Nord - DVD

DVD Start: 16.04.2010
FSK: ab 12 - Laufzeit: 75 min

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Inhalt

Jomar raucht, schläft und trinkt ziemlich viel – mit Vorliebe hochprozentigen Alkohol. Seit ein Unfall seine Sportkarriere beendet hat, gibt er sich als Liftwärter in der verschneiten Einöde Norwegens seinem Selbstmitleid hin. Als Jomar erfährt, dass er einen vierjährigen Sohn hoch im Norden haben soll, begibt er sich mit seinem Schneemobil und einem Fünf- Liter-Kanister Alkohol als einzigem Proviant auf eine ebenso kuriose wie poetische Reise. Unterwegs durch atemberaubende Landschaften Richtung Polarkreis begegnen ihm allerhand außergewöhnliche Gestalten. Ein einsames junges Mädchen, ein lebensmüder Greis, ein fröhlicher Panzerfahrer und ein Junge mit originellen Trinkgewohnheiten weisen Jomar den Weg zurück ins Leben.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive AG
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Norwegisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
- Trailer
- Deleted Scenes
- Behind the Scenes

Video on demand - Nord

DVD und Blu-ray | Nord

DVD
Nord Nord
DVD Start:
16.04.2010
FSK: 12 - Laufzeit: 75 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Nord Nord
Blu-ray Start:
25.02.2011
FSK: 12 - Laufzeit: 78 min.

DVD Kritik - Nord

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 7/10
Gesamt: | 8/10


Roadmovies sind eine ganz besondere Art von Genre. Eins, bei dem die Location bereits im Genrenamen verankert ist. Und gleichzeitig trägt es konnotativ noch eine weitere Bedeutungsebene in sich, die scheinbar untrennbar mit dem Genre Roadmovie verankert ist: Freiheit, Ausbrechen aus der Norm, unter Menschen gehen, andere Lebensläufe kennenlernen. Es beinhaltet aber auch die Reise ins eigene Ich, die tatsächliche Reise und die Menschen, die man auf selbiger trifft, werden zur Metapher für die Reise in die eigene Psyche.
Niemand würde ernsthaft einen Film über jemanden drehen, der wirklich „einfach nur“ eine Reise unternimmt. Vielleicht sind auch deshalb Navis bislang ein seltener Gast in Roadmovies.

In diesem Sinne scheint das Roadmovie-Genre vom dramatischen Standpunkt aus auf der einen Seite genotypisch sehr streng zu sein, phänotypisch dann aber wieder sehr offen. Denn: Während die formale Struktur quasi immer vorgegeben ist, ist das, was dem Protagonisten auf der Reise passiert, wen er trifft und warum, wieder ganz offen.

In Nord geht Jomar auf die Reise, ein ehemaliger Profi-Skiläufer, der nach einem Unfall Angst- und Panikattacken hat und meistens depressiv in seiner Ski-Lift-Hütte sitzt, in der er arbeitet. Nachdem eines Tages eben diese Hütte abbrennt, entschließt er sich, seine ehemalige Freundin aufzusuchen, die mit Kind und Kegel und bestem Freund abgehauen ist, nachdem Jomar unrettbar in seine Depression versunken war.
Aufgrund seiner psychischen Eingeschränktheit ist er auf die Nutzung seines Snow-Mobils angewiesen, mit dem er durch die Pampa in Richtung Norden düst, wo seine Ex mit Sohn wohnt.
Auf der Reise dorthin begegnet er verschiedensten Menschen, einem jungen, sehnsüchtigen Mädchen, welches das Pech hat, alleine mit ihrer Oma in der Ödnis zu leben. Ein junger Mann mit Identitätsschwierigkeiten. Ein sehr alter Mann in einem Zelt am Ende seines Lebens...

Das Witzige an Nord ist natürlich, dass es alle Elemente eines Roadmovies hat…aber zu (fast) keinem Zeitpunkt eine Straße auch nur zu sehen ist. So nennt es sich auch ein „anti-depressives Off-Roadmovie“. Das stimmt tatsächlich. Interessant auch die Feuer-Metapher im Laufe des Films: Gerade so, als würde das Schicksal Jomar zwingen, seinen Hintern zu bewegen und alle Brücken (oder Hütten) hinter sich abzubrennen, wird er immer weiter nach Norden getrieben, in Richtung seines Ziels. Saß er vorher jahrelang in dieser Hütte fest wie ein nasser Sack, hat er jetzt kaum Gelegenheit anzuhalten…es sei denn wegen eines akutes Falles von Schneeblindheit.

