Tel Aviv on Fire - DVD

DVD Start: 08.11.2019
FSK: ab 6 - Laufzeit: 97 min

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Inhalt

In Tel Aviv geht es heiß her. Zumindest laut der schnulzigen Soap Opera „Tel Aviv on Fire“, die jeden Abend über die TV-Bildschirme flimmert und Israelis wie Palästinenser vor der Glotze vereint. Der junge Palästinenser Salam (KAIS NASHIF) ist Drehbuchautor des Straßenfegers und muss für die Dreharbeiten jeden Tag die Grenze zwischen Israel und dem Westjordanland überqueren. Bei einer Checkpoint-Kontrolle gerät das Skript der nächsten Folge in die Hände des israelischen Kommandeurs Assi (YANIV BITON). Das kommt dem gelangweilten Grenzwächter gerade recht. Um seine Frau zu beeindrucken, zwingt er Salam das Drehbuch umzuschreiben. Ein Bombenerfolg! Von nun an denken sich Salam und Assi immer neue schnulzige Dialoge und absurde Plotentwicklungen aus. Der Einfluss des israelischen Militärs auf die populäre, eigentlich anti-zionistische Seifenoper wird immer größer. Aber dann soll die Serie abgesetzt werden, und Salam steht plötzlich vor einem Riesenproblem.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / MFA+cinema
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Arabisch, Hebräisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 2,39:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
- Trailer

Video on demand - Tel Aviv on Fire

DVD und Blu-ray | Tel Aviv on Fire

DVD
Tel Aviv on Fire Tel Aviv on Fire
DVD Start:
08.11.2019
FSK: 6 - Laufzeit: 97 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Tel Aviv on Fire

DVD Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 7/10
Ton: | 8/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 7/10


Der Konflikt zwischen Israel und Palästina in einigen wenigen Worten zu erklären, stellt sich schnell als Sysiphos-Aufgabe heraus. Auch wenn sich seine Ursprünge bereits bis in die Antike zurückverfolgen lassen, deuten viele Historiker eher den verständlichen Wunsch vieler Juden nach den Grauen des Nazi-Regimes einen eigenen Staat zu haben, als den eigentlichen Ausbruch. Schließlich fanden sie in dem von hauptsächlich von Arabern besiedelten Palästina ihr erhofftes Land. So erwuchs zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen ein Konflikt, dessen Ende noch heute kaum in Sicht ist. Selbstverständlich wurde dieser Konflikt bereits in vielen Filmen verarbeitet, allen voran in Steven Spielbergs herausragendem „München“, der die Auswirkungen des palästinensischen Übergriffs auf israelische Sportler während der Olympischen Spiele 1972 porträtiert. Doch während Spielberg einen tragischeren Ansatz wählte, traf Sameh Zoabi für „Tel Aviv on Fire“ eine andere Entscheidung, die Entscheidung das Trauma zweier Völker als skurrile Komödie zu verarbeiten. Schließlich hat diese Herangehensweise die gleiche Existenzberechtigung wie die Ernstere und Düstere…

Szene aus Tel Aviv on Fire
Szene aus Tel Aviv on Fire © Samsa Film / TSProductions / Lama Films / Artemis Productions
Salam (Kais Nashif) muss für seinen Beruf als Drehbuchautor der beliebten Soap-Opera Tel Aviv on Fire, über eine palästinensische Spionin kurz vor dem Sechstagekrieg im Jahre 1967, täglich zwischen Israel und Palästina pendeln. Als er jedoch eines Tages von dem Grenzkommandanten Assi (Yaniv Biton) aufgehalten und befragt wird, stellt sich schnell heraus, dass dessen Frau großer Fan von Salams Serie ist, er selbst aber alles andere als begeistert davon ist. Als Assi ihm daraufhin einige Änderungen am Drehbuch vorschlägt, werden diese, von Salams Onkel, dem Produzenten der Serie, und dessen Team freudig aufgenommen. So beginnt eine ungleiche Zusammenarbeit zwischen den beiden Männern, in dessen Verlauf Salam nach und seine eigenen Schwächen zu überwinden versucht, so nach und nach die Kontrolle über sich selbst und sein Leben erlangt und schließlich seine frühere Liebe Mariam (Maisa Abd Elhadi) zurückgewinnen will.

