Pier Paolo Pasolini - Arthaus Close Up - DVD

DVD Start: 13.02.2014
FSK: ab 16 - Laufzeit: 338 min

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Inhalt

Pier Paolo Pasolini ist als eigenwilliger Provokateur in die Filmgeschichte eingegangen. In seinem polarisierenden Werk setzte er sich radikal und schonungslos mit der Entstehung eines neuen faschistoiden Denkens und dem Verfall gesellschaftlicher Strukturen auseinander und gab Außenseitern, Rebellen und einfachen Menschen eine Stimme.

In dieser Box:
Das 1. Evangelium Matthäus
Mamma Roma
Medea

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DVD Details

Medienanzahl: 3
Regionalcode: 2
Vertrieb: Studiocanal Home Entertainment
Tonformate:
Deutsch, Italienisch (Mono DD)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: diverse
Bonusmaterial:
Biografie Pier Paolo Pasolini; Produktionsnotizen; Starinfo Anna Magnani; Trailer; Wendecover

DVD und Blu-ray | Pier Paolo Pasolini - Arthaus Close Up

DVD
Pier Paolo Pasolini - Arthaus Close Up Pier Paolo Pasolini - Arthaus Close Up
DVD Start:
13.02.2014
FSK: 16 - Laufzeit: 338 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Pier Paolo Pasolini - Arthaus Close Up

DVD Wertung:
Film: | 7/10
Bild: | 6/10
Ton: | 6/10
Extras: | 2/10
Gesamt: | 7/10


Realismus und Mythen - Der Cineast an sich kommt an einigen Regisseuren einfach nicht vorbei. Auch wenn manche Ergüsse zu sehr zeitgebunden oder nicht mehr modern sind, kann man sie nicht ignorieren. Dazu gehört auf jeden Fall der italienische Regisseur Pier Paolo Pasolini. Dessen Name ist nicht nur aufgrund der hervorgerufenen Skandale innerhalb und außerhalb der Filmwelt noch immer geläufig. So sei hier nur seine immer noch mit Geheimnissen umwobene Ermordung erwähnt oder der Eklat den seine Marquis De Sade Verfilmung „Die 120 Tage von Sodom“ posthum auslöste. Auch seine Werke an sich sind und waren prägend und auch seine literarischen und philosophischen Abhandlungen von denen auch viele den Film an sich und die Filmtheorie betreffen, sind immer noch dem Kanon der Filmwissenschaft zuzurechnen. Manchmal zum Leidwesen der Studenten, denn die Schriften sind hoch komplex. Und manchmal doch veraltet, denn Pasolini war bekennender Marxist und so sind alle seine Theorien und Werke immer auch politisch aufgeladen. Wobei gerade zu Beginn seiner Karriere, als er noch dem italienischen Neorealismus eines Luchino Visconti zugehörig war, Film und Theorie eine wirkungsvolle Allianz eingingen. Etwa bei „Mamma Roma“, der als einer von drei Filmen in dieser kleinen Box erhältlich ist.
Der Ton und das Bild bei „Mamma Roma“ sind gut. Neben Trailern gibt es noch eine Biographie von Pasolini und dem Star Anna Magnani in Textform. Letztere agiert hier wieder einmal sehr exaltiert, was ihre Herkunft vom Theater mehr als deutlich macht und manchmal etwas nerven kann. Dennoch ist dieser zweite Film von Pasolini recht stark und noch deutlich vom Neorealismus beeinflusst. Pasolini war ein Vertreter und Gründer des sogenannten poetischen Blicks und hielt die Kamera immer deutlich zurück, um die Menschen in den Vordergrund zu stellen. Künstlerisch wollte er immer so realistisch wie möglich bleiben womit er einen nicht aufzulösenden Widerspruch erschuf. Das war ihm aber bewusst und so setzte er vorzugsweise Laien ein. So spielen hier nicht nur Leute aus dem Volk mit, sondern es geht auch um die Unterprivilegierten wie etwa die Heldin Mamma Roma welche eine Prostituierte ist. So ist sein politisch gefärbtes soziales Bewusstsein hier zwar durchaus zu bemerken, gleicht sich aber filmisch und inhaltlich an.

Wie so oft bei Intellektuellen, welche die Theorie vor die Praxis stellen, kann das auch nach hinten losgehen, da dann die Theorie zum Selbstzweck wird und alles andere erstickt. Der hier enthaltende „Medea“ ist ein gutes Beispiel dafür. Er kann mit dem Opernstar Maria Callas aufwarten und ist insofern ein Clou. Auch hier sind der Ton und das Bild gut, aber die Biografie Pasolinis in den Extras ist deckungsgleich mit dem Special auf der ersten Disk. Die Kamera ist hier erstaunlich statisch und auch sonst herrscht wenig Action vor. Zwar erfüllt das Kameraauge die Intention Pasolinis, aber „Medea“ kann aufgrund des Charakters eines Historienfilms nicht dem Neorealismus zugerechnet werden und so ist es ein sehr störender Ansatz. Oft beobachtet die Kamera nur, und das wenige Tempo welches hier überhaupt entsteht wird vorrangig durch Schnitte und Schwenks hergestellt. Leider sind auch die Figuren recht statisch. „Medea“ bedient sich des Mythos und reflektiert ihn gleichzeitig. Das ist dann oftmals intellektuell verbrämt und dürfte so manche abschrecken, wenngleich einige Aspekte sehr klug und anregend sind. Aber das gehört nicht in einen Film, sondern in einen Essay.

Der dritte Film im Bunde ist die berühmte Bibelverfilmung Pasolinis. Mit dieser überraschte der kritische Geist seine Kritiker und Anhänger. Oft bekam er wegen seiner Filme Ärger mit der Zensur und vor allem auch mit der Kirche, mit der er schonungslos in seiner Kritik umging. So ist es schon erstaunlich genug, dass er sich überhaupt des Themas annahm, aber er war wohl schlicht neugierig. Aufgrund seines politischen Backgrounds hatte er aber keinen richtigen Zugang zu dem biblischen Stoff gefunden und so lies er das „Evangelium nach Matthäus“ sich selber erzählen. Pasolini bearbeitete nicht, sonst ließ den Text fast unbearbeitet (wie später Mel Gibson in „Die Passion Christi“). Auch hier arbeitete Pasolini hauptsächlich mit Laien, welches zugleich den Bibeltext aus dem kirchlichen und liturgischen Kontext herauslöst und dem Volk wiedergibt, und gerade durch die Nicht-Interpretation durch die Kamera bekommen manche Passagen wie etwa die Bergpredigt eine ungeheure Wucht, da so der Text wieder mehr als lebendig wird. Bei Kritikern und der Kirche gilt dieser Film als eine der besten Bibelverfilmungen aller Zeiten. Das wird auch mit einigen Kommentaren Pasolinis in den Produktionsnotizen erwähnt. Das Bild geht nicht sonderlich in die Tiefe und lässt auch manche Konturen etwas verschwimmen, aber der Ton ist gut.

Auch wenn die intellektuelle, politische und theoretische Überfrachtung der Filme alles andere als modern sind und viele abschrecken dürften, so haben doch alle Streifen ihre ganz eigene Kraft. An Pasolini kommt der wahre Cineast nicht vorbei.


by Jons Marek Schiemann
Bilder © Studiocanal Home Entertainment