Der Sinn dahinter ist natürlich altbekannt und darf durchaus als etwas abgegriffen angesehen werden: In den verschiedensten Personen, die Jomar trifft, sieht er sich selbst, dass er doch gar nicht so schlimm ist, dass er Leuten helfen kann. Oder ihnen zumindest einfach zuhören und kennenlernen kann. Dass auch andere Leute fundamentale Probleme haben.
Dies ist, wie gesagt, nicht gerade neu, aber sehr unterhaltsam erzählt. Überhaupt vermeidet der Film jegliche Sentimentalität und wird gerade dadurch eigentlich besonders sympathisch. Den größten Brocken zu tragen hat hier natürlich Anders Baasmo Christiansen als Jomar. Dies tut er mit einem merkwürdig stoischen Humor, obwohl es für ihn eigentlich gar nichts zu lachen gibt. Aber ihm ist es zu verdanken, dass Nord kein bleischwerer, depressiver Brocken wird, der er hätte sein können.

Wie fast jedes Roadmovie dieser Art gefällt sich auch Nord teilweise ein bisschen zu sehr im Ausspielen der skurrilen Charaktere. Doch bleibt alles noch im grünen Bereich, da der Film seine Sache absolut ernst meint und keinen seiner Personen bloßstellt.
Insgesamt ist Nord also ein charmanter Außenseiter-Film geworden. Wahrlich ein „anti-depressives Off-Roadmovie“!

Die Extras auf der DVD sind nett, aber überschaubar. Es gibt ein making of, eine Übersicht über die Charaktere und deleted scenes, die teilweise wesentlich besser sind, als wie man dies von deleted scenes so kennt.
Insgesamt muss man sagen, dass bei Nord ein erfrischender Unterschied zu westeuropäischen und amerikanischen Produktionen deutlich wird, den man aber gar nicht so benennen kann…irgendwie herrscht einfach eine andere Stimmung vor. Und das ist mal sehr schön zu sehen.


by Thomas Böhm
Bilder © Alive AG





DVD Wertung:
Film: | 9/10
Bild: | 7/10
Ton: | 7/10
Extras: | 7/10
Gesamt: | 8/10


Eine Filmperle par exzellence in bester Tradition der unterkühlten nordischen Sachlichkeit bietet dieses tragikomische Roadmovie: Als Eröffnungsfilm des Panorama der Berlinale 2009 wurde die einsame Schneemobil-Odyssee mit dem Fipresci-Preis und dem Europa Cinema Label ausgezeichnet. Zudem errang er auf der Filmkunstmesse Leipzig den Publikumspreis. Der depressive Jomar (Anders Baasmo Christiansen) ist ein ehemaliger Ski-Profi, der einsam und verlassen als Liftwärter eines Ski-Parks arbeitet. Eines Tages erfährt er, dass im Norden sein vKind leben soll, das er noch nie zu Gesicht bekam. Also macht sich Jomar, mit fünf Litern Alkohol im Plastikkanister bewaffnet, auf seinem Schneemobil auf den Weg Richtung Polarkreis. Auf seinem endlos schönen und schrecklichen Trip trifft er die schrägsten Charaktere, wie ein einsames junges Mädchen, das bei seiner Oma darbt, ein lebensmüder Greis, den sein Schlitten nächstens in den zugefrorenen See zieht, einen gut gelaunten Panzerfahrer sowie den allein lebenden Bauernsohn auf dem Traktor, der sehr individuelle Möglichkeiten parat hält, sich mit einem alkoholisierten Tampon in den hochprozentigen Rausch zu schießen. Will und wird der einsame Held und Vater in spe Jomar sein Ziel überhaupt erreichen? Wie auch immer, am Ende seiner reise ist der griesgrämige Jomar irgendwie geheilt und geläutert, die Begegnungen haben einen anders denkenden Menschen aus ihm gemacht. Der trip in den skurrilen Hades wurde zur optimistischeren Einsicht des eigenen Egos.

Für intelligenten und selbstironischen Spaß statt Spaß statt Depressionen in der norwegischen Einöde sorgen gelungene Running Gags, die diesen sorgsam inszenierten Streifen zum Publikumsliebling der Filmfestivals machten. Dieses herrlich frugale Roadmovie ist eine Synthese aus Aki Kaurismäki und Jim Jarmusch. Die Komik liegt insbesondere in der Hauptperson selbst, untermalt von einem atypischen Sccore, nämlich Countryklänge zu eisbedeckten Panoramen) und im stoischen Gesicht des agonialen Protagonisten. Hintergrund: Das Spielfilmdebüt des norwegischen Dokumentarfilmers Rune Denstad Langlo hatte einen realen Hintergrund. Die Idee zum Film entstand als er im jahre 2005, wie der Protagonist, von heftigen Panik-Attacken geplagt wurde. In jener schweren Phase kam er zufällig an einem alten Schilift vorbei, mit dem er schon als kleiner Junge des Öfteren gefahren ist. Damals hatte er sich immer über die komischen Angestellten gewundert, die stets lustlos betrunken und herrlich unmotiviert ihren Dienst versahen. Da ward der stoische Charakter des Jomar geboren. Absoluter Filmtipp, für Freunde des subtilen Humors und isolierter Einsamkeiten.

by Jean Lüdeke



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