Salt and Fire - DVD

DVD Start: 16.06.2017
FSK: ab 6 - Laufzeit: 93 min

Salt and Fire DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

SALT AND FIRE erzählt von einer mysteriösen Geiselnahme. Die Leiterin einer wissenschaftlichen Delegation wird mit zwei blinden Jungen in einer gigantischen Salzwüste in Bolivien ausgesetzt. In den Hauptrollen spielen Veronica Ferres, Michael Shannon und Gael Garcia Bernal, für Drehbuch und Regie ist Werner Herzog verantwortlich.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: goodmovies / Camino
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Trailer


DVD und Blu-ray | Salt and Fire

DVD
Salt and Fire Salt and Fire
DVD Start:
16.06.2017
FSK: 6 - Laufzeit: 93 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Salt and Fire

DVD Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 8/10
Ton: | 5/10
Extras: | 2/10
Gesamt: | 6/10


Werner Herzogs Stellenwert für die Filmgeschichte der letzten 40 Jahre lässt sich nur schwer bestreiten. Die Frage, in wie weit er tatsächlich den Deutschen Film bzw. den Neuen Deutschen Film beeinflusst hat, ist hingegen durchaus offener. Denn schon zu Beginn seiner Karriere als Filmemacher zog es ihn weit hinaus, in die unberührten oder abgelegenen Orte der Welt. Schon früh arbeitete er mit ausländischen Darstellern und ließ seine Spielfilme in englischer Sprache vertonen. Salt and Fire SzenenbildWährend sich seine heimischen Kollegen wie Rainer Werner Fassbinder oder Wim Wenders doch zunächst eher Geschehen und Thematiken in Deutschland widmeten, war Herzog schon immer primär ein internationaler Filmemacher. Seine schlussendliche Emigration in die USA hat sich seine Bedeutung für die deutsche Filmlandschaft deutlich geschmälert - sogar so weit, dass ein Dokumentarfilm wie „Lo and Behold“ (oder zu deutsch „Wovon träumt das Internet?“) in Deutschland erst mit starker Verspätung erschien.

Die Suche nach den Grenzen und das Erkunden der äußersten und innersten Gegenden des Menschen stellen allerdings eine Thematik dar, die sich durch Herzogs gesamtes Werk zieht und sowohl seinem fiktiven, als auch dokumentarischen Stoff zutiefst innewohnt.

Blieb er seinem Stil in der Dokumentation über weite Strecken treu, ist im Spielfilmwerk spätestens seit dem Beginn des 21. Jahrhunderts eine merkliche Veränderung wahrzunehmen. Tragen sie zwar noch viele seiner Trademarks, scheinen Stilistik und Thematiken einen Wandel durchgemacht zu haben. Von den überpoetischen Urwald-Fabeln wie „Aguirre - der Zorn Gottes“ oder „Fitzcarraldo“ ist nur noch wenig zu spüren. Herzog bewegte sich dabei auch weiter weg von der Vergangenheit, sodass moderne Werke, wie „Ein führsorglicher Sohn“ oder das Quasi-Remake zu „Bad Lieutenant“ mehr in der Gegenwart der Moderne angesiedelt sind. Während Herzog für sein dokumentarisches Werk weitestgehend positive Kritik einheimsen konnte, wurden viele seiner zeitgenössischen Spielfilme von Presse wie Publikum eher gemischt wahrgenommen. Spätestens bei „Queen of the Desert“ mussten sich selbst hartgesottene Fans geschlagen geben - hier war nicht mehr viel zu holen.

Salt and Fire Szenenbild Trotz der veränderten Stilistik und gespaltener Resonanz, vermag Herzog so immer wieder zu überraschen. „Salt & Fire“ ist dabei keine Ausnahme. Im Gegenteil - vielleicht war Herzog noch nie so weit draußen.

Denn schon ein Blick auf das Cover vermag zu überraschen - für die Wahl unkonventioneller Schauspieler ist Herzog bereits bekannt. Er drehte schließlich fünf Filme mit Klaus Kinski, dem Aushangexzentriker schlecht hin. Auch Nicolas Cage und Christian Bale standen schon für ihn vor der Kamera; mit Michael Shannon würde „Salt & Fire“ bereits das zweite Projekt. Aber, dass die Hauptrolle seines neusten Spielfilms ausgerechnet von Veronica Ferres verkörpert wird, kann nicht als weniger als schockierend gesehen werden. Als Laura Sommerfeld, Delegationsleiterin einer von der UNO gesandten Wissenschaftsexpedition soll sie die Ausbreitung einer Salzwüste in Bolivien untersuchen, um Daten zu sammeln und die Verantwortlichen zur Strecke zu bringen. Ein Unternehmen, dass ein jähes Ende findet, denn sie und ihre Mitstreiter werden von einer scheinbar terroristisch veranlagten Gruppe entführt und auf einem kleinen Anwesen gefangen gehalten. Der Anführer der Gruppe (verkörpert von Michael Shannon) entpuppt sich als CEO des Verbands, der die Umweltkatastrophe zu verantworten hat. Vertuschen will er sie aber nicht, weshalb er Laura und ihren Kollegen kein Haar krümmt. Seine Pläne mit ihr sind gänzlich anderer Natur.

