Roman Polanski - Arthaus Close-Up - DVD

DVD Start: 15.08.2013
FSK: ab 16 - Laufzeit: 384 min

Roman Polanski - Arthaus Close-Up DVD Cover -> zur DVD Kritik

Preisvergleich

19,99 € jetzt kaufen
alle Preise inkl. MWST

-> alle DVD zum Film

Inhalt

Drei Werke des außergewöhnlichen und sehr erfolgreichen Regisseurs Roman Polanski erscheinen nun in einer Arthaus Close-Up Edition. Enthalten sind das in Rückblenden erzählte Drama „Bitter Moon“, die opulente Bestseller-Verfilmung „Die neun Pforten“ sowie der meisterhaft inszenierte Thriller „Der Ghostwriter“. Alle drei Werke sind hervorragend besetzt, unter anderem mit Emmanuelle Seigner, Kristin Scott Thomas, Lena Olin, Kim Cattrall, Olivia Williams, Hugh Grant, Johnny Depp, Ewan McGregor und Pierce Brosnan.

-> mehr Info zum Film mit Trailer, Cast & Crew

DVD Details

Medienanzahl: 3
Regionalcode: 2
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment
Tonformate:
Deutsch (Stereo DD, 5.1 DD, 6.1 DTS-ES), Englisch (Stereo DD, 5.1 DD)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Audiokommentare; Featurettes; Interviews; Isolierte Musikspur; Making of; Fotogalerien; TV Spots; Trailer; Wendecover

DVD und Blu-ray | Roman Polanski - Arthaus Close-Up

DVD
Roman Polanski - Arthaus Close-Up Roman Polanski - Arthaus Close-Up
DVD Start:
15.08.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 384 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Roman Polanski - Arthaus Close-Up

DVD Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 5/10
Gesamt: | 9/10


Nach großen Regisseuren wie Jean-Luc Godard, Luis Buñuel oder Alfred Hitchcock, reiht sich nun auch Roman Polanski in die Arthaus Close-ups von Studiocanal ein. Drei seiner Filme sollen exemplarisch ein Bild des großen Künstlers wiedergeben, der durch Filme wie „Tanz der Vampire“, „Rosemary´s Baby“ oder „Der Pianist“ längst im Regieolymp angekommen ist. Allerdings befindet sich keiner dieser Klassiker mit in der Box, sondern stattdessen sein vorletzter Film „Der Ghostwriter“ und die beiden von der damaligen Kritik unterbewerteten Filme „Bitter Moon“ und „Die neun Pforten“.

Zu „Bitter Moon“:
Erzählt wird die Geschichte des britischen Ehepaares Nigel (Hugh Grant) und Fiona Dobson (Kristin Scott Thomas), die sich auf einer Kreuzfahrt nach Indien befinden und an Bord des Schiffes die Bekanntschaft mit einer seltsamen Frau machen. Sie heißt Mimi (Emmanuelle Seigner), kommt aus Frankreich und wird von ihrem körperlich behinderten Ehemann Oscar (Peter Coyote) begleitet, der auf einen Rollstuhl angewiesen ist. Nach einem gescheiterten Flirtversuch von Nigel, lässt Mimi diesen alleine an der Bar des Schiffes sitzen, woraufhin dieser enttäuscht einen Spaziergang über das Schiffsdeck macht. Dort begegnet er dem kauzigen Oscar, der ihm seine Lebensgeschichte zu erzählen beginnt. Peinliche Details spart er dabei ebenso wenig aus wie eine dezidierte Selbstkritik, was Nigel das eine oder andere Mal in peinliche Verlegenheit bringt. Die Geschichte, die er zu hören bekommt, beginnt romantisch, wird im weiteren Verlauf jedoch immer seltsamer und endet in einem Ausbruch der Gewalt. Allerdings kommt diese Warnung Oscars für Nigel bereits zu spät: Er hat sich Hals über Kopf in die mysteriöse Mimi verliebt…

