch und präzise gezeichneten Charakteren.

Man könnte über The Salesman noch vieles sagen. Besonders die verwendete Sprache in den Dialogen ist sehr auffallend und man merkt, dass man sich hier in einem islamisch geprägten Land befindet. The Salesman SzenenbildDoch man müsste zu tief in die Handlung hineingehen, um hier wirklich den Film Stück für Stück zu analysieren. Darauf wird hier verzichtet. Vielmehr gibt es hier eine ganz klare Empfehlung sich diesen Film konzentriert und geduldig anzuschauen, denn The Salesman ist ein wirklich sehenswerter Streifen. Ob er besser ist als Maren Ades Meisterwerk Toni Erdmann, lässt sich schwer sagen. Dafür sind die beiden Filme viel zu unterschiedlich in ihrer Thematik, Erzählweise und Inszenierung. Man kann nur so viel sagen, dass vielleicht The Salesman ein Stück weit von Trumps Dekret kurz vor der Oscarverleihung profitiert hat, doch dass er ihn deswegen erhalten hat, könne man, nachdem man sich diesen Film anschaut, wahrlich nicht behaupten. Zu stark ist dafür dieser Film und zu sehr wurde dieser Film bereits 10 Monate vor den Oscars in Cannes und auch von den US-Kritikern gefeiert.


Fazit:
Abgesehen von kleinen zähen Abschnitten im Mittelteil des Filmes, ist The Salesman ein herausragendes Werk, dass durch fantastische Darstellerleistungen, einer unglaublichen starken latenten Spannung, einem exzellent geschriebenen Drehbuch und ruhiger aber äußerst dichter Atmosphäre den Zuschauer 2 Stunden lang begeistern kann.

by Morteza Wakilian
Bilder © Eurovideo / ProKino