Lore - DVD

DVD Start: 31.05.2013
FSK: ab 16 - Laufzeit: 109 min

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Inhalt

Süddeutschland, Frühjahr 1945. Als Lores Eltern (Ursina Lardi, Hans-Jochen Wagner), ranghohe Nationalsozialisten, verhaftet werden, bleibt die 15-jährige (Saskia Rosendahl) mit ihren jüngeren Geschwistern (Nele Trebs, Mika Seidel, André Fridl, Nick Holaschke) zurück. Auf sich gestellt, müssen sich die Kinder zur Großmutter durchschlagen, die hoch im Norden lebt.
Der Reise quer durch die Sektoren und unwirtlichen Landschaften Endkriegsdeutschlands, dem Hunger und der Kälte und dem für sie so überraschenden, wie unverständlichen ersten Begehren gegenüber dem jüdischem Flüchtling Thomas (Kai Malina) begegnet Lore mit einem scheinbar unverbrüchlichen Trotz und einem Weltbild, das keine Risse zulassen will.

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: goodmovies / Piffl
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Deutsch (Dolby Digital 2.0)
Untertitel:
Englisch, Französisch
Bildformat: 16:9 / 1,78:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Making of, Kinotrailer, ausführliches Booklet

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DVD und Blu-ray | Lore

DVD
Lore Lore
DVD Start:
31.05.2013
FSK: 16 - Laufzeit: 109 min.

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DVD Kritik - Lore

DVD Wertung:
Film: | 10/10
Bild: | 9/10
Ton: | 7/10
Extras: | 5/10
Gesamt: | 9/10


Reifung eines Weltbildes - Man hätte bei dem Drama „Lore“ etwas vorsichtig sein können. Schließlich kennt man ja schon genügend Dramen aus deutschen Landen die sich des braunen Zeitalters annehmen. Inhaltlich sind sie oft plakativ geworden, waren aber fast immer gelungen. Was man von der Filmsprache her leider nicht gerade sagen kann, da auch in Kinoauswertungen immer das Klischee der TV-Inszenierung zu finden war (selbst bei einem solchen Meisterwerk wie „Der Untergang“, bei dem die letzte Szene gründlich missglückt worden war). So machte es Hoffnung, dass diese deutsche Produktion nicht von einem Deutschen, eventuell künstlerisch missgestaltet durch TV-Erfahrung, gedreht worden ist, sondern von einer australischen Regisseurin. Diese brachte nicht nur die inszenatorische Sensibilität mit, sondern auch eine unverkrampfte Herangehensweise, wie man sie hierzulande Ihresgleichen sucht. So setzt Cate Shortland wenig auf die Schrecknis der Bilder, also die Gräuel des Krieges an sich, und traute sich zum anderen eine Perspektive einzunehmen, die es so bislang nicht m deutschen Film gab. Bilder des Grauens sind hier selten und die Kamera schwelgt nicht in Leichenbergen oder zerstörten Häusern, sondern findet diese Wirkungen eher in der Psyche der Figuren. Und das ist der zweite Aspekt: der ganze Film wird aus den Augen von Kindern und Jugendlichen betrachtet, die unter der Nazipropaganda aufgewachsen sind und demnach an die Ideologie glauben. Vor allem waren sie ihr nah, da die Eltern überzeugte Nazifunktionäre waren und zu Beginn der Geschichte in das Gefängnis müssen, was die eigentliche Handlung erst in Gang setzt. Es ist zwar nicht so selten, dass die Perspektive diejenige von Kindern ist, gerade im deutschen Jugendbuchbereich gibt es da viele, aber da wurde sie hauptsächlich mit pädagogischen Intentionen eingenommen. Aber in einem Film kam es noch nicht vor, dass die Kinder und Jugendlichen der Ideologie anhingen. Hier geht es um den Wandel der Ideologie. Somit ist die Coming-out-of-Age-Geschichte nicht nur die des Erwachsenwerdens, und damit verbunden die Loslösung von den Eltern, sondern auch das Entwachsen aus der Ideologie und die Reifung des Weltbildes. Dabei wird dieses Meisterwerk vor allem auch von der fantastischen Hauptdarstellerin Saskia Rosendahl getragen. Der Zusammenbruch des dritten Reiches wird aus Kindersicht auf der Flucht gezeigt. So sehen und entdecken sie immer mehr, was im Lande geschehen ist und verlassen das Gewohnte, während mit jedem Schritt durch das Land auch das Weltbild bröckelt. Das kann vor allem Saskia Rosendahl eindrucksvoll untermauern. Dieses Schwanken zwischen prägender Erziehung, sexueller Lust und diesbezüglicher Scham, Trauer, Furcht, Liebe und Verantwortung in ein und derselben Mimik ohne jemals zu übertreiben, abgesehen von einer einzigen Szene, die etwas theatralisch ausgefallen ist, ist äußerst bemerkenswert. Interessant ist, dass die Figuren sich sehr oft waschen. Das ist zwar auch inhaltlich eingebettet, aber sie waschen nicht nur den physischen Schmutz ab, sondern auch den psychischen und wollen damit ihre Schuld loswerden. Und gegen Ende steht in einer eindrucksvollen symbolischen Szene die Erkenntnis, dass die Nazis alles, was von der Kultur und Tradition in Deutschland an Wert hatte ausgehöhlt und verdorben worden ist. Die Zivilisation, so wie man sie kannte, gibt es nicht mehr. Aus den Ruinen muss alles neu erstehen. Definitiv ist dieses einer der besten Filme des Jahres.
v Das Bild ist sehr gut und lässt kaum Wünsche offen. Vor allem sind die Farben sehr kräftig und können mit ihrer Sattheit begeistern. Leider ist der Ton stellenweise etwas leise ausgefallen. Als Extras gibt es neben dem obligatorischen Trailer noch ein informatives Booklet über die Erziehungsmethoden der Nazis und ein Making Of. Dieses besteht hauptsächlich aus einem interessanten Interview mit der Regisseurin.

Einer der besten Filme des Jahres. Allein durch Kindersicht wird der Wandel eines Weltbildes thematisiert, wobei es nie aufgesetzt wirkt, sondern behutsam und beeindruckend vonstattengeht. Vor allem Saskia Rosendahl überzeugt darstellerisch und kann den Film mühelos schultern.


by Jons Marek Schiemann
Bilder © goodmovies / Piffl




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