Land des Honigs - DVD

DVD Start: 07.04.2020
FSK: ab 6 - Laufzeit: 86 min

Land des Honigs DVD Cover -> zur DVD Kritik

Preisvergleich

12,99 € jetzt kaufen
alle Preise inkl. MWST

-> alle DVD zum Film

Inhalt

In einem entlegenen mazedonischen Dorf steigt Hatidze, eine etwa 50-jährige Frau, täglich einen Berghang hinauf. Sie macht sich auf den Weg zu ihren zwischen den Felsspalten lebenden Bienenvölkern. Ohne Gesichts- oder Handschutz entnimmt sie sanft die Honigwaben und singt dabei ein uraltes Lied. Zurück auf ihrem Bauernhof kümmert sich Hatidze um ihre handgemachten Bienenkörbe und ihre bettlägerige Mutter. Gelegentlich fährt sie in die Hauptstadt, um ihren Honig und die Körbe zu verkaufen. Eines Tages lässt sich eine Nomadenfamilie auf dem Nachbargrundstück nieder und in Hatidzes beschauliches Bienenkönigreich ziehen schallende Motoren, sieben kreischende Kindern und 150 Kühe ein.
Doch Hatidze freut sich über die neue Gesellschaft und lässt weder sich noch ihre bewährte Imkerei oder ihre Zuneigung zu den Tieren stören. Doch bald trifft Hussein, das Oberhaupt der Familie, Entscheidungen, die Hatidzes Lebensweise für immer zerstören könnten.

-> mehr Info zum Film mit Trailer, Cast & Crew

DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: goodmovies / Neue Visionen
Tonformate:
Türkisch (Dolby Digital 5.1)
Untertitel:
Deutsch, Englisch
Bildformat: 16:9 / 1,85:1 Anamorph Widescreen
Bonusmaterial:
Trailer

Video on demand - Land des Honigs

DVD und Blu-ray | Land des Honigs

DVD
Land des Honigs Land des Honigs
DVD Start:
07.04.2020
FSK: 6 - Laufzeit: 86 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Land des Honigs

DVD Wertung:
Film: | 8/10
Bild: | 7/10
Ton: | 8/10
Extras: | 1/10
Gesamt: | 7/10


„Land des Honigs“ ist etwas gelungen, was bisher noch kein Film geschafft hat: Die mazedonische Produktion wurde sowohl als bester Dokumentarfilm als auch bester internationaler Film bei den Oscars nominiert. Betrachtet man den Film, wird schnell klar, wie es zu diesem Novum kam: Im Cinéma vérité-Stil spielt sich diese Dokumentation über eine traditionelle Bienenzüchterin im ländlichen Norden Mazedoniens wie ein narrativer Spielfilm ab – ganz ohne erzählende Köpfe, erklärenden Kommentar oder Erzähler folgt der Film ganz unaufgeregt und ruhig in bemerkenswert einfachen und intimen Bildern dieser faszinierenden Frau. Ursprünglich als von der Regierung unterstützter Kurzdokumentarfilm über die Region um den Fluss Bregalnica konzipiert, entstand nach der Entdeckung der etwa 50-jährigen Imkerin Hatidže ein ganz neuer Fokus und schließlich viel größerer Film, der sich als einzigartiger Glücksfall erwies.

Wir folgen Hatidže in dieser rauen und unberührten Landschaft an einer schmalen Klippe über einem steilen Abhang entlang zu ihrem Arbeitsplatz: einer Felswand, die einen Bienenstock beherbergt. Ohne Schutzkleidung entnimmt sie ganz behutsam die Bienenwaben, extrahiert sie und gibt die Hälfte wieder zurück. Hatidžes Motto lautet die eine Hälfte für uns, die andere Hälfte für die Bienen. So wahrt sie die feine Balance zwischen Mensch und Natur, denn durch ausreichend Nahrungszufuhr hält sie den Arbeitskreislauf der Bienen konstant in Stand.

Hatidze und die Bienen: eine grandiose Geschichte über das friedliche Zusammenleben von Mensch und Tier.
Hatidze und die Bienen: eine grandiose Geschichte über das friedliche Zusammenleben von Mensch und Tier. © Neue Visionen Filmverleih
Wenn Hatidže sich nicht gerade mit Bienen beschäftigt, kümmert sie sich aufopferungsvoll um ihre 85-jährige Mutter Nazife, die ihre gemeinsame Behausung, eine kleine dunkle Steinhütte in einer winzigen Siedlung, schon seit drei Jahren nicht verlassen hat. Seit vier Jahren ist die alte Frau schon bettlägerig, laboriert an einer schweren Augenkrankheit, Fliegen schwirren um sie herum, ihre Haut ist ganz gräulich. Die Lebensumstände für Hatidže und Nazife könnten kaum ärmlicher und elender sein, dennoch ist ihre Beziehung abgesehen von der ein oder anderen Zankerei zärtlich und einfühlsam.

Auch wenn die Bedingungen ohne fließendes Wasser oder Elektrizität so harsch sind, strahlt Hatidže dennoch Lebensfreude aus. Sie hat eine Bestimmung, die sie am Leben erhält. Durchaus gewieft agiert sie bei einem Ausflug in die Zivilisation der Hauptstadt Skopje, als sie auf einem Markt ihren Honig an den Mann bringen will und sich nebenbei noch ein Haarfärbemittel kauft.