Was klingt, wie ein Geiseldrama, oder ein Politthriller mit Umweltthematik, entzieht sich in Wirklichkeit jeglicher Genrebeschreibung. Angefangen mit dem Schauspiel und der Sprechweise der Charaktere, die erklingt wie ein Vorsprechen in einer unbekannten Sprache ohne Intonation, bis hin zur völligen Teilnahmslosigkeit und Unerklärlichkeit von Figuren, die ihren poetischen Sermon aneinander vorbei sprechen, entsteht von vorneweg ein bizarres Bild. Salt and Fire SzenenbildBesonders in den ersten 30 Minuten, vermittelt „Salt & Fire“ den Eindruck eines Films, der auf einem fremden Planeten spielt. Gedreht und dargestellt von Bewohnern eines wiederum anderen Planeten. Das teils sättigungslose Bild, das in den obskuren Landschaften um die Salzwüsten Boliviens viel in Handkameraoptik eingefangen wurde, porträtiert eine Welt, wie sie sich rational kaum verstehen lässt, und in der klassische Narrative und Figurenkonstellationen keinen Raum haben.

Wer sich ein wenig mit Herzogs Schaffen und seinen durchaus radikalen Statements zur Wahrnehmung der Welt und zur Aufgabe der Kunst auseinandersetzt, wird schnell feststellen, dass Laura Sommerfeld nicht die Protagonistin des Films ist. Sie ist viel mehr Gefäß für den Zuschauer, mit der sich die so obskure Welt, in die Herzog uns wirft, erkundet und erfahren werden soll. Denn genau darum geht es in „Salt & Fire“ : Erfahren. Mag der Film doch sehr distanziert und untypisch wirken, ist es doch einer von Herzogs direktesten Filmen, in dem seine Ansichten und Botschaften konkrete Aussprache finden. Botschaften, die sich nicht vermitteln lassen, indem sie bloß dahergesagt oder von einer Figur gepredigt werden, sondern die vielleicht nur durch ein Mittel - in diesem Fall den Film - richtig durchdringen können. Eine Botschaft, die - wie es im Film heißt - vielleicht nur durch Vögel und Propheten richtig verstanden werden kann.

In „Salt & Fire“ kehrt dabei die Poesie zurück in Herzogs Werk (wenn sie es je verlassen hat) und wird viele Zuschauer fragend zurücklassen. Durch die skurrile Handlung und das bei Zeiten frappierend schlechte oder gestellte Spiel erzeugt der Film mehr einen Traum als eine wirkliche Geschichte. Einen Traum von einer fremden Welt, eine Urkraft der Natur und existentialistischen Fragen über das Verhältnis des Menschen mit der Welt und was darüber hinausgeht. Salt and Fire SzenenbildUntermalt von der Musik Ernst Reijsegers, die den bereits epochalen Landschaftsaufnahmen jegliche menschliche Skala nehmen, kann „Salt & Fire“ nur als eine Experience verstanden werden; ein Eintauchen in Werner Herzogs Wahrnehmung, die aufs Neue ihre Radikalität erblicken lässt.

Dass der Film von vielen Kritikern dabei Spott erntet, ist wenig verwunderlich. Es ist bei weitem nicht Herzogs bester Film. Die verbreitete Distanz bringt eben auch mit sich, dass die Erkundung des Selbst in den äußersten Grenzen hier nicht so gut gelingt, wie es noch bei „Grizzly Man“ oder „Stroszek“ gelang. Man könnte sagen, es ist ein gänzlich empathieloser Film. Was „Salt & Fire“ aber so besonders macht, ist eben die Distanz von allem. Von Konventionen, von Bekanntem, selbst vom Werk Herzogs. Einen Film wie diesen hat man noch nicht gesehen und am Ende wird sich jeder fragen müssen, wohin uns ein Regisseur wie Werner Herzog noch bringen mag. Und das allein stellt schon ein beeindruckendes Alleinstellungsmerkmal dar, das ihm niemand so schnell nachmachen wird.

Die DVD zum Film ist allerdings eine kleine Enttäuschung. Die Armut an Extras (nur Trailer) ist dabei nicht einmal ausschlaggebend, sondern vor allem, dass keine Original-Tonspur vorhanden ist. Nicht nur sollte es zum Standard gehören, auch den Originalton bei der Heimauswertung zu hören zu bekommen, man verpasst dadurch auch Veronica Ferres‘ mehr als akzentstarkes Englisch, das den ganzen Film noch um einiges skurriler macht. Auf ihre Stimme muss man allerdings nicht verzichten, denn auch im deutschen Ton ist sie zu hören.


Fazit:
Definitiv nichts für jedermann, aber ein Film, wie es ihn kein zweites Mal gibt. Als Einstieg ins Werk Herzogs nicht wirklich zu empfehlen; wer jedoch nach den Grenzen des Kinos sucht und das mit Veronica Ferres bestreiten möchte, sollte „Salt & Fire“ definitiv im Gedächtnis behalten.

by Janosch Steinel
Bilder © goodmovies / Camino