Schattenwelt - DVD

DVD Start: 23.02.2010
FSK: ab 12 - Laufzeit: 91 min

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Inhalt

Valerie hat ihr Leben nicht unter Kontrolle. Gerade wurde ihr das Sorgerecht für ihren kleinen Sohn entzogen, den sie krankenhausreif geprügelt hatte. Als sie erfährt, dass ihre Anwältin für einen anderen Klienten eine Unterkunft sucht, ergreift sie die Chance, ein lebenslanges Trauma zu bewältigen.
Denn dieser andere Klient ist Volker Widmer, ein führendes Mitglied der „zweiten Generation“ der RAF, der nach 22 Jahren Haft aus dem Freiburger Gefängnis entlassen wird. Widmer war an einer missglückten Entführung beteiligt, bei der der Bankpräsident von Seichfeld und einer seiner Angestellten ums Leben kamen. Wer die tödlichen Schüsse damals abgab, haben sowohl Widmer als auch seine an der Aktion beteiligte Lebensgefährtin Marita bis heute geheim gehalten.
Valeries neuer Nachbar will sich eigentlich in die Anonymität zurückziehen, doch sie stellt ihm nach. Nach einiger Zeit erfährt Widmer den Grund dafür: Valerie ist die Tochter des Gärtners von Seichfeld, der bei der verunglückten Entführung vor 22 Jahren ungeplant ums Leben kam. Valerie will wissen, wer damals geschossen hat. Und sie will Vergeltung für diese Tat, die sie als Kind mit ansehen musste. Da Widmer schweigt, startet die junge Frau einen Alleingang. Sie bringt Marita mit vorgehaltener Waffe zum Reden und konfrontiert auch Widmers Sohn Samy, selbst seit seiner Kindheit traumatisiert, mit ihren unbequemen Fragen. Mehr und mehr verliert sie dabei die Kontrolle über sich und bringt ihrerseits Unschuldige in Gefahr.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Salzgeber & Co Medien GmbH
Tonformate:
Deutsch (Dolby 2.0)
Untertitel:
Englisch
Bildformat: 16:9
Bonusmaterial:
Kinotrailer
Interviews
zusätzliche Szenen

Video on demand - Schattenwelt

DVD und Blu-ray | Schattenwelt

DVD
Schattenwelt Schattenwelt
DVD Start:
23.02.2010
FSK: 12 - Laufzeit: 91 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Schattenwelt

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 6/10
Extras: | 4/10
Gesamt: | 7/10


22 Jahre nach seiner Inhaftierung wird Ex-RAF Mitglied Volker Widmer (Ulrich Noethen) aus der Haft entlassen. Er zieht in eine Wohnung, die ihm vermittelt wurde. Bald baut sich ein erster Kontakt zu seiner Nachbarin Valerie (Franziska Petri) auf. Wie viele andere scheint auch sie sich für die Geschichte des ehemaligen Terroristen zu interessieren. Eine Geschichte, die dieser gar nicht mehr erzählen möchte. Doch das allgemeine Interesse ist geweckt. Mit Valerie hat es allerdings mehr auf sich, denn ihr Interesse an einer bisher ungeklärten Tat der Roten Armee Fraktion ist persönlicher Natur…