Hatidze führt ein genügsames Leben, die Natur ist ihre Heimstatt. Dies verrät auch ihr kleines und schlicht ausgestattetes Steinhäuschen.
Hatidze führt ein genügsames Leben, die Natur ist ihre Heimstatt. Dies verrät auch ihr kleines und schlicht ausgestattetes Steinhäuschen. © Neue Visionen Filmverleih
Doch diese feine Balance und Routine in Hatidžes Leben wird plötzlich bedroht, als eine türkische Nomadenfamilie um den Patriarchen Hussein nebenan Land besiedelt. Dort sorgt er zunächst mit seiner Viehherde für Aufruhr, mit der er Landwirtschaft betreiben will. Sorgen die sieben Kinder von Hussein durchaus für willkommene Abwechslung und Gesellschaft für Hatidže, bringt Husseins Interesse an der Bienenzucht unerwartete Probleme: Der Landwirt ignoriert Hatidžes Hinweise und zerstört mit seiner eigenen Bienenzucht nach und nach das so überlebenswichtige ökologische Gleichgewicht…

„Land des Honigs“ bietet einen wahrlich außergewöhnlichen Einblick in ärmstes, rurales Leben irgendwo am Rande der Welt. Das Regie-Duo Tamara Kotevska und Ljubomir Stefanov ist hier förmlich auf Gold gestoßen, denn obwohl die reine Beobachtung von Hatidžes Alltag schon faszinierend genug wäre, sorgt der durch Husseins Erscheinen aufkeimende Konflikt für unerwarteten dramaturgischen Zündstoff. Zudem ist den beiden Filmemachern eine erstaunliche Leistung geglückt, da sie es geschafft haben, dass die gefilmten Menschen ganz normal ihrem Alltag nachgehen und die Kamera überhaupt nicht zu bemerken scheinen. Fast schon mag man gar nicht glauben, dass angesichts der so feinen Dramaturgie hier ein Dokumentarfilm zu sehen ist.

Hatidze kümmert sich nicht nur um die Bienen, sondern auch um ihre altersschwache Mutter. Obwohl das Zusammenleben manchmal anstrengend wird, sind die zwei Frauen ein liebe- und respektvolles Team.
Hatidze kümmert sich nicht nur um die Bienen, sondern auch um ihre altersschwache Mutter. Obwohl das Zusammenleben manchmal anstrengend wird, sind die zwei Frauen ein liebe- und respektvolles Team. © Neue Visionen Filmverleih
Kotevska und Stefanov fangen das Leben auf bemerkenswerte Weise direkt, ganz natürlich und ohne Filter ein. Man ist hier mittendrin und erhält ein unschätzbar wertvolles, 86 Minuten geöffnetes Fenster in diese uns so entfernte Welt. Umso erstaunlicher ist es, dass sich an diesem so unerwarteten Ort ein Mikrokosmos der menschlichen Existenz abspielt: Selbst in diesem so abgelegenen Fleck der Erde lässt sich beobachten, wie Kapitalismus den Menschen korrumpiert, wie so zwischenmenschliche Konflikte entstehen und wie die Natur und Biodiversität entweder gepflegt oder ausgebeutet wird.

Damit könnte „Land des Honigs“ thematisch kaum zeitgemäßer sein. Die Botschaft zur Erhaltung der Umwelt könnte nicht deutlicher sein, dennoch ist es vor allem die menschliche Geschichte, die hier so berührt. Hatidžes ausdrucksstarkes Gesicht, das oft in stillen Nahaufnahmen zu sehen ist, sagt so viel mehr aus wie tausend Worte und brennt sich förmlich ins Gedächtnis ein. Diese Existenzen und ihr einfaches Leben berühren, insbesondere die Szenen zwischen Hatidže und Nezife hallen lange nach. Auch wenn der Film an manchen Stellen nahezu unerträglich traurig erscheint, erweist sich „Land des Honig“ als bemerkenswert erfüllender, bereichernder und wahrhaftiger Film, der nicht verpasst werden sollte.

Am Ende des Tages ist Hatidze sicher: der Mensch und die Natur gehören zusammen. Wenn diese Balance gestört wird, werden die Gefahren unberechenbar.
Am Ende des Tages ist Hatidze sicher: der Mensch und die Natur gehören zusammen. Wenn diese Balance gestört wird, werden die Gefahren unberechenbar. © Neue Visionen Filmverleih
Bild
Das digital auf DSLR-Kameras aufgezeichnete Bild ist sicher nicht referenzwürdig, leistet sich aber auch keine wirklichen Fehler. Der natürliche Look des Films kommt auf DVD völlig adäquat zur Geltung. Schärfe- und Detaillevel sind solide, ebenso wie auch Kontraste und Schwarzwerte.

Ton
Überraschend filigran ist der 5.1-Mix des Films: Hier begeistert vor allem die räumliche Mischung, die besonders durch das Umhersurren der Bienen und anderer atmosphärische Geräusche für einen lebendiges Klangbild sorgt. Bei einem Brand wummert auch der Subwoofer mal etwas mit. Ansonsten erweist sich der Klang als weitestgehend klar.

Extras
Leider bietet die DVD abgesehen von dem Trailer keinerlei Bonusmaterial.


Fazit:
„Land des Honigs“ ist ein bemerkenswerter und unschätzbar wertvoller Blick in eine weit entfernte Welt. Der natürlich und intim beobachtete Dokumentarfilm ist respektvolles und berührendes Portrait einer der letzten Wildimkerinnen Europas, aber auch zugleich eine überaus zeitgemäße Analogie auf die gestörte Balance zwischen Mensch und Natur. Ein außergewöhnlicher und lange nachhallender Film.


by Florian Hoffmann
Bilder © goodmovies / Neue Visionen




Land des Honigs - Trailer