Sweet Country - DVD

DVD Start: 26.07.2019
FSK: ab 12 - Laufzeit: 115 min

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Inhalt

Outback Alice Springs, Northern Territory, 1929. Ein australischer Ureinwohner erschießt einen weißen Mann und flieht. Es gab gute Gründe, doch jetzt hat er schlechte Karten – eine Posse ist ihm auf den Fersen, unterschätzt allerdings die Tücke des Hinterlands. Ein Beispiel historiografischer Selbstermächtigung im Gewand eines Western, der in seinem Handlungsverlauf immer überraschend bleibt. Thornton erzählt in SWEET COUNTRY vor spektakulärer Kulisse von den bösen Verhältnissen zwischen Aborigines und «Herrenmenschen», vom Leben an der Frontier, von systemischer Gewalt und Rassismus; er holt Australiens Verdrängtes ans Licht und gibt seinem Volk die Stimme zurück.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive / absolut MEDIEN
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Englisch (Dolby Digital 2.0)
Bildformat: 16:9 / 1,78:1 Anamorph Widescreen

DVD und Blu-ray | Sweet Country

DVD
Sweet Country Sweet Country
DVD Start:
26.07.2019
FSK: 12 - Laufzeit: 115 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Sweet Country

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 3/10
Gesamt: | 8/10


Seit mit „Der große Eisenbahnraub“ 1903 das Genre des Western entstand, entwickelte sich dieses stets weiter. Über die Leichtfüßigkeit des Klassischen Western, der in den 60er Jahren entstehenden Gegenbewegung des Italo-Westerns, bis hin zur Härte des Spät-Westerns zeigt man sich hier in zahlreichen Formen. Seinen Höhepunkt hat er allerdings bereits längst überdauert. Zwar genießen Klassiker wie „Die Glorreichen Sieben“, „High Noon“ oder Sergio Leones meisterhafte Italo-Western wie die „Dollar“-Trilogie und „Spiel mir das Lied vom Tod“ einen hervorragenden Ruf, doch das Genre selbst erfreut sich seit Jahrzehnten keiner allzu großen Beliebtheit. Nichtsdestotrotz entschließen sich immer wieder kreative Filmemacher ihren eigenen Beitrag zu diesem Genre zu liefern, das eigentlich nach Clint Eastwoods „Erbarmungslos“ und spätestens seit „The Ballad of Buster Scruggs“ von den Coen-Brüdern auserzählt ist. In der Moderne bezieht sich deshalb der Western vielmehr auf eine Ansammlung stilistischer und narrativer Komponenten und wird oftmals lediglich als Szenario verwendet, um die eigentliche Geschichte und Botschaft zu erzählen. Dies ist auch in „Sweet Country“ der Fall. So entschloss sich ausgerechnet ein australischer Regisseur, in dieser ur-amerikanischen Filmgattung einen weiteren Film zu drehen. Warwick Thornton beschäftigte sich wegen seiner Mutter seit jeher mit den Aborigines, den Ureinwohnern Australiens, und sieht sich als Filmschaffender gleichzeitig als Teil der Erzählkultur der indigenen Bevölkerung. So spielt sein Western auch in den 1920er Jahren in Australien.

Thomas M. Wright Country_4Tremayne Doolan in Sweet Country
Thomas M. Wright Country_4Tremayne Doolan in Sweet Country © absolut MEDIEN
Hier wird die Geschichte des ruhigen Aborigine Sam Kelly (Hamilton Morris) erzählt. Dieser arbeitet für den freundlichen Priester Fred Smith (Sam Elliot). Er führt mit seiner Frau Lizzie (Natassia Gorey Furber) ein im Großen und Ganzen friedliches und glückliches Leben. Als jedoch der emotional geschädigte Kriegsveteran Harry Marsh (Ewen Leslie) die Nachbarsfarm erwirbt und dieser Sams Hilfe anfordert, führt eine Folge unglücklicher Handlungen dazu, dass Harry aus Notwehr durch Sam erschossen wird. Da seine Chancen zu überleben, sollte er sich stellen, in einem Land voller Vorurteile und Rassismus verschwindend gering sind, flieht dieser mit seiner Frau vor dem stolzen Sergeant Fletcher (Bryan Brown) und seinem aufgebrachten Nachbar Mick Kennedy (Thomas M. Wright). Auf dieser ungewissen Jagd treffen beiden Parteien auf zahlreiche körperliche, wie geistige Herausforderungen …

