Let me in - DVD

DVD Start: 19.04.2012
FSK: ab 16 - Laufzeit: 116 min

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Inhalt

Der zwölfjährige Owen (Kodi Smit-McPhee) wächst 1983 in einer Kleinstadt in der Bergwelt New Mexicos auf – der perfekte Spiegel der gepeinigten Seele des zierlichen Jungen, der allein mit seiner Mutter in einem tristen Wohnblock lebt. Freunde hat er dort keine und in der Schule wird er von Mitschülern terrorisiert. Doch dann zieht ein Mädchen in seine Nachbarschaft, das genauso einsam und verloren wirkt. Owen schließt Freundschaft mit Abby (Chloë Moretz), die mit ihrem Vater (Richard Jenkins) allein zu leben scheint und sich immer nur nach Sonnenuntergang sehen lässt. Als ein Mord nach dem anderen die kleine Gemeinde erschüttert und eine blutleere Leiche nach der anderen gefunden wird, keimt ein erschütternder Verdacht in Owen...

Us-Version des schwedischen Films "So finster die Nacht" (Låt den rätte komma in).

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Universal Pictures
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Englisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9 / 2,35:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
- Making Of
- Audiokommentar des Regisseurs
- Unveröffentlichte Szenen

DVD und Blu-ray | Let me in

DVD
Let me in Let me in
DVD Start:
19.04.2012
FSK: 16 - Laufzeit: 116 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Let me in Let me in
Blu-ray Start:
19.04.2012
FSK: 16 - Laufzeit: 120 min.

DVD Kritik - Let me in

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 8/10
Ton: | 7/10
Extras: | 6/10
Gesamt: | 8/10


„Lässt du mich rein?“ Nicht allein als Titel, als allumgreifender Schlüssel zum Verständnis des Horrorremakes „Let me in“ fungiert die Motivik des „Hereinbittens“. Der allbekannte Wunsch von einem zweiten eingelassen, ja, vollends akzeptiert zu werden ist es dabei, was sich nach und nach aus dem lauten Gestrüpp der Story filtert und den Film zu einem zeitlos gültigen Bildnis des Menschwerdens zu erheben vermag, wenn die Sehnsucht nach Akzeptanz jeden Menschen grundlegend ausmachen sollte. In enger Szenen- und Dialogtreue zu seiner schwedischen Filmvorlage „So finster die Nacht“ schildert das Remake die Geschichte des Außenseiters Owen, welcher, von Mitschülern schikaniert und von den eigenen Eltern im Stich gelassen, eine bewegend intime, dennoch so unverfälscht unschuldige Beziehung zu dem scheinbar gleichaltrigen Nachbarsmädchen Abby aufbaut, um schließlich nicht nur vor der Brutalität der äußeren Welt, sondern gleichsam vor sich selbst und dem Leid seiner eigenen Existenz gerettet zu werden. So skizziert „Let me in“ in einer überraschend ästhetischen Szenerie skurriler Groteske auf unnachahmlich kunstvolle Weise die stille Vereinigung zweier Menschen, die anders sind als alle anderen und doch genau dasselbe wollen wie Jedermann. Das Resultat ist ein ruhig kontrastives, hier und da treffsicher akzentuiertes Schattenbild basisch menschlicher Bedürfnisse und Ängste in der Grausamkeit einer verwirrend lauten Welt.

Zusammen mit Bewegungsunschärfe und aussetzendem 3 Point Lightening eröffnet der Bruch mit Side- und Head-Space Matt Reeves achronologische Interpretation des schwedischen Orginals als visuell-psychologisch tief wirkungsästhetische Szenerie undurchdringlicher Dunkelheit und unwohler Enge, durchsetzt von dem stets spürbaren Extra mystischer Ruhe. Das hohe Level der Kunst, das „So finster die Nacht“ dem Streifen vorgab, vermag „Let me in“ dabei nicht nur zu wahren, sondern konstant wie kantenlos zu steigern. Allein über Bild und Aufbau führt das Remake den Zuschauer durch seine Handlungsstrukturen hindurch direkt in sein emotionales Herz hinein. So könnte man fast sagen, „Let me in“ würde ähnlich eines Stummfilms auch ohne Worte auskommen und lebe vollends von der Eigenenergie seiner selbsterklärenden, unmissverständlich strukturierten Bilder. Während farblich akzentuierende Lichttechnik gekonnt die Psychologie des Szenenmittelpunkts reflektiert gibt ein durchgängig fließender Wechsel von tonnenschwerem Bass zu federleichten Klavierthemes den Rhythmus des szenischen Herzschlags vor, um im Zuschauer in absoluter Symmetrie zum Filmgeschehen unterschiedlichste Empfindungen zum Leben zu erwecken. Zeitgleich gelingt es „Let me in“ mit stabiler Konstanz sowohl Charakteristik als auch Motivation der Protagonisten subtil, obgleich bestimmend in die Wahrnehmung des Zuschauers hinüber fließen zu lassen. Jedes technische Szenendetail scheint dabei minimalistisch und angenehm flüssig darauf ausgerichtet, die Individuen Abby und Owen bis hin zu der Einheit, die sie schließlich bilden, mit der Seele des Zuschauers zu vernetzen. Neben Point of View Shots sorgt die durch bildblockende Elemente und Kamerastatik extrem begrenzte Perspektivik dafür, dass man sich kaum erwehren kann, durch Owens Augen zu sehen, mit seinen Ohren zu hören und seine Empfindungen zu fühlen. Der umfassende Blick eines Außenstehenden wird dem Publikum dabei beinahe unmöglich, wenn einen schon die Focus-Technik unlösbar eng an den Jungen und dessen Wahrnehmung bindet. Die Konzentration auf das Wesentliche erleichtert „Let me in“ dazu nicht nur mit dem fast schon durchgehenden Verzicht auf Cutaways und Shot-reverse-Shots, auch die Schnitteinleitung durch Voice Overs vermag es, die Aufmerksamkeit des Zuschauers flüssig auf dem Kern zu halten, wenn das Publikum so bedacht feinfühlig von einer Situation in die nächste geführt wird, anstatt jäh aus dem gegenwärtigen Szenario herausgerissen zu werden.

