Maudie - DVD

DVD Start: 27.02.2018
FSK: ab 12 - Laufzeit: 112 min

Maudie DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Kanada, 1930er Jahre. Everett Lewis (Ethan Hawke) lebt als Hausierer zurückgezogen an der Ostküste. Gegen die Einsamkeit und für etwas Ordnung in seiner kleinen Kate entscheidet er sich, eine Haushälterin zu engagieren. Aber auf seine Annonce meldet sich einzig Maud Dowley (Sally Hawkins). Als Kind an rheumatischer Arthritis erkrankt, ist sie sehr zierlich, humpelt und ihre Hände sind verkrüppelt. Maud hat nur einen Wunsch, weg von der Familie, die ihr nichts zutraut. Und sie will malen. Die ersten Ölfarben bekommt sie von Everett geschenkt. Da hat er längst erkannt, dass Maud als Haushälterin nichts taugt. Statt zu putzen, bemalt sie lieber Stück für Stück das ganze Haus mit farbenfrohen Bildern. Doch trotz alledem, oder gerade deswegen, empfindet Everett mehr und mehr für Maud, auch wenn Liebe und zarte Gefühle bisher in seinem Leben nicht vorkamen.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Eurovideo / NFP
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Deleted Scenes, Lookbook, Audiokommentar von Aisling Walsh in Englisch, Trailer & Teaser
Erstauflage mit Postkarten-Set & Schuber

DVD und Blu-ray | Maudie

DVD
Maudie Maudie
DVD Start:
27.02.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 112 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Maudie Maudie
Blu-ray Start:
27.02.2018
FSK: 12 - Laufzeit: 116 min.

DVD Kritik - Maudie

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 8/10
Extras: | 4/10
Gesamt: | 7/10


Die Natur in knalligen Primärfarben, geschmückt von Tieren und Pflanzen, auch mancher Mensch findet sich hier und da, portraitiert in simplen, aber kraftvoll-abstrahierten Zügen. Das beschreibt die angenehm unprätentiöse Kunst der kanadischen Malerin Maud Lewis, die von 1903 bis 1970 in ihrer Heimatprovinz Nova Scotia ein einfaches Leben geführt hat. Das Biopic „Maudie“ ist ein subtil berührendes Portrait dieser Volkskünstlerin, das zu den vielleicht größten Geheimtipps der letzten Zeit gezählt werden darf. Brillant in der Hauptrolle besetzt, ist hier die fabelhafte Sally Hawkins zu bewundern, die für diese Leistung mindestens genauso viel Anerkennung verdient hat, wie für ihre Oscar-nominierte Darstellung als stumme Reinigungskraft in dem gerade als bester Film gekrönten „The Shape of Water“.

Sally Hawkins in Maudie
Sally Hawkins in Maudie © NFP
„Maudie“, der von der kanadischen Filmemacherin Aisling Walsh sensibel inszeniert wurde, ist aber sicher keine typische Erfolgsgeschichte, dafür ist sein faszinierendes Subjekt einfach zu unkonventionell. Viel mehr beschäftigt sich ihr Film weniger mit Lewis Kunst, sondern setzt die Persönlichkeit selbst in den Mittelpunkt. Genauer gesagt fokussiert sich „Maudie“ auf die steinige, aber letztlich lange anhaltende Beziehung zu dem mürrisch-groben, aber auch im Kern sanften Fischhändler Everett Lewis (Ethan Hawke). Von einer herkömmlichen „Liebesgeschichte“ ist dieser Film aber meilenweit entfernt.

So beginnt der Film in den 30er Jahren, als Maud bei ihrer herrischen Tante Ida (Gabriella Rose) lebt, von der sie allerdings nur wenig Liebe erfährt. Bei einem Besuch ihres Bruders Charles (Zachary Bennett) erfährt sie, dass er ihr geliebtes Elternhaus verkauft hat, das er einst geerbt hat – er hat schlicht als Mann den Vortritt bekommen. Die mittellose und in ihrem Leben dauerhaft von allen Seiten unterdrückte Maud erfährt schließlich zufällig von dem Angebot des in Abgeschiedenheit lebenden Junggesellen Everett, als Hausmädchen arbeiten zu können. Unvermittelt steht sie bei dem wortkargen und grobschlächtigen Mann vor der Tür und stellt sich vor. Sie kriegt den Job, jedoch erfährt sie auch hier nicht nur häusliche Gewalt, sondern auch weiter Unterdrückung, der sie jedoch mit unbeugsamer Stärke, Lebensfreude und schließlich Liebe begegnet.

Ethan Hawke in Maudie
Ethan Hawke in Maudie © NFP
Hawkins kreiert hier eine bemerkenswerte Darstellung, die man schon als echte Transformation bezeichnen kann. Ihre Maud spricht nicht nur sanft und vermeidet oft möglichst Blickkontakt, ihre ganze Körpersprache ist gezeichnet von rheumatoider Arthritis, die ihre Motorik stark einschränkt und ihre Körperhaltung gebeugt erscheinen lässt. Nicht nur ihr Leiden macht sie zum gesellschaftlichen Außenseiter, sondern auch die Tatsache, dass sie vor Jahren ein uneheliches Kind zur Welt gebracht hat, das man ihr schon im Kindbett weggenommen und als tot erklärt hat. Nichts an Hawkins Darstellung wirkt affektiert oder bemüht, sie strahlt eine herausragende Natürlichkeit aus und bewegt zutiefst mit ihrer stillen, aber kraftvoll-berührenden Erscheinung.