Matt Day in Sweet Country
Matt Day in Sweet Country © absolut MEDIEN
Tatsächlich werden gerade durch die emotionalen und moralischen Entscheidungen und Probleme interessante Aussagen über Rassismus und gegenseitigen Hass getroffen. Hierfür bedient man sich verschiedener Figuren, die für diesen Zweck wenig tatsächliche Charaktereigenschaften erhalten, sie leben vor allem durch das tolle Schauspiel. Vielmehr repräsentieren sie die Ideale und Ansichten verschiedener Menschen. So zum Beispiel der sture Sergeant Fletcher, der zu engstirnig ist, um über seine Vorurteile hinweg zu blicken, und dennoch eine greifbare Entwicklung durchmacht. Dem jungen Philomac (Tremayne Doolan) wird in einer der einprägsamsten Szenen des Films klar gemacht, wie der Kolonialismus und die deswegen fehlenden Wurzeln der Weißen in vielerlei Hinsicht die Grundlage für Rassismus ist. Daraus hervorgehend wird dieser, als Sohn eines Weißen und einer Eingeborenen, zu einer Entscheidung gedrängt, welches Erbe er annehmen soll. Wunderbar illustriert wird dies durch die Metapher einer gestohlenen Uhr. Auch die Hauptfigur wird gedrängt zwischen der Zukunft und dem Hass auf die Weißen zu wählen. Die karge Landschaft und das brutale Leben in der Natur, beides wird hier durch Wide-Angle-Shots wunderbar mit großartiger Kameraarbeit in die Narrative eingearbeitet, dient an vielen Stellen als grausame Metapher für das Innenleben der innerlich beschädigten Figuren. Erst das Eintreffen eines jungen Richters bringt in dieses gottlose Land frische und neue Ideale, die natürlich erst einmal abgelehnt werden. Über die ganze Laufzeit geht der Film auf subtile und intelligente Weise in die Beziehung zwischen Vorurteilen und Religion ein. Viele dieser Entwicklungen, in den Figuren und dem Land um sie, werden durch visuelles Storytelling umgesetzt, wodurch der Zuschauer zur Aufmerksamkeit gefordert wird. Eine der Grundregeln des Filmemachens „Show, don´t tell“ wird hier grandios befolgt. Dies trägt in vielen Momenten entscheidend zur Vielschichtigkeit des Films bei. So werden auch viele der Rassisten erstaunlich menschlich dargestellt, in all ihren guten und schlechten Momenten, in ihren Verfehlungen und guten Taten.

Hamilton Morris und Natassia Gorey Furber in Sweet Country
Hamilton Morris und Natassia Gorey Furber in Sweet Country © absolut MEDIEN
Schließlich endet auch die Geschichte in einem vielschichtigen Ende, welches einen noch lange bewegt, da gerade hier mit den Emotionen der Zuschauer gespielt wird. Zwar ist der Film insgesamt durchaus langsam und bedächtig erzählt, was leider viele moderne Zuschauer abschrecken dürfte, an Spannung und Suspense fehlt es ihm aber nicht. Gerade durch kurze Flashforwards deutet der Film oftmals das Schicksal der Figuren an, lässt aber genug offen, um den Zuschauer nicht zu spoilern.

Bild:
Hier wird eine durchgehend hohe Qualität gezeigt. Gerade die enorm atmosphärischen Landschaftsaufnahmen, das Spiel mit Licht und Schatten und die generell sehr langen Einstellungen werden hervorragend dargestellt. Der Regisseur Thornton bediente Dylan River gemeinsam die Kamera, was in einem stimmigen Endprodukt resultiert.

Ton:
Der Ton ist jederzeit gut ausbalanciert und ergänzt sich mit dem gelungenen Soundtrack von Damien Lane, der streckenweise mit der Optik verschmilzt. Generell sind Musik, Umgebungsgeräusche und Dialoge passend abgemischt. Das einzig Störende an der Akustik ist hier die wenig gelungene deutsche Synchronisierung, weshalb hier der englische O-Ton zu empfehlen ist, falls nötig mit Untertiteln.

Extras:
Extras sind bis auf ein Impressum nicht vorhanden.


Fazit:
„Sweet Country“ ist ein ruhiges, bedächtiges Werk, welches Rassismus erwachsen und ohne Klischees behandelt, das darüber hinaus handwerklich kompetent umgesetzt wurde, wodurch hier ein großartiger und wichtiger Film entstand.

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by Sebastian Stegbauer
Bilder © Alive / absolut MEDIEN




Sweet Country - Trailer