Lärm & Wut - DVD

DVD Start: 18.02.2011
FSK: ab 16 - Laufzeit: 90 min

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Inhalt

Der 14-jährige Bruno kommt gerade in sein neues Zuhause: eine Wohnung im 15. Stock eines Betonmonsters, das im Pariser Vorort Seine-Saint-Denis in den kalten Himmel ragt. Seine Mutter, die rund um die Uhr arbeiten muss, sieht er nur in Form von kleinen Notizzetteln. Im zehnten Stock – die Aufzüge sind kaputt – begegnet er dem jungen Jean-Roger, der gerade die Fußmatte seines Nachbarn anzündet. Am nächsten Tag trifft er ihn wieder: sie gehen in dieselbe Klasse. Nachdem die beiden sich anfreunden, lernt Bruno Jean-Rogers Familie kennen: Aggression und Langeweile bestimmen dort den Alltag, während sich der Frust in brutalen Streichen seinen Weg bahnt. Willkommen in der Banlieue!

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DVD Details

Medienanzahl: 1
Regionalcode: 2
Vertrieb: Bildstörung
Tonformate:
Deutsch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Französisch (Dolby Digital 2.0 Mono)
Untertitel:
Deutsch
Bildformat: 1,33:1 (4:3 Vollbild)
Bonusmaterial:
- Interview mit Regisseur Jean-Claude Brisseau (26 Min.)
- Jean-Claude Brisseau kommentiert die wichtigsten Szenen (27 Min.)
- Video-8 Making-of von den Dreharbeiten (Luc Ponette, 1987; 40 Min.)
- Booklet

DVD und Blu-ray | Lärm & Wut

DVD
Lärm & Wut Lärm & Wut
DVD Start:
18.02.2011
FSK: 16 - Laufzeit: 90 min.

zur DVD Kritik

DVD Kritik - Lärm & Wut

DVD Wertung:
Film: | 5/10
Bild: | 8/10
Ton: | 6/10
Extras: | 9/10
Gesamt: | 7/10


Angesichts der mittlerweile zehnten Veröffentlichung des Labels Bildstörung ist es ein wenig müßig, einmal mehr die liebevolle Aufmachung und schöne Gestaltung der Veröffentlichungen zu erwähnen, dennoch muss man den Kölnern einfach Respekt zollen angesichts unzähliger liebloser Releases vieler anderer Verleiher. Wunderbar ist natürlich auch die Auswahl der Titel, die einerseits vorher nur im Ausland erhältlich waren und andererseits eben nicht nur wie bei Epigonen (bspw. Störkanal) auf selbstzweckhafte Kontroversität ausgerichtet sind, sondern einen künstlerischen Anspruch haben. Allerdings ist das Niveau der Werke in einem kleinen Tief. Zwar blieb sich Bildstörung mit den letzten drei Titeln Overlord, Valerie und Arrebato treu, dennoch fehlen die ganz großartigen Titel. Lärm & Wut setzt diesen Trend nun fort.

Interessant ist dabei, wie vielfältig die Einflüsse des Films sind. Regisseur Brisseau verfilmte in erster Linie ein autobiographisch geprägtes Sozialdrama, das in der französischen Filmkultur seit jeher einen hohen Wert hat. Lärm & Wut zeigt den Alltag einiger Jugendlicher eines Banlieues: In der Schule versuchen die Lehrer, gegen die Lustlosigkeit und Aggression der Teenager anzukämpfen, während sich die (arbeitslosen) Eltern nicht um ihre Sprösslinge kümmern (wollen), weil sie viel zu sehr mit sich selbst zu tun haben. So entsteht eine Leere, die die Jugendlichen ausgleichen müssen, wofür es allerdings in den Betonschluchten keine sinnvollen Möglichkeiten gibt. So richten sich die täglichen Aktivitäten auf Kleinkriminalität und groben Unfug für die kleine Erheiterung zwischendurch. Durch den Zusammenschluss zu kleinen Banden schützen sich die Teenager und geben einander einen losen Halt im strukturlosen Alltag. Folgerichtig konzentrieren sich die Bilder auf die Eintönigkeit des Handlungsortes, sind trist und farblich sehr aufeinander abgestimmt, mit viel Grau und Blau. Der Look des Films vermittelt die fade Grundstimmung der Protagonisten recht atmosphärisch, auch die Darsteller spielen sehr authentisch. Dabei schafft es Brisseau, einerseits die Schwermütigkeit zu transportieren, weil die Inszenierung alles andere als unterhaltsam daherkommt, andererseits eben doch szenenweise kurzweilig zu sein. Letzteres ist vor allem ein Ergebnis des gewöhnungsbedürftigen Humors, der immer wieder durchschimmert, allerdings keineswegs Überhand nimmt.

