Le Havre - DVD

DVD Start: 30.03.2012
FSK: ab 0 - Laufzeit: 94 min

Le Havre DVD Cover -> zur DVD Kritik

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Inhalt

Marcel Marx (André Wilms), früher Autor und wohlbekannter Bohemian, hat sich vor längerer Zeit in sein frei gewähltes Exil, die Hafenstadt Le Havre, zurückgezogen. Hier geht er inzwischen der ehrenwerten, aber nicht sonderlich einträglichen Tätigkeit eines Schuhputzers nach. Der Traum vom literarischen Durchbruch ist längst begraben und so führt er ein zufriedenes Leben zwischen Arbeit, Bar und seiner Frau Arletty (Kati Outinen). Doch plötzlich kreuzt das Schicksal seinen Weg in Gestalt eines minderjährigen Flüchtlings (Blondin Miguel) aus Afrika.

Obwohl seine geliebte Frau ernsthaft erkrankt, muss Marcel sich erneut gegen die menschliche Gleichgültigkeit erheben. Seine einzigen Waffen sind sein unerschütterlicher Optimismus und die ungebrochene Solidarität der Mitbewohner seines Quartiers. Mit ihrer Hilfe tritt er gegen den blindwütigen Machtapparat des Staates an, der die Schlinge um den Flüchtlingsjungen immer enger zieht. Es wird Zeit für Marcel, seine Schuhe zu polieren und die Zähne zu zeigen...

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Alive AG / Pandora Film
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Französisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
- Trailershow

DVD und Blu-ray | Le Havre

DVD
Le Havre Le Havre
DVD Start:
30.03.2012
FSK: 0 - Laufzeit: 94 min.

zur DVD Kritik
Blu-ray
Le Havre Le Havre
Blu-ray Start:
30.03.2012
FSK: 0 - Laufzeit: 94 min.

DVD Kritik - Le Havre

DVD Wertung:
Film: | 5/10
Bild: | 7/10
Ton: | 7/10
Extras: | 0/10
Gesamt: | 5/10


Wenn es so etwas wie einen festen Kern von europäischen Autorenfilmern gibt, zählt Aki Kaurismäki definitiv dazu: Seit mehr als drei Jahrzehnten dreht der Finne seine Filme, verwirklicht durchgängig, wonach ihm ist und gefällt dadurch, sich kein bisschen nach dem aktuellen Zeitgeist oder gar dem Massengeschmack zu richten.

Nach dieser langen Zeit des Schaffens kann Kaurismäki auf eine beachtliche Filmographie zurückblicken, obgleich er zwischen zwei Filmen bisweilen einige Jahre verstreichen lässt. Ein kleiner Rückblick: nachdem sein Debütwerk ein kleiner Erfolg beschieden war, zeigte sich Kaurismäkis Charakter bereits mit seinem zweiten Film Calamari Union – anstatt mit einem konventionellen Werk einen sicheren zweiten Erfolg zu konzipieren, brütete der Filmemacher eine obskure, surreale Groteske aus, in der 18 Männer, von denen 17 Frank heißen, eine Reise unternehmen und dabei auf ulkigste Art und Weise nacheinander umkommen. Seine Verbundenheit zum Milieu der kleinen Leute gipfelte in unverblümten, mitunter strengen Sozialdramen (u. a. Das Mädchen aus der Streichholzfabrik), doch auch hier fand der Regisseur trockenen Humor und kleine Hoffnungsschimmer; Elemente, die typisch für die Filme des Finnen sind. Außerdem zeigt sich eine gewisse Sympathie für Genrefilme, deren Muster Kaurismäki mit seinen Standardthemen verbindet, was beispielsweise sein fünftes Werk Ariel deutlich zeigt, der urplötzlich zum lakonischen Gangsterfilm nach amerikanischem Vorbild mutiert. Erwähnenswert ist auch sein 1999 veröffentlichter Film Juha – ein moderner Stummfilm, viele Jahre vor The Artist.

Mit Le Havre erscheint nun der neuste Streich des bescheidenen Filmemachers. Fünf Jahre Pause hatte er sich zuvor gegönnt, bevor er seinen zweiten in Frankreich gedrehten Film realisierte. Man kann bedenkenlos konstatieren, dass sich Kaurismäki auch anno 2011 nicht um etwaige Kritiken schert und seine eigenen Vorstellungen verwirklicht. In diesem Fall ist das Ergebnis leider durchschnittlich ausgefallen.

Le Havre erzählt von einem Schuhputzer, dessen Frau totkrank im Hospital liegt, während der Mann sich plötzlich um einen minderjährigen illegalen Einwanderer kümmert, ihn vor der Polizei versteckt und Pläne schmiedet, in nach London zur Mutter zu schmuggeln.

Die französische Stadt wirkt dabei höchst altmodisch, alles andere als real, was dem Film im Zusammenspiel mit der Musik, den wenigen Schauplätzen und Figuren etwas Verklärendes verleiht. Und genau das ist der Fall: Zwar ist Kaurismäki nach wie vor unangepasst, seine kauzigen Ideen und der raue Charme seiner Werke sind jedoch purer Altersmilde gewichen, wie der Regisseur auch selbst zugibt. So ist Le Havre letztlich ein Märchen geworden, mit einer archetypischen Geschichte und gleich doppelt glücklichem Ende. Die Inszenierung ist derart glatt und schlicht, dass nur die typischen Kaurismäki-Figuren daran erinnern, wer dafür verantwortlich ist. Inhaltlich befasst sich die Geschichte nur oberflächlich mit ihrem Sujet, den illegalen Einwanderern. Weder politisch noch moralisch wird das Thema angeschnitten, es scheint mehr ein rein funktionales Mittel zum Zweck zu sein, fast ein MacGuffin a la Hitchcock.

Folgerichtig ist Le Havre zwar handwerklich routiniert bebildert und ordentlich gespielt, aber wenig ergiebig, eher schon leicht ärgerlich aufgrund der plötzlich auftretenden glücklichen Fügungen und dem Fehlen jeglicher Differenzierung. Somit bietet der Film Kaurismäki-Fans zwar mal wieder eine neue Seite des Regisseurs, gehört jedoch zu dessen schwächeren Filmen.

Die DVD von Pandora Film gefällt mit überdurchschnittlicher Bildqualität und gutem Ton. Von einer Trailershow abgesehen bietet sie leider keine Extras.

by Tom Schünemann
Bilder © Alive AG / Pandora Film