Siberia - DVD

DVD Start: 19.11.2020
FSK: ab 16 - Laufzeit: 92 min

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Inhalt

Clint (Willem Dafoe) ist ein vom Leben gezeichneter Mann. Um endlich seinen inneren Frieden zu finden, hat er sich in eine einsame Hütte in den verschneiten Bergen zurückgezogen. Dort betreibt er ein kleines Café, in das sich nur selten Reisende oder Einheimische verirren. Aber selbst in der Abgeschiedenheit findet Clint keine Ruhe. Eines schicksalhaften Abends bricht er mit seinem Hundeschlitten auf, getrieben von der Hoffnung, sein wahres Ich zu finden. Eine Reise durch seine Träume, Erinnerungen und Fantasien beginnt.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Englisch (Dolby Digital 5.1)
Bildformat: 16:9 / 2,39:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
• Trailer
• Trailershow

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DVD und Blu-ray | Siberia

DVD
Siberia Siberia
DVD Start:
19.11.2020
FSK: 16 - Laufzeit: 92 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Siberia

DVD Wertung:
Film: | 4/10
Bild: | 5/10
Ton: | 6/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 4/10


Mit „Siberia“ setzt das New Yorker Regie-Enfant Terrible Abel Ferrara seine selbstreflektierende Selbsttherapie fort, die er erst kurz davor mit „Tommaso“ begonnen hat. War besagter Film, in dem Willem Dafoe als in Rom lebender und Seelensuche betreibender Regisseur noch angenehm naturalistisch und oft tiefgreifend wahrhaftig, ist „Siberia“ eine hochgradig abstrakte und kaum greifbare Nabelschau, die anstrengt und nicht erhellt.

Wieder besetzt Ferrara seine Muse Willem Dafoe in dem in Südtirol gedrehten Film als sein überdeutliches Alter Ego. Der von Dafoe gespielte Protagonist heißt Clint. Dieser hat sich irgendwo ins karge bergige Nirgendwo zurückgezogen, wo er eine Art Gaststätte in einer spartanischen Hütte betreibt und dort gelegentlich auf unterschiedliche Besucher trifft, die er meist wegen der Sprachbarriere nicht versteht. Clint ist scheinbar vor seiner Wirklichkeit geflüchtet und wird nun von den Dämonen seiner Vergangenheit heimgesucht. So werden in einer Abfolge von fiebertraumartigen Sequenzen Erinnerungen an vergangene Liebschaften, seine Kindheit, seine Mutter oder seinen Vater auf abstrakte Weise oft nahtlos miteinander verbunden. Im Mittelpunkt steht jederzeit der gebrochene und einsame Held, der sich seinen Ängsten, seiner Schuld und seinem Fehlverhalten stellt.

Siberia: Clint (Willem Dafoe)
Siberia: Clint (Willem Dafoe) © Eurovideo
Manche der von Stefano Falivene eingefangenen Bilder sind einigermaßen offensichtlich, andere derart metaphysisch verschwurbelt, das man als Zuschauer und selbst eingefleischter Ferrara-Kenner fast zwangsläufig auf der Strecke bleibt. Ferrara verlangt hier einiges von seinem Publikum ab, sodass „Siberia“ sich sehr schnell als Geduldsprobe entpuppt. Die Bilder erweisen sich zudem als meist überraschend hässlich, auch wenn es mal nicht grotesk zugeht. Nach „Tommaso“ darf auch Ferraras weit jüngere Frau Cristina Chiriac erneut herhalten, um zum Gegenstand einer sehr freizügigen Sexszene mit Willem Dafoe zu werden, weshalb man so langsam hier schon eine Art Fetisch befürchten muss. Diesmal erscheint Chiriac zunächst in Begleitung einer älteren Frau, entblößt sich dann ohne Vorwarnung und präsentiert ihren schwangeren Bauch, den Dafoe dann samt ihrer Brüste liebkost, um kurz darauf zärtlichen Sex mit ihr zu haben. Danach ist Chiriac auch schon wieder verschwunden.