So stellt sich „Tel Aviv on Fire“ schnell als eine faszinierende Aufarbeitung dieses Konflikts heraus. Mit einer beneidenswerten Leichtfüßigkeit bewegt man sich von einem skurrilen Drehbucheinfall zum nächsten ohne je die Aufmerksamkeit des Zuschauers zu verlieren, da sich dieser stets fragt, wie er als nächstes überrascht wird. So unterhält man das Publikum, während mal subtiler und mal weniger, die aktuelle, sowie frühere politische Lage porträtiert wird. Intelligenterweise spielt sich die eigentliche Handlung nicht nur vor dem Hintergrund dieses Klimas ab, sondern stellt sich auch als Katalysator hinter wichtigen Entwicklungen der Geschichte heraus. Zudem werden gerade im dritten Akt durch die Verwendung der Serie im Film interessante Aussagen über den Konflikt getätigt, wodurch man hier nicht nur als Film überzeugen kann, sondern auch als Darstellung eines alten, aber ständig präsenten Konflikts. Man merkt Zoabi als Regisseur und Co-Drehbuchautor jederzeit an, dass er unter genau diesen Umständen aufwachsen musste, und er als Künstler auch heute noch davon geprägt wird.

Szene aus Tel Aviv on Fire
Szene aus Tel Aviv on Fire © Samsa Film / TSProductions / Lama Films / Artemis Productions
Als weniger wichtig, aber ähnlich unterhaltsam manifestiert sich der Umgang mit dem Konzept der Soaps. Hier bekommt man einen detaillierten Eindruck eine Serie zu produzieren, mit all den damit verbundenen Herausforderungen und Problemen. So muss innerhalb kürzester Zeit das Drehbuch einer Folge geschrieben werden, damit die Hauptdarstellerin nicht kündigt, spontan auf Zuschauerreaktionen eingegangen werden oder auf die Schnelle ein neuer Autor her. Hier zieht der Film viel von seinem leichtfüßigen Humor hervor, da die Geschehnisse der Serie oftmals derartig überzeichnet und unrealistisch sind, dass der Zuschauer ob der kritischen Distanz das ganze als erstaunlich witzig wahrnehmen kann.

So stellen sich diese Aspekt schnell als die wohl größte Stärke, sowie als Alleinstellungsmerkmal heraus, während die Figuren, sowie die Beziehungen derer stets zwischen etwas klischeebeladen bis ganz nett schwanken. Eine tiefere Charakterisierung bleibt der Film den Zuschauern schuldig, was der Immersion bisweilen etwas schadet. Immerhin wird der Hauptfigur eine glaubhafte Charakterentwicklung gegeben, diese bleibt aber zu unoriginell, ebenso wie die Beziehung zu Mariam. Zwar werden alle Figuren kompetent verkörpert, allen voran Salam, der mit seinem introvertierten Charm als Figur vollkommen zu überzeugen weiß, jedoch findet das gesamte Schauspiel zu sehr auf einer Note statt, wodurch kaum eine der Figuren um einige Facetten erweitert wird. Doch ist es auch den sympathischen Darstellern geschuldet, dass diese durchaus liebenswerten und skurrilen Figuren zum Leben erweckt werden. Insgesamt sind alle Figuren auf einem Niveau, das sich in dem Film einwandfrei einfügt und so insgesamt funktioniert, aber eben auch nicht mehr. Schade ist nur, dass die unterhaltsamste Figur, der Militärkommandant Assi, in der zweiten Hälfte urplötzlich und etwas unmotiviert aus dem Drehbuch verschwindet.

Szene aus Tel Aviv on Fire
Szene aus Tel Aviv on Fire © Samsa Film / TSProductions / Lama Films / Artemis Productions
Ebenso verhält es sich mit der Inszenierung, die etwas uninspiriert daherkommt, aber insgesamt überzeugen kann, einzig die oftmals zu grelle Beleuchtung stört. Während der Soundtrack einige stimmungsvolle Momente aufweist, wird er oftmals etwas unhandlich und unpassend eingesetzt, passt sich aber insgesamt in den Film ein.

Bild:
Für die DVD gewohnt befindet sich das visuelle Niveau nie auf höchstem Niveau, wobei man auch hier mehr gewohnt ist. Insgesamt wurde die Optik trotz der bisweilen irritierenden Beleuchtung überzeugend auf den Fernseher transportiert.

Ton:
Die Tonspuren wurden sauber abgestimmt, wodurch es zu keinerlei Überlappungen kommt. Die deutsche Synchronisation kann wie immer voll und ganz überzeugen.

Extras:
Leider werden wie so oft abgesehen von einigen Trailern keinerlei Zusatzmaterial angeboten.


Fazit:
„Tel Aviv on Fire” überzeugt vor allem als komödiantische und sympathische Aufarbeitung des Israel-Palästina-Konflikts, während die Figuren und ihre zwischenmenschlichen Beziehungen eher unoriginell wirken. Dank der skurrilen Drehbucheinfälle wird das Gesamtbild nur gering geschmälert. So kann man das Publikum stets überraschen, auch weil man mit dem Konzept einer Serie im Film stets zu überzeugen weiß.


by Sebastian Stegbauer
Bilder © Alive / MFA+cinema