Zu „Die neun Pforten“:
Der Buchhändler Dean Corso ist sehr geschickt darin, verloren geglaubte Raritäten ausfindig zu machen und diese zu horrenden Preisen an den Mann zu bringen. Moral spielt hierbei eine untergeordnete Rolle, weshalb sich Dean Corso schon den einen oder anderen Feind gemacht hat. Dennoch hält er an seinem Job fest und bekommt einen höchst interessanten Auftrag: Er soll für den eigenartigen Büchersammler Boris Balkan (Frank Langella) die Echtheit einer Ausgabe des Buches „Die neun Pforten ins Reich der Schatten“ überprüfen. Dazu benötigt er jedoch zwei weitere Ausgaben des ominösen Buches, die sich im Privatbesitz merkwürdiger Zeitgenossen befinden, denen sehr viel an ihrer Ausgabe zu liegen scheint. Außerdem wird Dean überall wo er hingeht von einer mysteriösen Motorradfahrerin (Emmanuelle Seigner) verfolgt, die scheinbar ihre ganz eigenen Absichten in Bezug auf die seltenen Bücher hat. Als Dean die erste Leiche findet, droht ihm die Kontrolle zu entgleiten…

Zu „Der Ghostwriter“:
Als die Leiche vom Biographen des ehemaligen britischen Premierminister Adam Lang unter mysteriösen Umständen tot an einem Strand aufgefunden wird, muss jemand gefunden werden, der die Arbeit an Langs Biographie beendet. Dieser Jemand (Ewan McGregor) ahnt noch nicht, dass auch er bald einer Verschwörung zum Opfer fallen könnte, deren Einfluss bis in die höchsten politischen Kreise reicht und für deren Mitglieder ein Menschenleben nicht das Geringste bedeutet. Er nimmt daher die Arbeit mit freudigem Enthusiasmus und ohne böse Hintergedanken auf. Allerdings merkt er schnell, dass mit dem Tod seines Vorgängers etwas absolut nicht stimmen kann. Doch als er sich dessen bewusst wird, ist es vielleicht schon zu spät. Die Lösung des Rätsels verbirgt sich einzig und allein im Manuskript des Toten...

Es ist etwas schade, dass man mit dem Roman Polanski Close-up nur drei Filme geliefert bekommt, die aus seiner eher späten Schaffensphase stammen und daher nicht unbedingt einen ausreichenden Überblick seines Œuvres verschaffen. Dennoch mindert das nichts an der unabstreitbaren Qualität seiner drei Filme, die im Falle von „Bitter Moon“ oder „Die neun Pforten“ aufgrund von Prüderie und Unverständnis zu ihrer Zeit geradezu schändlich behandelt wurden.

Es gibt eine ganz bestimmte Stimmung, die irgendwo zwischen sarkastischem Humor, düsterer Ernsthaftigkeit, bitterer Melancholie und einer Prise Übernatürlichem oszilliert und sich durch beinahe alle Werke Polanskis zieht. So auch bei den drei vorliegenden Werken. Die enge Verbindung von Humor und Melancholie wird in „Bitter Moon“ am stärksten deutlich, wenn man sich die Figur des Zynikers Oscar anschaut. Obwohl er von seiner Frau dazu verdammt wurde, für immer im Rollstuhl zu sitzen, begegnet er der Vergangenheit mit einer bitteren Ironie und scheinbar ohne Vorwürfe, neigt aber schlussendlich doch zur Gewalt.
„Bitter Moon“ war zu seiner Zeit ein gewagtes filmisches Experiment, da Polanski die sexuelle Neigung des Sadomasochismus mit einer solchen Selbstverständlichkeit behandelte, dass Sittenwächter sofort auf den Plan gerufen wurden. In Zeiten in denen diese sexuelle Spielart längst im Mainstream („Fifty Shades of Grey“) angekommen ist, wird der damalige Aufschrei zwar kaum noch verständlich sein, doch hat er seiner Zeit zu einer Ablehnung seitens der Kritiker geführt, die in keinster Weise gerechtfertigt ist. Denn „Bitter Moon“ ist ein von der ersten bis zur letzten Minute an fesselndes Spiel mit Rollenklischees, Machtverhältnissen und unserer spießig bigotten Gesellschaft, das ebenso intelligent wie betörend ist. 9/10 Punkten.