Ein derartiges Kommen und Gehen ist der Modus Operandi des Films. Einmal philosophiert ein Magier der dunklen Künste (Simon McBurney) im Gespräch mit Clint vor sich hin, dann begegnet der Protagonist in einer Höhle seinem verstorbenen Vater, der ebenfalls von Dafoe gespielt wird. In dieser Höhle spricht Clint auch mit seinem Spiegelbild, das Ferraras charakteristische Sonnenbrille trägt, ein andermal taumeln verschiedene nackte Menschen durch diese Katakomben. Später dann hat Dafoe recht expliziten Sex mit diversen Frauen, überhaupt bietet „Siberia“ nackte Brüste im Überfluss. Komplett kontextfreie Momente, durch die Clint schreitet, sind auch ein nächtliches Erschießungskommando, mal wird aus der Eislandschaft auch eine Wüste.

Siberia: Clint (Willem Dafoe) in einer Höhle
Siberia: Clint (Willem Dafoe) in einer Höhle © Eurovideo
Oft ist der Film aber auch derart prätentiös, dass er einfach nur noch unfreiwillig komisch erscheint. Wenn Clint von einem „Anhänger der dunklen Künste“ aufgefordert wird, mit dem Arsch zu wackeln, woraufhin auf einem alten Plattenspieler Del Shannons „Runaway“ gespielt wird, Dafoe dazu tanzt und sich schließlich in einer sonnendurchfluteten Traumsequenz wiederfindet, in der er mit Kindern um einen Maibaum tanzt, ist nicht zum letzten Mal ratloses Kopfzerbrechen angesagt. Auch der plötzlich eingestreute Kampf gegen einen ausgestopften Bären zu Beginn kann man eigentlich kaum ohne verwirrtes Schmunzeln betrachten. Höhepunkt ist dann vielleicht ein in einer fremden Sprache redender toter Fisch, der dann auch ganz bedeutungsschwer unmittelbar vor dem Ende erscheint.

Das Problem von „Siberia“ ist schlichtweg, dass er nicht nur zu jeder Zeit so künstlerisch gequält und unsympathisch daherkommt, es fehlt einfach ein klar erkennbarer roter Faden, der aus diesem assoziativen Bilderreigen so etwas wie einen tiefergehenden Kontext entlockt. Der Film wirkt wie ein einziger Egotrip, der ohne jede Rücksicht für sein Publikum konzipiert wurde. Es gelingt Ferrara nicht, diese Figur nahe zu bringen, seiner metaphysischen Vergangenheitsbewältigung eine tiefere Ebene, Bedeutung oder gar eine gewisse Allgemeingültigkeit zu geben. Das ist natürlich nicht zwingend die Aufgabe eines Films, konkret seine Aussage zu verdeutlichen, im Falle von „Siberia“ entsteht durch diese zwanghaft prätentiöse und letztlich völlig banale Machart aber einfach Gleichgültigkeit und Langeweile.

Willem Dafoe in Siberia
Willem Dafoe in Siberia © Eurovideo
Bild
Leider sieht „Siberia“ auf DVD auch alles andere als gut aus. Das nahezu konstant matschige Bild leidet unter geringer Schärfe, gerade in den zahlreichen dunklen Momenten schwächeln auch der Kontrast und die nicht überzeugenden Schwarzwerte. Die latente Grünstichigkeit der Außenaufnahmen sorgen zwar für leichte Unweltlichkeit, schön anzusehen ist das aber nicht.

Ton
Auch in akustischer Hinsicht ist hier jede Meine Luft nach oben. Dialoge ertönen etwas dumpf und leise, bei manchen Musikmomenten wird es dann aber fast schon zu laut. Räumlichkeit kommt keine auf, lediglich der Subwoofer wummert gelegentlich etwas unmotiviert vor sich hin.

Extras
Die DVD bietet leider lediglich den deutschen Trailer und eine Trailershow als Bonusmaterial.
• Trailer (01:42 Min.)
• Trailershow


Fazit:
Mit „Siberia“ hat Abel Ferrara seinen Zenit nicht nur vorerst überschritten, er hat seinen Tiefpunkt erreicht. Bei dieser abstrakten und metaphysischen Selbsttherapie bleibt der Zuschauer völlig auf der Strecke und ratlos sowie genervt zurück. Nicht mal der gewohnt engagierte und immer gerne gesehene Willem Dafoe kann dieses verschwurbelt-prätentiöse Desaster noch retten.


by Florian Hoffmann
Bilder © Eurovideo




Siberia - Trailer