In Ethan Hawke findet sie ein unerwartetes Gegenüber, denn nur selten zuvor hat man den sonst so sympathischen und charismatischen Darsteller in einer so in sich gekehrten und brodelnden Performance gesehen. Sein Everett wirkt zu Beginn mit seiner wortkargen und sprunghaft-cholerischen Art wie ein Bilderbuch-Scheusal, so macht es lange den Anschein, als würde er die gutherzige Maud als nichts anderes als ein Stück Vieh betrachten, das für jeden noch so banalen Fehler bestraft werden muss. Dementsprechend klärt er sogar an einer Stelle kaltherzig die Fronten und erklärt, dass in seiner Rangfolge zuerst seine Hunde, dann die Hühner und erst dann Maud kommt. Doch es ist Hawkes komplexer Darstellung zu verdanken, dass sich trotz aller Grausamkeiten hier ein menschliches Wesen unter der Oberfläche verbirgt, dass immer wieder durch subtiles Spiel fast schon berührend zum Vorschein kommt. Man hat das Gefühl, dass der mürrisch vor sich hin murmelnde Everett nicht böse sein will, aber seine aggressiven Impulse schlicht nicht zurückhalten kann und sich selbst ein Stück weit hasst. Er verkörpert hier glaubwürdig eine gepeinigte und missverstandene Seele, die ganz langsam auftaut.

Everett Lewis (Ethan Hawke) und Maudie (Sally Hawkins)
Everett Lewis (Ethan Hawke) und Maudie (Sally Hawkins) © NFP
So kommt es dann schließlich eigentlich aus ganz nüchternen Gründen dazu, dass dieses so ungleiche Paar sich dazu entscheidet, zu heiraten. Zu dem Entschluss kommt man nämlich, als ihre so unkörperliche Beziehung fast scheinbar aus Platzgründen dann doch intimer wird – Everetts Ein-Zimmer-Hütte hat nämlich nur ein Bett. Um die Unkenrufe der Bevölkerung zu vermeiden, die uneheliche Beziehungen verspottet, geht man so diesen Schritt also eher ganz rational ein. Doch natürlich entwickelt sich schließlich doch ganz langsam etwas wie Liebe zwischen den Beiden, was Regisseurin Aisling Walsh in ganz stillen und wunderbar unaufdringlichen Tönen inszeniert.

Schon früh beginnt Maud mit dem Malen von bunten Blumen und Tieren an den Wänden von Everetts kleinem Haus. Was zunächst als reine Verschönerung des Ein-Zimmer-Hauses gedacht ist, lässt Mauds alte Begeisterung für die Malerei aufkeimen. Sie erstellt zahlreiche kleine Postkarten, die Everett ganz eigensinnig verkauft und schließlich für immer größere Aufmerksamkeit sorgen. So stehen bald erste Kamerateams vor der Tür und sogar Richard Nixon sendet eine Anfrage für ein Gemälde, doch auch dieser kleine Ruhm ändert nichts am primitiven Lebensstil ohne fließend Wasser und Strom von Maud und Everett.

„Maudie“ zieht den Zuschauer mit seiner unaufgeregten Art ganz langsam in seinen Bann und weiß mit kleinen Gesten groß zu berühren. Das liegt vor allem an Hawkins bemerkenswerter Darstellung einer Frau, die trotz aller Widrigkeiten immer wieder die Schönheit und positiven Seiten des Lebens in den Mittelpunkt stellte und ihre farbenfrohe Arbeit einfließen ließ. Die dramatisch-pittoresk anzusehende Küstenlandschaft Neufundlands (das für Nova Scotia stellvertretend einstand) akzentuiert das Geschehen dann ebenso wie Michael Timmins stille Musik zu einem emotional erfüllenden Filmjuwel, das tief und ganz unaufdringlich unter die Haut geht.

Maudie (Sally Hawkins)
Maudie (Sally Hawkins) © NFP
Bild
Das Bild der DVD weiß durch Natürlichkeit und präzise Farbgebung zu gefallen. Sowohl Schärfe- als auch Kontrastwerte bewegen sich auf sehr gutem Niveau. Sowohl die dramatische Landschaft Neufundlands, als auch die Kunstwerke von Maud Lewis kommen hier prägnant und wirkungsvoll zur Geltung. Bildfehler finden sich keine.

Ton
Der größtenteils dialoglastige Film überrascht immer wieder durch seine durchaus auch angenehm räumliche Soundgestaltung, die vor allem in Form von Musik zur Geltung kommt, die sich auf die umliegenden Boxen verteilt. Ansonsten sind Klarheit und Verständlichkeit der Stimmen auf hohem Niveau.

Extras
Das Bonusmaterial der DVD ist übersichtlich gehalten und verpasst leider die Gelegenheit, sich noch tiefer mit der realen Geschichte hinter dem Film zu befassen. Auch Infos über den Film selbst findet man keine, dafür liegt jedoch ein interessantes „Lookbook“ vor, das eine Art Konzeptsammlung der Regisseurin darstellt, die vor der Produktion erstellt wurde. Darüber hinaus finden sich noch diverse entfernte Szenen und die obligatorischen Trailer.
Deleted Scenes (11:48 Min.)
Lookbook (10:45 Min.)
Trailer & Teaser (01:33 Min./00:31 Min.)
Programmtipps


Fazit:
„Maudie“ ist ein angenehm unaufdringliches und einfühlsames Biopic, das mit stillen Tönen unter die Haut geht und berührt. Sally Hawkins in der Titelrolle begeistert ebenso mit einer Oscar-würdigen Darstellung wie ihr Gegenpart Ethan Hawke, der hier in der ungewohnten Rolle des zurückhaltenden Scheusals mit tief vergrabenem weichen Kern brilliert.

by Florian Hoffmann
Bilder © Eurovideo / NFP