In „Die neun Pforten“ spielt Polanski ein intelligentes und vor allem amüsantes Spiel mit Okkultismus- und Horrorklischees ohne dabei in eine Parodie abzurutschen. Denn düster und gruselig ist „Die neun Pforten“ schon alleine aufgrund des herausragenden Soundtracks von Wojciech Kilar, der dort weiter macht wo er mit „Bram Stoker´s Dracula“ aufgehört hatte. Mit der nötigen Prise Ironie erzählt Polanski eine packende Geschichte, die lediglich mit ihrem effekthascherischen Finale etwas enttäuscht. Denn der Spannungsaufbau ist eigentlich exzellent und bietet allerhand gruseliger und origineller Einzelszenen (der Rollstuhlmord ist hier besonders hervorzuheben). Johnny Depp harmoniert gut mit Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner, die hier abermals ihre ganz eigene sinistre und zugleich verführerische Ausstrahlung einsetzt, um bleibende Akzente zu setzen. Aufgrund des ungeschickten Endes erreicht der Film leider nicht den Status eines Meisterwerkes, aber sehr gute Unterhaltung bietet er dennoch. 8/10

Die wohl interessanteste, weil ungemein ambivalente Figur im „Ghostwriter“ ist Adam Langs Ehefrau Ruth (Olivia Williams), die das finstere Herzstück des bitterbösen Thrillers bildet und somit eine ähnliche Position einnimmt wie Emmanuelle Seigner in „Die neun Pforten“ und „Bitter Moon“. Doch der eigentliche Hauptakteur des Filmes ist die wunderbar düstere Insel des ehemaligen Premierministers, die eine ganz eigene, beunruhigende Atmosphäre versprüht und geradezu prädestiniert für ein packendes Katz und Maus Spiel ist. Diese Voraussetzung weiß Polanski grandios zu nutzen und inszeniert einen der besten Thriller der letzten Jahre, der neben tollen Darstellern auch eine realistische Geschichte zu bieten hat. So lassen sich allerlei Parallelen zu realen politischen Handlungen der letzten Jahre ausfindig machen, die keineswegs bei der Tatsache enden, dass es sich bei Adam Lang um eine sehr deutliche Tony Blair Karikatur handelt. Überaus gelungen! 9/10

Etwas haben alle drei Filme also gemeinsam: Eine einmalige Atmosphäre, die alleine schon Grund genug wäre, sich die Filme anzuschauen. Aber auch darüber hinaus können Polanskis Werke uneingeschränkt empfohlen werden, da die Drehbücher intelligent, das Schauspiel gekonnt und die Regie ungemein einfallsreich daher kommt. Außerdem beweist die Box, dass Polanski nahezu jedes Genre beherrscht.
Als Einsteigerbox eignet sich das Arthaus Close-Up jedoch eher nicht, da die echten Klassiker ebenso fehlen, wie das Meisterwerk „Der Pianist“. Wer jedoch schon ein wenig Erfahrung mit Polanskis Werk sammeln konnte, ist mit dieser Box sehr gut bedient, da sie zwei Filme beinhaltet, die von der damaligen Kritik missverstanden und falsch behandelt worden sind und daher eine echte (Neu-)Entdeckung darstellen können.

Bild- und Tonqualität der Filme sind sehr gelungen, auch wenn der jüngste Film „Der Ghostwriter“ natürlich sehr viel besser aussieht und klingt als die beiden anderen Werke. Johnny Depps Synchronstimme ist zu Beginn auch ein wenig gewöhnungsbedürftig, aber das ist zu verschmerzen. Zusätzlich haben es auch einige interessante Extras mit auf die Discs geschafft. So gibt es bei den „Neun Pforten“ beispielsweise eine isolierte Tonspur, bei der man sich komplett auf den wunderbar düsteren Soundtrack konzentrieren kann und auf den anderen beiden Discs u.a. einige aufschlussreiche Interviews über „Bitter Moon“ und „Der Ghostwriter“. Allerdings wäre hier sicherlich etwas mehr drin gewesen.

Fazit: Studiocanal bietet mit dem Polanski Arthaus Close-up drei tolle Filme, die jeder Fan des Regisseurs unbedingt mal gesehen haben sollte. Einsteigern empfehle ich jedoch alternativ seine großen Klassiker „Tanz der Vampire“, „Rosemary´s Baby“ und das bewegende Drama „Der Pianist“.

19,99 € jetzt kaufen

by Jonas Hoppe
Bilder © Studiocanal Home Entertainment