Safari - DVD

DVD Start: 10.03.2017
FSK: ab 12 - Laufzeit: 88 min

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Inhalt

Afrika. In den Weiten der Wildnis, dort, wo es Buschböcke, Impalas, Zebras, Gnus und anderes Getier zu Tausenden gibt, machen deutsche und österreichische Jagdtouristen Urlaub. Sie fahren durch den Busch, sie liegen auf der Lauer, sie gehen auf die Pirsch. Dann schießen sie, weinen vor Aufregung und posieren vor ihren erlegten Tieren. Ein Urlaubsfilm über das Töten, ein Film über die menschliche Natur.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: goodmovies / Neue Visionen
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Trailer


DVD und Blu-ray | Safari

DVD
Safari Safari
DVD Start:
10.03.2017
FSK: 12 - Laufzeit: 88 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Safari

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 7/10
Ton: | 6/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 7/10


Der deutsche Film hat es sicherlich nicht leicht. Die Pioniere der 20er Jahre sind schon seit Längerem verstorben und selbst die Größen aus den Zeiten des Neuen Deutschen Films sind entweder tot, sehr alt und / oder in die USA emigriert. Ein Großteil der Filme Herzogs starten (wenn überhaupt) mit starker Verspätung und Wolfgang Petersen, der mit „Das Boot“ 1981 einen der unsterblichen deutschen Klassiker erschuf, kehrte 2016 nach 10 Jahren nur mit einem Remake seines eigenen Films „Vier gegen die Bank“ zurück, dessen Poster mit den fett aufgedruckten Namen Schweiger, Schweighöfer, Herbig und Liefers den meisten schon a priori ein Aneurysma in Golfballgröße zufügte. Safari SzenenbildNur selten tauchen Perlen wie „Toni Erdmann“ auf, um uns zu erinnern, was der deutsche Film noch alles kann.

Es kann also nur jedem anspruchsvolleren Kinogänger, der vielleicht mit den Jungfilmern aus der Hauptstadt nicht viel anfangen kann (auch wenn diese wacker gegen die vollkommene Übernahme von Romantischen Komödien und Fernsehkrimis halten), geraten sein, sich südlich der Grenzen umzusehen. Denn vor allem der österreichische Film bietet einige Filmemacher, die sehr eigene und sehr interessante Werke vorzuweisen haben.

Einer dieser Filmemacher ist Ulrich Seidl.
Begann er bereits in den 80er Jahren seine Karriere als Autor und Regisseur, erlangte er wohl die größte Bekanntheit mit seiner „Paradies“ Trilogie in den Jahren 2012 und 2013. Nachdem seine Produktionsfirma den Horrorfilm „Ich seh Ich seh“ mitproduziert hatte, erschien im Dezember 2016 sein neuster Film: „Safari“.

Wie bei anderen seiner Produktionen, fällt es schwer, de facto eine Handlung darzulegen, denn in seiner semi-dokumentarischen Manier behandelt Seidl wie so oft die äußersten Ränder der österreichischen Gesellschaft, die sich hier sogar bis in den Süden Afrikas ausgebreitet hat. Nach Sextouristen und den besonderen „Tierliebhabern“ behandelt Seidl in „Safari“ nun Großwildjäger in Namibia.

Safari Szenenbild Und es ist kein schönes Bild was sich zeigt. Im typischen Stile Seidls, kommen hier vor allem die Leute zu Wort, die man im konventionellen Fernsehen ausblendet, weil sie „zu hässlich“, „zu alt“ oder augenscheinlich „zu normal“ sind. Sie teilen mit der Jagd auf Wildtiere aber ein ganz und gar außergewöhnliches Hobby.

Die Protagonisten im Film sehen die Jagd auch als genau das an: als ein Hobby, einen Sport. Sie sprechen nicht von töten, sondern von „erlegen“, sie schimpfen auf die Verurteilung als Mörder oder den „blinden Tierschutz“ und der Besitzer der Jagdfarm beschreibt seine Arbeit und seine Leidenschaft mit einer trockenen Selbstverständlichkeit, die für die Kritik wenig Verständnis zeigt. Mit diesen Charakteren zeichnet Seidl eine groteske Szenerie des kultivierten Tötens vor einer durch und durch rohen und naturbelassenen Steppe. Durch die Stilistik mit langen, stillen Einstellungen, die oft Obskures zu zeigen haben, verfremdet sich der Eindruck zusehends und als Zuschauer ist man in gewisser Art befangen in einem ständigen inneren Kampf der Wertung.

Denn manche Erklärungen über die Gefühle, die Rituale solch einer Jagd, sind durchaus nachvollziehbar. Es findet sich fast schon eine Poesie in der Art, wie zum Beispiel das Duo zu Anfang des Films dem erlegten Savannentier Respekt zollt – für ein gutes Spiel. Gedanken, die über Mensch und Umwelt geäußert werden, klingen bisweilen ebenso nachvollziehbar. Gemischt mit Äußerungen wie „Die Schwarzen können deutlich schneller laufen als wir…wenn sie wollen“ oder der blanken Bezeichnung von Namibia als Entwicklungsland, fällt die Geschichte, die sich vor einem abspielt schnell in eine absurde Richtung, die ins Staunen, manchmal auch in die Fassungslosigkeit versetzt und unweigerlich auch zum Schmunzeln anregt.

Ein Schmunzeln das schnell vergeht, sobald die extensiven Sequenzen einer Schlachtung beginnen und unter anderem eine Giraffe, die noch zuvor fast in Slapstick abtransportiert wurde von einem majestätischen und meterhohen Steppentier zu einer entfremdeten Masse wird, die im Schlachthaus zusammensackt.

Safari Szenenbild So wird „Safari“ eine durch und durch faszinierende Reise ins Innere; ein groteskes Portrait des Menschen in seiner hybriden Stellung zwischen Kultur und Natur und durch die angestimmten Waldhorn Melodien, die vor heimischen Nadelwald vorgetragen werden, zeigt Seidl auch eine skurrile Parodie seiner Heimat und deren Werte.

Bild:
Eine Veröffentlichung in HD wurde dem Zuschauer nicht gegönnt. Jetzt darf man die langen, flachen Einstellungen zwar nur auf DVD sehen, dort schauen die aber durchaus passabel aus. Der visuelle Stil ist in jeder Auflösung wirkungsvoll.

Ton:
Es gibt deutschen Stereo und 5.1 Sound, der die facettenreiche Klangkulisse der Steppe adäquat wiedergibt. Wer kein deutsch spricht, oder mit österreichischem Dialekt nicht klarkommt, hat aber leider Pech. Nur deutscher Ton, keine Untertitel.

Extras:
Keine. Ein ganzer Stall an Trailern und ein Inlay im Cover. Sonst Nada. Als Veröffentlichung sehr unspektakulär.


Fazit:
„Ein Urlaubsfilm über das Töten“. Absurd, poetisch, erschütternd. Nur echt aus dem Hause Seidl.

by Janosch Steinel
Bilder © goodmovies / Neue Visionen