Dennoch ist Lärm & Wut kein überdurchschnittlicher Film geworden, weil die Inszenierung von Brisseau weder Fisch noch Fleisch ist. Die oben beschriebene Ausgestaltung der Szenerie ist gelungen und realistisch, dies wird jedoch durch zwei stilistische Elemente beeinträchtigt, die an den Grundlagen nagen. Klar ersichtlich ist Brisseaus Stilwillen, die eigentlich bodenständige Geschichte zu überhöhen, was er mittels Traum- bzw. Weltfluchtsequenzen umsetzte. Dadurch wird Lärm & Wut zweifelsfrei etwas interpretierbarer und originärer, verliert aber den Kontakt zu seinem Kern, zumal diese Szenen zu artifiziell wirken. Im Widerspruch zu dieser Künstlichkeit steht das Drehbuch, das auf den Effekt setzt, um das Zuschauerinteresse aufrecht zu erhalten. Einige Charaktere sind derart überzeichnet, dass die Ernsthaftigkeit des Films verloren geht – zugunsten des Humors. Dies ergibt einen Zwiespalt, den Brisseau nicht schließen konnte. Vertieft wird dies aber vor allem in den Szenen, in den Vergewaltigungen und Gewalttaten dargestellt werden. Zwar sind diese nicht plakativ gefilmt, dennoch sehr bewusst akzentuiert, sodass sie als offensichtliches effektvolles Mittel wahrgenommen werden und ihre Wirkung verfehlen, ins Gegenteil verkehren. Insbesondere im Finale zeigt sich, dass diese unterschiedlichen Elemente keine harmonische Einheit, sondern eine ungewöhnliche, aber nicht gelungene Melange bilden.

Wie im ersten Absatz bereits angedeutet ist Bildstörung eine in allen Belangen hervorragende Veröffentlichung geglückt. Das Design der Verpackung ist ebenso schön wie das Booklet, das umfangreich und informativ daherkommt. Beim Bonusmaterial darf Regisseur Brisseau zwei Mal zu Wort kommen. Neben dem 25-minütigem Interview gefällt vor allem das zwei Minuten längere Feature, in dem der Regisseur „mit der Fernbedienung in der Hand“ die ersten Minuten seines Films kommentiert. Auch sehr sehenswert ist das Making-of von Luc Ponette, das mit seiner Spielzeit von 40 Minuten einiges zu bieten hat. Technisch kommt die Veröffentlichung von Lärm & Wut ebenfalls sehr positiv daher: das im originalen Kinoformat gehaltene Bild ist gut abgetastet, klar und scharf, der 2.0 Mono-Ton in deutsch und französisch ist zufrieden stellend.

Wer sich für die nächsten Veröffentlichungen des Labels interessiert darf auf jeden Fall gespannt sein, denn zwei weitere Filme sind bereits angekündigt. Mit Leben und Tod einer Pornobande ist leider ein exploitativer Tiefpunkt dabei, dafür ist das drastische Psychodrama Clean, Shaven ein absoluter Pflichtkauf.

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by Tom Schünemann
Bilder © Bildstörung