Zwar finden sich vereinzelt actionreiche, genretypische Gewaltszenen im Filmverlauf wieder, dennoch scheint der Schwerpunkt sogar während dieser kein allzu horrorgewöhnlicher zu sein. Neben ungewöhnlich langen Takes stellt die Close Ups Fokussierung von Opfermimik den Darstellungsanspruch des inneren Geschehens auch hier vor den des äußeren, während die Ästhetik des Grotesken, so Andersartigen, zusammen mit dem roten Faden aus dickflüssigem Blut in angenehmer Stetigkeit durch den Szenenverlauf tropft.

So kann „Let me in“ kaum als genretypischer Horrorfilm interpretiert werden. Eher handelt es sich um einen höchst atmosphärischen Kunstfilm mit scharfer Schwerpunktsetzung auf den allzu realen Horror des Erwachsenwerdens, welcher die Grausamkeit der Welt und des Lebens in Bildern physischer Brutalität zurückspiegelt, dabei durch Lichtführung und musikalische Untermalung dennoch einen warmen Schimmer von Hoffnung zu wahren vermag. „Ich bin gar nichts.“ sagt Abby gegen Mitte des Films zu Owen, so ist es genau jenes Gefühl von Unzulänglichkeit und Außenseitertum, vor dem die beiden Protagonisten sich gegenseitig zu retten versuchen.

Genauso genreuntypisch wie sein inhaltlicher Anspruch wirkt dabei die technische Umsetzung des Films. Anklingend in Kamerastatik, winterlich unberührbar ruhiger Szenerie und dem Verzicht auf etwaige tonale Schockeffekte stellt sich neben der Ästhetik der Andersartigkeit die der vollkommenen Stille, zentriert um Abby und Owen und kontrastiv zu der Welt da draußen, als wohl zentralstes Element des Filmes heraus. Der puristische Umgang mit Ton und Action ist es dabei, was die wenigen Schockszenarien von „Let me in“ schließlich umso intensiver erlebbar macht. Andersartigkeit und Groteske spiegeln sich derweilen vor allem in fast schon skurriler Kameraplatzierung, welche dem Zuschauer zuweilen eine ungewohnt surreale Perspektive auf die Situation ermöglicht und die Welt wie man sie kennt nicht zuletzt durch doppelte Bildlichkeit wirkungsästhetisch entfremdet und vollkommen auf den Kopf stellt.

Gerade durch seinen Kunstanspruch dürfte „Let me in“ eine kaum vorstellbare schauspielerische Herausforderung an seine Darsteller gestellt haben. Umso bewunderns- und erwähnenswerter scheint die Leistung der Jungschauspieler Kodi Smit-McPhee („The Road“) und Chloё Grace Moretz ( Greg’s Tagebuch – Von Idioten umzingelt), die den Zuschauer fest und entschlossen an die Hand nehmen, um ihn mit einer für ihr Alter fast schon unglaublichen Unmittelbarkeit in die Tiefen ihres Seelenzustands zu reißen.

Wäre es bei einem derart besonderen Film, der das Besondere selbst so besonders speziell in Szene setzt und neben klarem Bild gleichsam mit reinem Ton punktet, gar niederschmetternd, würde die DVD selbst dem Käufer nicht wenigstens ein paar Hintergrundinfos bieten. So überzeugt „Let me in“ am Ende sogar mit seinen Extras, die den Filmfreund durch Audiokommentar des Regisseurs, Making-Of und unveröffentlichte Szenen durchaus zufrieden stellen können.

All diejenigen, die „So finster die Nacht“ mochten, dürften sich schlussendlich Hals über Kopf in „Let me in“ verlieben. Doch dem nicht genug wird das Remake womöglich sogar diejenigen umzustimmen, die nicht viel für den Orginalfilm übrig hatten. Geschmeidig und elegant wie eine Raubkatze schmeichelt der Film dem Betrachter, sodass der umgeben von einer Atmosphäre aus respektvoller Faszination und schleichend bedrohlicher Angst zunächst atemlos und aus sicherer Entfernung zusieht, bis ihm die Stimmung direkt an den Hals springt und nicht mehr locker lässt, bevor er sich dem fiktiven Augenblick bedingungslos wie willenlos ausliefert.

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by Sima Moussavian
Bilder © Universal Pictures