„Schattenwelt“ erschien nahezu zeitgleich mit dem „Baader Meinhof Komplex“ und stand damit stets im Schatten des Mammutwerks. Dabei wählte Regisseurin Connie Walter einen komplett anderen Weg, um sich dem schwierigen Thema des politischen Terrors der RAF und vor allem dessen Aufarbeitung zu nähern. Bei ihr im Vordergrund steht die Opferperspektive. Daneben schneidet sie auch das Thema Resozialisierung eines langjährigen Häftlings mit politischem Hintergrund an. Hier liegt auch ein brisantes Detail des Films. Während Taten und Figuren in „Schattenwelt“ fiktiv sind, arbeitete am Drehbuch der reale Ex-RAFler Peter-Jürgen Boock mit. Wer jetzt jedoch eine Verharmlosung des roten Terrors vermutet, kennt Boock nicht. Dieser streift bereits seit längerer Zeit durch Talkshows und redet bei Moderatoren wie Anne Will über seine Vergangenheit und Reue. Welche Teile des Drehbuchs er zu verantworten hat, lässt sich so nicht erkennen. In jedem Fall kann er aber stolz sein, an diesem mitgearbeitet zu haben. Denn die Dialoge sind in perfekter Schärfe ausgearbeitet, die Charaktere stimmig bis auf den letzten Schliff. Walter verzichtet zu großen Teilen auf billige Hollywoodtricks um Spannung und Dramatik zu erzeugen. So verzichtet sie größtenteils auch auf Filmmusik. Das macht sich durch und durch bezahlt. Die Gespräche zwischen Widmer und Valerie werden von Noethen und Petri überragend gespielt. Es entsteht zwischen ihnen eine bizarre, interessante Beziehung. Die Kombination von hoher Schauspiel- und Schreibkunst macht aus den Szenen der beiden Darsteller mitreißende, authentische Meisterwerke, die im deutschen Film kaum ebenbürtige Konkurrenz finden. Die Sprache und Reaktionen der Rollen sind, auch bei den Nebendarstellern, ideal abgestimmt und gewähren höchstes Maß an Glaubwürdigkeit. Dass das gewählte Thema viele Parallelen zur Realität aufweißt, verstärkt diesen Effekt. So geht es um eine bis heute ungeklärte Täterfrage, die stark an den Bubackmord der realen RAF 1977 erinnert. Auch finden sich Gemeinsamkeiten mit dem ebenfalls 1977 begangenen Pontomord. Nicht zuletzt dürfte Christian Klar Pate für die Figur des Volker Widmer gestanden haben. Nicht nur, dass Klar ein prominentes Mitglied der Terrororganisation war, er war zudem bei dem Bubackmord beteiligt und wurde 2008 nach langen Diskussionen vorzeitig auf Bewährung aus der Haft gelassen. Alle drei Punkte treffen in fiktiver Abwandlung auch auf den erfundenen Widmer zu. Diese Einzelheiten lassen schon erahnen: Es fällt wesentlich leichter den Film zu verstehen, wenn ein gewisses Vorwissen über die RAF vorhanden ist. Das liegt auch daran, dass zu Gunsten der Glaubwürdigkeit der Dialoge darauf verzichtet wird, den Figuren unnötig viele Zahlen und Fakten in den Mund zu legen. In anderen Filmen erklären sich die Charaktere gerne gegenseitig über ihr Leben auf. In der Realität finden solche detaillierten Gespräche kaum statt – und in „Schattenwelt“ ebenso nicht. Das hat jedoch den Nebeneffekt, dass die Handlung erst etwas laufen muss, bis sich der Zuschauer zu Recht findet. Doch auch bevor dies geschehen ist, wird insbesondere durch das Einleben Widmers eine tiefe Faszination ausgelöst, die in den Fernsehsessel fesselt.
Regisseurin Walter arbeitet aber auch viel mit Symbolen. So ist der gesamte Film in einem Grauton, der fast schon ein Schwarz-Weiß ist, gehalten. Dieser unterstützt die distanzierte, befremdliche Atmosphäre. Die Haupthandlung selbst ist ohnehin ein einziges, großes Symbol mit Aussagekraft, auf das hier aus Spoilergründen nicht näher eingegangen werden soll. Aber auch Freunde kleiner Zeichen kommen auf ihre Kosten. So ist es schon sarkastisch, dass ausgerechnet an dem Ort, an den die RAF mit Widmer einen Mord beging, heute ein riesiges Einkaufsparadies und damit ein Konsumpalast als Ausgeburt des größten Kapitalismus steht.
Aber „Schattenwelt“ hat auch einen Thrillerorientierten Teil. Wer nicht vor Beginn des Films den Klappentext er DVD-Hülle, welcher zuviel verrät, liest, darf sich auf einige Wendungen gefasst machen. In der zweiten Hälfte der Spieldauer rutscht dabei die Inszenierung leider ein wenig ab. Mit dem zunehmenden Spannungsteil nimmt auch der Hang zu Waffen und Gewalt zu. Das hätte der Film aber gar nicht nötig gehabt. Denn mit Zunahme dieser Faktoren sinken die eigentliche Faszination und die hohe Kunst der Authentizität. Auch in diesem Part bleibt „Schattenwelt“ zwar ein guter Film, er verspielt aber die Möglichkeit, zu einem herausragenden Werk der deutschen Filmgeschichte zu werden. Am Ende fehlen der letzte Tiefgang und die letzte, gesellschaftsrelevante Botschaft.

Die DVD bietet eine gute Bildqualität. Die Schärfe stimmt ebenso wie die atmosphärische Farbwahl. Zudem beinhaltet der Film eine sehr gelungene Kameraführung. Der Ton ist dagegen etwas schwächer, stellenweise sind die Dialoge nur schwer zu verstehen und die Lautstärke schwankt grade zu Beginn in aufeinander folgenden Szenen. Gelungen ist der Einsatz von Filmmusik, dessen häufiger Verzicht in vielen Dialogen die Glaubwürdigkeit von Schauspiel und Drehbuch noch hervorhebt.
Die Sonderausstattung des Silberlings liefert zwar kurze, aber interessante Interviews mit Regisseurin und Schauspielern. Außerdem sind Trailer und Outtakes sowie weitere Szenen als Extra enthalten. Angesichts der Schwere des Themas wären weitere Dokumentationen oder Hintergründe, insbesondere mit oder über Boock als Co-Autor des Drehbuchs wünschenswert gewesen. Die DVD wartet darüber hinaus mit einer Funktion auf englische Untertitel auf. Deutsche Untertitel fehlen dagegen leider.

Fazit
Überragende Schauspieler und ausgefeilte Dialoge machen aus „Schattenwelt“ eine gelungene Auseinandersetzung mit der RAF. Durch den Thrillerpart wird leider die Fahrt etwas verlangsamt und viele Chancen werden verspielt.

Hintergrund: Rote Armee Fraktion (RAF)
Die RAF war eine unter mehreren Terrorzellen, die sich aus der Teilradikalisierung der Studentenbewegung in den späten Sechzigern des letzten Jahrhunderts gebildet hat. Sie wird im Wesentlichen in drei Generationen unterteilt: Die erste Generation um 1972 mit Mitgliedern wie Baader oder Meinhof, die insbesondere Anschläge gegen US-Armee und Polizei vorgenommen haben; die zweite Generation um 1977 mit Mitgliedern wie Klar oder Mohnhaupt, die unter anderem die Lufthansamaschine „Landshut“ entführt, sowie Schleyer, Ponto und Buback ermordet hatten; und die dritte Generation, die Ende der Achtziger aktiv und weniger medienwirksam war. 1998 erklärte die RAF in einem Brief die Selbstauflösung.


by Bastian Gabrielli
Bilder © Salzgeber & Co Medien GmbH




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